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Kurs:Kommutative Algebra/Teil II/Vorlesung 32

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Tensorprodukt von Homomorphismen



Lemma  

Es sei R ein kommutativer Ring und seien V1,,Vn,W1,,Wn Moduln über R. Es seien

φi:ViWi

R-Modulhomomorphismen.

Dann gibt es einen wohldefinierte R-Modulhomomorphismus

V1VnW1Wn

mit

ψ(v1vn):=φ1(v1)φn(vn).

Beweis  

Die Gesamtabbildung

V1××Vnφ1××φnW1××WnπW1Wn

ist nach Aufgabe 21.2 multilinear. Dies induziert nach Lemma 31.2 einen Homomorphismus

V1VnW1Wn,v1vnφ(v1)φ(vn).



Es sei R ein kommutativer Ring und seien V1,,Vn,W1,,Wn Moduln über R. Zu R-Modulhomomorphismen

φi:ViWi

heißt der Homomorphismus

V1VnW1Wn,v1vnφ1(v1)φn(vn),

das Tensorprodukt der φi. Es wird mit φ1φn bezeichnet.



Lemma  

Es sei R ein kommutativer Ring und seien V1,,Vn,W1,,Wn Moduln über R. Es seien

φi:ViWi

surjektive R-Modulhomomorphismen.

Dann ist auch der Modulhomomorphismus

φ1φn:V1VnW1Wn

surjektiv.

Beweis  

Dies ist klar, da die zerlegbaren Tensoren w1wn ein R-Modulerzeugendensystem von W1Wn bilden und diese im Bild der Abbildung liegen.

Die folgende Eigenschaft nennt man die Rechtsexaktheit des Tensorproduktes.


Proposition  

Es sei R ein kommutativer Ring und seien U,V,W,M R-Moduln. Dann gelten folgende Aussagen.

  1. Zu einem R-Modulhomomorphismus φ:UV gibt es einen natürlichen R-Modulhomomorphismus φRIdM:URMVRM.
  2. Zu einer exakten Sequenz
    UVW0

    von R-Moduln ist auch

    URMVRMWRM0

    exakt.

Beweis  

(1). Dies folgt aus Lemma 32.1. (2). Die Surjektivität ist ein Spezialfall von Lemma 32.3. Für die Exaktheit an der anderen Stelle müssen wir die Isomorphie

VRM/bild(URM)WRM

nachweisen. Dazu beweisen wir für diesen Restklassenmodul, dass er die universelle Eigenschaft des Tensorprodukts erfüllt. Es sei also

W×MN

eine R-multilineare Abbildung in einen R-Modul N. Somit liegt auch eine eindeutige multilineare Abbildung

ψ:V×MN

und damit eine R-lineare Abbildung

ψ~:VRMN

vor. Wegen

ψ(bildU×M)=0

ist

ψ~(bildURM)=0

und daher gibt es eine eindeutige Faktorisierung

VRM/bild(URM)N.




Ringwechsel

Zu einem R-Modul M und einem Ringhomomorphismus

RR
zwischen kommutativen Ringen nennt man RRM den durch Ringwechsel gewonnenen R-Modul.




Proposition  

Es sei R ein kommutativer Ring, M ein R-Modul und RR ein Ringhomomorphismus. Dann gelten folgende Aussagen.

  1. Das Tensorprodukt RRM ist ein R-Modul.
  2. Es gibt einen kanonischen R-Modulhomomorphismus
    MRRM,v1v.

    Bei  R=R  ist dies ein Isomorphismus.

  3. Zu einem R-Modulhomomorphismus φ:MN ist die induzierte Abbildung
    IdRφ:RRMRRN

    ein R-Modulhomomorphismus.

  4. Zu  M=Rn  ist
    RRRn(R)n.
  5. Zu einem weiteren Ringhomomorphismus RR ist
    RRMRR(RRM)

    (eine Isomorphie von R-Moduln).

Beweis  

(1). Die Multiplikation

R×RR,(r,s)rs,

ist R-bilinear und führt nach Lemma 31.2 zu einer R-linearen Abbildung

RRRR.

Dies induziert nach Proposition 31.3  (2) und nach Proposition 32.4 einen R-Modulhomomorphismus

RR(RRM)(RRR)RMRRM.

Dies ergibt eine wohldefinierte Skalarmultiplikation

R×(RRM)(RRM),

die explizit durch

s(j=1nrjmj)=j=1n(srj)mj

gegeben ist. Aus dieser Beschreibung folgen direkt die Eigenschaften einer Skalarmultiplikation.
(2). Die R-Homomorphie folgt direkt aus der Bilinearität des Tensorprodukts. Bei  R=R  ist die Abbildung surjektiv. Die Skalarmultiplikation R×MM induziert eine R-lineare Abbildung

RRMM.

Die Verknüpfung der kanonischen Abbildung MRRM mit dieser Abbildung ist die Identität auf M, sodass die erste Abbildung auch injektiv ist.
(3) folgt aus der expliziten Beschreibung in (1).
(4) folgt aus Proposition 31.3  (3).
(5). Nach Teil (2) haben wir einerseits eine R-lineare Abbildung MRRM. Dies führt zu einer R-multilinearen Abbildung

R×MR×(RRM)RR(RRM),
die eine R-lineare Abbildung
RRMRR(RRM)

induziert. Andererseits haben wir eine R-lineare Abbildung

RRMRRM.

Rechts steht ein R-Modul, daher kann man die Skalarmultiplikation als eine R-multilineare Abbildung

R×(RRM)RRM

auffassen, die ihrerseits zu einer R-linearen Abbildung

RR(RRM)RRM

führt. Diese beiden Abbildungen sind invers zueinander, was man auf den zerlegbaren Tensoren überprüfen kann. Daran sieht man auch, dass sich die R-Multiplikationen entsprechen.



Es sei R ein kommutativer Ring und M ein R-Modul. Dann gelten folgende Aussagen.

  1. Zu einem multiplikativen System  SR  ist  MSRSRM
  2. Zu einem Ideal  IR  ist  M/IMR/IRM

Beweis

Siehe Aufgabe 32.1.

Das Tensorprodukt von einem injektiven Homomorphismus ist im Allgemeinen nicht wieder injektiv. Insbesondere kann man Proposition 32.4 nicht verbessern.


Es sei  fR  ein Nichtnullteiler in einem kommutativen Ring R, was den injektiven R-Modulhomomorphismus

RR,zfz,

ergibt. Für ein Ideal  𝔞R  ist f im Allgemeinen kein Nichtnullteiler, im Fall  f𝔞  wird sogar f zu 0. Daher ist die mit dem R-Modul R/𝔞 tensorierte Abbildung

R/𝔞R/𝔞,zfz,

im Allgemeinen nicht injektiv.




Lemma  

Es sei R ein kommutativer Ring, M ein R-Modul und S eine kommutative R-Algebra.

Dann gibt es einen natürlichen Isomorphismus

HomS(MRS,S)HomR(M,S)

von S-Moduln.

Beweis  

Eine S-lineare Abbildung

θ:MRSS

induziert über

MMRS,mm1,

eine R-lineare Abbildung von M nach S. Umgekehrt definiert eine R-lineare Abbildung ψ von M nach S eine R-bilineare Abbildung

M×SS,(m,s)sψ(m),

was eine S-lineare Abbildung von MRS nach S festlegt. Diese beiden Zuordnungen sind invers zueinander.



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