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Kurs:Kommutative Algebra/Teil II/Vorlesung 35

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Das Dachprodukt

Unter den multilinearen Abbildungen spielen die alternierenden Abbildungen eine besondere Rolle, das wichtigste Beispiel ist die Determinante. Wir führen hier eine Konstruktion für das sogenannte Dachprodukt durch, dass für die alternierenden Abbildungen eine ähnliche Rolle spielt wie das Tensorprodukt für die multilinearen Abbildungen.


Es sei ein kommutativer Ring, ein - Modul und  .  Wir konstruieren das sogenannte -te Dachprodukt von mit sich selbst, geschrieben . Dazu betrachten wir die Menge aller Symbole der Form

und die zugehörige Menge der . Wir betrachten den freien Modul

das ist die Menge aller (endlichen) Summen

die bilden eine Basis. In betrachten wir den Untermodul , der von den folgenden Elementen erzeugt wird (die man die Standardrelationen des Dachprodukts nennt).

für beliebige  

für beliebige    und  

für    und beliebige  

Dabei ist der Leitgedanke, die Regeln, die für eine alternierende multilineare Abbildung gelten müssen, dadurch zu erzwingen, dass man die obigen Relationen zu macht. Der erste Typ repräsentiert die Additivität in jedem Argument, die zweite die Verträglichkeit mit der skalaren Multiplikation, die dritte die alternierende Eigenschaft.

Man setzt nun

d.h. man bildet den Restklassenmodul von modulo dem Untermodul .

Die Elemente bilden dabei ein Erzeugendensystem von . Die Restklasse von modulo bezeichnen wir mit

Die Standardrelationen werden dann zu den Rechenregeln[1]

und


Es sei ein kommutativer Ring und ein - Modul. Man nennt den (in Konstruktion 35.1 konstruierten) -Modul die -te äußere Potenz (oder das -te Dachprodukt) von . Die Abbildung

nennt man die universelle alternierende Abbildung.



Rechenregeln für das Dachprodukt



Es sei ein kommutativer Ring und ein - Modul. Dann gelten für die äußeren Potenzen folgende Aussagen.

  1. Die Elemente der Form mit    bilden ein Erzeugendensystem von .
  2. Die Abbildung

    ist multilinear und alternierend.

  3. Es ist
  4. Es seien    gegeben und seien

    für  .  Dann ist

(1) folgt direkt aus der Konstruktion.
(2). Es liegt die zusammengesetzte Abbildung

vor, wobei auf und dies auf die Restklasse abgebildet wird. Dabei sichert die Definition des Unterraums , dass jeweils die Eigenschaften einer multilinearen alternierenden Abbildung erfüllt sind.
(3) gilt nach Lemma 21.8 für jede alternierende Abbildung.
(4). Die erste Gleichung gilt nach Lemma 21.6 für jede multilineare Abbildung. Wenn sich in dem Indextupel ein Eintrag wiederholt, so ist    wegen alternierend. Wir müssen also nur noch Tupel betrachten, wo alle Einträge verschieden sind. Diese können nach Umordnen auf die Form    gebracht werden. Bei einem fixierten aufsteigenden Indextupel ist die Summe über alle dazu permutierten Indextupel gleich




Es sei ein kommutativer Ring und ein - Modul. Es seien und Vektoren in , die miteinander in der Beziehung

stehen, wobei eine - Matrix bezeichnet.

Dann gilt in die Beziehung

Mit    ist    und mit der transponierten Matrix    ist  .  Damit sind wir in der Notation von Lemma 35.3  (4) und es gilt

da dann    sein muss. Daher folgt die Aussage aus der Leibniz-Formel für die Determinante.




Die universelle Eigenschaft des Dachproduktes

Die folgende Aussage beschreibt die universelle Eigenschaft des Dachproduktes.


Es sei ein kommutativer Ring, ein - Modul und  .  Es sei

eine alternierende multilineare Abbildung in einen weiteren -Modul .

Dann gibt es einen eindeutig bestimmten Modulhomomorphismus

derart, dass das Diagramm

kommutiert.

Wir verwenden die Notation aus Konstruktion 35.1. Durch die Zuordnung

wird nach Satz 19.11 ein - Modulhomomorphismus

definiert. Da multilinear und alternierend ist, wird unter der Untermodul    auf abgebildet. Nach Satz 19.8 gibt es daher einen -Modulhomomorphismus

die mit verträglich ist.
Die Eindeutigkeit ergibt sich daraus, dass die ein Erzeugendensystem von bilden und diese auf abgebildet werden müssen.


Es bezeichne die Menge aller alternierenden Abbildungen von nach . Diese Menge kann man mit einer natürlichen - Modulstruktur versehen, siehe Aufgabe 21.3.



Es sei ein kommutativer Ring, und seien - Moduln und  

Dann gibt es eine natürliche Isomorphie

Die Abbildung ist einfach die Verknüpfung , wobei die kanonische Abbildung bezeichnet. Die Linearität der Zuordnung ergibt sich aus den linearen Strukturen des Homomorphismenmoduls und des Moduls der alternierenden Abbildungen. Die Bijektivität der Abbildung folgt aus Satz 35.5.



Es sei ein kommutativer Ring, ein - Modul und  

Dann gibt es eine natürliche Isomorphie

Dies ist ein Spezialfall von Lemma 35.6.



Es sei ein kommutativer Ring und ein - Modul und  

Dann gibt es einen kanonischen surjektiven - Modulhomomorphismus

Dies ergibt sich aus der alternierenden Abbildung

gemäß Lemma 31.2  (2). Die Surjektivität beruht darauf, dass das Erzeugendensystem im Bild liegt.



Fußnoten
  1. Es gilt die Klammerungskonvention „Dachprodukt vor Punktrechnung“, d.h. der Ausdruck ist als zu lesen. Es gelten aber ohnehin die Gleichheiten


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