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Kurs:Kommutative Algebra/Teil II/Vorlesung 51

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Graduierungen

Es sei R ein kommutativer Ring und D eine kommutative Gruppe. Eine R-Algebra A heißt D-graduiert, wenn es eine direkte Summenzerlegung

A=dDAd

mit R-Untermoduln Ad derart gibt, dass  RA0  ist und für die Multiplikation auf A die Beziehung

AdAeAd+e

gilt.

Eine einfache Überlegung zeigt, dass  1A0  ist und dass somit A0 eine R-Unteralgebra von A ist. Häufig spricht man einfach von einem D-graduierten Ring A. Statt R kann man stets oder A0 als Grundring wählen.

In einer D-graduierten R-Algebra besitzt jedes Element  aA  eine eindeutige Darstellung

a=dDad mit adAd,

wobei nur endlich viele der ad ungleich 0 sein können. Die ad heißen dabei die homogenen Komponenten von a, die Ad heißen ebenfalls die homogenen Komponenten von A (oder d-ten Stufen) und Elemente  aAd  heißen homogen vom Grad d. Die Gruppe D heißt die graduierende Gruppe. Der Fall  Ad=0  ist erlaubt.

Durch eine Graduierung wird die Multiplikation auf einer Algebra A übersichtlicher strukturiert. Man muss lediglich für homogene Elemente aAd und bAe die Produkte  abAd+e  kennen, dadurch ist schon die gesamte Multiplikation distributiv festgelegt.



Es sei R ein kommutativer Ring und R[X1,,Xn] der Polynomring in n Variablen über R. Dieser ist in naheliegender Weise -graduiert. Man definiert für ein Monom X1k1X2k2Xnkn den Grad durch k1+k2++kn und setzt Ad als den R-Modul aller Polynome an, die R-Linearkombinationen von Monomen von Grad d sind. Bei der Multiplikation von zwei Monomen verhält sich der Grad offensichtlich additiv, sodass dadurch eine graduierte R-Algebra entsteht. Es ist  A0=R  und  An=0  für negativen Grad n. Diese Graduierung heißt auch die Standardgraduierung auf dem Polynomring.



Es sei R ein kommutativer Ring und R[X1,,Xn] der Polynomring in n Variablen über R. Die additive Gruppe des Polynomrings ist einfach

νnRXν.

Daher ist der Polynomring n-graduiert, wobei die  ν=(ν1,,νn)- te Stufe einfach aus allen R-Vielfachen des Monoms

Xν=X1ν1Xnνn
besteht. Die Stufen zu

 νn  sind also isomorph zu R, die anderen Stufen, bei denen mindestens eine Komponente negativ ist, sind 0. Diese Graduierung nennt man die feine Graduierung des Polynomringes.




Es sei K ein Körper,  aK  und  n.  Dann besitzt die Restklassenalgebra  A=K[X]/(Xna)  eine Graduierung mit der graduierenden Gruppe  D=/(n),  und zwar setzt man (wobei x die Restklasse von X sei)

Ad={λxdλK}.

Jedes Element  fA  kann man durch ein Polynom repräsentieren, das maximal den Grad n1 besitzt. Daher besitzt jedes f eine Summendarstellung mit Summanden aus den Ad. Diese Summenzerlegung ist direkt, da man mit der einzigen gegebenen Gleichung  Xn=a  nicht weiter reduzieren kann. Die Multiplikationseigenschaft folgt aus  λxdμxe=λμxd+e,  und dies ist gleich λμaxd+en, falls  d+en  ist, und andernfalls gleich λμxd+e. So oder so ist es ein Element aus Ad+e.



Ein kommutativer -graduierter Ring R heißt standard-graduiert, wenn er als R0-Algebra von der ersten Stufe R1 endlich erzeugt wird.


Es sei  R=dRd  ein kommutativer -graduierter Ring. Ein R-Modul M mit einer direkten Summenzerlegung

M=dMd,

wobei die Md Moduln über R0 sind und wobei die Skalarmultiplikation die Eigenschaft

RdMeMd+e

für alle  d,e  erfüllt, heißt -graduierter Modul über R.

Dabei heißt Md die d-te Stufe des Moduls. Wenn  Rd=0  bzw.  Md=0  für negative d ist, so spricht man von -graduierten Ringen bzw. Moduln. Wenn

R0=K

ein Körper ist, so sind sämtliche Stufen Md Vektorräume über K. Ein -graduierter Ring R ist ein graduierter Modul über sich selbst. Ebenso ist jedes homogene Ideal (also ein von homogenen Elementen erzeugtes Ideal)  IR  ein graduierter Untermodul und

R/I=dRd/Id

ist ein graduierter Restklassenmodul.


Es sei  R=dRd  ein kommutativer -graduierter Ring und seien  M=dMd  und  N=dNd  graduierte Moduln über R. Ein R-Modulhomomorphismus

φ:MN

heißt homogen, wenn  φ(Md)Nd  für alle  d  gilt.

Manchmal nennt man die vorstehenden Homomorphismen auch graduierte Homomorphismen vom Grad 0 und nennt auch solche Homomorphismen homogen, bei denen der Grad um eine bestimmte Zahl verschoben wird. Solche Verschiebungen kann man aber auch durch Verschiebungen in der Graduierung beschreiben.


Es sei  R=dRd  ein kommutativer graduierter Ring und  M=dMd  ein -graduierter Modul über R. Zu  n  versteht man unter M(n) den gleichen, aber mit der Graduierung

(M(n))d:=Mn+d

versehenen Modul. Man nennt ihn den um den Grad n verschobenen Modul.

Speziell spielen die R(n) eine wichtige Rolle. Wenn  vM  ein homogenes Element vom Grad d eines graduierten R-Moduls ist, so gehört dazu der homogene Modulhomomorphismus

R(d)M,1v.



Es sei  R=dRd  ein kommutativer -graduierter Ring und  M=dMd  ein -graduierter Modul über R.

Wenn M ein endlich erzeugter R-Modul ist, so wird er auch von endlich vielen homogenen Elementen erzeugt und es gibt einen surjektiven homogenen Modulhomomorphismus der Form

i=1kR(di)M.

Beweis

Siehe Aufgabe 51.1.


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