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Kurs:Kommutative Algebra/Teil II/Vorlesung 52

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Die Hilbertfunktion

Es sei R ein standard-graduierter Ring über einem Körper  R0=K.  Es sei M ein -graduierter Modul über R mit der Eigenschaft, dass die homogenen Stufen Mn endlichdimensionale K-Vektorräume sind. Dann nennt man die Funktion

HM:,ndimK(Mn),

die Hilbertfunktion zu M.


Es sei  R=K[X1,,Xm]  der Polynomring in m Variablen über einem Körper K. Dann gibt es nach Aufgabe 2.3 genau (n+m1m1) Monome vom Grad n. Dies ist somit die K-Vektorraumdimension der n-ten Stufe des standard-graduierten Polynomringes. Die Hilbertfunktion des graduierten R-Moduls R ist also

HR(n)=(n+m1m1)=(n+m1)(n+1)(m1)!=1(m1)!nm1+m2(m2)!nm2+ kleinere Terme.

Insbesondere ist die Hilbertfunktion ein Polynom mit Koeffizienten aus , das aber an jeder natürlichen Stelle eine natürliche Zahl als Wert besitzt.


In einer Variablen ist HR konstant =1, in zwei Variablen ist  HR(n)=n+1,  in drei Variablen ist  HR(n)=(n+2)(n+1)2=12n2+32n+1,  in vier Variablen ist  HR(n)=(n+3)(n+2)(n+1)6=16n3+n2+116n+1



Lemma  

Es sei R ein standard-graduierter Ring über einem Körper  R0=K  und sei M ein endlich erzeugter -graduierter Modul über R.

Dann sind die homogenen Stufen Mn endlichdimensionale K-Vektorräume.

Beweis  

Zunächst ist R ein Restklassenring eines standard-graduierten Polynomringes und somit sind die homogenen Stufen von R nach Beispiel 52.2 endlichdimensional. Nach Lemma 51.10 gilt dies auch für die Stufen des Moduls.



Eine Funktion f: heißt von polynomialen Typ, wenn es ein Polynom  P[X]  und ein  n0  mit  f(n)=P(n)  für alle  nn0  gibt.



Lemma  

Es sei R ein standard-graduierter Ring über einem Körper  R0=K  und sei M ein endlich erzeugter graduierter R-Modul.

Dann ist die Hilbertfunktion HM von polynomialem Typ.

Beweis  

Zunächst sind nach Lemma 52.3 die Stufen Md endlichdimensional, sodass die Hilbertfunktion wohldefiniert ist. Nach Voraussetzung ist das irrelevante Ideal  R+=d1Rd  endlich erzeugt, und zwar wird es von Elementen aus R1 erzeugt. Wir führen Induktion über die Erzeugendenanzahl r dieses Ideals. Bei  r=0  ist  R=R0=K  ein Körper und M ist als ganzes ein endlichdimensionaler Vektorraum. Deshalb sind alle Stufen Md zu hinreichend großen d gleich 0. Zum Induktionsschluss sei  R+=(f1,,fr)  und M ein endlicher erzeugter graduierter R-Modul. Der Restklassenring  S=R/(fr)  ist ebenfalls standard-graduiert und sein irrelevantes Ideal besitzt einen Erzeuger weniger, auf ihn können wir also die Induktionsvoraussetzung anwenden. Der Restklassenmodul  N=M/(fr)M  ist (ein graduierter R- und damit auch) ein graduierter S-Modul. Folglich gibt es ein Polynom

Q[X]

mit  HN(d)=Q(d)  für d hinreichend groß. Es liegt eine exakte Sequenz

0L={mMfrm=0}MfrM(1)(M/frM)(1)0

von graduierten endlich erzeugten R-Moduln vor. Dabei ist der Modul links ebenfalls ein S-Modul, und somit gibt es nach Induktionsvoraussetzung ein weiteres Polynom  T[X]  mit  HL(d)=T(d)  für d hinreichend groß. Da sich die Vektorraumdimensionen für exakte Komplexe von K-Vektorräumen additiv verhalten, gilt

HM(d+1)HM(d)=HN(d)HL(d)=Q(d)T(d)

für d hinreichend groß. Ab einem gewissen d0 verhält sich also der Zuwachs von HM(d) polynomial und daher ist nach Lemma 52.9 die Funktion HM(d) selbst polynomial.



Lemma  

Es sei  FP=K[X1,,Xm]  ein homogenes Polynom 0 vom Grad d.

Dann ist die Hilbertfunktion von  R=K[X1,,Xm]/(F)  gleich (die zweite Gleichung gilt für nd)

HR(n)=HP(n)HP(nd)=d(m2)!nm2+ kleinere Terme.

Beweis  

Es liegt eine kurze exakte Sequenz von graduierten P-Moduln

0P(d)FPR0

und damit auch für jede Stufe eine kurze exakte Sequenz von endlichdimensionalen K-Vektorräumen

0PndFPnRn0

vor. Daher gilt

HR(n)=HP(n)HP(nd).

Nach Beispiel 52.2 ist

HP(n)=(n+m1m1)

für  n0.  Somit ist für  nd 

HR(n)=HP(n)HP(nd)=(n+m1m1)(nd+m1m1)=(n+m1)(n+1)(m1)!(nd+m1)(nd+1)(m1)!=1(m1)!(m(m1)2+(m1)dm(m1)2)nm2+ kleinere Terme=d(m2)!nm2+ kleinere Terme.


Aufgrund von Lemma 52.5 ist die folgende Definition sinnvoll.


Es sei R ein standard-graduierter Ring über einem Körper  R0=K  und sei M ein endlicher erzeugter -graduierter Modul über R. Dann nennt man das eindeutig bestimmte Polynom

PM[X]

mit  HM(n)=PM(n)  für  n0  das Hilbertpolynom zu M.



Lemma  

Es sei  P[X]  ein ganzwertiges Polynom vom Grad d mit dem Leitkoeffizienten αd.

Dann ist d!αd ganzzahlig.

Beweis  

Dies folgt unmittelbar aus Fakt *****.



Lemma  

Sei f: eine Funktion. Dann sind die folgenden Aussagen äquivalent:

  1. f ist von polynomialen Typ.
  2. Die Differenzfunktion Δf ist von polynomialen Typ.
  3. Es gibt eine Iteration Δn des Differenzoperators derart, dass Δnf letztlich konstant ist.

Beweis  



Es sei R ein standard-graduierter Ring über einem Körper  R0=K  und sei M ein endlicher erzeugter -graduierter Modul über R. Das Hilbertpolynom zu M habe die Form

PM(d)=αmdm++α1d+α0

mit  αm0.  Dann nennt man

e(M):=m!αm

die Multiplizität von M.

Wenn das Hilbertpolynom das Nullpolynom ist, so betrachtet man idimK(Mi) als die Multiplizität. Diesen Ausnahmefall kann man umschiffen, wenn man das kumulative Hilbertpolynom betrachtet, siehe die Aufgaben.



Satz  

Die Multiplizität des Polynomringes über einem Körper

ist 1.

Beweis  

Nach Beispiel 52.2 ist das Hilbertpolynom eines Polynomringes in m Variablen gleich 1(m1)!nm1+m2(m2)!nm2+ kleinere Terme. Multiplikation des Leitkoeffizienten mit der Fakultät des Grades ergibt 1.



Satz  

Es sei  FP=K[X1,,Xm]  ein homogenes Polynom 0 vom Grad d.

Dann ist die Multiplizität von  R=K[X1,,Xm]/(F)  gleich d.

Beweis  

Dies folgt aus der expliziten Berechnung in Lemma 52.6.



Satz  

Es sei R ein standard-graduierter Ring über einem Körper  R0=K  und sei M ein endlicher erzeugter -graduierter Modul über R.

Dann ist die Multiplizität von M eine natürliche Zahl.

Beweis  

Diese Eigenschaft gilt nach Lemma 52.8 für jede Funktion von polynomialen Typ.


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