Kurs:Krieg und Propaganda: bis zum 1. Weltkrieg/Hugo von Hofmannsthals propagandistische Tätigkeit im KPQ

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Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal (genannt Hugo von Hofmannsthal; * 1. Februar 1874 in Wien; † 15. Juli 1929 in Rodaun bei Wien) war ein österreichischer Schriftsteller, Lyriker und Librettist. Während seiner schriftstellerischen Tätigkeit Anfang des 20. Jahrhunderts verfasste er propagandistische Texte u.a. als Mitglied des Kriegspressequartiers.

Hofmannsthal Schaffen zur Zeit des ersten Weltkriegs[Bearbeiten]

Hugo von Hofmannsthal

Zum Kriegsbeginn am 28. Juli 1914 war Hugo von Hofmannsthal 40 Jahre alt, verheiratet und bereits gesundheitlich angeschlagen. Seinen ersten Einsatz hatte er als Landsturmoffizier in Pisino (Istrien). Doch bereits nach kürzester Zeit wurde Hofmannsthal beurlaubt für kulturpolitische Aufgaben im Kriegsfürsorgeamt des Innenministeriums.[1] Hier beginnt der Schriftsteller erstmals kriegspropagandistische Texte mit stark nationaler Gesinnung zu verfassen und diese in der Neuen Freien Presse zu veröffentlichen. In dieser Zeit entstanden u.a. die Werke: Die Bejahung Oesterreichs den Augenblick (1914) Aufbauen, nicht einreißen (1915), Wir Österreicher und Deutschen (1915), deren Inhalte eine stark propagandistische und nationale Ausrichtung aufweisen.[2] Bereits 1915 beendet Hofmannsthal seine Tätigkeit im Kriegsfürsorgeamt und wird freigestellt für “gewisse Missionen” in okkupierten Gebieten. Im selben Jahr tritt Hofmannstahl eine Dienstreise nach Polen an, während der die Werke Unsere Militärverwaltung in Polen, sowie der Geist der Karpathen entstehen. Im Anschluss daran reist der Schriftsteller nach Alt-Aussee, Berlin, Belgien und Essen. Zu Beginn des Jahres 1916 hält Hofmannsthal einleitende Worte zu einer Filmvorführung über die Isonzoschlacht und die Verteidigung Tirols in der Singakademie Berlin, welche wiederum seine stark national geprägte Meinung reflektieren. 1917 erscheint Hugo von Hofmannsthal’s Gedicht Preuße und Österreicher[3] in der Vossischen Zeitung, in der der Schriftsteller die allgemeinen und individuellen Unterschiede von Preußen und Österreichern illustriert. Dieses Gedicht kann als eines von vielen Paradebeispielen von Hofmannsthals propagandistischer Tätigkeit zur Zeit des ersten Weltkriegs angesehen werden. Der Sinn hinter diesem Schema war die Verdeutlichung, dass sich Österreicher und Preußen auf ideale Art und Weise ergänzen. Das was die Österreicher nicht haben, wie etwa Genauigkeit, haben die Preußen und umgekehrt.[4]

Beschreibung Werke/Literatur[Bearbeiten]

1874 ist Hugo von Hoffmansthal in Wien geboren. Schon in der Knabenzeit war Hoffmansthal im Theater tätig. Bereits hier werden die ersten Linien für das spätere Schaffen gezeichnet. 1884 trat er in das Wiener Akademische Gymnasium, das zu den vorzüglichsten humanistischen Schulen der Stadt zählte. Am Leben und Treiben seiner Kameraden nahm er nur wenig bis gar nicht teil, denn aus Zeugnissen geht hervor, dass er die Abgeschiedenheit bevorzugte. In seiner Lebenshaltung ist ein starker Zug des Narzissmus und Egoismus zu erkennen und seine Dichtungen geben Zeugnis davon.[5] In seinen späteren Werken und Schaffen werden die Einflüsse der verschiedenen Literaturepochen deutlich und eine Entwicklung oder Veränderung im Schreiben ist zu erkennen.

Epochen[Bearbeiten]

Symbolismus[Bearbeiten]

Symbolismus aus dem Französischen (symbolisme) und Griechischen (sýmbolon) bedeutet Kennzeichen oder Zeichen bwz. Zusammengeworfenes. Die literarische Strömung des Symbolismus zeigte sich besonders in lyrischen Werken ab etwa 1860 bis etwa 1900 und überwiegend im europäischen Sprachraum. Der Symbolismus wird als Reaktion auf den vorhergehenden Naturalismus gesehen, der ein sehr nüchternes und trockenes Abbild der Wirklichkeit schuf. Symbolistische Schriftsteller verzichteten auf die einfache Abbildung der Wirklichkeit, auf den Anspruch an Objektivität oder moralische Absichten der Kunst. Sie wollten mehr die Zusammenhänge zwischen der Phantasie des Autors und der Realität darstellen, durch Symbole versuchten sie deshalb eine Art Parallelwelt der Schönheit und der Worte zu erstellen. Besondere Kennzeichen dieser Strömung waren die Verwendung von Symbolen und Metaphern, sowie Umschreibungen anstelle von klaren Beschreibungen. Hofmannsthals Werke zu dieser Zeit sind stark geprägt von der literarischen Epoche des Symbolismus. Ein häufiges Thema seiner Werke ist die sinnlose Existenz der Welt (Terzinen über die Vergänglichkeit), das Thema der Pre-Existenz oder der Künstler als Bindeglied zwischen verschiedenen Symbolen und Sachen in Welt (Weltgeheimnis). Auch das für die Epoche typische Symbol findet viel Verwendung in Hofmannsthals Werken “ er verbindet beispielsweise Kinder mit Menschen, den Tod mit dem Leben, und die Industrie mit der Natur.[6]

Impressionismus[Bearbeiten]

Die Epoche des Impressionismus dauerte von 1860 - 1890 an und weist in sprachlicher Hinsicht viele Gemeinsamkeiten zum Naturalismus auf. In der Malerei vollzog sich de Impressionismus schon deutlich früher. Erst die Wirklichkeitsauffassung und die Funktionspoetik lassen die Unterschiede erkennen. Alle literarischen Strömungen dieser Zeit weisen eine Absage an den Realismus und den Naturalismus auf. Ziel ist es die Wirklichkeit möglichst sachlich und naturgetreu wiederzugeben. Die Literaten des "Fin de Siècle experimentierten mit Texten und literarischen Formen und bereiteten damit schon den Weg in die Moderne. Deutschsprachige Vertreter dieser Zeit wie Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke oder Arthur Schnitzler fanden es langweilig, sich auf nur eine literarische Gattung beschränken zu müssen. So entstanden Mischformen wie beispielsweise das lyrische Drama oder die Tragikomödie. Die Handlung trat dabei in den Hintergrund. Dafür eigneten sich sehr gut Gedichte, kurze Prosa und Einakter.[7]

Expressionismus[Bearbeiten]

Der Begriff Expressionismus kommt aus dem Lateinischen von den Wörtern “ex” und “premere” und bedeutet so viel wie sich ausdrücken. Diese Epoche dauerte in etwa von 1905 bis 1925 an und war gekennzeichnet durch die häufige Verwendung von Metaphern, Symbolen, Bildern, Alliterationen und Synästhesien. Dabei verstand man die Kunst als nur sich selbst verpflichtet. Im Laufe des Jahrhunderts stellten die Autoren die traditionelle Sprache immer mehr in Frage und versuchten eine gemeinsame Sprache zu erzeugen. Diese Auseinandersetzung mit Sprache wird als sogenannte Sprachkrise beschrieben. Vor allen die Beziehung der sprachlichen Zeichen zu dem, was sie eigentlich aussagen oder darstellen (Sprache und Welt oder Subjekt und Objekt) steht im Mittelpunkt. Stilistisch sind die expressionistischen Schriften sehr vielfältig und umfangreich. Die Literatur sieht ein Problem der eigenen Mittel bzw. der Beziehung zum Kontext. Die Sprache hat also keinen Bezug zur Realität und Wirklichkeit. Hofannsthal ist auch Künstler dieser Epoche und behandelt das Thema Sprache in seinem Chandos-Brief: " Es zerfiel mir alles in Teile, die Teile wieder in Teile". Dieser Gedanke führt ihn zur Sprachlichkeit des Zerfallsprozesses: "nichts mehr ließ sich in einem Begriff umspannen". In diesem Brief wird auch die Beziehungsfähigkeit der Sprache in Frage gestellt. Funktionierende und konventionell gebrauchte Ausdrücke gehen verloren und somit auch einfach Ausdrücke. Dieser Zustand, der von Chandos beschrieben wird, drückt eine zunehmende Welt-, Selbst- und Sprachentfremdung aus.[8]

Wiener Moderne[Bearbeiten]

Die Wiener Moderne, Kaffeehausliteratur oder das Junge Wien bezeichnen die zwischen 1890 und 1910 entstandenen Werke österreichischer bzw. Wiener Autoren, deren Inhalte ähnlich wie die des Symbolismus als eine Art Gegenströmung zum Naturalismus bezeichnet werden können. Hierbei nimmt das Wiener Kaffeehaus als kulturelle Institution eine zentrale Rolle als Entstehungsort vieler Werke und Fragmente. Die Themen der Wiener Moderne sind vor allem von der zu dieser Zeit vorherrschenden politischen Instabilität und Zukunftsängsten geprägt. Tod und Zerfall sind häufiger Bestandteil der Werke, wie auch das menschliche Innenleben, Gedanken, Gefühle und Psychologie. Der Einsatz des inneren Monologs ist ein typisches Zeichen der Wiener Moderne.[9]

Frühe Herausgebertätigkeit und Kriegspublizistik[Bearbeiten]

Das Kriegspressequartier, kurz KPQ, wurde 1914 gegründet, als Abteilung des Armeeoberkommandos. Das Kriegspressequartier, als militärische Propagandaeinrichtung, zeigt wie die Meldungen die öffentliche Wahrnehmung von Krieg über Jahrzehnte beeinflussten. Der Zusammenschluss von Fotografie, Literatur und Bildender Kunst zu einem einzigen Medienverbund beweist diese Einrichtung. Durch die Arbeit von namhaften Journalisten, Autoren und Künstlern entstand die Grundlage einer medialen Vernetzung, die heute mehr denn je Teil unseres Alltags ist. Hauptaufgabe damals war es Presseinformationen und Propaganda und Propagandatätigkeiten zu koordinieren.[10]

Weitere Aufgaben bestanden darin: eine positive Einflussnahme auf die Presse des In- und Auslandes als oberste militärische Zensurstelle als eine Verbindung zwischen der Obersten Heeresleitung und Wehrmacht und Presse für die Propaganda für das Heer und die Flotte den Ruhm und das Ansehen der Monarchie zu mehren als Abwehr gegen feindliche Propaganda[11] Die im Kriegspressequartier aufgenommenen Berichterstatter wurden je nach ihrer Nationalität in Gruppen zusammengefasst. Es gab eine österreichische, eine ungarische und eine ausländische Gruppe.

Neue Freie Presse[Bearbeiten]

Ausschnitt aus "Die neue freie Presse"

Die Neue Freie Presse galt als bedeutendes Presseorgan in Österreich: “In Wien gab es eigentlich nur ein einziges publizistisches Organ hohen Ranges, die “Neue freie Presse”, die durch ihre vornehme Haltung, ihre kulturelle Bemühtheit und ihre politische Prestige für die ganze österreichisch-ungarische Monarchie etwa das gleiche bedeutete wie die “Times” für die englische Welt und der “Temps” für die französische; selbst keine der reichsdeutschen Zeitungen war so sehr um ein repräsentatives kulturelles Niveau bemüht.”[12] Gegründet wurde “Die neue freie Presse” 1864 von Max Friedländer und Michael Etiennes. Sie nahm eine Sonderstellung unter den Zeitungen der Monarchie ein. Grund dafür waren verschiedene Umstände, wie eine enge Verflechtung mit finanzkräftigen Kreisen.[13]

Werk vor dem 1. Weltkrieg[Bearbeiten]

Buchcover des Werks: "Der Tod des Tizian"


Das “Leben” im Bild : Der Tod des Tizian [14]

Die gesamte frühe Dramatik Hoffmansthals ist durchzogen von der Reflexion des Verhältnisses von “Kunst und Leben” und am deutlichsten umgesetzt ist dies wohl im 1892 entstandenen Einakter “Der Tod des Tizian”. Dieses Stück spiegelt auch gleichzeitig die geistige und ästhetische Position des frühen Hoffmansthal wieder. Thema des Stückes ist die “Entlarvung des Ästheten durch den Künstler, die Erkenntnis, dass der Ästhetismus, obwohl er nur die Kunst gelten zu lassen scheint, paradoxerweise unkünstlerisch ist, weil er die Empfindung der Gestaltung vorzieht.” Tizian gilt dann als Künstler, der aus einem unmittelbaren Lebensbezug heraus Kunstwerke schafft, während die Tizianschüler als Ästheten verstanden werden. Seine Schüler beschränken sich auf die Rezeption von Kunstwerken bzw. sich durch ihre ästhetisierende Wahrnehmung verstellen. Das Stück beginnt mit einem Gespräch über das Sterben Tizians, welcher ein bekannter Maler ist. Da das Sterben aber zugleich die Phase der größten Schaffenskraft ist, behandelt das Gespräch auch das Problem der Künstlertums. In den verschiedenen Stellungnahmen der Schüler zum Sterben ihres Meisters, kommen unterschiedliche Haltungen zum Ausdruck. Einerseits klagen sie, von ihrer Angst von einem persönlichen Verlust und andererseits von dem Gefühl der Bedrohung der schöpferischen Leidenschaft Tizians. In der Beschreibung der Schüler hat Tizian die Züge des tragischen Künstlers. Gianino beginnt von der nächtlichen Naturerfahrung zu erzählen und erwähnt auch die Stadt, die wiederum ein anderes Erleben verursacht. Desiderio warnt und zeigt die Gefahren einer Stadt auf. Die Abwehrreaktionen der Schüler gegenüber der Stadt und Tizian zeigt, dass die Stadt ein Ort des dionysischen Lebens und nicht des alltäglichen, sozialen Lebens ist. Tizian möchte selbst in diesem Moment seine Schüler übertreffen. Abschließend hält Desiderio eine Lobrede auf das Genie Tizian. In diesem Stück stellt Hoffmansthal die Verknüpfung vom Schaffensprozess und Todesnähe einerseits und die von Tod und “stummen Leben” andererseits gegenüber. Das künstlerische Schaffen gilt als Ausseinandersetzung mit der Lebenswelt oder des eigenen “Vermögens”. Hoffmannsthal parallelisiert in diesem Stück den Prozess der aufeinanderfolgenden Zustände des Schlafens, Träumens und Wachens. Es wird deutlich, dass in diesem lyrischen Drama die Unvereinbarkeit von Kunst und Leben auf mehreren Ebenen beschrieben wird. Auf dieses Werk nahmen neben Friedrich Nietzsche auch Stefan George, Arnold Böcklin und zahlreiche Symbolisten Einfluss.

Propagandawerk[Bearbeiten]

Preuße und Österreicher. Ein Schema.[15]

Zunächst vergleicht Hugo von Hofmannsthal Preußen und Österreich als Länder und geht im weiteren Verlauf auf die individuellen Merkmale von preußischen und österreichischen Personen im Speziellen ein. Er sieht Preußen als ein einen “künstliche(n) Bau” und ein “von Natur armes Land”, welches mit dem “gewachsen(en) (...) Gewebe” und dem “von Natur reiche(m) Land” Österreich in keiner Weise vergleichbar sein kann. Während in Preußen “alles im Menschen und von Menschen” mit Kraft und Aufwand entstanden ist, betrachtet der Schriftsteller Österreich als von Natur und Gott gegeben. Während in Preußen seiner Meinung nach die “Staatsgesinnung als Zusammenhaltendes” gesehen wird, ist es in Österreich die “Heimatliebe”. Auch zeichnet sich Österreich durch “mehr Frömmigkeit” und “mehr Menschlichkeit” aus im Gegensatz zu “mehr Tugend” und “mehr Tüchtigkeit” im Nachbarland. Im Anschluss an seine Länderanalyse geht Hofmannsthal dann auf die individuellen Unterschiede der Einwohner von Österreich und Preußen ein. Während der Österreicher in seinen Augen eine seit Jahrhunderten stabile, traditionelle Gesinnung hat, ist der Preuße liberal, “bismarkisch” und “fast ohne Gedächtnis für vergangene Phasen”. Dem Preußen sei zudem eine “Stärke der Abstraktion”, ein ausgeprägtes Vorschrifthandeln, sowie starke Ausdrucksgewandheit und Konsequenz anhaftend. Im Gegenzug dazu habe der Österreicher eine raschere Auffassungsgabe, “mehr Balance” und “mehr Fähigkeit sich im Dasein zurechtzufinden”. Während Österreicher grundsätzlich “lieber im Unklaren” bleiben, Krisen auslassen und lässiger sind, besticht das preußische Gegenüber mit Selbstrechtfertigung, Drang zu Krisen und dem Kampf ums Recht. Hoffmansthal geht sogar so weit, den Preußen als “gewollte(n) Charakter” zu bezeichnen und den Österreicher als “Schauspielerei”. Er sieht im Preußen das “Vorwiegen des Geschäftlichen”, das dem Österreicher fehlt, welcher jedoch die “Ironie bis zu Auflösung” pflegt, die dem Preuß en wiederum fremd ist.

In diesem Gedicht Hofmannsthals 1917 wird besonders deutlich, wie sehr sich das Bild des Schriftstellers, sowie seine Einstellungen im Kriegsverlauf verändert haben. Während er zu Beginn des ersten Weltkriegs angesichts der Vielsprachigkeit des österreich-ungarischen Staatenverbundes noch den multikulturellen Geist als vereinende Kraft sieht, ändert sich diese Haltung radikal mit dem Wegfall der anderssprachigen Nationen. Ab diesem Zeitpunkt konzentrieren sich Hofmannsthal’s Werke und Gedanken ganz auf die deutschsprachige Nation. “Preuße und Österreicher” zeigt wie kein zweites Werk, das zu dieser Zeit von Hofmannsthal geschrieben wurde, inwiefern er diese scheinbar absolute Kompatibilität von Preußen und Österreich herausarbeitet und zugleich betonen möchte. Die beiden Länder passen demnach nicht nur aufgrund der Gemeinsamkeit bloßer individueller Charaktereigenschaften oder einer gemeinsamen Geschichte zueinander, sondern über die Sprache als ein noch stärkeres Band. Hofmannsthal propagiert in diesem Gedicht den gemeinsamen Geist der beiden deutschsprachigen Länder, der einen unüberwindbaren Zusammenhalt schafft.[16] 1915 erscheint das Werk Wir Österreicher und Deutschland in dem Hofmannsthal im Grunde genommen die Österreichische Idee vorwegnimmt und die Ambivalenz der deutsch-österreichischen Verbindung vorwegnimmt: [17]

“Die geographische Nähe, die Stammesverwandtschaft mit dem einen der großen Volkselemente Österreichs, die scheinbare Gemeinsamkeit der geistigen Kultur schien von dem Grade von Aufmerksamkeit zu dispersieren, den umgekehrt gerade diese Umstände besonders hätten verschärfen müssen. Österreich ist die besondere Aufgabe, die dem deutschen Geist in Europa gestellt wurde. Es ist das vom Geschick zugewiesene Feld eines rein geistigen Imperialismus. Denn es bedarf nicht der Einmischung der deutschen politischen Gewalt, wohl aber der beständigen Beeinflussung durch den deutschen Geist. Österreich muss als die deutsche Aufgabe in Europa und wieder erkannt werden.[18]

Auch hier ist die deutliche Propagierung des Bündnisses der beiden Waffenbrüder Österreich und Preußen ersichtlich. Hofmannsthals klare Linie zu Zeiten des ersten Weltkriegs sind markant geprägt von seiner Einstellung und seiner Haltung von Österreich, welche er mithilfe seiner Werke versucht zu propagieren und zu verbreiten.

Schriftsteller im Kriegspressequartier[Bearbeiten]

Am 28.Juli 1914 wurde das Kriegspressequartier gegründet, mit dem Ziel militärische Propaganda gezielt zu steuern und und alle aktuellen Medien mit propagandistischen Beiträgen zu bereichern. Das Redaktionsteam des Kriegspressequartiersverfasste Texte nicht nur für in- sondern auch für ausländische Medien um eine breitere Streuung der Inhalte zu ermöglichen. Viele Schriftsteller engagierten sich u.a. deshalb beim Kriegspressequartier, weil sie somit dem Militärdienst umgehen konnten, einige unter ihnen wurden jedoch auch verpflichtet. Während zunächst noch überwiegend namhafte Autoren beschäftigt wurden, öffnete sich das Kriegspressequartier mit zunehmendem Verlauf des ersten Weltkriegs auch für jüngere, aus dem Krieg heimgekehrte Schriftsteller.

Robert Musil, Franz Karl Ginzkey sowie Karl Zoglauer hatten aufgrund ihres Offiziersrangs beim Militär eine Führungsposition im Kriegspressequartier und konnten somit auch weniger bekannte Schriftsteller einstellen. Die Mitglieder der Neuen Freien Presse wie Alexander Roda Roda, Ludwig Hirschfeld und Ernst Klein schrieben als Festangestellte für das Kriegspressequartier. Hugo von Hofmannsthal im Gegenzug, wie auch seine Schriftstellerkollegen Ludwig Ganghofer und Ludwig Thoma berichteten meist von einzelnen Fronteinsätzen.

Die Adresse des Kriegspressequartier bescherte den angestellten Schriftstellern jedoch gemeinhin die Unterstellung fauler zu sein als andere, da das Gasthaus Stelzer an der Rodaun (heute: Liesing) zu Zeiten Hofmannsthals als Sommerfrischekurort mit Thermalbad galt. Karl Kraus meinte hierzu einst: „Man hatte die Presse nach Rodaun verlegt, um dem Herrn v. Hofmannsthal mit der Front entgegenzukommen.“ In einer früheren Nummer der Fackel vermerkte er: „Man weiß, daß die freiwillig untauglichen Angehörigen des journalistischen Gewerbes, zu denen sich auch ein paar mittelmäßige, aber sonst gesunde Malermeister gesellt haben, bei Kriegsbeginn eingefangen und in einen abgesonderten Raum gesperrt wurden, der Kriegspressequartier heißt, ein Raum, dessen Zugang nur den dort Unbeschäftigten gestattet ist.“[19]

Die prominenten Schriftsteller des Kriegspressequartiers genossen außerdem das Privileg Vorträge im Ausland zu halten. Das Ende des Krieges 1918 besiegelte auch das Ende des Kriegspressequartiers, aus dem in weiterer Folge die heutige Austria Presse Agentur (APA) entstanden ist.[20]

Literaturverzeichnis[Bearbeiten]

Fuchs, Albert: Geistige Strömungen in Österreich. 1867-1918. Wien 1978

Gruber, Hannes: „Die Wortemacher des Krieges“. Zur Rolle österreichischer Schriftsteller im Kriegspressequartier des Armeeoberkommandos 1914–1918, Graz Diplomarbeit 2012

Haider, Markus Erwin: Im Streit um die österreichische Nation. Nationale Leitwörter in Österreich 1866 – 1938, Wien 1998

Hiebler, Heinz: Hugo von Hofmannsthal und die Medienkultur der Moderne. Würzburg: Königshausen & Neumann 2003 (Epistemata Literaturwissenschaft 416)

Hofmannsthal, Hugo von: Preuße und Österreicher. Ein Schema. Erstdruck: Vossische Zeitung 25. Dezember 1917. In: Ders.: Gesammelte Werke in zehn Einzelbänden. Reden und Aufsätze II (1914–1924). Hg. von Bernd Schoeller in Beratung mit Rudolf Hirsch. Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag 1979

Hofmannsthal, Hugo von: Sämtliche Werke XXXIV : Reden und Aufsätze 3 - 1910-1919 / Klaus E. Bohnenkamp, Katja Kaluga, Klaus-Dieter Krabiel - Redaktion: Klaus-Dieter Krabiel Frankfurt a. M. : S. Fischer Verlag, 2011

Karthaus, Ulrich: Die deutsche Literatur. Ein Abriss in Text und Darstellung. Impressionismus, Symbolismus und Jugendstil. Reclam Verlag, Ditzingen 1986

Kraus, Karl: Die nicht untergehen, in: Die Fackel von 4.1919 (F 508-513

Lustig Prean von Preansfeld, Karl: Aus den Geheimnissen des Kriegspressequartiers, in: Džambo, Jozo (Hrsg.): Musen an die Front. Schriftsteller und Künstler im Dienst der k. u. k. Kriegspropaganda 1914 – 1918. Begleitpublikation in 2 Bänden zur gleichnamigen Ausstellung, München 2003

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hoffmannsthal, 2011.1914. Bezogen von: http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/~za874/homepage/hofmannsthal.htm, 28.05.2015
  2. Hoffmansthal Chronik und Leben, o.A. Chronik. Bezogen von: http://www.navigare.de/hofmannsthal/chro.htm 28.05.2015
  3. Hofmannsthal, Hugo von: Preuße und Österreicher. Ein Schema. Erstdruck: Vossische Zeitung 25. Dezember 1917. In: Ders.: Gesammelte Werke in zehn Einzelbänden. Reden und Aufsätze II (1914–1924). Hg. von Bernd Schoeller inBeratung mit Rudolf Hirsch. Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag 1979
  4. Hugo von Hofmannsthal, 2009. Der Preuße und der Österreicher. Bezogen unter: http://www.univie.ac.at/iggerm/files/mitschriften/Literaturgeschichte_I-2009S-Sonnleitner.pdf
  5. Volke, Werner: Hugo von Hoffmansthal. Reinbeck:Rowoldth Taschenbuch Verlag GmbH.1967 Wunberg, Gotthard (Hrsg.): Die Wiener Moderne. Literatur, Kunst und Musik zwischen 1890 und 1910. Reclam, Stuttgart 1981, (Nachdruck 2000)
  6. Karthaus, Ulrich: Die deutsche Literatur. Ein Abriss in Text und Darstellung. Impressionismus, Symbolismus und Jugendstil. Reclam Verlag, Ditzingen 1986
  7. Kriegel, Kirsti: Impressionismus. In: Rossipotti-Literaturlexikon; hrsg. von Annette Kautt;http://www.literaturlexikon.de/epochen/impressionismus.html; Stand: 28.05.2015
  8. Muschg, Walter: Von Trakl bis Brecht. Dichter des Expressionismus. R. Piper. 1989
  9. Wunberg, Gotthard (Hrsg.): Die Wiener Moderne. Literatur, Kunst und Musik zwischen 1890 und 1910. Reclam, Stuttgart 1981, (Nachdruck 2000)
  10. Plener, Peter ; Reichel, Walter»Extraausgabee!«:Die Medien und das k.u.k. Kriegspressequartier. Czernin, Wien 2015
  11. Kriegsarchiv, KPQ: Fasz. 8, Dienstordnung für das Kriegspresequartier. 1917
  12. Zweig, Stefan: Die Welt von gestern. Erinnerungen eines Europäers. Fischer Tb. Nr. 1152.
  13. Fuchs, Albert: Geistige Strömungen in Österreich. 1867-1918. Wien 1978
  14. Streim, Gregor: Das Leben in der Kunst. Untersuchungen zur Ästhetik des frühen Hoffmansthal. Würzburg: Königshausen und Neumann.1996
  15. Hugo von Hofmannsthal, 2009. Der Preuße und der Österreicher. Bezogen unter: http://www.univie.ac.at/iggerm/files/mitschriften/Literaturgeschichte_I-2009S-Sonnleitner.pdf
  16. Hiebler, Heinz: Hugo von Hofmannsthal und die Medienkultur der Moderne.Würzburg: Königshausen & Neumann 2003 (Epistemata Literaturwissenschaft 416)
  17. Haider, Markus Erwin: Im Streit um die österreichische Nation. Nationale Leitwörter in Österreich 1866 – 1938, Wien 1998
  18. Hoffmannsthal, 2011.1914. Bezogen von: http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/~za874/homepage/hofmannsthal.htm, 28.05.2015
  19. Kraus, Karl: Die nicht untergehen, in: Die Fackel von 4.1919 (F 508-513), 64f.
  20. Gruber, Hannes: „Die Wortemacher des Krieges“. Zur Rolle österreichischer Schriftsteller im Kriegspressequartier des Armeeoberkommandos 1914–1918, Graz Diplomarbeit 2012 Lustig Prean von Preansfeld, Karl: Aus den Geheimnissen des Kriegspressequartiers, in: Džambo, Jozo (Hrsg.): Musen an die Front. Schriftsteller und Künstler im Dienst der k. u. k. Kriegspropaganda 1914 – 1918. Begleitpublikation in 2 Bänden zur gleichnamigen Ausstellung, München 2003