Kurs:Krieg und Propaganda: bis zum 1. Weltkrieg (WS 2015)/Kunst im 1. Weltkrieg: Oskar Kokoschka 1915-1917 - vom Kriegsmaler zum Pazifisten

Aus Wikiversity
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Oskar Kokoschka erfuhr am 28. Juli 1914, durch eine Extraausgabe "Österreich hat Serbien den Krieg erklärt"[1]. Wie sein Leben im ersten Weltkrieg bis Dezember 1916 verlief, wird hier erörtert.

Die Judentochter. Dichtung aus des Knaben Wunderhorn, fuer Gesang und Klavier. Umschlag-Zeichnung von Oskar Kokoschka

Sein Krieg[Bearbeiten]

Dem Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 in Serbien folgend, erklärte Österreich-Ungarn dem Königreich Serbien den Krieg. Bis es zur Kriegserklärung kam, vergingen mehrere Wochen, da die traditionellen Begräbnisfeierlichkeiten des Hauses Habsburg vorgezogen und als oberste Priorität behandelt wurden. Auf die Frage – Warum meldet man sich zum Krieg? - entgegneten viele Männer, dass sie nicht als Feiglinge da stehen wollen, dass sie ein Abenteuer suchen, viele Künstler und Schriftsteller haben sich unter falschen Vorstellungen verpflichtet. Kokoschka rechtfertigte seine „freiwillige“ Meldung folgendermaßen: „Da ich wehrpflichtig war, war es angezeigt, daß ich mich als Kriegsfreiwilliger meldete, bevor ich gezwungen wurde, mitzutun.“[2] Kokoschka wollte sein Talent als Künstler schon vier Tage nach Kriegseintritt nutzen und sprach mit dem Münchner Verleger Reinhard Piper. Dieser war allerdings an Ansichten von Kriegsschauplätzen nicht interessiert. Unter den vielen Publikationen des Künstlers haben sich in seinem schriftlichen Nachlass Vorarbeiten erhalten. Darin finden sich wichtige Aussagen über seine ursprünglichen Gründe zur Teilnahme am Krieg, die Kokoschka jedoch nicht in die endgültige Fassung aufnahm, da sie das, von ihm der Öffentlichkeit vermittelte, Bild seiner stets pazifistischen Gesinnung konterkariert hätten..[3]

Sommer 1914[Bearbeiten]

Im Sommer 1914 war die Beziehung zwischen Alma Mahler-Werfel und Oskar Kokoschka merkbar abgekühlt, Alma wandte sich zusehends Walter Gropius zu, den sie bereits 1915 heiraten sollte.[4]


Siegelmarke K.u.K. 15. Infanterie-Truppendivisionskommando W0317208

November 1914[Bearbeiten]

Durch die guten Beziehungen von Adolf Loos, dem Kokoschka auch die Aufnahme in das vornehmste Reiterregiment der Monarchie verdankte, konnte er als Freiwilliger im noblen K.u.k. Niederösterreich-Mährisches Dragoner-Regiment „Erzherzog Joseph“ Nr. 15, Anfang 1915 seinen Dienst antreten.[5] Die übrigen Beteiligten bestanden fast ausschließlich aus Mitgliedern des Kaiserhauses und des Hochadels. Zum Dienst an der Front meldete sich Kokoschka weniger aus Trennungsschmerz, sondern um einer drohenden Arreststrafe wegen Gehorsamsverweigerung zu entgehen.[6]

Im selben Jahr entstand das erste Portrait im Fotoatelier Hermann Schieberth in Wien, welches Kokoschka als eleganten Rittmeister mit schmucker Uniform und Helm zeigt. Das strenge Profil und die vollständige Namensnennung des Soldaten, sowie seiner Einheit erinnern an offizielle Erfassungsfotos.[7] Im k.u.k Regiment war Kokoschka verpflichtet seine gesamte Ausrüstung, sowie die maßgeschneiderte Dragoneruniform selbst zu bezahlten. Aus dem Verkauf des Gemäldes die Windsbraut (1913) und durch eine anonyme Schenkung, konnte er die benötigte, hohe Geldsumme erwerben.[8]

Jänner 1915[Bearbeiten]

Am 7. Jänner 1915 musste sich Kokoschka in der Theresianischen Militärakademie in Wr. Neustadt melden. Auf anraten von Loos, ließ er sich zum Kavalleristen ausbilden. Der Drill und die Wirklichkeit der Kaserne, holte ihn schnell ein. Als Offiziersanwärter durfte Kokoschka außerhalb der Kaserne wohnen und musste nicht mit der Mannschaft essen. In Briefen an Alma Mahler schildert er den Kasernenalltag und seine Isolation unter den, meist aristokratischen, Kameraden.

März 1915[Bearbeiten]

Kokoschka beschreibt Albert Ehrenstein seine Lebensbedingungen im Kasernenalttag in der Akademie.

  • 4:00 früh auf
  • 7:00 – 12:00 reiten mit der Schwadron, über den Graben, Dreck und Glatteis
  • 12:00 – 13:00 Mittagspause
  • 14:00 – 18:00 Fußtarock = Sachwarmlinien, Schießen und ähnliche Bureauspäße
„Vergangene Woche bin ich zweimal 24 Stunden Posten gestanden in einer sibirischen Kälte vor einem leeren Hausschuppen als Strafe.. - Oskar Kokoschka“

Durch die fortschreitende Schikane war er am 14. April so angewidert, dass er sich vor dem Regiment bei den Kommandeuren zur Front meldete und die Erlaubnis erhielt, mit dem nächsten Transport abgehen zu dürfen.[9]

April 1915[Bearbeiten]

„Meine liebe Narrenschwester Alma! Du hast mich aus dem Arm fallen lassen, und bist doch die ältere, die nicht pflichtvergessen sein soll, sondern acht auf mich geben, statt tratschen und dann weinen! … Ich weiß, was ich tue. Wenn ich das Leben nicht mehr aushalte, so werfe ich es weg. … Ich bin närrisch vor Herzensnot. … Ich glaube, ich werde mich umbringen, weil Du mir fehlst … Dich habe ich über alles und rein geliebt. Jetzt bin ich ausgestoßen von allem Leben und allein. - Oskar Kokoschka“

August 1915[Bearbeiten]

Kokoschka wurde umgehend an die galizische Front beordert, wo er sich durch einen Lungenstich und einen Kopfschuss lebensgefährliche Verletzungen zuzog. Er kam zurück und wurde in einem Lazarettzug in Wien untergebracht. Kurze Zeit später erhielt Kokoschka die silberne Tapferkeitsmedaille, auf einem Bild mit seinem Bruder Bohuslav und seiner Schwester Berta zeigt sich Kokoschka mit Uniform und Abzeichen. Diese Fotographie und andere mit seinen Eltern, bewahrte Kokoschka in einem kleinen Album auf, welches sich bis heute im Fotonachlass des Künstlers befindet.[10]

Hinterland der Isonzofront

Juni 1916[Bearbeiten]

Nach seiner Rekonvaleszenz wurde Kokoschka erneut zum Militärdienst einberufen und versah Dienst als Inspektionsreferent und im Pressebüro. Im Juli des Jahres meldete sich Kokoschka erneut zum Dienst an die Front und wurde als Verbindungsoffizier an die Isonzofront abkommandiert und als Kriegsmaler eingesetzt. Dort traf er unter anderem auch den ungarischen Malerkollegen József Rippl-Rónai. Ende Juni überlebte er unbeschadet eine Schrapnellexplosion, erlitt aber Ende August durch eine Verschüttung einen Shell-Shock Kriegszitterer und wurde zur Behandlung in ein Militärlazarett nach Wien gebracht.

Dezember 1916[Bearbeiten]

Dezember 1916 hielt sich Kokoschka im Sanatorium Dr. Teuscher, dem Weißen Hirsch in Dresden zur weiteren Behandlung auf. In den ersten Jahren in Dresden wurde Kokoschka von vielerlei Selbstzweifeln und Ängsten gequält. Ein drastisches Dokument dafür, liefert das Selbstbildnis Gemälde „Selbstbildnis“ (ausgestellt im Leopold Museum), in dem er eine Hand ans Gesicht legt, das im Dezember 1918 oder zu Beginn des Jahres 1919 entstand.[11]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bundeskunsthalle Bonn (Herausgeber), 1914 Die Avantgarden im Kampf, 8. November 2013 ISBN-13: 978-3864420528
  • Bernadette Reinhold (Herausgeber), Patrick Werkner (Herausgeber): Oskar Kokoschka - ein Künstlerleben in Lichtbildern Oskar Kokoschka - An Artist's Life in Photographs: Aus dem Oskar Kokoschka-Zentrum der Universität ... of Applied Arts Vienna (Edition Angewandte). Birkhäuser Verlag GmbH, Auflage: Bilingual (2. Juli 2013), ISBN 978-3990435656.
  • Oskar Kokoschka (Autor), Heinz Spielmann (Autor), Oskar Kokoschka: Leben und Werk, DuMont Buchverlag; Auflage: 1, 2003, ISBN-13: 978-3832173203
  • Oskar Kokoschka (Autor), Oskar Kokoschka: Mein Leben, Bruckmann, 1971, ASIN: B00245X75Y

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Oska Kokoschka: Mein Leben, Vorwort und dokumentarische Mitarbeit von Remigius Netzer, Wien 2008, S. 139
  2. Oska Kokoschka: Mein Leben, Vorwort und dokumentarische Mitarbeit von Remigius Netzer, Wien 2008, S. 139
  3. 1914 Die Avantgarden im Kampf: Kat. Bundeskunsthalle Bonn, ein Aufsatz von R. Bonnefoit und G. Held über Kokoschka, p. 246
  4. Oskar Kokoschka: Das Ich im Brennpunkt Broschiert – 2. Oktober 2013 von Leopold Museum (Herausgeber), Tobias Natter (Herausgeber), Franz Smola (Herausgeber), p.86
  5. Oskar Kokoschka: Das Ich im Brennpunkt Broschiert – 2. Oktober 2013 von Leopold Museum (Herausgeber), Tobias Natter (Herausgeber), Franz Smola (Herausgeber), p.86
  6. 1914 Die Avantgarden im Kampf: Kat. Bundeskunsthalle Bonn, ein Aufsatz von R. Bonnefoit und G. Held über Kokoschka, p. 246
  7. Oskar Kokoschka: Das Ich im Brennpunkt Broschiert – 2. Oktober 2013 von Leopold Museum (Herausgeber), Tobias Natter (Herausgeber), Franz Smola (Herausgeber), p.86
  8. Oskar Kokoschka: Das Ich im Brennpunkt Broschiert – 2. Oktober 2013 von Leopold Museum (Herausgeber), Tobias Natter (Herausgeber), Franz Smola (Herausgeber), p.86
  9. Heinz Spielmann, Oskar Kokoschka Leben und Werk, p.160
  10. Oskar Kokoschka: Das Ich im Brennpunkt Broschiert – 2. Oktober 2013 von Leopold Museum (Herausgeber), Tobias Natter (Herausgeber), Franz Smola (Herausgeber), p.87
  11. Oskar Kokoschka: Das Ich im Brennpunkt Broschiert – 2. Oktober 2013 von Leopold Museum (Herausgeber), Tobias Natter (Herausgeber), Franz Smola (Herausgeber), p.88

Weblinks[Bearbeiten]