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Kurs:Stochastik/Eigenschaften Verteilungsfunktion

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Satz - Eigenschaften Verteilungsfunktion

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Sei eine Wahrscheinlichkeitsraum, eine Zufallsgröße und das induzierte Wahrscheinlichkeitsmaß auf . Für die Verteilungsfunktion mit gelten dann folgende Eigenschaften:

  • (V1) Monotonie: monoton wachsend (d.h. ) mit für alle .
  • (V2) Rechtsseitige Stetigkeit: für alle .
  • (V3) Wahrscheinlichkeit von Einpunktmengen: für alle .
  • (V4) Verhalten gegen Unendlich: und

Bemerkungen - Grenzwertnotation

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  • zu (V1): Die Eigenschaft bedeutet, dass die Verteilungsfunktion monoton wachsend, aber nicht streng monoton ist (siehe diskrete Verteilungen).
  • zu (V2): Für bezeichnet den rechtsseitigen Grenzwert mit und bezeichnet.
  • zu (V3): In bezeichnet mit den linksseitigen Grenzwert mit mit und bezeichnet.

Beweis der Eigenschaften (V1)-(V4)

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Die Eigenschaften werden unter Verwendung der definierenden Eigenschaften eines Wahrscheinlichkeitsmaßes geführt.

Beweis (V1) - Monotonie

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Seien mit , dann gilt mit der -Additivität und der Nichtnegativität von :

Die Beschränktheit für alle durch Beschränktheit eines Wahrscheinlichkeitsmaßes .

Beweis (V2) - Rechtsseitige Stetigkeit

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Um die rechtsseitige Stetigkeit zu untersuchen, betrachtet man eine beliebige Folge mit , die also von rechts monoton fallend gegen konvergiert. Man zeigt nun über die Eigenschaft beliebiger Folgen mit :

Beweis (V2.1) - Disjunkte Mengenzerlegung

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Über die Darstellung betrachtet man folgende disjunkte Zerlegung:

Weil monoton fallend ist, fällt beim Übergang von nach genau die Menge in der abzählbaren Vereinigung weg.

Beweis (V2.2) - Disjunkte Mengenzerlegung

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Dabei hat man wiederum weiter über in eine Vereinigung von abzälbar vielen disjunkten Teilintervalle zerlegt. Die disjunkte Zerlegung ist wesentlich, um die -Additivität eines Wahrscheinlichkeitsmaßes anwenden zu können.

Beweis (V2.3) - Sigma-Additivät

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Dann gilt mit der -Additivität für alle und für die monoton fallenden Folgen :

Beweis (V2.4) - Konvergenz des Restgliedes der Reihe

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Da die Reihe absolut konvergiert, muss das Restglied der Reihe gegen 0 konvergieren. Da die monoton fallenden Folgen beliebig gewählt waren, gilt insgesamt (V2) mit .

Beweis (V3) - Wahrscheinlichkeit Einpunktmengen

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Um die Wahrscheinlichkeit von Einpunktmengen über für alle berechnen zu können, wird die folgende Gleichung gezeigt:

Man wählt dazu eine beliebige monoton steigende Folge , die von links gegen konvergiert.

Beweis (V3.1) - disjunkte Zerlegung

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Über die Darstellung betrachtet man folgende disjunkte Zerlegung mit :

Durch die die abzählbare disjunkte Vereinigung mit einer von links gegen konvergierende Zahlenfolge alle Zahlen mit .

Beweis (V3.2) - disjunkte Zerlegung

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Dabei hat man weiter über in eine Vereinigung von abzälbar vielen disjunkten Teilintervalle zerlegt. Die disjunkte Zerlegung ist wesentlich, um die -Additivität eine Wahrscheinlichkeitsmaßes anwenden zu können.

Beweis (V3.3) - Sigma-Additivität

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Dann gilt mit der -Additivität für alle und für die monoton steigenden Folgen :

Beweis (V3.4) - Sigma-Additivität

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In Beweisschritt (V3.3) wurde in der letzten Gleichung ebenfalls die -Additivität verwendet.

Beweis (V3.5) - Grenzwertprozess

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Bttrachtet man nun den Grenzwertprozess für für mit für die monoton steigenden Folgen so erhält man:

Für eine absolut konvergente Reihe muss das Restglied wieder gegen 0 konvergieren, d.h.

Beweis (V3.6) - Grenzwertprozess

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Verwendet man die Zerlegung in dem Beweisschritt (V3.3), dann erhält man folgende Gleichung:

Beweis (V3.7) - Grenzwertprozess

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Da die monoton steigenden und von links gegen konvergierenden Folgen beliebig gewählt wurden, gilt insgesamt die Gleichung:

Mit elementarer algebraischer Umformung kann man nun die Wahrscheinlichkeit von Einpunktmengen über für alle über einen linksseitigen Grenzwert berechnen.

Beweis (V4) Verhalten gegen Unendlich

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Die beiden Aussagen und werden jeweils getrennt über die -Additivität der induzierten Verteilung gezeigt.

Beweis (V4.1) Disjunkte Mengenzerlegung

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Man wählt eine beliebige streng monoton fallende Folge mit . Man stellt nun für die Menge zunächst als abzählbare disjunkte Vereinigung dar:

Damit ist die darstellende Reihe absolut konvergent und einem Reihenrestglied, dass gegen 0 konvergiert:

Beweis (V4.2) Disjunkte Mengenzerlegung

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Wählt man nun eine Partialsumme aus der Darstellung in (V4.1), so erhält man für den Grenzwert der monoton fallenden Folge die Restgliedkonvergenz gegen 0:

Da die monoton fallenden Folgen mit beliebig gewählt wurde, gilt auch .

Beweis (V4.3) Disjunkte Mengenzerlegung

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Man wählt ein beliebige streng monoton steigende Folge mit . Man stellt nun für die Menge als abzählbare disjunkte Vereinigung dar:

Ein beschränkte Reihe von nicht negativen Wahrscheinlichkeiten.

Beweis (V4.4) Sigma-Additivität

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Wendet man das durch die Zufallsgröße das induzierte Wahrscheinlichkeitmaß an, dann erhält man über die -Additivität Wahrscheinlichkeitsmaßes die folgende Gleichung:

Die rechte Reihe aus Wahrscheinlichkeiten ist durch 1 beschränkt und damit absolut konvergent. Damit konvergiert das Restglied der Reihe für gegen 0.

Beweis (V4.5) Grenzwertprozess

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Verwendet man die zweite disjunkte Zerlegung aus (V4.3) an, kann man die Konvergenz des Restglied gegen 0 für die Grenzwertberechnung verwenden:

Beweis (V4.6) Grenzwertprozess

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Weil das Restglied gegen 0 konvergiert, muss gegen 1 konvergieren und man erhält:

Da die monoton steigenden Folgen mit beliebig gewählt wurden, gilt auch .

Beweis (V4.5) Disjunkte Mengenzerlegung

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werden jeweils getrennt über die -Additivität der induzierten Verteilung gezeigt.

Bemerkung (V3) - diskrete Verteilungen und Einpunktmengen

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Trägt eine induzierte Verteilung in der Einpunktmenge eine positive Wahrscheinlichkeit , dann liefert die Wahrscheinlichkeit von Einpunktmengen über genau die Höhe der "Sprungstellen" in der Verteilungsfunktion .


Weitere Eigenschaften

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Im Folgenden bezeichnen für eines der Intervalle , die abgeschlossen, offen oder halboffen sein können. Wobei im Fall bzw. und im Fall bei jeweils einer Grenze zugelassen werden.

Zusammenhang - Wahrscheinlichkeitsmaß - Verteilungsfunktion

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Sei Verteilungsfunktion von dem induzierten Wahrscheinlichkeitsmaß der Zufallsgröße .

  • , inbesondere .
  • , inbesondere .
  • .
  • .

Aufgabe für Studierende

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Beweisen Sie die obigen Aussagen für den Zusammenhang von Wahrscheinlichkeitsmaß und zugehöriger Verteilungsfunktion in Analogie zu den obigen Beweisschritten im dem Satz zu den Eigenschaften der Verteilungsfunktion.


Stetige Verteilung

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Falls die Verteilungsfunktion bei stetig ist und auf dem Intervall konstant ist, so ist .

Zusammen mit dem Fortsetzungssatz folgt, dass durch Vorgabe einer Verteilungsfunktion (d.i. eine Funktion , mit den Eigenschaften (V1), (V2), (V4)) eindeutig festgelegt wird, wenn man setzt .

Beispiel - Verteilungsfunktion Exponentialverteilung

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Im Fall der Exponentialverteilung aus dem Beispiel 1.5.3, bei der ist, stellt man fest, dass bzw. , mit .

Siehe auch

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Seiteninformation

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