Kurs:Welterbe, Kulturgüterschutz und Kommunikation (Sommeruniversität 2016)/Arbeiten/Zerstreute Sammlungen - Zusammengeführt in der Salzburger Landesausstellung 2016. Kulturvermittluung

Aus Wikiversity
Zur Navigation springen Zur Suche springen


Neue Residenz: Schauplatz der Landesausstellung
Wolf Dietrich von Raitenau, Gemälde von Kaspar Memberger

Die Harnischgarnitur des Wolf Dietrich von Raitenau ist eine prachtvolle Rüstung des Salzburger Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau. Die vierzigteilige Garnitur ist heute verteilt auf das Bayerische Nationalmuseum in München, The Wallace Collection in London, The State Hermitage Museum in Sankt Petersburg und das Musée de l'Armée in Paris.[1]

Die Harnischgarnitur in der Salzburger Landesausstellung[Bearbeiten]

2016 kehren für die Salzburger Landesausstellung "Bischof. Kaiser. Jedermann - 200 Jahre Salzburg bei Österreich" 13 Teile der Harnischgarnitur aus dem Bayerischen Nationalmuseum nach Salzburg zurück. Die Harnischgarnitur des Wolf Dietrich von Raitenau und seine Geschichte stehen stellvertretend für viele global verstreute Gegenstände der Salzburger Fürsterzbischöfe, die in der aktuellen oder früheren Landesausstellungen wiedervereint gezeigt werden und wurden.[2] Die Harnischgarnitur ziert aus diesem Grund auch die Plakate der Landesausstellung 2016. In der Salzburger Landesausstellung 1987 "Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau" war der Visierhelm aus dem State Hermitage Museum in Salzburg zu sehen. Die Wallace Collection verleiht ihre Exponate nicht.[2][3]

Die Kuratoren müssen bei jeder Ausstellung eine Balance zwischen Exponaten und Budget finden, deshalb dürfen die Exponate, die in der Schatzkammer der Salzburger Landesausstellung "Bischof. Kaiser. Jedermann - 200 Jahre Salzburg bei Österreich" ausgestellt werden, nicht fotografiert werden. Das Salzburg Museum hat die entsprechenden Bildrechte nicht erworben, weil sie nicht mit dem vorgegebenen Budget vereinbar waren. Das Salzburg Museum besitzt allerdings eine Nachbildung der Harnischgarnitur, deren Bildrechte sie auch besitzt.

Die Auswahl der Exponate unterliegt einer Vielzahl an Kriterien:

  • Wie passt das Exponat in die Ausstellung?
  • Verleiht der Eigentümer das Exponat?
  • Wurde es bereits einmal in Salzburg gezeigt?
  • Wann wurde es zuletzt gezeigt?
  • Welche Auflagen gibt die verleihende Institution vor?
  • Können die Auflagen technisch umgesetzt werden?
  • Sind die Auflagen mit dem Gesamtbudget vereinbar?[2]

Das Salzburg Museum geht beim Ankauf von Exponaten ähnlich vor, wobei das wichtigste Kriterium ist, ob das Exponat in die Sammlung passt. Die Epoche aus der das Exponat stammt, spielt neben dem finanziellen Aspekt genauso eine Rolle wie die Frage, ob es sich bereits früher in einer Salzburger Sammlung befand. Derzeit versucht das Salzburg Museum einen Radschloss-Karabiner des Wolf Dietrich von Raitenau anzukaufen, der während des Zweiten Weltkrieges abhanden gekommen ist.[2]

Die Zerstreuung früherer Salzburger Sammlungen ist aus heutiger Sicht kein Nachteil, da die Vorgängerorganisation des Salzburg Museums, das Carolino Augusteum, während des Zweiten Weltkrieges teilweise zerstört wurde. Es ist kaum zu beurteilen, ob die Exponate noch existieren würden, wenn sie in Salzburg geblieben wären. Nachteile der Zerstreuung werden zum größten Teil durch den technologischen Fortschritt abgefedert. [2]

Die Harnischgarnitur[Bearbeiten]

Es ist unklar, wie Wolf Dietrich von Raitenau zu dieser Harnischgarnitur kam. Die Harnischgarnitur könnte ein Geschenk der betuchten italienischen Verwandtschaft Wolf Dietrichs gewesen sein. Ebenso möglich ist, dass Wolf Dietrich die Garnitur selbst in Mailand in Auftrag gegeben hat. Die Harnischgarnitur stammt auf jeden Fall aus der Anfangszeit Wolf Dietrichs Amtszeit, da sich die Mode bereits wenige Jahre später stark gewandelt hatte. Diese Rüstung weist keine Kampfspuren auf. Sie diente wohl vor allem Repräsentationszwecken.[4]

Mailänder Handwerk[Bearbeiten]

Der Plattner der Harnischgarnitur war der sogenannte "Kastellmeister I O". Auf den Teilen der Rüstung findet sich mehrmals ein Puttenkopf über dem sich ein zweitürmiges Kastell befindet. Zwischen den zwei Türmen ragt ein Schild empor, von dem wiederum zwei Palmwedel abgehen. Diese Darstellung ist das Markenzeichen des Kastellmeisters, dessen Schaffensphase zwischen 1580 und 1625 liegt. Auf mehreren Teilen sind die Türme des Kastells zusätzlich mit den Buchstaben "I" und "O" versehen. Diese Unterschiede im Markenzeichen deuten darauf hin, dass die Rüstung in einem Werkstattzusammenhang produziert wurde, in Größe und Organisation ähnlich der Werkstatt des bekannten Plattners Pompeo della Cesa (auch Chiesa). Da die Qualität und Art der Verzierungen auf der Harnischgarnitur des Wolf Dietrich von Raitenau und vorliegenden Werkstücken Pompeos annähernd gleich sind, stammt der Dekor beider Plattner vermutlich vom selben Ätzmaler. Der "Kastellmeister I O" muss daher im Rang ähnlich Pompeos gewesen sein und kein Untergeordneter letzteren.[5][4]

Gestaltung der Harnischgarnitur[Bearbeiten]

Die Teile der Harnischgarnitur sind mit einem Ätzdekor versehen, das vergoldet und geschwärzt wurde.[6] Das Dekor zeigt mythologische Figuren, Musikinstrumente, sowie Elemente, die die Beziehung zu Salzburg und Wolf Dietrich von Raitenau symbolisieren. Das Wappen Wolf Dietrichs ist zentral auf der Harnischbrust abgebildet. Die aufwendig gearbeitete Rüstung präsentiert sich ganz im Geist der damaligen Mode. Die nach unten spitz zulaufende Brust, der sogenannte Gansbauch, ist typisch für die Mode der zeitgenössischen Epoche.[7]

Provenienz[Bearbeiten]

Im Inventar der Festung Hohensalzburg von 1605 wird eine solche Harnischgarnitur beschrieben. Da die Rüstung nicht gesammelt in München zu finden ist, wird angenommen, dass die Rüstung nicht 1812 direkt von den Bayern eingezogen wurde, sondern über französischen Besitz ihre Wege an die heutigen Standorte gefunden hat. Dass die Rüstung 1807 nicht nach Wien in die kaiserlichen Sammlungen überführt wurde, unterstützt die Vermutung der französischen Inbesitznahme während der Besatzungen durch die Franzosen.[1][8][9]

München[Bearbeiten]

In dem Inventar der "Alterthuemer" im Münchner Hauptzeughaus aus 1825 findet sich eine Beschreibung der Rüstung. Aufgrund des Wappens wird die Verbindung zu den Salzburger Fürsterzbischöfen hergestellt.[10] Die Rüstung zum Plankenstechen und Teile der Rüstung zum Freiturnier sind seit der Gründung des Bayerischen Nationalmuseums 1856 in dessen Besitz.[1] Unter den Inventarnummern W 1001 4a-b und W 1001 6a-b wird mit insgesamt 24 Teilen in München der größte Teil der Harnischgarnitur aufbewahrt.[6]

London[Bearbeiten]

Das Halbharnisch fand über den Besitz von Napoleon Bonaparte in den Pariser Kunsthandel und anschließend in die Sammlung von Samuel Rush Meyrick, wo die Präsentation der Teile 1830 abgebildet und beschrieben wurde. 1871 gelangte die Sammlung Meyricks über den Kunsthändler Frédéric Spitzer in den Besitz der Wallace Collection, wo aktuell acht Teile der Harnischgarnitur unter der Inventarnummer A 60 verzeichnet sind.[1][6][11]

Sankt Petersburg[Bearbeiten]

Der Visierhelm zum Freiturnier scheint 1835 im Verzeichnis der Sammlung von Zarskoe-Zelo auf. Heute befindet sich der Helm unter der Inventarnummer Z.O. 3951 im State Hermitage Museum in Sankt Petersburg.[1]

Paris[Bearbeiten]

Im Musée de l'Armee befindet sich eine Rossstirn unter der Inventarnummer MA G592, die aus dem Besitz Napoleons III. stammt.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Ramreiter: "Der Waffenbesitz der Fürsterzbischöfe von Salzburg und sein Verbleib". In: "Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. 149. Vereinsjahr. 2009". Im Selbstverlag der Gesellschaft, Salzburg 2009.
  • Martin Hochleitner (Hrsg.): Bischof. Kaiser. Jedermann - 200 Jahre Salzburg bei Österreich: Begleitband zur Salzburger Landesausstellung. 1. Schatzkammer Salzburg - Am Schauplatz. Salzburg Museum, Salzburg 2016, ISBN 9778-3-900088-72-9.
  • Katalog der 4. Salzburger Landesausstellung. "Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau. Gründer des Barocken Salzburg." Amt der Salzburger Landesregierung, Salzburg 1987.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Johannes Ramreiter: Der Waffensbesitz der Fürsterzbischöfe von Salzburg und sein Verbleib, in Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 149. Vereinsjahr, 2009". Im Selbstverlag der Gesellschaft, Salzburg 2009, S. 331.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Benutzer:Julia Kasser/Experteninterview
  3. Martin Hochleitner (Hrsg.): "Bischof. Kaiser. Jedermann - 200 Jahre Salzburg bei Österreich: Begleitband zur Salzburger Landesausstellung. 1. Schatzkammer Salzburg - Am Schauplatz". Salzburg Museum, Salzburg 2016, ISBN 9778-3-900088-72-9, S.288f
  4. 4,0 4,1 Martin Hochleitner (Hrsg.): Bischof. Kaiser. Jedermann - 200 Jahre Salzburg bei Österreich: Begleitband zur Salzburger Landesausstellung. 1. Schatzkammer Salzburg - Am Schauplatz, Salzburg Museum, Salzburg 2016, ISBN 9778-3-900088-72-9, S.283.
  5. Martin Hochleitner (Hrsg.): Bischof. Kaiser. Jedermann - 200 Jahre Salzburg bei Österreich: Begleitband zur Salzburger Landesausstellung. 1. Schatzkammer Salzburg - Am Schauplatz. Salzburg Museum, Salzburg 2016, ISBN 9778-3-900088-72-9, S.284f.
  6. 6,0 6,1 6,2 Martin Hochleitner (Hrsg.): Bischof. Kaiser. Jedermann - 200 Jahre Salzburg bei Österreich: Begleitband zur Salzburger Landesausstellung. 1. Schatzkammer Salzburg - Am Schauplatz. Salzburg Museum, Salzburg 2016, ISBN 9778-3-900088-72-9, S.278
  7. Martin Hochleitner (Hrsg.): Bischof. Kaiser. Jedermann - 200 Jahre Salzburg bei Österreich: Begleitband zur Salzburger Landesausstellung. 1. Schatzkammer Salzburg - Am Schauplatz. Salzburg Museum, Salzburg 2016, ISBN 9778-3-900088-72-9, S.282.
  8. Johannes Ramreiter: "Der Waffensbesitz der Fürsterzbischöfe von Salzburg und sein Verbleib". In: "Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. 149. Vereinsjahr. 2009". Im Selbstverlag der Gesellschaft, Salzburg 2009, S. 371.
  9. Johannes Ramreiter: Der Waffenbesitz der Fürsterzbischöfe von Salzburg und sein Verbleib in Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 149. Vereinsjahr. 2009". Im Selbstverlag der Gesellschaft, Salzburg 2009, S. 312.
  10. Martin Hochleitner (Hrsg.): "Bischof. Kaiser. Jedermann - 200 Jahre Salzburg bei Österreich: Begleitband zur Salzburger Landesausstellung. 1. Schatzkammer Salzburg - Am Schauplatz". Salzburg Museum, Salzburg 2016, ISBN 9778-3-900088-72-9, S. 285.
  11. Martin Hochleitner (Hrsg.): Bischof. Kaiser. Jedermann - 200 Jahre Salzburg bei Österreich: Begleitband zur Salzburger Landesausstellung. 1. Schatzkammer Salzburg - Am Schauplatz. Salzburg Museum, Salzburg 2016, ISBN 9778-3-900088-72-9, S.286.

Weblinks[Bearbeiten]

  • 200 Jahre Salzburg bei Österreich, Austria Forum, mit einer Abbildung des Harnischs des Fürsterzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau auf einer Briefmarke der Österreichischen Post, abgerufen am 28. Februar 2017