Ziel dieser Lerneinheit ist es, das Flächenintegral für ein Rechteck in der Ebene der komplexen Zahlenebene zu definiert und geometrisch zu motivieren. Im weiteren Verlauf der Lernheit wird dieses Flächenintegral über eine Stammfunktion in Zusammenhang mit Wegintegralen gebracht und zusätzlich der Unterschied zu einem reellen Doppelintegral über Realteil und Imaginärteil verglichen.
Das Rechteck wird dabei in einem ersten Schritt durch vier Punkte definiert, wobei die Seiten des Rechtecks parallel zur Realteilachse bzw. Imaginärteilachse gewählt wurden. Eckpunkte haben dabei die folgende Darstellung:
Mit der folgenden Abbildung ist ersichtlich, dass die Indizierung der Eckpunkt nicht der klassischen Indizierung gegen den Urzeigersinn folgt. Dies hat allein algebraische Gründe, damit die oberen Integralgrenzen eine größeren Index haben als die unteren Integralgrenzen.
Die Flächenstammfunktion ist mit
also die Stammfunktion der Stammfunktion einer holomorphen Funktion auf Kreisscheiben mit , wobei die Koeffizienten von und frei gewählt werden (siehe Differenzsatz für Stammfunktionen).
Analog zur Bildung einer lokalen Stammfunktion auf kann auch in diesem Fall die Taylorentwicklung wegen gleichmäßiger Konvergenz der Partialsummen gegen die Potenzreihe summandenweise integriert werden, d.h. die Flächenstammfunktion hat z.B. die folgende Standarddarstellung:
Mit der obigen Definition der Flächenstammfunktion als Stammfunktion zweiter Ordnung gilt sowohl als auch . Man kann den Entwicklungspunkt der Taylorreihe für die Stammfunktionen 2. Ordnung auch als ein Eckpunkt des Rechtecks (z.B. ) wählen, dadurch entfällt die Berechnung für einen Term der Flächenstammfunktion, denn es gilt:
Reelle Integral über eine Funktion kann man als komplexes Wegintegral mit und betrachten, wenn die Funktion holomorph ist und eine Stammfunktion auf dem Gebiet besitzt.
Komplexwertiges Integral über das rot markierte Rechteck in der Gaußschen Zahlenebene. Die Fläche des rot markierte Rechtecks muss dabei vollständig in dem Gebiet liegen.
Stammfunktion in den komplexen Zahlen in einer Flächeninterpretation
Die im Folgenden veranschaulichte geometrische Motivation der Definition des komplexen Flächenintegrals hat auch einen Zusammenhang mit Wegintegralen bei holomorphen Funktionen, das in der Funktionentheorie Stammfunktionen als Wegintegrale darstellt werden können (siehe Rechteckintegrallemma über Stammfunktionen).
Definition - Rechteckintegral über orientierte Fläche
Die Orientierung wird durch den Gradienten von in einem Punkt beschrieben. Dieses Gradient ist für alle konstant. Die folgende Animation veranschaulicht den Gradient mit einer Animation für ausgewählte Punkte um Rechteck.
Mit der obigen Definition eines Rechtecks für eine orientierte Fläche kann man den Gradienten wieder vektoriell an der Stelle im Graph über die grünen Vektoren veranschaulichen.
Surface integral with visualization of gradient for rectangle - Geogebra GIF animation
Lemma - Rechteckintegral über Flächenstammfunktionen
Sei eine holomorphe Funktion mit der Flächenstammfunktion. Das Rechteck mit wird durch die orientierte Fläche mit definiert. Die Eckpunkten sind als , , , und festgelegt. Für das Flächenintegral über das orientierte Rechteck gilt dann:
Bemerkung - Vorzeichen vor der Flächenstammfunktion
Die Vorzeichen für Flächenstammfunktion für Rechtecke als messbare Mengen kann wie folgt veranschaulicht werden. Die Erläuterung, warum diese Vorzeichen so definiert werden wird in den folgenden Abschnitten in Abbildung erläutert. Der komplexe Flächeninhalt des Rechtecks wird insgesamt als Summe der Werte der Flächenstammfunktionen in den Eckpunkten berechnet.
Integration for an area in the complex number plane - LibreOffice Draw export - Image of series 11 for Wikiversity
Da eine holomorphe Funktion besitzt über die Holomorphiekriterien lokale Stammfunktionen auf konvexen Gebieten. Das Rechteck mit ist eine konvexe Menge, daher gibt es auf eine konvexen Umgebung eine Stammfunktion (siehe Stammfunktion als Wegintegral). Ferner gibt es dann Stammfunktionen beliebig hoher Ordnung (siehe Satz über Stammfunktionen) wird durch die orientierte Fläche mit definiert. Die Eckpunkten sind als , , , und festgelegt.
Eine holomorphe Funktion besitzt auf einfach zusammenhängenden Gebieten (also inbesondere konvexen Mengen) eine Stammfunktion.
Sei nun eine Stammfunktion von auf einer konvexen offenen Menge , die das Rechteck enthält. Wenn eine Stammfunktion besitzt, ist das innere Integral ein Wegintegral von nach und es gilt:
Die partiellen Ableitungen ist ebenfalls konstant.
Da auch die Stammfunktion auf der konvexen offenen Menge mit eine holomorphe Funktion ist, existiert auch für eine Stammfunktion . Die holomorphe Funktion ist eine Flächenstammfunktion und damit eine Stammfunktion 2. Ordnung. Es gilt daher alle :
Mit der Flächenstammfunktion als Stammfunktion 2. Ordnung von auf einer konvexen offenen Menge , kann man nun auch das äußere Integral für das Rechteck für die holomorphe Funktion berechnen. Das äußere Integral ist wieder ein Wegintegral von nach . Wenn man die partielle Ableitung in Beweisschritt 2 einsetzt, erhält man:
Insgesamt erhält man für das Flächenintegral über das orientierte Rechteck die folgende Summe der Auswertungen der Flächenstammfunktion in den Eckpunkten und von :
In der folgenden Schritten wird geometrisch der komplexwertige Flächeninhalt von einem Rechteck betrachtet, wobei durch den Integrationweg berandet ist. Die Bezeichnung der Eckpunkte ist in dieser Veranschaulichung so gewählt, damit am Index die Berechnung "Differenz der Stammfunktion der Integralgrenzen" auch in der zweidimensionalen Zahlenebene erkennbar wird. Aus den reellen Integralberechnung für ist diese Differenz für obere und unteres Intervallgrenze aus der reellen Analysis bekannt:
Das Ziel der komplexen Flächenberechnung mit Stammfunktion ist es, das den komplexen Flächeninhalt des blauen Rechecks zu berechnen. Für die folgende Ausgangssituation ist es wichtig, dass es eine konvexe Umgebung um das blaue Rechteck zusammen mit dem getrichtelten Teilrechtecken gibt, der ganz in dem Gebiet liegt. Diese Voraussetzung ist zunächst wesentlich, damit man die Stammfunktion als Wegintegral über Konvexkombinationen ausdrücken kann.
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Schritt 2 - Komplexer Flächeninhalt für das Ausgangsrechteck
Da das eigentliche Ziel die Berechnung des komplexen Flächeninhaltes von dem blauen Rechteck bzgl. ist, wird nun vom dem grünen Ausgangsrechteck der komplexe Flächeninhalt von dem roten Recheck subtrahiert. Auch dieser komplexe Flächeninhalt kann wieder direkt über die Stammfunktion ausgedrückt werden kann.
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Schritt 4 - Subtraktion eines komplexen Flächeninhaltes
Nun subtrahiert man vom dem grünen Ausgangsrechteck auch noch einen weiteren komplexe Flächeninhalt, der in der folgenden Abbildung als rotes Recheck makiert wurde. Auch dieser komplexe Flächeninhalt kann wieder direkt über die Stammfunktion ausgedrückt werden kann.
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Schritt 5 - Addition eines komplexen Flächeninhaltes
Betrachtet man Schritt 3 und Schritt 4, so ist der komplexe Flächeninhalt für das folgende Rechteck zweifach subtrahiert worden. Für die Berechnung des komplexen Flächenintegrals über das Rechteck muss daher der über die Stammfunktion direkt berechenbare komplexe Flächeninhalt des kleinen Rechtecks wieder addiert werden.
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Für das Gesamtintegral des Rechtecks ergibt sich daher die folgende Berechnungsvorschrift über die Stammfunktionen 2. Ordnung (siehe Flächenstammfunktion):
(Flächenintegral) bezeichnet das komplexwertige Flächenintegral mit der Flächenstammfunktion als Stammfunktion 2. Ordnung. Das Flächenintegral ist für holomorphe Funktionen im Allgemeinen nicht 0.
Beispiel 1 - Flächenintegral für holomorphe Funktionen
Man betrachtet die holomorphe Funktion und ein Rechteck in der komplexen Zahlenebene. Nun berechnet man das komplexe Flächenintegral für mit der Flächenstammfunktion über die Eckpunkte des Rechtecks:
Beispiel 2 - Komplexer Flächeninhalt eines Rechecks
Sei eine messbare Teilmenge aus eine Gebiet und die Funktion mit integrierbarer Realteil- und Imaginärteilfunktion für , dann kann dann das folgende komplexes Flächenintegral als Maß auffassen, wobei die Dichtefunktion des Lebesgue-Maßes ist.
Ist ein Rechteck mit den Eckpunkten , dann ist der komplexe Flächeninhalt des Rechtecks das Flächenintegral mit der konstante Funktion als Dichtefunktion mit für alle . Der komplexewertige Flächeninhalt des Rechtecks wird über die Flächenstammfunktion wie folgt berechnet:
Für das konkrete achsenparallele Rechteck und ist eine mögliche Flächenstammfunktion in der komplexen Zahlenebene. Nun berechnet man das komplexe Flächenintegral für über die Eckpunkte des Rechtecks:
Stellen Sie den Zusammenhang mit der Siebformel aus der Stochastik her, wobei in diesem Falle kein Wahrscheinlichkeitsmaß ist, sondern ein komplexes Maß mit der Dichtefunktion .