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Primzahlen/Kehrwertreihe/Riemannsche Zetafunktion/Einführung/Textabschnitt

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Kann man über Fakt hinaus weitere und feinere Aussagen darüber machen, wie viele Primzahlen es gibt? Wir werden zunächst die Frage betrachten, was man über die Reihe

sagen kann. Dies ist also die Summe aller Kehrwerte von Primzahlen,

Bekanntlich divergiert die harmonische Reihe, also die Summe über aller Kehrwerte von positiven ganzen Zahlen. Dagegen konvergiert die Summe über alle Kehrwerte von Quadraten (und zwar nach Fakt gegen ), es gibt also in einem gewissen Sinn wenig Quadrate. Für jede unendliche Teilmenge    ist es eine interessante und meistens schwierige Frage, ob konvergiert oder divergiert. Für die Primzahlen werden wir das hier in Kürze beantworten. Die Beantwortung hängt eng mit der Riemannschen -Funktion zusammen. Die hier benutzten Methoden gehören zur analytischen Zahlentheorie.


Die Riemannsche -Funktion ist für    mit Realteil    durch

definiert.

Für den Nachweis der Konvergenz der riemannschen Zetafunktion siehe Kurs:Analysis (Osnabrück 2021-2023)/Teil II/Vorlesung 31. Wir erinnern an die Konvergenz der geometrischen Reihe.


Für alle komplexen Zahlen mit    konvergiert die Reihe absolut und es gilt

Dies wird in der Grundvorlesung Analysis bewiesen, siehe Kurs:Analysis (Osnabrück 2021-2023)/Teil I/Vorlesung 9.




Es sei eine endliche Menge von Primzahlen und sei eine komplexe Zahl mit  .  Es sei die Menge aller natürlichen Zahlen, die sich als Produkt von Primzahlen aus darstellen lassen.

Dann ist

Es sei  .  Es ist    nach Voraussetzung über den Realteil. Unter Verwendung von Fakt und Fakt ergibt sich


Aus dieser Aussage ergibt sich sofort ein neuer Beweis dafür, dass es unendlich viele Primzahlen gibt. Wenn es nämlich nur endlich viele Primzahlen gäbe, so könnte man als die endliche Menge aller Primzahlen ansetzen. Es wäre dann  .  Für    stünde dann links eine reelle Zahl, und rechts würde die Summe über alle natürlichen Kehrwerte stehen. Dies ist aber die harmonische Reihe, und diese divergiert!



Es sei eine komplexe Zahl mit  .  Dann gilt für die Riemannsche -Funktion die Produktdarstellung

Dies folgt aus Fakt, wenn man für die Menge der ersten Primzahlen überhaupt ansetzt und dann gegen unendlich laufen lässt. Die Konvergenz der linken Seite, also die Wohldefiniertheit der -Funktion, sichert dabei auch die Konvergenz der rechten Seite.



Das unendliche Produkt

divergiert.

Dies folgt aus Fakt für  .  Man hat die Gleichheit

wobei die ersten Primzahlen umfasse. Für ergibt sich rechts die harmonische Reihe, die nach Beispiel divergiert. Also divergiert auch das Produkt links.


Wir können nun die oben formulierte Frage beantworten.


Die Reihe der Kehrwerte der Primzahlen, also

divergiert.

Das Produkt divergiert für aufgrund von Fakt und ist insbesondere unbeschränkt. Daher ist auch der natürliche Logarithmus davon unbeschränkt. Dieser ist

Die Potenzreihenentwicklung des natürlichen Logarithmus ist

für  .  Angewendet auf den vorstehenden Ausdruck ergibt das

Für die hinteren Summanden hat man die Abschätzungen

wobei hinten die geometrische Reihe benutzt wurde. Damit ist insgesamt

Da die Summe der reziproken Quadrate nach Beispiel konvergiert, ist diese Gesamtsumme beschränkt. Daher ist die Summe unbeschränkt, was die Behauptung ist.


Ein Primzahlzwilling ist ein Paar bestehend aus und , wobei diese beiden Zahlen Primzahlen sind. Die ersten Beispiele sind

Es ist ein offenes Problem der Zahlentheorie, ob es unendlich viele Primzahlzwillinge gibt (was aber stark vermutet wird). Dagegen ist bekannt, dass die zugehörige Reihe, also

konvergiert. In diesem Sinne gibt es also, verglichen mit der Gesamtzahl der Primzahlen, wenige Primzahlzwillinge.


Die Frage, ob es unendlich viele Primzahlzwillinge gibt, besitzt verschiedene schwächere Varianten. Man kann sich zum Beispiel fragen, ob es unendlich oft vorkommt, dass es in einem Zehnerintervall zwei Primzahlen gibt, oder dass es in einem Hunderterintervall zwei Primzahlen gibt, und so weiter. Die ersten Primzahlen vermitteln dabei ein Bild, dass Primzahlen ziemlich häufig sind. Sie werden aber zunehmend seltener, sodass es für hohe Hunderterintervalle, sagen wir für die Zahlen von

ziemlich unwahrscheinlich ist, eine Primzahl zu enthalten, geschweige denn zwei Primzahlen. Bis vor 2013 war es nicht bekannt, ob es überhaupt eine Zahl mit der Eigenschaft gibt, dass es unendlich viele Intervalle der Länge gibt, die zwei Primzahlen enthalten ( wäre die positive Lösung des Primzahlzwillingsproblems). Im Jahr 2013 bewies Zhang Yitang, dass man   

nehmen kann, dass es also unendlich viele Intervalle der Form
gibt, in denen zwei Primzahlen liegen. Dieses Resultat ist ein Durchbruch in der Primzahlzwillingforschung, da es erstmals zeigt, dass sich Primzahlen unendlich oft „ziemlich nahe“ kommen. Zwischenzeitlich wurde die Schranke von auf gesenkt, siehe [1].