Projekt:Die Ungleichheitskrise
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- Dieses gesellschaftlich höchst bedeutsame Projekt ist offen für weitere Autoren. Hier werden statistische Daten und Bewertungen von Fachleuten zur Ungleichheitsentwicklung dokumentiert.
Einleitung
[Bearbeiten]Die Ungleichheitskrise begleitet die Menschheit genauso schleichend in der Entwicklung wie die Klimakrise. Während die Klimakrise durch den Bericht des Club of Rome (Die Grenzen des Wachstums) schon 1972 einer weiten Öffentlichkeit bekannt wurde, schafften es einflussreiche Kräfte, die Ungleichheitskrise bis vor kurzem zu leugnen bzw. zu verharmlosen. Erst der G20-Gipfel in Südafrika brachte erstmals einen Bericht der G20 zur Ungleichheit. Inzwischen hat sich diese Krise bereits zu einem "Ungleichheitsnotstand" ausgeweitet, der jetzt nur noch schlecht zu leugnen ist.
Die Ungleichheitskrise hat für den Einzelnen in der Regel noch schlimmere Auswirkungen als die Klimakrise, weil sie ihn täglich wirtschaftlich betrifft.
Weltweit leiden Milliarden Menschen an der immer weiter steigenden Ungleichheit - und auch in Deutschland sind es Millionen.
In Deutschland hatte der Vermögens-Ungleichheitskoeffizient schon 2010 eine beträchtlich Höhe von 0,76 erreicht - nur noch Österreich lag mit 0,77 vor Deutschland.[1]
Auch der Einkommens-Ungleichheitskoeffizient ist seit Jahren hoch (von 2011 bis 2024 zwischen 0,29 und 0,31[2]). Für das Jahr 2025 wird ein neuer Rekordwert von 0,32 geschätzt, weil er in der Tendenz weiter steigend ist.
Hierfür trägt die regierende und gesetzgebende Politik in Deutschland die volle Verantwortung. Sie ignoriert bisher die verheerenden gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Krise. Im Ergebnis wenden sich immer größere Teile der Bevölkerung von dieser Politik ab und massenhaft linken wie rechten Alternativen zu. Derzeit liegt die Alternativ für Deutschland in den aktuellsten Umfragen vom 2. Dezember 2025 vor allen anderen Parteien (bei Forsa 1 % Vorsprung vor der CDU und bei INSA sogar 2,5 %).[3]
November 2025: G20-Ausschuss ruft globalen Ungleichheitsnotstand aus
[Bearbeiten]Der Ungleichheitsnotstand wurde anläßlich des G20-Gipfel in Johannesburg 2025 vom 22. bis 23. November 2025 festgestellt. Ein „Außerordentlicher Ausschuss unabhängiger Expertinnen und Experten für globale Ungleichheit“ unter der Führung des ehemaligen Weltbank-Chefökonomen und Träger des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften Joseph Stiglitz präsentierte einen Bericht, der aufgrund der alarmierenden Zahlen sofort den Ungleichheitsnotstand ausrief. Das Expertengremium schreib: „Ungleichheit ist kein Naturgesetz, sondern Folge politischer Weichenstellungen.“ Dieser Ausschuss wurde vom südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa anlässlich der südafrikanischen G20-Präsidentschaft einberufen.[4]
- „Der Bericht, der in diesem Monat veröffentlicht wurde, konstatiert einen Ungleichheitsnotstand neben der Klimakrise. Das schürt politische Instabilität und Konflikte und schwächt das Vertrauen in die Demokratie.“[5]
Bisher wurde die gravierende Ungleichheit von den G20 nicht thematisiert - obwohl sie von mindestens derselben Bedeutung ist wie die Klimakrise. Die Ungleichheitskrise wird ohne Umsteuern in eine Ungleichheitskatastrophe mit verheerenden Folgen für die Demokratie führen - genauso wie die Klimakrise zu einer Klimakatastrophe.
Beim diesem G20-Gipfel in Johannesburg 2025 in Südafrika blieb die USA nicht nur demonstrativ fern, sondern drohten auch, sämtliche Entschlüsse blockieren zu wollen, sollten die Südafrikaner es wagen, eine Erklärung ohne US-Beteiligung anzustreben. Die Führung der reichen USA leugnet im eigenen Interesse offenbar nicht nur den Ungleichheitsnotstand - Donald Trump und viele hochrangige amerikanische Politiker gehören sogar zu den Klimawandelleugnern. Der Erpressungsversuch der USA gegenüber Südafrika blieb erfolglos. Dafür wurde Südafrika jetzt vom nächsten G20-Gipfel vom 14.–15. Dezember 2026[6] auf dem Golfplatz und Spa von Präsident Trump in Doral, Florida, von der amerikanischen Regierung ausgeladen.[7] Allerdings hat nach Meinung des Außenpolitik-Experten Kingsley Makhubela der US-Präsident nicht die Befugnis, die Zusammensetzung der G20 eigenmächtig und ohne die Zustimmung der übrigen Mitglieder zu verändern. Dieser Präzedenzfall könnte sogar zum Untergang der G20 und damit des Multilateralismus führen. Dann könnten die Länder tun, was sie wollen - was im Interesse der USA-Regierung wäre.[8]
Joseph E. Stiglitz: Ungleichheitskrise ebenso kritisch wie die Klimakrise
[Bearbeiten]Die Expertenkommission unter der Leitung von Joseph Stieglitz stellte fest:
- „Die verfügbaren Daten zur Ungleichheit sollten alle Staats- und Regierungschefs weltweit beunruhigen. Die Welt hat erkannt, dass wir uns in einer Klimakrise befinden; nun ist es an der Zeit, dass wir erkennen, dass wir uns auch in einer Ungleichheitskrise befinden.“[9]
Neben Stiglitz sitzen im Ausschuss:
- Adriana E. Abdenur (Brasilien),
- Winnie Byanyima (Uganda),
- Jayati Ghosh (Indien),
- Imraan Valodia (Südafrika) und
- Wanga Zembe-Mkabile (Südafrika).
Diesen Experten haben weltweit über 80 weitere führende Wissenschaftler zugearbeitet.
Weiter führt der Bericht aus:
- „Das ist nicht nur ungerecht und untergräbt den gesellschaftlichen Zusammenhalt, es ist auch ein Problem für unsere Wirtschaft und unsere Politik.“[10]
Neue Zahlen zur Ungleichheit
[Bearbeiten]In dem Bericht der Experten sind neue Daten zur Ungleichheit ausgewertet worden.[11]
- 83 Prozent aller Länder, in denen 90 Prozent der Weltbevölkerung leben, erfüllen die Definition der Weltbank für hohe Ungleichheit
- seit dem Jahr 2000 hat das reichste Prozent der Welt 41 Prozent des neuen Vermögens an sich gerissen, während die unteren 50 Prozent der Menschheit ihr Vermögen laut Daten des World Inequality Labs nur um 1 Prozent gesteigert hätten
- der durchschnittliche Reichtum des reichsten Prozents ist um 1,3 Millionen US-Dollar gestiegen, der „Reichtum“ der unteren 50 Prozent im gleichen Zeitraum in konstanten Dollarwerten von 2024 jedoch nur um 585 US-Dollar
- zudem entstehen auch zukünftig Probleme bei sozialer Mobilität, Fairness und Chancengleichheit – weil in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich 70 Billionen US-Dollar an Vermögen vererbt werden.
All das hat laut der Expertenkommission weitreichende negative Auswirkungen in den Bereichen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, unter anderem auch auf die Demokratie.[12]
Weltweit muß jeder Vierte regelmäßig auf Mahlzeiten verzichten, während das Vermögen der Milliardäre den höchsten Stand in der Geschichte erreicht hat. Sowohl der Hunger als auch der Reichtum wachsen ständig. 2,3 Milliarden Menschen haben nicht zuverlässig genug zu essen und müssen regelmäßig Mahlzeiten auslassen. Das sind 335 Millionen mehr als 2019.[13]
Ungleichheit schwächt Demokratie
[Bearbeiten]Angesichts der immer stärker steigenden Ungleichheit wird die Mehrzahl der Menschen persönlich spürbar wirtschaftlich abgehängt. Immer größere Teile der Bevölkerung wenden sich deswegen zwangsläufig von der herrschenden Politik ab und massenhaft linken wie rechten Alternativen zu. Derzeit liegt die Alternativ für Deutschland in den aktuellsten Umfragen vom 2. Dezember 2025 vor allen anderen Parteien (bei Forsa 1 % Vorsprung vor der CDU und bei INSA sogar 2,5 %).[14]
- "Bei rund 90 Prozent der Weltbevölkerung, oder 83 Prozent aller Länder, differiert die Höhe der Einkommen laut Weltbank stark. Hohe Vermögensdisparität untergrabe die Demokratie, den gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie die Wirtschaft, heißt es in dem Bericht. Länder mit hoher Disparität seien siebenmal häufiger von einer Verschlechterung des demokratischen Umfelds betroffen als Länder mit größerer Gleichheit. Seit 2020 hätten Ereignisse wie die Corona-Pandemie, der Krieg in der Ukraine, sowie die von den USA erlassenen neuen Zölle und die daraus resultierenden Handelsstreitigkeiten einen "perfekten Sturm" geschaffen, der Armut und Ungleichheit weiter verschärfe."[15]
International Panel on Inequality (IPI) nach dem Vorbild des Klimarats der Vereinten Nationen (IPCC) notwendig
[Bearbeiten]Die sechsköpfige Expertenkomission unter Stiglitz erarbeitete den Bericht in Zusammenarbeit mit 80 weltführenden Wissenschaftlern. Stiglitz sieht aber die Grenzen dieses für die gewaltigen Aufgaben noch viel zu kleinen Teams. Er schlug deswegen ein "International Panel on Inequality (IPI)" mit tausenden Wissenschaftlern vor, die einen "Ungleichheitsrat" der Vereinten Nationen bilden sollen.
In dem Bericht der Expertenkommission steht:
- „Eine Welt, die eine immer größer werdende Ungleichheit toleriert, kann nicht auf dauerhaften Frieden, Wohlstand oder Nachhaltigkeit hoffen. Angesichts der Schwere dieses Problems ist eine internationale Reaktion dringend erforderlich.“[16]
Die Expertinnen und Experten fordern vor allem die Einrichtung eines neuen »Internationalen Gremiums für Ungleichheit«. Es solle die Politik beraten, analog zum Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimawandel Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC).
Bereits am 14. November 2025 riefen hunderte führende Ökonominnen und Ökonomen sowie weitere Fachleute dazu auf, ein unabhängiges internationales Gremium zum Thema Einkommens- und Vermögensungleichheit zu schaffen. Auch die ehemalige US-Finanzministerin Janet Yellen gehört zu dieser Gruppe. Der Appell erschien in einem offenen Brief ganz gezielt kurz vor dem G20-Gipfel am 22. und 23. November 2025 in Südafrika.[17]
- "Stiglitz, der an der US-Universität Columbia lehrt, fordert die Gründung eines Gremiums, das globale Entwicklungen systematisch erheben und Politikwirkungen prüfen soll. Dieses International Panel on Inequality (IPI) soll nach dem Vorbild des Klimarats der Vereinten Nationen (IPCC) aufgesetzt werden. Für den IPCC arbeiten weltweit Tausende Wissenschaftler, die erhobenen Daten gelten innerhalb der Wissenschaft als glaubwürdigste und fundierteste Quelle."[18]
Die Rolle der Klimakrise
[Bearbeiten]vgl. Klimakrise
Die Rolle der Energiekrise
[Bearbeiten]vgl. Energiekrise
Wirtschaftsreformen werden immer dringender
[Bearbeiten]Um die Menschheit zukunftsfähig zu machen, empfiehlt der Bericht endlich die Einleitung und Umsetzung schon lange überfälliger wirtschaftlicher Reformen, die immer wieder verhindert worden sind. Auch in Deutschland wird gegenwärtig immer noch ein umgekehrter und damit falscher Weg beschritten, der den Ungleichheitskoeffizienten zugunsten der Reichen in ständig neue Rekordhöhen treibt.
In Deutschland hatte der Vermögens-Ungleichheitskoeffizient schon 2010 eine beträchtlich Höhe von 0,76 erreicht - nur noch Österreich lag mit 0,77 vor Deutschland.[19]
Auch der Einkommens-Ungleichheitskoeffizient ist seit Jahren hoch (von 2011 bis 2024 zwischen 0,29 und 0,31[20]). Für das Jahr 2025 wird ein neuer Rekordwert von 0,32 geschätzt, weil er in der Tendenz weiter steigend ist.
Hierfür trägt die regierende und gesetzgebende Politik in Deutschland die volle Verantwortung. Sie ignoriert bisher die verheerenden gesellschaftlichen Auswirkungen dieses Ungleichheitsnotstandes und bringt damit leichtfertig die Demokratie in Deutschland in Gefahr.
- "Um Disparität zu verringern, empfehlen die Autoren eine Reform internationaler Wirtschaftsregeln, wie eine fairere Besteuerung multinationaler Unternehmen und der sehr vermögenden Menschen. Auf nationaler Ebene sollten verstärkt arbeitnehmerfreundliche Regulierungen umgesetzt, Unternehmenskonzentration verringert, große Kapitalgewinne besteuert, in öffentliche Dienstleistungen investiert und eine progressivere Steuer- und Ausgabenpolitik implementiert werden."[21]
Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung
[Bearbeiten]vgl. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung
Einkommensverteilung
[Bearbeiten]Der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung ist grundsätzlich ungeeignet, eine adäquate Einkommensverteilung darzustellen.
Unberücksichtigt bleiben Einkommen von jährlich hunderten Milliarden Euro, weil mittlerweile eine Schätzung zum Steuerbetrug in der Höhe von der Größenordnung von 100 Millarden Euro jährlich vorliegt.
Florian Köbler, der Bundesvorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, bestätigte dem MDR AKTUELL auf Anfrage:
- 100 Milliarden Euro sind es mindestens, unsere Schätzungen zur Steuerhinterziehung gehen noch darüber hinaus.[22]
2023 betrugen die Gesamtsteuereinnahmen in Deutschland 947,7 Milliarden Euro, die veranlagte Einkommenssteuer trug dazu 74,8 Milliarden Euro bei.[23]
Der Ökonom Friedrich Schneider schätzt, dass der durch Einkommenssteuerbetrug mittels Schwarzarbeit verursachte Schaden zwischen 2016 und 2022 jährlich bei rund 54 Milliarden Euro lag. Hinzu kommt noch der Einkommenssteuerbetrug mittels unterdeklarierter legaler Arbeit.[24]
Hinzu kommt die Steuervermeidung von jählich rund 160 Milliarden Euro (für die EU wird von einer Summe von 1 Billion Euro im Jahr ausgegangen).[25]
Demnach ist das in Deutschland deklarierte und statistisch erfaßbare Einkommen lange noch nicht einmal die Hälfte des tatsächlichen jährlichen Einkommens, so daß jede Aussage über eine Einkommensverteilung von vornherein obsolet ist.
Die Beschwerden über die unzureichende personelle wie auch technische Ausstattung staatlicher Behörden zur Eindämmung dieses Steuerbetrugs werden immer häufiger und drängender, ohne daß dieser Umstand abgestellt wird - im Gegenteil: der Einkommenssteuerbetrug steigt nach den Schätzungen der letzten Jahrzehnte immer weiter an.
Und wenn dann einmal die Steuerfahndung effizient arbeitete wie im Falle der Commerzbank und der Deutschen Bank, die reichen Kunden geholfen hatten, ihr Geld auf Auslandskonten zu verschieben und der Staat dadurch etwa eine Milliarde Euro an hinterzogenen Steuern zurückerhielt, wurden mindestens 15 Steuerfahnder versetzt, elf davon in den Innendienst in andere Steuerabteilungen - und zwei Steuerfahnder und zwei Sachgebietsleiter mussten die Steuerfahndung sogar ganz verlassen. Danach wurde die ganze Abteilung Frankfurt V mit 70 Mitarbeitern aufgelöst. - vgl. Steuerfahnder-Affäre
- Viele der Fahnder allerdings spekulieren, es sei eher die Angst um den Finanzplatz Frankfurt. Man wolle es sich mit den Banken und ihren wohlhabenden und einflussreichen Kunden nicht völlig verderben. Andere erinnern daran, dass gerade die hessische CDU ja ihre ganz eigenen Erfahrungen gemacht hat mit illegalen Vermögenstransfers in eine Liechtensteiner Stiftung namens "Zaunkönig", die die Parteispendenaffäre ausgelöst hat. Vielleicht hat der Zaunkönig Kinder bekommen?[26] - vgl. CDU-Spendenaffäre
Auch die Schwarzarbeit ist enorm. Es werden Zahlen von drei bis vier Millionen Schwarzarbeiter geschätzt - weit überwiegend in reichen Haushalten unterbezahlt beschäftigt.
Vermögensverteilung
[Bearbeiten]Informationen über die Verteilung der Vermögen können "mangels Register- oder Verwaltungsdaten" nur aus Befragungen gewonnen werden
[Bearbeiten]Der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung ist ebenfalls für eine reelle statistische Darstellung der Vermögensverteilung völlig ungeeignet. Die Behörden verfügen seit der Abschaffung der Vermögenssteuer 1996 noch nicht einmal mehr über Daten zu den Vermögen - auch nicht zu den Betriebsvermögen. Somit muß der kürzlich (am 3. Dezember 2025) erschienene 7. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung eingestehen:
- "Informationen über die Verteilung dieser Vermögen können in Deutschland mangels Register- oder Verwaltungsdaten nur aus Befragungen von Stichproben der Bevölkerung gewonnen werden, die zudem abweichende Vermögensabgrenzungen verwenden. ... Da die Teilnahme an den genannten Befragungen freiwillig ist und sensible Daten erfragt werden, kommt es hier insbesondere beim Geldvermögen zu starken Untererfassungen. Außerdem müssen die Verkehrswerte der Immobilien, die den größten Teil der Privatvermögen ausmachen, von den Befragten geschätzt werden, obwohl diese überwiegend keinen Überblick über das Marktgeschehen haben."[27]
Während in Deutschland schon etwa 100 Milliarden Euro jährlich an Einkommenssteuer hinterzogen werden, die aus der Untererfassung von mehreren hundert Milliarden Euro an Einnahmen resultieren, liegt die Summe der Untererfassung und der "Unterschätzung" des Immobilienvermögens in der Größenordnung von deutlich über sechs Billionen Euro, wie die Differenzen der Befragungen und Schätzungen ergeben haben. Die Verschleierung von deutschem Vermögen (zB Geld bei ausländischen Banken, ausländischer Immobilienbesitz, ausländisches Betriebsvermögen, aber auch in Deutschland nicht deklarierte Vermögenswerte etc.) könnte demnach in der Größenordnung von 10 Billionen Euro liegen.
Die Steuerhinterzieher schaffen Millionen Euros mit Autos oder in Koffern über die Grenzen und bringen selbst oder mit Mittelsmännern die Geldbündel kiloweise eingenäht ins Bettzeug etc. in Steueroasen. Dabei wähnen sie sich auf der sicheren und sogar richtigen Seite.[28]
"In den Statistiken klaffen Löcher, die so groß sind, dass Billionen von Euro verschwinden"
[Bearbeiten]Obwohl dieses Dilemma seit Beginn der Berichte bekannt ist, werden die Abweichungen der Statistik von der Realität ständig nur größer. Schon anläßlich des 4. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung im Jahr 2013 wurde deutlich kritisiert:
- "In den Statistiken klaffen Löcher, die so groß sind, dass Billionen von Euro verschwinden. Niemand weiß, wer dieses Geld hat. ... In Deutschland herrscht ein Daten-Nirwana, weil es keine Vermögensteuer gibt – und damit keine Vollerhebung des individuellen Besitzes. Das ist kein Zufall. Die Reichen haben viel Lobbyarbeit investiert, um eine verlässliche Statistik zu verhindern. Sie wissen genau, dass eine Verteilungsdiskussion nicht geführt werden kann, wenn die Daten fehlen."[29]
Seitdem sind die Billionen-Lücken in der Erfassung nur noch gestiegen. Durch diese verdeckte, aber doch spürbare immense Ungleichheit wird die Demokratie in Deutschland stark gefährdet. In den jüngsten Umfragen zur Bundestagswahl erreichte die rechte Alternative mit 27 % als stärkste Partei die meisten Stimmen - und auch die Linken und das BSW kamen auf 14 %. Da auch unter sonstige Parteien sich Linke und Rechte befinden, geht der Anteil der Wähler der extremen Ränder auf die 50 % zu.
Deutschland gehört zu den Ländern mit einem ausgeprägten Ungleichheitsnotstand, der sich bereits in Politik und Gesellschaft spürbar bemerkbar macht.
Große statistische Ungenauigkeit und "eine ganz gravierende Verzerrung" der repräsentativen Umfrage bei nur 4.000 Haushalten (0,01 % aller Haushalte)
[Bearbeiten]Die Umfrageergebnisse der Bundesbank beruhen auf einer repräsentativen Stichprobe von nur gut 4000 Haushalten. Demzufolge wird nur jeder 10.000 Haushalt erfaßt.
Der Global Wealth Report der Boston Consulting Group hat eine enorme Konzentration des Vermögens in Deutschland konstatiert: die 3900 Personen, deren Geldvermögen mindestens 100 Millionen Dollar umfasst, besitzen zusammen knapp drei Billionen Euro (30 Prozent des Geldvermögens in Deutschland).
Demnach ist es völlig unsicher, ob die Umfragen der Bundesbank überhaupt einen einzigen dieser Haushalte mit mindestens 100 Millionen Dollar erfassen. So kann es zu immensen Verzerrungen der Ungleichverteilung kommen.
Michael Hartmann, bis 2014 Professor für Soziologie mit den Schwerpunkten Elitesoziologie, Industrie- und Betriebssoziologie sowie Organisationssoziologie an der Technischen Universität Darmstadt, stellte schon im Vorfeld der Veröffentlichung des siebenten und neuesten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung im Nachrichtenmagazin Focus am 17. November 2025 fest:
- Anders als bei Wahlumfragen, wo jeder Befragte grundsätzlich das gleiche Gewicht für die Gesamtaussage zum voraussichtlichen Wahlergebnis hat, kann bei einer derartigen Erhebung der Vermögensverteilung eine ganz gravierende Verzerrung stattfinden. Hier zählt jede Person eben nicht gleich, macht es einen riesigen Unterschied, welcher Haushalt unter den oberen zehntausend in der Umfrage vertreten ist, einer mit vielleicht zehn Millionen Vermögen oder einer mit 10 Milliarden.[30]
Einzelnachweise
[Bearbeiten]- ↑ Serie Ungleichheit: Ist Deutschland ein ungleiches Land? Im Vergleich zu Ländern mit ähnlichem Wohlstand schneidet die Bundesrepublik nicht gut ab. In: Böckler Impuls der Hans-Böckler-Stiftung, Ausgabe 07/2017.
- ↑ „Internationale Länderdaten. Europa. Einkommensungleichheit in Deutschland nach dem Gini-Index bis 2024“. Veröffentlicht von Statista Research Department, 26. November 2025.
- ↑ „Sonntagsfrage Bundestagswahl. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre …“ auf wahlrecht.de/umfragen. Abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ Kathrin Werner: "Vor G20-Treffen: Starökonom Stiglitz warnt vor globalem Notstand durch Ungleichheit. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz sieht die Lücke zwischen Arm und Reich als eine Gefahr vom gleichen Ausmaß wie die Klimakrise. In einem Bericht fordert er ein globales Gremium, das Schieflagen frühzeitig aufzeigt." In: Der Spiegel vom 4. November 2025.
- ↑ Nadya Oppenheim: Top-Ökonomen fordern Staats- und Regierungschefs: internationale Kommission gegen Ungleichheit. Vor dem G20-Treffen zur globalen Ungleichheit verlangen Ökonominnen und Ökonomen ein Weltgremium. Die Vermögenskluft untergräbt Stabilität und Vertrauen. In: Euronews vom 14. November 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ Jennifer Jacobs, Ed O'Keefe und Kristin Brown: Trump announces plans to host 2026 G20 summit at his Doral resort. CBS News vom 5. September 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ Trump lädt Südafrika vom nächsten G20-Gipfel aus. In: ZDF heute vom 26. November 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ „Diplomatischer Eklat. Südafrika empört über Trumps G20-Ausladung“ In: Tagsschau vom 27. November 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ Ungleichheitsnotstand« Nobelpreisträger Stiglitz schlägt Alarm zum G20-Gipfel. In: Surplus (Magazin) vom 4. November 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ Kathrin Werner: "Vor G20-Treffen. Starökonom Stiglitz warnt vor globalem Notstand durch Ungleichheit. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz sieht die Lücke zwischen Arm und Reich als eine Gefahr vom gleichen Ausmaß wie die Klimakrise. In einem Bericht fordert er ein globales Gremium, das Schieflagen frühzeitig aufzeigt." In: Der Spiegel vom 4. November 2025.
- ↑ Andreas Landwehr: G-20-Gipfel: Ökonomen warnen vor Folgen der Arm-Reich-Schere. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6. November 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ Ungleichheitsnotstand« Nobelpreisträger Stiglitz schlägt Alarm zum G20-Gipfel. In: Surplus (Magazin) vom 4. November 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ Reichtum contra Armut. Globaler „Ungleichheitsnotstand“: Ökonomen schlagen Alarm. Vermögen von einem Prozent der Menschen nimmt um 41 Prozent zu. Die Hälfte der Menschheit hat ihr Vermögen aber nur um ein Prozent gesteigert. In: Rai News 24 vom 4. November 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ „Sonntagsfrage Bundestagswahl. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre …“ auf wahlrecht.de/umfragen. Abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ "Ökonomen schlagen wegen globalem 'Ungleichheitsnotstand' Alarm". In: Deutsche Börse vom 3. November 2025.
- ↑ Kathrin Werner: "Vor G20-Treffen. Starökonom Stiglitz warnt vor globalem Notstand durch Ungleichheit. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz sieht die Lücke zwischen Arm und Reich als eine Gefahr vom gleichen Ausmaß wie die Klimakrise. In einem Bericht fordert er ein globales Gremium, das Schieflagen frühzeitig aufzeigt. In: Der Spiegel vom 4. November 2025.
- ↑ Nadya Oppenheim: Top-Ökonomen fordern Staats- und Regierungschefs: internationale Kommission gegen Ungleichheit. Vor dem G20-Treffen zur globalen Ungleichheit verlangen Ökonominnen und Ökonomen ein Weltgremium. Die Vermögenskluft untergräbt Stabilität und Vertrauen. In: Euronews vom 14. November 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ Kathrin Werner: "Vor G20-Treffen. Starökonom Stiglitz warnt vor globalem Notstand durch Ungleichheit. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz sieht die Lücke zwischen Arm und Reich als eine Gefahr vom gleichen Ausmaß wie die Klimakrise. In einem Bericht fordert er ein globales Gremium, das Schieflagen frühzeitig aufzeigt." In: Der Spiegel vom 4. November 2025.
- ↑ Serie Ungleichheit: Ist Deutschland ein ungleiches Land? Im Vergleich zu Ländern mit ähnlichem Wohlstand schneidet die Bundesrepublik nicht gut ab. In: Böckler Impuls der Hans-Böckler-Stiftung, Ausgabe 07/2017.
- ↑ „Internationale Länderdaten. Europa. Einkommensungleichheit in Deutschland nach dem Gini-Index bis 2024“. Veröffentlicht von Statista Research Department, 26. November 2025.
- ↑ "G20-Gipfel. Ökonomen schlagen wegen globalem „Ungleichheitsnotstand“ Alarm. Vor dem G20-Gipfel haben Wirtschaftsexperten die ungleichen Vermögensverhältnisse zwischen Arm und Reich analysiert. Ihr Bericht warnt vor schweren Folgen für die Demokratie. In: Handelsblatt vom 4. November 2025.
- ↑ Faktencheck. Bürgergeldbetrug oder Steuerhinterziehung – was kostet uns mehr? In: Mitteldeutscher Rundfunk (MDR) vom 3. November 2024, abgerufen am 7. Dezember 2025.
- ↑ GENESIS-Datenbank, Tabelle 71211-0001.
- ↑ Faktencheck. Bürgergeldbetrug oder Steuerhinterziehung – was kostet uns mehr? In: Mitteldeutscher Rundfunk (MDR) vom 3. November 2024, abgerufen am 7. Dezember 2025.
- ↑ EU warnt vor Steuerausfall von 1 Billion Euro. In: FAZ, 6. Dezember 2014
- ↑ Frauke Hunfeld: Steuerfahndung Frankfurt. Eiskalt abserviert. Als Ermittler holten sie für den Staat Millionen, auch bei den großen Banken. Doch plötzlich war Schluss. Plötzlich störten sie die Geschäfte und wurden als Querulanten aus dem Dienst gemobbt. Die Geschichte von Rudolf Schmenger und seinen Kollegen von der Steuerfahndung Frankfurt, die jetzt auf Gerechtigkeit hoffen. In: Der Stern vom 19. Dezember 2008, abgerufen am 7. Dezember 2025.
- ↑ 7. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung vom 3. Dezember 2025, S. 115f.
- ↑ Frauke Hunfeld: Steuerfahndung Frankfurt. Eiskalt abserviert. Als Ermittler holten sie für den Staat Millionen, auch bei den großen Banken. Doch plötzlich war Schluss. Plötzlich störten sie die Geschäfte und wurden als Querulanten aus dem Dienst gemobbt. Die Geschichte von Rudolf Schmenger und seinen Kollegen von der Steuerfahndung Frankfurt, die jetzt auf Gerechtigkeit hoffen. In: Der Stern vom 19. Dezember 2008, abgerufen am 7. Dezember 2025.
- ↑ Ulrike Herrmann (wirtschaftspolitische Korrespondentin der taz): Kommentar Armutsbericht. Der unbekannte Reiche. Der Skandal am Armutsbericht ist nicht, dass die FDP hilflos daran herumredigiert. Der Skandal ist, dass der Bericht nichts über Reichtum zu sagen weiß. taz vom 6. März 2013 (abgerufen am 5. Dezember 2025).
- ↑ Prof. em. Michael Hartmann: Spaltung der Gesellschaft. Die Verteilung des Vermögens in Deutschland ist wohl noch krasser als bisher gedacht. Wie ungerecht ist die Vermögensverteilung hierzulande. Die Meldungen dazu bieten ein widersprüchliches Bild. Im Artikel wird Klarheit geschaffen. In: Focus vom 17. November 2025, abgerufen am 7. Dezember 2025.