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Quadratischer Zahlbereich/Normeuklidisch/Einführung/Textabschnitt

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Wir betrachten diejenigen imaginär-quadratischen Zahlbereiche (also D<0), für die die Norm eine euklidische Funktion ist. Wir werden in Bemerkung Beispiele sehen, wo der Ganzheitsring zwar faktoriell, aber nicht euklidisch ist.


Es sei  D0,1  quadratfrei und AD der zugehörige quadratische Zahlbereich. Dann heißt AD normeuklidisch, wenn die Normfunktion auf AD eine euklidische Funktion ist.

Da eine euklidische Funktion nur positive Werte annimmt, kann die Norm allenfalls im imaginär-quadratischen Fall euklidisch sein, da im reell-quadratischen Fall die Norm auch negative Werte annimmt. Die Euklidizität der Norm bedeutet, dass es zu a,bR, b0, Elemente z und r mit

a=zb+r

und  r=0  oder

N(r)<N(b).

Dies kann man auch so sehen, dass es für jedes rationale Element  abQ(R)  eine ganzzahlige Approximation  zR  mit

N(abz)<1

gibt. Mit Hilfe dieser geometrischen Interpretation charakterisiert der nächste Satz explizit diejenigen imaginär-quadratischen Zahlbereiche, für die AD normeuklidisch ist.


Satz  

Es sei  D<0  quadratfrei und AD der zugehörige quadratische Zahlbereich. Dann sind folgende Aussagen äquivalent.

  1. AD ist euklidisch.
  2. AD ist normeuklidisch.
  3. Es ist  D=1,2,3,7,11

Beweis  

(1) (3). Es sei AD euklidisch mit euklidischer Funktion δ. Es sei zAD, z0, keine Einheit, so gewählt, dass δ(z) unter allen Nichteinheiten den minimalen Wert annimmt. Für jedes wAD ist dann

w=qz+r mit r=0 oder δ(r)<δ(z).

Wegen der Wahl von z bedeutet dies  r=0  oder r ist eine Einheit. Wir betrachten die Restklassenabbildung

φ:ADAD/(z).

Dabei ist  φ(w)=φ(r).  Ab  |D|4  gibt es nur die beiden Einheiten 1 und 1, sodass das Bild von φ überhaupt nur aus 0,1,1 besteht. Also ist nach Fakt

N(z)=|AD/(z)|3

Bei  D=2,3mod4  hat nach Fakt jedes Element aus AD die Form  z=a+bD  (a,b) mit Norm  N(z)=a2+|D|b2.  Damit ist (bei |D|4)  N(z)3  nur bei b=0 und |a|=1 möglich, doch dann liegt eine Einheit vor, im Widerspruch zur Wahl von z. In diesem Fall verbleiben also nur die Möglichkeiten  D=1,2

Bei  D=1mod4  hat nach Fakt jedes Element aus AD die Form  z=a+b1+D2  (a,b) mit Norm  N(z)=(a+b2)2+|D|b24.  Damit ist bei  |D|13  die Bedingung  N(z)3  wieder nur bei  b=0  und  |a|=1  möglich, sodass erneut eine Einheit vorliegt. Es verbleiben die Möglichkeiten  D=3,7,11

(3) (2). Der Ganzheitsring AD ist genau dann normeuklidisch, wenn es zu jedem  f[D]  ein  zAD  mit  |N(fz)|<1  gibt. Dies bedeutet anschaulich, dass es zu jedem Punkt von  [D]  stets Gitterpunkte aus AD gibt mit einem Abstand kleiner als eins.[1] Im Fall  D=2,3mod4  ist  AD=[D]  und es liegt ein rechteckiges Gitter vor, wobei der maximale Abstand im Mittelpunkt eines Gitterrechteckes angenommen wird. Der Abstand zu jedem Eckpunkt ist dort 14+|D|4, und dies ist nur für  D=1,2  kleiner als eins.

Im Fall  D=1mod4  wird die komplexe Ebene überdeckt von kongruenten gleichschenkligen Dreiecken, mit einer Grundseite der Länge eins und Schenkeln der Länge 121+|D|, deren Eckpunkte jeweils Elemente aus AD sind. Der Punkt innerhalb eines solchen Dreiecks mit maximalem Abstand zu den Eckpunkten ist der Mittelpunkt des Umkreises, also der Schnittpunkt der Mittelsenkrechten. Wir berechnen ihn für das Dreieck mit den Eckpunkten (0,0),(1,0),(12,|D|2). Die Mittelsenkrechte zur Grundseite ist durch  x=12  gegeben, und die Mittelsenkrechte zum linken Schenkel wird durch (14,|D|4)+t(|D|,1) beschrieben. Gleichsetzen ergibt

14+t|D|=12 bzw. t|D|=14 und t=14|D|.

Damit ist die zweite Koordinate gleich |D|414|D| und der gemeinsame Abstand zu den drei Eckpunkten ist die Quadratwurzel aus

14+(|D|414|D|)2=14+|D|16+116|D|18=116(2+|D|+1|D|).

Dies (und ebenso die Quadratwurzel) ist kleiner als 1 genau dann, wenn  |D|+1|D|<14  ist, was genau bei  D>13  der Fall ist und den Möglichkeiten  D=3,7,11  entspricht.

(2) (1) ist trivial.


Für ein vorgegebenes quadratfreies D kann man grundsätzlich effektiv entscheiden, ob der quadratische Zahlbereich AD faktoriell ist oder nicht. Für  D<0  ist dies genau für

D=1,2,3,7,11,19,43,67,163

der Fall. Es war bereits von Gauß vermutet worden, dass dies alle sind, es wurde aber erst 1967 von Heegner und Stark bewiesen. Man weiß auch, für welche von diesen D der Ganzheitsbereich euklidisch ist, nämlich nach Fakt für  D=1,2,3,7,11,  aber nicht für die anderen vier Werte.

Für  D>0  wird vermutet, dass für unendlich viele Werte der Ganzheitsbereich faktoriell ist. Für  D<100  liegt ein faktorieller Bereich für die Werte

2,3,5,6,7,11,13,14,17,19,21,23,29,31,33,37,38,41,43,46,47,
53,57,59,61,62,67,69,71,73,77,83,86,89,93,94,97

vor. Dagegen weiß man (Chatland und Davenport 1950), für welche positiven D der Ganzheitsbereich AD euklidisch ist, nämlich für  D=2,3,5,6,7,11,13,17,19,21,29,33,37,41,57,73

  1. Da [D] dicht in der komplexen Ebene liegt, gilt dies ebenso für alle komplexen Zahlen.