Es seien
und
zwei ungerade Primzahlen. Dann kann
ein quadratischer Rest modulo
sein
(oder nicht)
und
kann ein quadratischer Rest modulo
sein, oder nicht. Das Quadratische Reziprozitätsgesetz, das von Euler entdeckt und von Gauß erstmals bewiesen wurde, behauptet nun, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen diesen beiden Eigenschaften gibt. Es erlaubt weiterhin mit den beiden unten genannten Ergänzungssätzen algorithmisch zu entscheiden, ob eine Zahl ein quadratischer Rest oder ein nichtquadratischer Rest ist.
Es seien
und
verschiedene ungerade
Primzahlen. Dann gilt:
-

Dies wird weiter unten nach einigen Vorbereitungen bewiesen. Die zweite Gleichung ist elementar.

In Worten: Wenn
und
beide den Rest
modulo
haben, so ist
modulo
ein quadratischer Rest genau dann, wenn
modulo
ein nichtquadratischer Rest ist. In allen anderen Fällen ist
modulo
ein quadratischer Rest genau dann, wenn
modulo
ein quadratischer Rest ist.
Die beiden folgenden Sätze werden die Ergänzungssätze zum quadratischen Reziprozitätsgesetz genannt, da sie klären, wann die
und wann die
quadratische Reste sind. In der algorithmischen Bestimmung von Quadratresten sind diese beiden Fälle ebenfalls unerlässlich.
Für eine ungerade Primzahl
gilt:
-

Die Gleichung von links und rechts wurde bereits in
Fakt
bewiesen. Die erste Gleichung ist auch ein Spezialfall von
Fakt
und die zweite Gleichung ist elementar.

Für eine ungerade Primzahl
gilt:
-

Dies wird weiter unten bewiesen.

Die Elemente im Restklassenkörper
werden zumeist durch die Zahlen von
bis
repräsentiert. Für das Vorzeichenlemma von Gauß ist es sinnvoll, ein anderes Repräsentantensystem
(für die von
verschiedenen Elemente)
zu fixieren. Wir setzen
und
-
Wir unterteilen also die Einheitengruppe in eine positive und eine negative Hälfte. Dieses Repräsentantensystem ist dadurch ausgezeichnet, dass jedes Element durch das betragmäßig kleinste Element repräsentiert wird. Im folgenden Lemma betrachtet man zu einer zu
teilerfremden Zahl
die Menge der Vielfachen
,
,
in
und schaut, ob sie in der negativen oder der positiven Hälfte liegen. Man definiert die sogenannten Gaußschen Vorzeichen
-

Die folgende Aussage heißt Gaußsches Vorzeichenlemma.
Es sei
durch die Bedingung
-

festgelegt. Wir betrachten alle Vielfachen
,
.
Die Menge all dieser Vielfachen ist selbst ganz
, da ja
eine Einheit und daher die Multiplikation mit
eine Bijektion ist. Es ist
für
.
Daher ist
.
Deshalb gilt
und somit
-

Durch kürzen mit
(das ist eine Einheit)
ergibt sich
-

und
das Euler-Kriterium,
nämlich
-

liefert das Ergebnis.

Mit dem Gaußschen Vorzeichenlemma beweisen wir zunächst den zweiten Ergänzungssatz zum quadratischen Reziprozitätsgesetz, der beschreibt, wann
ein quadratischer Rest ist.
Für eine ungerade Primzahl
gilt:
-

Wir benutzen
Fakt
und müssen bestimmen, wie viele der Zahlen
,
,
in
liegen. Nun ist
genau dann, wenn
ist
(alle zu betrachtenden Vielfachen von
sind kleiner als
).
Dies ist äquivalent zu
und wir müssen das kleinste
mit dieser Eigenschaft finden. Ist
ein Vielfaches von
, so ist
das kleinste
und insgesamt gibt es in diesem Fall
-

solche
. Diese Anzahl ist bei
gerade und bei
ungerade, was das Ergebnis in diesen Fällen ergibt.
Es sei also nun
bzw.
.
Dann ist das kleinste
derart, dass
ist, gleich
, und es gibt insgesamt
-

solche
. Diese Anzahl ist bei
ungerade und bei
gerade, was die Behauptung in diesen Fällen ergibt.
