Kurs:Topologische Invertierbarkeitskriterien/Topologische Algebra
Einleitung
[Bearbeiten]Ein topologische Algebra ist zunächst einmal eine topologischer Vektorraum, der zusätzliche innere Verknüpfung als Multiplikation auf , auf der alle Verknüfungen stetig sind. Daher wird zunächst der Begriff topologischer Vektorraum definiert.
Definition: Topologischer Vektorraum
[Bearbeiten]Ein topologischer Vektorraum über ist ein Vektorraum über dem Körper , der eine Topologie besitzt, mit der die skalare Multiplikation und die Addition stetige Abbildungen sind.
Im Folgenden soll für alle topologischen Vektorräume die Hausdorffeigenschaft vorausgesetzt sein.
Klassen von topologischen Vektorräumen
[Bearbeiten]- normierter Vektorraum
- lokal beschränkter Vektorraum
- lokalkonvexer Vektorraum
- pseudokonvexer Vektorraum
- multiplikativer lokalkonvexer Vektorraum
- multiplikativer pseudokonvexer Vektorraum
Wege in topologischen Vektorräumen
[Bearbeiten]Stetige Abbildungen von einem Intervall in den Vektorraum nennt man Wege, über die man auch in allgemeiner Form Wegintegrale berechnen kann (siehe Wege in topologischen Vektorräumen).
Definition: Umgebungen
[Bearbeiten]Sei ein topologischer Raum mit einer Topologie als System von offenen Mengen und , dann bezeichnet
- die Menge aller Umgebungen vom Punkt ,
- die Menge aller offenen Umgebungen vom Punkt ,
- die Menge aller abgeschlossenen Umgebungen von Punkt
Bemerkung: Indizierung mit der Topologie
[Bearbeiten]Falls keine Missverständnisse über den zugrundeliegenden topologischen Raum auftreten können, wird der Index als Bezeichnung der verwendeten Topologie nicht mit angegeben.
Bemerkung: Analogie zur Epsilonumgebung
[Bearbeiten]Bei Konvergenzaussagen in den reellen Zahlen betrachtet man in der Regel nur -Umgebungen. Dabei müssten man in eigentlich in topologischen Räumen für beliebige Umgebungen aus eine Indexschranke eines Netzes finden, ab der alle liegen mit . Da die -Umgebungen allerdings eine Umgebungsbasis darstellen, braucht man nach der Konvergenzdefinition die Eigenschaft nur für alle zu zeigen.
Konvergenz in topologischen Räumen
[Bearbeiten]Sei ein topologischer Raum, , eine Indexmenge (partielle Ordnung) und ein Netz. Die Konvergenz von gegen wird dann wie folgt definiert:
- .
(dabei ist "" für die partiellle Ordnung auf der Indexmenge ).
Konvergenz über Gaugefunktionalsysteme
[Bearbeiten]Sei ein topologischer Raum mit, , eine Indexmenge (partielle Ordnung) und ein Netz. Die Konvergenz von gegen wird dann wie folgt definiert:
- .
(dabei ist "" für die partiellle Ordnung auf der Indexmenge ).
Definiton: Umgebungsbasis
[Bearbeiten]Sei ein topologischer Raum, und die Menge aller Umgebungen von . heißt Umgebungsbasis von , wenn es zu jedem :
Bemerkung: Epsilonkugeln in normierten Räumen
[Bearbeiten]Sei ein normierter Raum, dann bilden die -Kugeln
eine Umgebungsbasis von der Menge aller Umgebungen von von .
Aufgabe 1
[Bearbeiten]Sei ein toplogischer Raum mit der chaotischen Topologie .
- Bestimmen Sie für ein beliebiges .
- Zeigen Sie, dass jede Folge in gegen einen beliebigen Grenzwert konvergiert.
Aufgabe 2
[Bearbeiten]Sei ein metrischer Raum mit der diskreten Topologie, die durch die Metrik:
- .
- Bestimmen Sie für ein beliebiges .
- Aus wie vielen Mengen besteht minimal für ein beliebiges ?
- Geben Sie alle Folgen in formal an, die gegen einen Grenzwert konvergieren!
Definition: Offene Mengen
[Bearbeiten]Sei ein topologischer Raum und ist das System der offenen Mengen, d.h.:
Aufgabe
[Bearbeiten]Sei ein topologischer Raum auf der Grundmenge der reellen Zahlen. Die Topologie entspricht aber nicht der euklischen Topologie über den Betrag , sondern die offenen Mengen sind wie folgt definiert.
- Zeigen Sie, dass die Eigenschaften eines topologischen Raumes (T1), (T2), (T3) erfüllt.
- Zeigen Sie, dass die Folge in dem topologischen Raum nicht gegen konvergiert.
Dabei ist das Komplement von in .
Bemerkung: offen - abgeschlossen
[Bearbeiten]Durch das System der offenen Mengen in einer Topologie sind auch zugleich die abgeschlossenen Mengen der Topologie definiert als deren Komplemente.
Definition: Abgeschlossene Mengen
[Bearbeiten]Sei ein topologischer Raum und ist das System der offenen Mengen.
Definition: Offener Kern
[Bearbeiten]Sei ein topologischer Raum und , dann ist der offene Kern von die Vereinigung aller offenen Teilmengen von .
Definition: Abgeschlossene Hülle
[Bearbeiten]Sei ein topologischer Raum. Die abgeschlossene Hülle von ist der Schnitt über alle abgeschlossenen Teilmengen von , die enthalten und offen ist.
Definition: Rand einer Menge
[Bearbeiten]Der topologische Rand von ist wie folgt definiert:
Bemerkung: Folgen und Netze
[Bearbeiten]In metrischen Räumen kann man noch mit den natürlichen Zahlen als abzählbare Indexmengen arbeiten. In beliebigen topologischen Räumen muss man den Begriff der Folge auf den Begriff der Netze verallgemeinern.
Netze und Konvergenz
[Bearbeiten]Sei ein topologischer Raum und eine Indexmenge (mit partieller Ordnung), dann bezeichnet die Menge aller mit indizierten Familien in :
Siehe dazu auch Netze, Konvergenz und Konvergenz gegen Unendlich.
Definition: endliche Folgen
[Bearbeiten]Sei ein Vektorraum, dann bezeichnet die Menge aller endlichen Folgen mit Elementen in :
Dabei ist der Nullvektor in . Der Nullvektor in ist .
Definition: Algebra
[Bearbeiten]Eine Algebra über dem Körper ist ein Vektorraum über , in dem eine Multiplikation als innere Verknüpfung
definiert ist, bei der für alle und folgende Eigenschaften erfüllt sind:
Definition: Topologische Algebra
[Bearbeiten]Eine topologische Algebra über dem Körper ist ein topologischer Vektorraum über , bei dem auch die Multiplikation
eine stetige innere Verknüfung ist.
Stetigkeit der Multiplikation
[Bearbeiten]Stetigkeit der Multiplikation bedeutet dabei:
Multiplikative Topologie - Stetigkeit
[Bearbeiten]Die Topologie nennt man multiplikativ, falls gilt:
Bemerkung: Multiplikative Topologie - Gaugefunktionale
[Bearbeiten]Bei der Beschreibung der Topologie zeigt das Topologisierungslemma für Algebren, dass sich die Topologie auch durch ein System von Gaugefunktionalen erzeugt werden kann. Bei multiplikativen Topologien kann man die Topologie submultiplikativen Gaugefunktionalen erzeugen, sodass für alle Gaugefunktionale mit und alle gilt:
Unitale Algebra
[Bearbeiten]Für eine unitale Algebra gibt es ein neutrales Element der Multiplikation
Für unitale topologische Algebren gibt eine weitere notwendige Bedingung an die Topologie, damit zumindest der Nullvektor und das neutrale Element der Multiplikation getrennt werden können. Dies wird durch die folgenden Definition präzisiert.
Definition - Unitale Algebra
[Bearbeiten]Die Algebra heißt unital, falls diese ein neutrales Element der Multiplikation besitzt.
Definition - Unitale topologische Algebra
[Bearbeiten]Die topologische Algebra heißt unital, falls diese ein neutrales Element der Multiplikation besitzt und eine Nullumgebung mit existiert.
Bemerkung - Topologische Trennung von Nullvektor und Einselement
[Bearbeiten]Die Bedingung mit der Nullumgebung liefert, dass man den Nullvektor als neutrales Element der Addition und das Einselement als neutrales Element der Multiplikation topologisch trennen kann. Die topologische Algebra insgesamt muss dabei nicht notwendig eine Hausdorff-Raum sein.
Definition - reguläre / singuläre Elemente
[Bearbeiten]Sei eine unitale Algebra mit dem neutralen Element der Multiplikation. Ein Element heißt invertierbar/regulär, wenn es ein Element gibt mit:
Bei Existenz des multiplikativen Inversern wird diese i.d.R. mit . Die Menge aller invertierbaren (regulären) Elemente wird mit bezeichnet. Nicht-invertierbare Elemente heißen singulär.
Definition - Potenzen von Elemente
[Bearbeiten]Sei eine unitale Algebra mit dem neutralen Element der Multiplikation. Potenzen werden auf der Algebra induktiv definiert mit
Definition - Polynome in A
[Bearbeiten]Sei eine unitale Algebra mit dem neutralen Element . Ein Polynom auf mit Koeffizienten in ist für eine Abbildung:
Die Menge aller Polynome mit Argument und Koeffizienten in wird mit bezeichnet.
Definition - Unitale topologische Algebra
[Bearbeiten]Auf topologischen Algebren mit einem Einselement als neutrales Element der Multiplikation heißt unitale topologische Algebra, wenn es eine Nullumgebung , mit .
Bemerkung - Trennung von Nullvektor und Einselement
[Bearbeiten]In topologischen Algebren die zugleich auch ein Hausdorff-Raum ist, gilt die gefordert Trennungseigenschaft () in natürlicher Weise. Für eine topologische Algebra verlangt man aber nicht notwendigerweise bestimmt Trennungseigenschaften für den gesamten Raum, sondern nur für das Einselement und den Nullvektor .
Unitale topologische Algebra - Gaugefunktionalsystem
[Bearbeiten]Gibt es auf topologischen Algebra ein Gaugefunktionalsystem bzw. -Gaugefunktionalsystem
den Nullvektor und das Einselement trennen können, d.h. man muss einen finden, für .
LC-Algebra
[Bearbeiten]Eine topologische Algebra heißt lokalkonvex bzw. , wenn die Topologie durch ein Halbnormensystem erzeugt wird.
PC-Algebra
[Bearbeiten]Eine topologische Algebra heißt pseudokonvex bzw. , wenn die Topologie durch ein submultiplikatives p-Halbnormensystem erzeugt wird.
MLC-Algebra
[Bearbeiten]Eine topologische Algebra heißt multiplikativ lokalkonvex bzw. , wenn die Topologie durch ein submultiplikatives Halbnormensystem erzeugt wird.
MPC-Algebra
[Bearbeiten]Eine topologische Algebra heißt multiplikativ pseudokonvex bzw. , wenn die Topologie durch ein submultiplikatives p-Halbnormensystem erzeugt wird.
Aufgabe: Matrixalgebren
[Bearbeiten]Betrachten Sie die Menge der quadratischen -Matrizen mit der Matrixmultiplikation und der Maxmimumsnorm der Komponenten der Matrix. Versuchen Sie einzelne Eigenschaften einer Algebra nachzuweisen ( ist eine nicht kommunitative unitale Algebra). Für den Nachweis, dass mit der Matrixmultiplkation auch eine topologische Algebra ist, siehe Topologisierungslemma für Algebren.
Faltung auf dem Funktionenraum
[Bearbeiten]Siehe auch die Faltung von Funktionen als Multiplikation auf eine Funktionenraum als topologischem Vektorraum.
Definition: Mengen und Verknüpfungen
[Bearbeiten]Sei eine topologische Algebra über dem Körper , und Teilmengen von , dann definiert man
Aufgaben
[Bearbeiten]Zeichnen Sie die folgenden Menge der Vektor als Punktmengen im kartesischen Koordinatensystem mit und und den folgenden Intervallen :
Potenzreihen
[Bearbeiten]Sei eine topologische Algebra mit Topologie mit einem neutralen Element der Multiplikation .
Potenzen
[Bearbeiten]Da eine innere multiplikative Verknüpfung existiert, kann man Potenzen induktiv definieren:
- für alle
- für alle .
Insbesondere gilt dann für alle .
Polynome in A
[Bearbeiten]Zusammen mit der Addition als innere Verknüpfung in kann man Polynome mit Koeffizienten in definieren:
Das Polynom als Abbildung ist eine stetige Abbildung in der Algebra , da die algebraischen Verknüpfungen auf einer topologischen Algebra selbst stetig sind.
Polynomalgebra mit Koeffizienten in A
[Bearbeiten]Sei eine topologische Algebra mit Topologie mit einem neutralen Element der Multiplikation , dann wird die Menge der Polynome mit Koeffizienten in mit bezeichnet. Mit dem Cauchy-Produkt bildet eine Polynomalgebra.
Potenzreihe - Folge von Partialsummen 1
[Bearbeiten]Betrachtet man die Polynome
als Partialsumme einer Potenzreihe, so kann man untersuchen, ob für ein festes Element die Folge in der auf gegebenen Topologie konvergiert.
Potenzreihe - Folge von Partialsummen 2
[Bearbeiten]Liegt Konvergenz für vor, so kann man den Wert der Potenzreihe wie folgt definieren:
Potenzreihenalgebra mit Koeffizienten in A
[Bearbeiten]Sei eine topologische Algebra mit Topologie mit einem neutralen Element der Multiplikation , dann wird die Menge der Potenzreihen mit bezeichnet. Mit dem Cauchy-Produkt bildet eine Potenzreihenalgebra.
Siehe auch
[Bearbeiten]- Algebraerweiterung
- Basiserzeugendes Gaugefunktionalsystem
- Beispiele für Vektorräume
- Gaugefunktional
- submultiplikatives Gaugefunktional
- Hausdorffeigenschaft
- Lokalkonvexe Vektorräume
- Lemma - Kaskadensummen Gaugefunktionale
- Minkowski-Funktionale
- Netze (Mathematik)
- normierter Vektorraum
- Normen, Metriken, Topologie
- Pseudokonvexe Vektorräume
- Polynomalgebra
- Potenzreihenalgebra
- submultiplikative Gaugefunktionale
- Topologischer Raum
- Topologisierungslemma für Algebren
- topologische Algebra
- Topologischer Vektorraum
- Vektorraum
- Wege in topologischen Vektorräumen
Kurse
[Bearbeiten]- Kurs:Funktionentheorie
- Kurs:Funktionalanalysis
- Kurs:Maßtheorie auf topologischen Räumen
- Kurs:Topologische Invertierbarkeitskriterien
Seiteninformation
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