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Vektorraum mit Skalarprodukt/Selbstadjungierter Endomorphismus/Einführung/Textabschnitt

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Es sei V ein 𝕂-Vektorraum mit Skalarprodukt und sei

φ:V⟶V

ein Endomorphismus. Dann heißt φ selbstadjungiert, wenn

⟨φ(u),v⟩=⟨u,φ(v)⟩

für alle  u,v∈V  gilt.

Die Selbstadjungiertheit bedeutet also einfach

φ=φ̂.

Eine Streckung ist genau dann selbstadjungiert, wenn der Streckungsfaktor reell ist.



Satz  

Es sei V ein endlichdimensionaler 𝕂-Vektorraum mit Skalarprodukt ⟨−,−⟩ und es sei

φ:V⟶V

ein Endomorphismus.

Dann ist φ genau dann selbstadjungiert, wenn er bezüglich einer (jeden) Orthonormalbasis von V durch eine hermitesche Matrix beschrieben wird.

Beweis  

Wenn φ selbstadjungiert ist, so folgt die Aussage aus Fakt. Wenn umgekehrt φ bezüglich einer Orthonormalbasis durch eine hermitesche Matrix M beschrieben wird, so wird, wiederum nach Fakt, der adjungierte Endomorphismus φ̂ bezüglich der Basis durch

M‾tr=M

beschrieben, stimmt also mit φ überein.

◻



Lemma  

Es sei V ein 𝕂-Vektorraum mit Skalarprodukt und sei

φ:V⟶V

ein selbstadjungierter Endomorphismus. Dann gelten folgende Aussagen.

  1. Zu einem φ-invarianten Untervektorraum  U⊆V  ist auch das orthogonale Komplement U⊥ φ-invariant.
  2. Alle Eigenwerte sind reell.
  3. Die Eigenräume zu verschiedenen Eigenwerten sind orthogonal.
  4. Es sei V endlichdimensional. Dann zerfällt das charakteristische Polynom zu φ in Linearfaktoren.

Beweis  

  1. Es sei  v∈U⊥  und  u∈U.  Wegen der Invarianz von U ist auch  φ(u)∈U.  Daher ist
    ⟨φ(v),u⟩=⟨v,φ(u)⟩=0.

    Also steht φ(v) senkrecht auf U und gehört damit zu U⊥, was dessen Invarianz bedeutet.

  2. Dies ist nur bei  𝕂=ℂ  relevant. Es sei  λ∈ℂ  ein Eigenwert und  v∈V  ein Eigenvektor, also
    φ(v)=λv.

    Wir können diesen Eigenvektor als normiert annehmen. Dann ist

    λ=⟨λv,v⟩=⟨φ(v),v⟩=⟨v,φ(v)⟩=⟨v,λv⟩=λ‾,

    also ist λ reell.

  3. Es sei v1 ein Eigenvektor zum Eigenwert λ1 und v2 ein Eigenvektor zum Eigenwert  λ2≠λ1.  Dann ist
    λ1⟨v1,v2⟩=⟨λ1v1,v2⟩=⟨φ(v1),v2⟩=⟨v1,φ(v2)⟩=⟨v1,λ2(v2)⟩=λ2‾⟨v1,v2⟩=λ2⟨v1,v2⟩.

    Dies ist nur bei

    ⟨v1,v2⟩=0

    möglich.

  4. Wir können annehmen, dass  V=𝕂n  mit dem Standardskalarprodukt vorliegt. Bei  𝕂=ℂ  ist die Aussage bekannt, sei also  𝕂=ℝ.  Wir können die Abbildung auch als Abbildung von ℂn nach ℂn auffassen, wobei die Selbstadjungiertheit erhalten bleibt und wobei sich das charakteristische Polynom nicht ändert. Es zerfällt daher in Linearfaktoren, wobei die Nullstellen nach (2) reell sind.
◻


Die folgende Aussage heißt Spektralsatz für selbstadjungierte Endomorphismen.


Satz  

Es sei V ein endlichdimensionaler 𝕂-Vektorraum mit Skalarprodukt und sei

φ:V⟶V

ein selbstadjungierter Endomorphismus.

Dann gibt es eine Orthonormalbasis von V aus Eigenvektoren zu φ.

Beweis  

Wir führen Induktion über die Dimension von V. Nach Fakt  (4) besitzt φ einen Eigenvektor v, den wir als normiert voraussetzen können, und nach Fakt  (1) ist das orthogonale Komplement

W=𝕂v⊥

dazu ebenfalls invariant. Daher liegt eine direkte Summenzerlegung

V=𝕂v⊕W

vor. Die Einschränkung von φ auf W ist ebenfalls selbstadjungiert und daher liefert die Induktionsvoraussetzung die Behauptung.

◻