Wikiversity:Fellow-Programm Freies Wissen/Einreichungen/Dramatische Sprachen: Fremdsprachen in den Bühnentexten von Peter Handke/Abschlussbericht

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Fellow-Programm Freies Wissen - Abschlussbericht zu Handke: in Zungen[Bearbeiten]

I. Infos zum eigenen Forschungsvorhaben[Bearbeiten]

A. Zusammenfassung und Ergebnisse[Bearbeiten]

Im Rahmen meines Projektes untersuche ich die Fremdsprachen in den Bühnentexten von Peter Handke. Dafür wurden alle fremdsprachigen Textstellen aus den Texten gesammelt und mit Metadaten versehen. Diese Daten wurden dann in einer Web-App zugänglich und auswertbar gemacht. Dieses Corpus dient als Basis meiner Dissertation, in der die Textstellen und die Rollen der verschiedenen Sprachen analysiert werden. Mein Ziel war es, die Web-App im Rahmen der Fellowship aufzusetzen, online zu bringen und die Daten vollständig zu erfassen; das ist auch gelungen. Auf Basis der erhobenen Daten habe ich außerdem ein “Peter Handke Fremdsprachenwörterbuch” gebaut, das ursprünglich nicht vorgesehen war; dafür wurden alle von Handke in fremden Sprachen benutzten Wörter einzeln erhoben und diese Informationen ausgewertet. Das war ein erheblich größerer Arbeitsaufwand als der ursprüngliche Plan, war aber inhaltlich sehr sinnvoll und gibt der auf meinen Daten basierenden Analyse eine vertiefende Dimension. Ziel war außerdem, im Rahmen der Fellowship einen substantiellen Teil der Dissertation niederzuschreiben; auch das ist gelungen. Zu den Erkenntnissen, die ich aus der Datenbank gewinnen konnte, zählen einige Überraschungen (etwa hatte ich nicht damit gerechnet, dass die Anzahl an englischen, französischen und slowenischen Textstellen annähernd gleich ist oder dass es nur ziemlich wenige spanische und arabische Stellen gibt) und einige eher erwartbare Ergebnisse, von denen ich mir gewünscht hätte, dass sie etwas weniger erwartbar ausfallen (etwa, dass slowenische Textstellen ganz deutlich mit Familiengeschichte konnotiert sind oder dass fast die Hälfte der englischen Textstellen Zitate von Song- oder Film-Titeln sind).

B. Beitrag zu Offener Wissenschaft​[Bearbeiten]

Der Code der Web-App ist open source auf Github verfügbar. Alle Ressourcen werden mit einer offenen Lizenz versehen (Daten: CC-BY-SA 4.0 bis die Dissertation abgeschlossen ist, dann wird die Lizenz auf CC-BY 4.0 geändert; Code: MIT) & nach Fertigstellung des Projekts im Langzeit-Repository des Austrian Centre for Digital Humanities ARCHE abgelegt. Die Daten selbst sind nicht nur in der Web-App im Rahmen eines nutzerfreundlichen Interfaces offen zugänglich, sondern können via API auch von anderen abgerufen & nachgenutzt werden. Es sind somit alle im Rahmen des Projekts geschaffenen digitalen Ressourcen bereits jetzt für andere offen und nutzbar und werden dank Langzeit-Archivierung auch nutzbar bleiben.

II. Zusammenarbeit​ ​mit​ ​Fellows​ ​und Mentor*innen​[Bearbeiten]

Die Zusammenarbeit mit meinem Mentor Peter Kraker war intensiv und hat ausgezeichnet funktioniert. Unsere Treffen, die wir persönlich machen konnten da wir in derselben Stadt sind, fanden monatlich statt und waren immer sehr produktiv, dazu kam immer wieder Kommunikation per E-Mail. Peter hat nicht nur mein Projekt genau verfolgt, begleitet und beraten, sondern er hat mich auch aktiv mit neuen Leuten und Communities vernetzt - etwa mit der Wikimedia Österreich Community und dem Open Access/Open Science Network Austria OANA, wo ich mit Peters Unterstützung nicht nur ins Kernteam aufgenommen wurde, sondern auch eine Arbeitsgruppe zu rechtlichen Aspekten von Open Science initiieren konnte. Auch in schwierigeren Phasen ist mir Peter zur Seite gestanden und hat mich immer aufgebaut und angefeuert. Besonders schön ist, dass unser gemeinsames Open Science-Jahr zu einem gemeinsamen Förderantrag geführt hat: Wir haben ein Projekt beantragt, dass auf die im Rahmen der Fellowship aufgebaute Datenbank aufsetzt und die enthaltenen Daten einerseits erweitern und andererseits visualisieren wird. Dabei werden die offenen Methoden, mit denen ich bisher gearbeitet habe, nicht nur fortgesetzt, sondern auch um einen Community-Involvement-Aspekt ergänzt. Da ich an meinem Institut für digitale Rechtsfragen zuständig bin, konnte ich mein Wissen in diesem Bereich den anderen Fellows anbieten und es mit ihnen teilen. Beim Qalifizierungsworkshop, den wir zur Halbzeit des Fellowship-Programms gehalten haben, habe ich der Gruppe einen umfangreichen Input zu diesem Thema gegeben und war seither immer wieder mit einigen der Kolleg*innen in direktem E-Mail-Kontakt, um sie bei konkreten Fragen in diesem Bereich zu beraten. Das war auch für mich sehr bereichernd, da sich durch die disziplinäre Diversität dieser Gruppe, die sich aus Forscher*innen von Ingenieurwissenschaft bis Medizin zusammensetzt, für mich sehr interessante neue Fragestellungen ergeben haben (bisher lag mein Fokus vor allem auf rechtlichen Aspekten der digital humanities).

III. Kommunikation​ ​und​ ​Vernetzung[Bearbeiten]

Im Rahmen der Fellowship habe ich an drei Papers gearbeitet, die Offene Wissenschaft als Methode thematisieren und die noch 2018 erscheinen werden:

  • Visibility through accessibility: Peter Handke as a case study for digitizing copyrighted cultural heritage (Erscheint in: Proceedings of the 2nd International Symposium Digital humanities: Empowering visibility of Croatian cultural heritage, eds. Marijana Tomić, Nives Tomašević and Mirna Willer)
  • The tei2016app. From publishing text to encoding gender and modeling the world (mit Peter Andorfer, erscheint in: Journal of the Text Encoding Initiative, 2017 conference issue)
  • Wenn sich ein digitaler Sturm zusammenbraut. TEI markup und seine Verarbeitung: Pilotstudie zu den vielen Textfassungen von Peter Handkes Immer noch Sturm (mit Peter Andorfer, erscheint in: Textgenese in der digitalen Edition, Hg. Anke Bosse, Walter Fanta, Rebecca Unterberger, Katharina Godler)

Zudem konnte ich für den Blog von Wikimedia Deutschland den Beitrag “Open Science als Ansatz in den Geisteswissenschaften: Über Peter Handke, meine Eltern und alle anderen” schreiben. Das hat besonders großen Spaß gemacht, weil es sich dabei um ein Textformat handelt, an dem zu arbeiten ich nicht so oft die Gelegenheit habe. Ebensogroßen Spaß hatte ich an Auftritten, bei denen ich über Offene Wissenschaft gesprochen habe und die mich in für eine konferenzgewohnte Forscherin eher ungewohnte Settings gebracht haben: Im Rahmen des Falling Walls Lab Austria konnte ich in 3 Minuten einen Pitch zu Offenen Methoden machen, beim “Science Slam des freien Wissens” am ZKM Karlsruhe habe ich ich über digitale Methoden der Biographieforschung gesprochen. Beim 27. Netzpolitischen Abend AT (am 7.6.2018) spreche ich zum Thema “Open Science – Offene Zu- und Ausgänge in die und aus der Geisteswissenschaft” und werde außerdem Gelegenheit haben, die österreichische Wikimedia-Community näher kennenzulernen. Ebenso konnte ich mich mit dem Open Access/Open Science Network Austria OANA vernetzen, wo ich nun Mitglied der Kerngruppe bin und die Arbeitsgruppe zu Rechtlichen Aspekten von Open Science leite. Der AG zu diesem Thema gehöre ich auch in der digitalen Forschungsinfrastruktur DARIAH an, auf deren Jahrestreffen 2018 ich einen Workshop zu Open Licensing gehalten habe. Einen ebensolchen konnte ich auch auf den dha-2017- und DHd-2018-Konferenzen und beim Qualifiziereungsworkshop des Fellowprogramms veranstalten. Als Gastforscherin am Deutschen Literaturarchiv Marbach konnte ich Offene Methoden im Rahmen eines Vortrags über mein Dissertationsprojekt vorstellen. Zudem wurde ich eingeladen, beim Workshop “OpenX for Interdisciplinary/Computational Manuscript Research” (12./13.6.2018) über offene Lizenzen zu sprechen.

IV.​ ​Förderung​ ​von​ ​Offener​ ​Wissenschaft​[Bearbeiten]

An meinem Institut konnte ich eine Forschungsdatenpolicy aufsetzen, die offene Lizenzen und Open Access/Open Code/Open Data zur default-Lösung macht und die noch 2018 in Kraft tritt. Auf diese für ein Forschungsinstitut (insbesodere eines an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften) doch immer noch mutige Neuerung bin ich besonders stolz. Für den weiteren Austausch mit den Co-Fellows, Mentor*innen und Wikimedia DE nach Ende der Fellowship würde ich daher gerne anbieten, meine Erfahrungen mit dem Aufsetzen und Implementieren einer solchen Open Policy zu teilen und weiterzugeben. Am Institut für Germanistik an der Universität, wo ich dissertiere, ist es allerdings wesentlich schwieriger, Interesse für Offene Methoden zu wecken. Dort, unter allergrößtenteils “traditionellen” Geisteswissenschaftler*innen, ist es mir nicht gelungen, mein neu gewonnenes Wissen zu verbreiten; viel eher war ich dort damit beschäftigt, die größte in etwas kleinere Skepsis zu verwandeln. Ich bin aber zuversichtlich, dass mittelfristig eine ähnliche Entwicklung stattfinden wird, wie es bei der Transformation der traditionellen Geisteswissenschaften zu digital humanities der Fall war: Was erst als Hexenwerk gilt, wird irgendwann akzeptiert, weil es die Förderlandschaft zu bestimmen beginnt und etabliert sich schließlich als Standard, der den Studierenden in den “Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens” beigebracht wird. Diese Wandlung kann aber nur dann eintreten, wenn der Wert offener Methoden an diejenigen vermittelt wird, die die Forschung finanzieren und diese Methoden einfordern. Deshalb halte ich politische Intervention beim gegenwärtigen Stand der Dinge für enorm wichtig und bemühe mich deshalb, mich in Netzwerken und Arbeitsgruppen für Offene Wissenschaft zu engagieren. Ebenso bemühe ich mich, ein gutes Beispiel zu sein und selbst konsequent offen zu arbeiten: Damit schafft man einerseits Vorbildprojekte, auf die man Zweifelnde verweisen kann, und andererseits Tatsachen (denn wenn etwas schon offen ist, wird kaum jemand fordern, es wieder zu schließen). Das Selbstbewusstsein, Offene Methoden konsequent anzuwenden und das auch offensiv an- und auszusprechen, habe ich erst durch die Fellowship gewonnen. Es ist wohl das wichtigste Werkzeug, das ich aus dem Fellowship-Jahr mitnehme.

Dein persönliches Gesamtfazit[Bearbeiten]

Ich habe in diesem Jahr nicht nur viel über Offene Wissenschaft gelernt, sondern vor allem auch gelernt, wie man sich für sie einsetzt. Obwohl diejenigen, die diese Methode verfolgen, immer noch in der groben Unterzahl sind, gibt es bereits Netzwerke, in denen man sich über diesen Ansatz austauschen und mittels denen man die Offenheit in der Wissenschaft voranbringen kann - das Fellow-Programm ist eines dieser Netzwerke. Schon vor meiner Teilnahme war ich der Überzeugung, dass “open science is just good science” (Jon Tennant); währenddessen bewusst geworden ist mir, wieviel Arbeitsaufwand eine konsequente Umsetzung von Offenheit in der Forschung eigentlich bedeutet, weil die reine Verfügbarmachung von Material dafür nicht ausreicht. Offenheit bedeutet nicht nur, dass man Daten, Code, Aufsätze und sonstiges Material frei verfügbar irgendwo ins Internet stellt, sondern man muss all diese Dinge erstens auch gut auffindbar machen, also viel kommunizieren, um die Information, dass es die Dinge gibt und wo sie liegen unter die Menschen zu bringen. Außerdem ist noch ein weiterer Arbeitsschritt, nämlich die umfassende Erklärung und Beschreibung des Materials; denn wer einen offen zugänglichen, frei verfügbaren Datensatz findet, kann aller Wahrscheinlichkeit nach noch nicht viel damit anfangen, wenn nirgends erklärt wird, wie genau sich die Daten zusammensetzen, nach welcher Methode sie erhoben wurden, welche Forschungsfrage ursprünglich mit ihnen beantwortet werden sollte, etc. Offene Wissenschaft erfordert also viel Arbeit im softskill-Bereich - beschreiben, kommunizieren, vernetzen, verbreiten. Aber das ist es allemal wert, denn obwohl das gegenüber traditionellen Ansätzen mehr Arbeitsaufwand bedeutet, ist man durch diese Arbeiten auch gezwungen, seine eigene Arbeit und Methode genau zu bedenken und zu präzisieren, was schließlich auch die Forschung besser macht. Und auch aus diesem Grund ist Offene Wissenschaft “just good science”.