Wikiversity:Fellow-Programm Freies Wissen/Einreichungen/Dramatische Sprachen: Fremdsprachen in den Bühnentexten von Peter Handke/Zwischenbericht

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Fellow-Programm Freies Wissen - Zwischenbericht[Bearbeiten]

Um Zeichen zu sparen, wurde dieser Text nicht in geschlechtersensibler Sprache verfasst. Lesende werden gebeten, Menschen aller Geschlechter als gemeint zu verstehen.

I. Infos​ ​zum​ ​eigenen​ ​Forschungsvorhaben​ ​[Bearbeiten]

A. Status​ ​Quo​[Bearbeiten]

Im Rahmen meines Projektes untersuche ich die Fremdsprachen in den Bühnentexten von Peter Handke. Dafür werden alle fremdsprachigen Textstellen aus den Texten gesammelt & mit Metadaten versehen. Diese Daten werden dann in einer Web-App zugänglich & auswertbar gemacht. Dieses Corpus dient als Basis meiner Dissertation, in der die Textstellen & die Rollen der verschiedenen Sprachen analysiert werden. Die Daten selbst sind nicht nur in der Web-App im Rahmen eines nutzerfreundlichen Interfaces offen zugänglich, sondern können via API auch von anderen abgerufen & nachgenutzt werden. Der Code der Web-App ist open source auf Github verfügbar. Alle Ressourcen werden mit einer offenen Lizenz versehen (Daten: CC-BY-SA 4.0 bis die Dissertation abgeschlossen ist, dann wird die Lizenz auf CC-BY 4.0 geändert; Code: MIT) & nach Fertigstellung des Projekts in einem Langzeit-Repository abgelegt.

B. Fortschritt​[Bearbeiten]

Einige Änderungen in der Vorgehensweise, die sich am Beginn der konkreten Arbeit ergeben haben, haben das Projekt sehr bereichert. Ursprünglich war geplant, die Zitate in XML-TEI-Dokumenten zu sammeln & dort weiterzubearbeiten. Im Anschluss sollten sie in eine Web-Umgebung eingespeist & so offen zugänglich gemacht werden. Das hätte bedeutet, dass die Daten erst in ihrem Endzustand an das Publikum gekommen wären. Bei der Erstbesprechung mit dem Programmierer, der die Erstellung der Projekt-Website unterstützt, hat sich herausgestellt, dass eine relationale Datenbank für die Art von Daten, wie sie hier entstehen, besser geeignet ist. Daher wurde der Zeitplan umgedreht: Statt zuerst die Daten zu säubern & dann ein Interface dafür zu bauen, wurde sofort eine Projekt-Website erstellt, in die die Daten sukzessive eingespeist & dort angereichert werden. So kann interessiertes Publikum den Fortschritt live mitverfolgen. Ursprünglich war geplant, die Daten bis Mitte Januar fertiggestellt zu haben & dann die Arbeit an der Website zu beginnen - dank der Planänderung ist die Website nun bereits seit Oktober online, auch die Daten konnten mittlerweile beinah vollständig eingepflegt werden (315 Langzitate mit 781 fremdsprachigen Textteilen in 17 Sprachen; siehe https://handkeinzungen.acdh.oeaw.ac.at/).

C. Ausblick​[Bearbeiten]

Als wichtiger nächster Schritt muss nun die Website auf Basis von zu erhebenden Usecases verbessert & überarbeitet werden. Einerseits werden umfangreichere Beschreibungstexte den Usern helfen, das Anliegen des Projekts besser zu verstehen, andererseits müssen auch die Optionen bei der Suche verbessert werden. Auch an den Daten selbst steht noch ein wichtiger Arbeitsschritt bevor, der sich ebenfalls erst nach Projektbeginn dank eines Rats meines Dissertationsbetreuers entwickelt hat: Auf Basis der nun bereits erhobenen Daten wird ein “Peter Handke Fremdsprachenwörterbuch” gebaut, es werden alle von Handke in fremden Sprachen benutzten Wörter einzeln erhoben & diese Informationen ausgewertet. Das ist ein erheblich größerer Arbeitsaufwand als der ursprüngliche Plan, scheint aber inhaltlich sehr sinnvoll. Daher möchte ich im Rahmen der Projektlaufzeit auch diese Daten noch erheben. Die nötigen Strukturen dafür wurden in der Projektwebsite bereits berücksichtigt.

II. Zusammenarbeit​ ​mit​ ​Fellows​ ​sowie​ ​Mentorinnen​ ​und​ ​Mentoren​[Bearbeiten]

A. Zusammenarbeit​ ​mit​ ​deiner​ ​Mentorin/deinem​ ​Mentor[Bearbeiten]

Ich treffe meinen Mentor Peter Kraker, der glücklicherweise in derselben Stadt ist wie ich, einmal im Monat persönlich & berichte ihm von meinen Fortschritten, außerdem verfolgt er meine Arbeit über den Projekt-Twitteraccount @HandkeinZungen. Fallweise kommunizieren wir auch per Mail. Ich bin sehr froh über diesen regelmäßigen & sehr produktiven Austausch, der mich nicht nur auf neue Ideen bringt, sondern auch dafür sorgt, dass ich das Projekt trotz vieler anderer Arbeitsverpflichtungen nicht vernachlässige. Da mein Dissertationsbetreuer sich vorrangig um die analogen Aspekte meiner Arbeit kümmert, ist es außerdem sehr förderlich für mein Projekt, mit Peter einen digital versierten Ansprechpartner zu haben. Dasselbe gilt für die Umsetzung dieser Forschung im Rahmen eines wirklich offenen Ansatzes: Peter berät mich vor allem auch in diese Richtung sehr gut & weist mich immer wieder auf Möglichkeiten hin, die Arbeit noch offener zu gestalten & besser zu kommunizieren. Er unterstützt mich außerdem bei der Vernetzung mit anderen, die sich der offenen Wissenschaft verschrieben haben: Etwa hat er mich in die Arbeitsgruppe “Open Access & die Zukunft von Scholarly Communication” des Open Access Network Austria (OANA) eingeführt, wodurch ich über diesen Kanal auch verstärkten Kontakt zur Mentorin Katja Mayer habe. Für den restlichen Projektzeitraum (und darüber hinaus) wünsche ich mir, dass der Austausch weiterhin so produktiv & motivierend bleibt wie ich ihn bis jetzt erfahren habe.

B. Austausch​ ​mit​ ​anderen​ ​Fellows[Bearbeiten]

Mit den anderen Fellows kommuniziere ich über unsere Fellows-Mailingliste & über den Slack-Kanal, außerdem folge ich auf Twitter allen, die dort auch einen Account haben. Vor allem die Neuigkeiten auf Twitter über die vielen Aktivitäten der anderen motivieren mich immer sehr, auch selbst tätig zu sein. Beim nächsten face-to-face-Workshop in Hannover werde ich für die anderen Fellows einen Workshop zu Rechts- & Lizenzierungsfragen abhalten, auf den ich mich freue. In Vorbereitung darauf habe ich von den Fellows Input erbeten, welche konkreten rechtlichen Fragen sie in ihren Projekten beschäftigen. Obwohl meine Arbeit zu Rechtsfragen im digitalen Raum mit dem Handke-Projekt, das ich im Rahmen der Fellowship umsetze, konkret nur am Rande zu tun hat, ist der Input der anderen Fellows zu diesem Thema für mich besonders wertvoll, da sich durch die disziplinäre Diversität dieser Gruppe für mich sehr interessante neue Fragestellungen ergeben (bisher lag mein Fokus vor allem auf rechtlichen Aspekten der digital humanities - DH). Für die weitere Zusammenarbeit erhoffe ich mir vor allem diesbezüglich weiteren spannenden Input - & hoffe ebenso darauf, die anderen Fellows in diesem Bereich gut unterstützen zu können.

III. Kommunikation​ ​und​ ​Vernetzung​ ​[Bearbeiten]

A. Kommunikationsaktivitäten​ ​mit​ ​Bezug​ ​zum​ ​Fellow-Programm[Bearbeiten]

Das Projekt wird laufend in einem öffentlichen Projekt-Logbuch dokumentiert & die Fortschritte über einen Twitter-Account kommuniziert. Bevor die Projektlaufzeit endet, möchte ich einen Blogpost für den Wikimedia-Blog schreiben. Außerdem möchte ich das Methoden-Kapitel meiner Dissertation, in dem der offene Ansatz erklärt wird, fertigstellen & als Beitrag für die OA-Zeitschrift Textpraxis - Digitales Journal für Philologie einreichen. Zwei weitere Papers, an denen ich momentan arbeite, werden sich ebenfalls mit den Methoden Offener Wissenschaft beschäftigen. Eines davon wird im OA-Journal der Text Encoding Initiative (TEI-J) erscheinen & die TEI-2016-Abstracts-App behandeln, die ich gemeinsam mit dem Programmierer gebaut habe, der auch das Fellowship-Projekt begleitet & die mit dem Open Minds Award 2017 (Kategorie: Female) ausgezeichnet wurde. Der zweite Beitrag erscheint in der Reihe Beihefte zu editio bei De Gruyter & zusätzlich ebenfalls OA - darin wird es um ein Vorgängerprojekt des Fellowship-Projekts gehen, die Handke-App.

B. Weitergabe von Wissen[Bearbeiten]

In meinen Workshops zu Rechtsfragen bemühe ich mich darum, den Bezug zu Offener Wissenschaft hervorzuheben, etwa im Workshop Open Access, Open Source, Open Science? Open License! (DH Austria-Konferenz, 12/17) & im Workshop Rechtsfragen in DH-Projekten (DH im deutschsprachigen Raum-Konferenz, 2/18). In folgenden Vorträgen wurde das Projekt vorgestellt & besonderes Augenmerk auf den offenen Zugang gelegt: Poetische Okkasionalismen bei Nestroy & Handke: ein literarisch-linguistischer & korpuslinguistischer Kontrast (Österr. Linguistiktagung, 12/17), Modellierungen von Literatur. Materialien, Texte, Daten. Versuch über eine Handke-App (Ring-VO Peter Handke intermedial, 11/17), Visibility through accessibility: Peter Handke as a case study for digitizing copyrighted cultural heritage (Empowering Visibility of Croatian Cultural Heritage-Konferenz, 11/17). Auch an Studierende gebe ich mein Wissen über Offene Wissenschaft weiter, sowohl in meiner eigenen LV an der Uni Wien als auch als Gast in LVs meiner Kollegen (etwa im Kurs “Open Research/Science for digital humanities”, 1/18). Im Austausch mit der DH Community (zB bei der TEI Konferenz, 11/17) & Kollegen an meinem Arbeitsplatz (Austrian Centre for Digital Humanities ACDH) habe ich viel Bereitschaft & Interesse für Offene Wissenschaft wecken können. Schwieriger ist die Etablierung des Themas im Rahmen der “klassischen” Geisteswissenschaft, also etwa unter Handke-Forschern & am Germanistikinstitut der Uni Wien, wo ich dissertiere. Dort möchte ich gerne Möglichkeiten ausloten, einen Informationsworkshop anzubieten & wäre dann über Unterstützung bei der Bewerbung dankbar. Dank Peter Kraker habe ich nun engen Kontakt zum Open Access Network Austria OANA, wo ich eine Arbeitsgruppe zu Rechtsfragen initiieren will. Auch im Rahmen meiner Arbeit für die Forschungsinfrastruktur DARIAH, wo ich Mitglied der AG zu Ethical and Legal Issues bin, finden sich viele Ansprechpartner. Ich möchte während der verbleibenden Laufzeit mit der noch jungen österreichischen Wikidata-Community in Kontakt treten. Peter hat mir bereits angeboten, eine Verbindung herzustellen.

IV.​ ​Förderung​ ​von​ ​Offener​ ​Wissenschaft​[Bearbeiten]

A. Neue Initiativen zur Förderung Offener Wissenschaft[Bearbeiten]

Dank meiner Einführung bei OANA hat sich das Engagement meines Instituts für dieses Netzwerk verstärkt. Das ACDH wird sich in Zukunft aktiv in OANA einbringen & an einer Arbeitsgruppe zu Rechtsfragen, so die Hoffnung, aktiv mitwirken. Auch innerhalb des Instituts wird Offene Wissenschaft & ihre Förderung (z.B. durch Werbung bei Projektpartnern & Co-Antragsstellern) stärker betrieben, etwa im Rahmen der Taskforce “Licensing and legal issues”, die im Dezember 2017 neu gegründet wurde & die ich leite. Teil der Arbeit dieser Taskforce wird es etwa sein, mit sämtlichen Projekten des Instituts Gespräche über die aktuellen bzw. für die jeweiligen Daten & Software möglichen offenen Lizenzen zu führen, aber auch die Beratung & Ermutigung von neuen Projekten & externen Kollegen zum Einsatz von offenen Lizenzen gehört zu den Aufgaben. Das im November live geschaltete Repositorium des Instituts (A Resource Centre for Humanities Related Research in Austria ARCHE) wird ebenfalls Offene Wissenschaft fördern, indem einerseits bei den Archivierenden für die Vergabe offener Lizenzen geworben wird, andererseits die langfristige Zugänglichkeit offener Daten gewährleistet werden kann. Außerdem ist dank meiner Initiative 2018 eine “ACDH ToolGallery”, ein eintägiger Workshop für externes Publikum, zu offenen Lizenzen geplant. Wie bereits erwähnt werden seit diesem Semester von Mitgliedern des Instituts, auch von mir selbst, Universitätskurse unterrichtet, die sich mit offener Wissenschaft befassen & so die Studierenden bereits früh mit den Vorteilen & Potentialen eines offenen Zugangs vertraut machen. Mein eigener Kurs ist ein Seminar für Doktoranden, an dem auch Germanisten teilnehmen können, also ein erster Schritt, einen offenen Zugang auch in dieser Disziplin zu etablieren.

B. Initiativen zur Förderung Offener Wissenschaften[Bearbeiten]

Im kommenden Wintersemester möchte ich meine Unterrichtstätigkeit mit einem Kurs zu Offener Wissenschaft fortsetzen, da ich es für eminent wichtig halte, bereits während des Studiums mit diesem Zugang vertraut gemacht zu werden. Zudem kann man so ein Gegengewicht zu den in den klassischen geisteswissenschaftlichen Disziplinen oft vorherrschenden Ansätzen schaffen, die ein prozessuales, schon zum Zeitpunkt der Entstehung offenes Forschen ablehnen & nur “fertige” Ergebnisse als publikabel ansehen, die den Studierenden leider immer noch zum Großteil beigebracht werden. Am ACDH habe ich 2017 einen “Leitfaden Rechtliche Aspekte in DH Projekten” verfasst, der demnächst auf einer Unterseite der Institutswebsite als Service für die Forschungscommunity zur Verfügung gestellt wird. Analog dazu möchte ich 2018 einen “Leitfaden Offene Wissenschaft” verfassen, der ebenfalls über diese Plattform veröffentlicht werden soll. Da mein Institut im Bereich der DH in Österreich großes Gewicht hat & auch international sehr gut vernetzt ist (u.a. durch Mitarbeit in den Forschungsinfrastrukturen CLARIN & DARIAH), verspreche ich mir von einem offiziell vom Institut verfassten & verbreiteten Dokument erheblichen Impact, der die Offene Wissenschaft stark fördern wird. Schließlich möchte ich so auch eine noch stärkere Verankerung des Themas in den erwähnten Infrastrukturen vorantreiben, wo ich große Offenheit dafür erwarte. Etwa bin ich in Kontakt mit Frank Fischer, einem der DARIAH-Direktoren, der sich sehr für das Projekt interessiert. Die germanistische Community schließlich möchte ich ebenfalls erreichen: Sobald meine Arbeit an der Dissertation abgeschlossen ist, möchte ich die Projektwebsite auch externen Nutzern öffnen, die dann Daten eintragen können. Da ich nur die Bühnentexte, nicht aber die Romane & Journale Handkes bearbeite, gibt es bis zur Vollständigkeit des Datensatzes noch viel zu tun & daher großes Potential für Forschungen, die auf meiner Arbeit aufbauen können. Anhand dieses sehr konkreten Angebots hoffe ich, auch traditionelle Germanisten von dem offenen Ansatz des Projekts überzeugen zu können.