Wikiversity:Fellow-Programm Freies Wissen/Einreichungen/Legal Pluralism in Bolivia: Limits and Possibilities of a Plural Law

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Legal Pluralism in Bolivia: Limits and Possibilities of a Plural Law[Bearbeiten]

Projektbeschreibung[Bearbeiten]

In meiner Promotion untersuche ich die Aushandlung, das Potential und die Probleme des Rechtspluralismus in Bolivien. Der Rechtspluralismus wurde in der bolivianischen Verfassung von 2009 verankert. Das Recht Indigener Gemeinden steht somit nun auf der gleichen hierarchischen Stufe, wie das „westliche“ Recht. Dieser radikale Rechtspluralismus stellt potentiell Grundprinzipien des Rechts selber, sowie des Nationalstaats in Frage. Die bolivianische Verfassung wurde zu einem prominenten Beispiel des lateinamerikanischen „emanzipatorischen Konstitutionalismus“, welcher von vielen Beobachter*innen als ein wichtiges Instrument für radikalen sozialen Wandel eingestuft wurde. Meine Arbeit betrachtet die (Re-)Konstruktion der Indigenen Justiz (Justicia Indígena Originaria Cammpesina) in einer Aymara Gemeinde im Hochland Boliviens. Ich analysiere, wie die „eigenen“ Normen in der Gemeinde ausgehandelt werden, wobei ich ein besonderes Augenmerk auf den Einfluss des diskursiven und rechtlichen Horizonts der neuen Verfassung und des aktuellen politischen Prozess lege. Ich beschreibe die komplexen Dynamiken, durch welche Recht zu einem umkämpften Gebiet für die Konstruktion von Identitäten und Normen wird. Ich analysiere, inwieweit Recht und Menschenrechte interkulturell interpretiert werden können, wo Probleme, Konflikte und Potentiale liegen. Mit einer starken ethnographischen Fundierung, liefert die Arbeit liefert einen Beitrag sowohl zu der lateinamerikanischen als auch zur anglophonen Literatur zu Rechtspluralismus und Recht und sozialem Wandel.

Im Kontext von open science sind für meine Forschung besonders die Aspekte der Nachnutzbarkeit, der Integration und des Austauschs sowie der größeren Verbreitung von großer Relevanz. Nicht nur mein generelles Interesse, sondern auch mein spezifischer Fokus innerhalb von open science, ergibt sich zu einem gewichtigen Teil direkt aus meiner Forschung. Die Implementation des Rechtspluralismus in Bolivien ist ein Thema von aktueller Relevanz für viele Menschen, Gemeinden und politische und juristische Entscheidungsträger*innen. Außerdem ist es ein Thema, welches ich im globalen Süden erforsche. Das Thema open science, gewinnt in diesem globalen Machtgefälle innerhalb der Wissenschaft eine besondere Relevanz. Sowohl betroffenen Menschen als auch Wissenschafter*innen bleibt der Zugang zu akademischen Arbeiten, die sie sehr konkret berühren, oft verwehrt. Dies ist nicht nur ein Beispiel für eine problematische Exklusion, sondern verhindert auch die Nutzung gewonnener Erkenntnisse in lokalen Kontexten sowie wichtige Dialogprozesse, die zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen führen können. Obwohl generell diese Problematik in der Anthropologie kritisch diskutiert wird, wird selten die Brücke zu open science geschlagen. Ich arbeite daher an verschiedenen Möglichkeiten, Inhalte meiner Arbeit für einen potentiell breiteren Dialog (auch in Lateinamerika) zu öffnen. Somit möchte ich das Thema open science weiter in meine qualitativ sozialwissenschaftliche Arbeit bringen und gleichzeitig das Thema des Wissensaustausch mit dem globalen Süden in der open science debatte weiter führen.