Wikiversity:Fellow-Programm Freies Wissen/Einreichungen/Open Access für alle - Barrierefreie Kommunikation von Forschung

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Open Access für alle - Barrierefreie Kommunikation von Forschung[Bearbeiten]

Projektbeschreibung[Bearbeiten]

Thema der Studie: Entwicklung von Bewertungsinstrumenten in Bezug auf Inklusion[Bearbeiten]

Die Umsetzung von Inklusion findet im Bildungssystem auf verschiedenen Ebenen statt, z.B. in der Interaktion zwischen Lehrkraft und Schüler_in oder in der Schulstruktur. Bislang gibt es kaum Forschung dazu, wie die Umsetzung von Inklusion beim Bildungsmonitoring berücksichtigt wird. Ein Akteur im Bereich des Bildungsmonitorings sind die Schulinspektionen: Sie sind in den einzelnen Bundesländern dafür zuständig die Qualität von Schulen zu messen. Hierfür gehen 2-3 Schulinspektor_innen für einige Tage an eine Schule. Dort besuchen sie den Unterricht, werten Dokumente aus und führen Interviews durch. Bei der Evaluation von Schulen verwenden sie standardisierte Bewertungsinstrumente, die ihre Verständnisse von guter Schule repräsentieren. Beispielsweise ist ein Indikator, der in den Bewertungsinstrumenten der Schulinspektionen häufig verwendet wird, ob der Unterricht pünktlich anfängt. In Deutschland hat fast jedes Bundesland seine eigene Schulinspektion und demnach auch eigene Bewertungsinstrumente.

Fragestellung und empirisches Vorgehen[Bearbeiten]

Im Rahmen meiner Studie setze ich mich mit zwei Fragestellungen auseinander: Erstens will ich herausarbeiten, inwiefern das Thema „Inklusion“ in den Bewertungsinstrumenten von Schulinspektionen berücksichtigt wird. So hat sich Deutschland durch die UN-Behindertenrechtskonvention zwar zu einem inklusiven Bildungssystem verpflichtet. Es gibt jedoch keinen Konsens darüber, was man unter einer inklusiven Schule versteht (Moser 2012). Manche verstehen unter einer inklusiven Schule den gemeinsamen Unterricht von Schüler_innen mit und ohne Behinderung. Andere verstehen unter Inklusion, dass man Vielfalt pädagogisch willkommen heißt (vgl. Hinz 2009). Durch die Analyse der Bewertungsinstrumente möchte ich herausfinden, inwiefern Inklusion für die Messung von Schulqualität relevant ist und was die Schulinspektionen unter Inklusion verstehen. Zweitens will ich erklären, wie die Bundesländer zu ihren jeweiligen Bewertungsinstrumenten in Bezug auf Inklusion gekommen sind. Dabei will ich herausarbeiten, welche Faktoren bei der Entwicklung eine Rolle gespielt haben, z.B. rechtliche Vorgaben oder persönliche Erfahrungen der Instrumentenentwickler. Hierfür habe ich 18 Experteninterviews mit Mitarbeiter_innen von Schulinspektionen in ganz Deutschland geführt.

Relevanz der Arbeit[Bearbeiten]

Die Studie ist aus drei Gründen für Forschung und Praxis von Relevanz:

  1. Instrumente zur Messung von Qualität gibt es in vielen Bereichen des Lebens, z.B. TripAdvisor bei Hotels oder Hochschulrankings. Es gibt bereits viel Forschung zu den Wirkungen von Qualitätsmessungen, aber kaum Wissen über die Entwicklung von Bewertungsinstrumenten. Dies ist insofern von Relevanz, als dass Bewertungsinstrumente einen Beitrag dazu leisten, wie Objekte oder Situationen wahrgenommen und bewertet werden. Dies wird insbesondere deutlich, wenn es keinen Konsens darüber gibt, welche Bewertungsinstrumente angewendet werden sollen, z.B. bei der Wertzuschreibung in der Kunst. Darüber hinaus lässt die Analyse Aussagen darüber zu, welche Bewertungen im Alltag für legitim angesehen werden und welche nicht.
  2. In diesem Zusammenhang leistet die Studie auch einen theoretischen Beitrag, als dass sie Aussagen darüber zulässt, welche Faktoren bei der Entwicklung von Bewertungsinstrumenten von Relevanz sind.
  3. Die Studie lässt darüber hinaus Aussagen über die Implementation von politischen Gesetzen wie der UN-Behindertenrechtskonvention zu. Man weiß bislang kaum etwas darüber, wie Inklusion in Deutschland auf der Ebene der Bildungsadministration umgesetzt wird und warum sich die Bundesländer in der Implementation unterscheiden.

Bisherige Ergebnisse[Bearbeiten]

Die bisherigen Analysen zeigen, dass es unterschiedliche Deutungen davon gibt, was die Mitarbeiter_innen der Schulinspektionen unter Inklusion verstehen. Des Weiteren zeichnen sich bei der Entwicklung der Bewertungsinstrumente bestimmte Handlungsmuster ab, die bundesländerübergreifend von Relevanz sind, z.B. starke Orientierung an der eigenen schulischen Praxis sowie an den Interessen der Schulen. Um ihr Handeln zu legitimieren, verweisen sie häufig auf rechtliche Vorgaben bzw. auf die empirische Bildungsforschung.

Handlungsfelder in Bezug auf Open Science[Bearbeiten]

In Bezug auf meine Forschung sehe ich diverse Anknüpfungspunkte zu Open Science: Erstens würde ich gerne einen Beitrag dazu leisten, dass es mehr Transparenz bei qualitativen Auswertungsverfahren gibt. In sozialwissenschaftlichen Studien mit qualitativen Auswertungsverfahren fehlt es im deutschsprachigen Bereich häufig an Beschreibungen davon, welche konkrete Schritte Forscher_innen durchgeführt haben, welche Grenzen und Möglichkeiten mit dem ausgewählten Forschungsdesign einhergehen und inwiefern Gütekriterien wissenschaftlichen Arbeitens eingehalten wurden. Blogs würde ich gerne als Format nutzen, um zum einen mein eigenes Auswertungsverfahren transparent darzustellen. Zum anderen würde ich gerne als Multiplikatorin fungieren, um andere Forscher_innen dafür zu gewinnen ihr Forschungsdesign öffentlich zugänglich zu machen und dieses auch im Sinne von Peer Review gegenseitig zu kommentieren. Diese Form von open science stellt als Orientierungsgrundlage insbesondere einen Mehrwert für Nachwuchswissenschaftler_innen da. Zweitens würde ich gerne die Ergebnisse meiner Arbeit online so aufbereiten, dass sie nicht nur im wissenschaftlichen Diskurs wahrgenommen werden, sondern auch für die Praxis von Relevanz sind. Dabei sehe ich als Zielgruppe insbesondere Schulleitungen, Lehrkräfte sowie die Bildungsadministration und Bildungspolitik. Hierzu ist es zum einen notwendig Forschung verständlich und interessant aufzubereiten, aber auch Wege zu finden unterschiedliche Zielgruppen auf die eigene Forschung aufmerksam zu machen und in den Dialog zu treten. Drittens ist es mir ein Anliegen meine Forschung barrierefrei zu kommunizieren. Open Science bedeutet für mich unterschiedliche Zielgruppen in den Blick zu nehmen und Barrieren abzubauen. Dies kann unter anderem implizieren Forschungsergebnisse in leichter Sprache zu veröffentlichen oder Onlineblogs in Bezug auf Menschen mit Sehbehinderung barrierefrei zu gestalten