Zum Inhalt springen

Zahlbereich/Ideal/Frei/Diskriminante/Faserring/Einführung/Textabschnitt

Aus Wikiversity


Satz  

Es sei  L  eine endliche Körpererweiterung vom Grad n und R der zugehörige Zahlbereich. Es sei 𝔞 ein von 0 verschiedenes Ideal in R. Es seien  b1,,bn𝔞  Elemente, die eine -Basis von L bilden und für die der Betrag der Diskriminante

|Δ(b1,,bn)|

unter all diesen Basen aus 𝔞 minimal sei.

Dann ist

𝔞=b1++bn.

Beweis  

Zunächst sind wegen Fakt die Spuren zu Elementen aus R ganzzahlig und somit sind auch die in Frage stehenden Diskriminanten ganzzahlig. Man kann also die Diskriminanten bzw. ihre Beträge untereinander der Größe nach vergleichen.

Es sei  f𝔞  ein beliebiges Element. Wir müssen zeigen, dass sich f als eine -Linearkombination  f=k1b1++knbn  mit  ki  schreiben lässt, wenn die  b1,,bn𝔞  eine -Basis von L mit minimalem Diskriminantenbetrag bilden. Es gibt eine eindeutige Darstellung

f=q1b1++qnbn

mit rationalen Zahlen  qi.  Es sei angenommen, dass ein qi nicht ganzzahlig ist, wobei wir  i=1  annehmen dürfen. Wir schreiben dann  q1=k+δ  mit  k  und einer rationalen Zahl δ (echt) zwischen 0 und 1. Dann ist auch

c1=fkb1=δb1+i=2nqibi,b2,,bn

eine -Basis von L, die in 𝔞 liegt. Die Übergangsmatrix der beiden Basen ist

T=(δq2q3qn010000100001).

Nach Fakt gilt für die beiden Diskriminanten die Beziehung

Δ(c1,b2,,bn)=(det(T))2Δ(b1,b2,,bn).

Wegen  (det(T))2=δ2<1  und da die Diskriminanten nach Fakt nicht 0 sind, ist dies ein Widerspruch zur Minimalität der Diskriminante.



Korollar  

Es sei  L  eine endliche Körpererweiterung vom Grad n und R der zugehörige Zahlbereich. Es sei 𝔞 ein von 0 verschiedenes Ideal in R.

Dann ist 𝔞 eine freie abelsche Gruppe vom Rang n,

d.h. es gibt Elemente  b1,,bn𝔞  mit

𝔞=b1++bn,

wobei die Koeffizienten in einer Darstellung eines Elementes aus 𝔞 eindeutig bestimmt sind.

Beweis  

Nach Fakt gibt es überhaupt Elemente  b1,,bn𝔞,  die eine -Basis von L bilden. Daher gibt es auch solche Basen, wo der (ganzzahlige) Betrag der Diskriminante minimal ist. Für diese gilt nach Fakt, dass sie ein -Erzeugendensystem von 𝔞 bilden. Die lineare Unabhängigkeit über sichert die Eindeutigkeit der Koeffizienten.



Korollar  

Es sei  L  eine endliche Körpererweiterung vom Grad n und R der zugehörige Zahlbereich.

Dann ist R eine freie abelsche Gruppe vom Rang n,

d.h. es gibt Elemente  b1,,bnR  mit

R=b1++bn

derart, dass die Koeffizienten in einer Darstellung eines Elementes eindeutig bestimmt sind.

Beweis  

Dies folgt direkt aus Fakt, angewendet auf das Ideal  𝔞=R


Ein solches System von Erzeugern b1,,bn nennt man auch eine Ganzheitsbasis von R. Insbesondere gibt es in einem Zahlbereich stets Ganzheitsbasen. Im Ring der Eisensteinzahlen ist 1,3 keine Ganzheitsbasis, 1,1+32 hingegen schon. Es ergibt sich ferner, dass man eine ganzzahlige Multiplikationsmatrix erhält, wenn man als Basis eine Ganzheitsbasis nimmt. Mit dieser kann man insbesondere die Spur und die Norm ausrechnen.


Es sei R der Zahlbereich zur endlichen Körpererweiterung  L.  Dann nennt man die Diskriminante einer Ganzheitsbasis von R die Diskriminante von R (und die Diskriminante von L).

Die Diskriminante eines Zahlbereichs (oder eines Zahlkörpers) ist eine wohldefinierte ganze Zahl. Nach Definition ist die Diskriminante so gewählt, dass sie betragsmäßig minimal unter allen Diskriminanten zu -Basen aus R ist. Zwei solche Diskriminanten unterscheiden sich um ein Quadrat einer Einheit aus , sodass auch das Vorzeichen wohldefiniert ist. Wir bezeichnen sie mit ΔL.

Die Ergebnisse über die Diskriminante erlauben es, die Faserringe zu  R  über einem Primideal (p) zumindest anzahlmäßig zu verstehen. Es handelt sich um endliche Ringe mit pn Elementen. Insbesondere gibt es oberhalb von (p) stets Primideale und zwar höchstens n Stück.



Korollar  

Es sei  L  eine endliche Körpererweiterung vom Grad n und R der zugehörige Zahlbereich. Es sei  m

Dann gibt es einen Gruppenisomorphismus

R/(m)(/(m))n.

Für eine Primzahl  m=p  ist R/(p) eine Algebra der Dimension n über dem Körper /(p).

Zu jeder Primzahl p gibt es Primideale 𝔭 in R mit  𝔭=(p)

Beweis  

Nach Fakt ist  Rn  (als abelsche Gruppen), wobei die Standardbasis der Ganzheitsbasis a1,,an entsprechen möge. Das von m in R erzeugte Ideal besteht aus allen -Linearkombinationen der ma1,,man und somit entspricht das Ideal (unter dieser Identifizierung) der von (m,0,,0),(0,m,0,,0),,(0,,0,m) erzeugten Untergruppe von n. Die Restklassengruppe R/(m) ist demnach gleich (/(m))n und besitzt mn Elemente. Aufgrund der Ganzheit ist nach Aufgabe  mR=m  und aufgrund des Homomorphiesatzes hat man einen injektiven Ringhomomorphismus

/(m)R/(m),

sodass R/(m) eine von 0 verschiedene /(m)-Algebra ist.

Für eine Primzahl p ist R/(p) ein Vektorraum über /(p) der Dimension n. Deshalb gibt es darin (mindestens) ein maximales Ideal, und dieses entspricht nach Aufgabe einem maximalen Ideal 𝔪 in R mit  p𝔪.  Daher ist  (p)=(p)R𝔪,  und dieser Durchschnitt ist ein Primideal in , also gleich (p).