Kurs:Analysis I/Kapitel I: Das System der reellen und komplexen Zahlen/Überabzählbarkeit und Konvergenzeigenschaften reeller Zahlen (§3)

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Besitzt eine Menge M – nur – endlich viele Elemente, so kann man diese mittels 1, 2, \ldots, n durchnummerieren und erhält M = \{x_1, x_2, \ldots, x_n\}; dabei wurde n \in \mathbb{N} geeignet gewählt. Besitzt eine Menge unendlich viele Elemente, so können zwei Fälle eintreten:

(i) Lassen sich ihre Elemente als Folge {xn} schreiben, so erhalten wir eine abzählbare Menge

M = \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} \Leftrightarrow Es gibt eine Bijektion f: \mathbb{N} \to M vermöge n \mapsto x_n.

(ii) Die Elemente der Menge M können nicht durch eine Folge angegeben werden. In diesem Fall sprechen wir von einer überabzählbaren – oder auch nicht abzählbaren – Menge.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Bemerkung

Jede endliche Menge ist abzählbar. Die Menge \mathbb{N} ist trivialerweise abzählbar.

[Bearbeiten] Satz 1

Die Menge der rationalen Zahlen ist abzählbar.

[Bearbeiten] Beweis

Es genügt zu zeigen, dass die Menge

M_1:= \left\{ r=\frac{p}{q}: p, q \in \mathbb{N} \right\} = \{x_1, x_2, \ldots, x_n, \ldots\} \subset \mathbb{Q}

der positiven rationalen Zahlen abzählbar ist. Dann gibt es eine bijektive Abbildung

f: \mathbb{N} \to \mathbb{Q} vermöge 1 \mapsto 0, \quad 2 \mapsto x_1, \quad 3 \mapsto -x_1, \quad 4 \mapsto x_2, \quad 5 \mapsto -x_2 usw.

Die Abzählbarkeit von M1 wird durch das Diagonalverfahren von Cantor deutlich. Wir nummerieren die positiven rationalen Zahlen in Richtung der Pfeile. Erscheint ein r \in M_1 mehrfach in dem Schema, so erhält r nur beim ersten Auftreten eine Nummer und wird dann nicht mehr berücksichtigt. M ist abzählbar, denn jede Diagonale hat endlich viele Elemente und alle Diagonalen sind abzählbar. Es entsteht die Folge

\{x_n\}= 1, \frac{1}{2}, 2, 3, \frac{1}{3}, \frac{1}{4}, \frac{2}{3}, \frac{3}{2}, 4, 5,\ldots.

q.e.d.

[Bearbeiten] Satz 2

Die Menge der reellen Zahlen des Intervalls [0,1] ist überabzählbar.

[Bearbeiten] Beweis

Sei M_2:= \{x \in \mathbb{R}: 0 \le x \le 1\}. Angenommen, die Menge M2 wäre abzählbar. Dann wird M2 durch eine Folge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} gegeben. Nach §1 lässt sich jedes x_n \in M_2 durch die Dezimalbruchentwicklung

(1) x_n = \left\{ \sum^m_{k=1} \frac{b_{nk}}{10^k} \right\} _{m \in \mathbb{N}} mit den Ziffern b_{nk} \in \{0, 1, 2, \ldots, 9\}

darstellen. Um die Annahme zum Widerspruch zu führen, geben wir nun ein \alpha \in M_2 an, welches nicht Element der Folge reeller Zahlen \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} ist – für das also \alpha \neq x_n für alle n \in \mathbb{N} gilt. Es sei eine Folge mit den Gliedern b_n \in \{0, 1, 2, \ldots, 9\} und b_n \neq b_{nn} für alle n \in \mathbb{N} gewählt. Dann setzen wir

(2) \alpha := \left\{ \sum^m_{k=1} \frac{b_k}{10^k} \right\} _{m \in \mathbb{N}}.

Offenbar unterscheidet sich die Zahl α in der n-ten Stelle von der Dezimalbruchentwicklung einer jeden Zahl xn von \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}}. Damit gilt \alpha \in M_2 aber \alpha \notin \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} – was einen Widerspruch zur Annahme bedeutet.

[Bearbeiten] Bemerkung

Somit ist das Kontinuum [0,1] nicht abzählbar; diesen Nachweis führte Georg Cantor 1873.

[Bearbeiten] Definition 1

Eine Folge reeller Zahlen {xn} heißt Cauchy-Folge genau dann, wenn es zu jedem \varepsilon > 0 eine natürliche Zahl N = N(\varepsilon) gibt, so dass für alle m,n \ge N die Ungleichung |x_n-x_m|< \varepsilon erfüllt ist.

[Bearbeiten] Definition 2

Eine Folge reeller Zahlen {xn} heißt Nullfolge genau dann, wenn es zu jedem \varepsilon > 0 eine natürliche Zahl N = N(\varepsilon) derart gibt, dass für alle n \ge N stets |x_n|< \varepsilon gilt.

[Bearbeiten] Definition 3

Eine Folge \{x_n\} \subset \mathbb{R} heißt konvergent genau dann, wenn es ein \alpha \in \mathbb{R} gibt, so dass {xn − α} eine Nullfolge ist. Man verwendet die schreibweise:
(3) \alpha:= \lim_{n \to \infty} x_n.

[Bearbeiten] Bemerkung

Die Folge {xn} ist konvergent. \Leftrightarrow Es gibt ein \alpha \in \mathbb{R} mit |x_n - \alpha| < \varepsilon für alle n \ge N(\varepsilon). Man dann schreibt auch: x_n \to \alpha für n \to \infty.

[Bearbeiten] Hilfssatz 1

Sei {xn} eine konvergente Folge und es gelten die Beziehungen \lim_{n \to \infty} x_n = \alpha und \lim_{n \to \infty} x_n = \beta mit den reellen Zahlen α und β. Dann folgt α = β.

[Bearbeiten] Beweis

Zu jedem \varepsilon > 0 liefert Definition 3 die Ungleichung

|\alpha - \beta|= |(\alpha - x_n) + (x_n - \beta)| \le |x_n - \alpha| + |x_n - \beta| < \varepsilon + \varepsilon = 2 \varepsilon

für alle n \ge N(\varepsilon). Also folgt α = β.

[Bearbeiten] Hilfssatz 2

Seien \{x_n\} \subset \mathbb{R} und \{y_n\} \subset \mathbb{R} konvergente Folgen mit
\lim_{n \to \infty} x_n = \alpha und \lim_{n \to \infty} y_n = \beta.
Dann gelten die Identitäten
(4) \lim_{n \to \infty} (x_n + y_n) = \alpha + \beta und
(5) \lim_{n \to \infty} (x_n y_n)= \alpha \beta.
Weiter existiert eine Konstante c > 0 mit der Eigenschaft:
|x_n|\le c für alle n \in \mathbb{N}.
Falls zusätzlich \alpha \neq 0 und x_n \neq 0 für alle n \in \mathbb{N} richtig ist, so folgt
(6) \lim_{n \to \infty} \frac{1}{x_n} = \frac{1}{\alpha}.

[Bearbeiten] Beweis von (6)

Nach Voraussetzung gibt es ein \alpha \in \mathbb{R} \setminus \{0\} mit

|x_n - \alpha|< \varepsilon für alle n \ge N(\varepsilon).

Insbesondere finden wir eine reelle Zahl a > 0, so dass die Ungleichungen |\alpha| \ge a sowie

|x_n| \ge a für alle n \ge N(\varepsilon)

erfüllt sind. Somit folgt

\left| \frac{1}{x_n}-\frac{1}{\alpha} \right| = \left| \frac{\alpha - x_n}{x_n \cdot \alpha} \right| = \frac{|x_n - \alpha|}{|x_n| \cdot |\alpha|} \le \frac{\varepsilon}{a^2} für alle n \ge N(\varepsilon)

gemäß Formel (18) aus §1. Damit ist \left\{ \frac{1}{x_n} - \frac{1}{\alpha} \right\} eine Nullfolge und mit Definition 3 ergibt sich die Behauptung.

q.e.d.

[Bearbeiten] Hilfssatz 3

Die rationale Cauchy-Folge \{x_n\}\in \mathcal{M} repräsentiere die Äquivalenzklasse \alpha = [x_1, x_2, x_3, \ldots] und die Ungleichung |x_n|\le \varepsilon für alle n \ge N gelte mit einem index N \in \mathbb{N}. Dann folgt |\alpha| \le \varepsilon.

[Bearbeiten] Beweis

(i) Für alle n \ge N gilt x_n \le |x_n| \stackrel{(n. V.)}{\le} \varepsilon \Rightarrow x_n - \varepsilon \le 0. Somit folgt \alpha - \varepsilon \le 0 \Rightarrow \alpha \le \varepsilon.
(ii) Für alle n \ge N gilt -x_n \le |-x_n| \le \varepsilon \Rightarrow x_n + \varepsilon \ge 0. Somit folgt \alpha + \varepsilon \ge 0 \Rightarrow -\alpha \le \varepsilon.
Aus (i) und (ii) erhalten wir |\alpha| \le \varepsilon.

q.e.d.

[Bearbeiten] Hilfssatz 4

Die rationalen Zahlen \mathbb{Q} liegen in \mathbb{R} dicht, d. h. zu jedem \alpha \in \mathbb{R} gibt es eine Folge \{a_n\}_{n \in \mathbb{N}} \subset \mathbb{Q} mit der Eigenschaft
\lim_{n \to \infty} a_n = \alpha.

[Bearbeiten] Beweis

Sei die reelle Zahl \alpha = [x_n]_{n \in \mathbb{N}} mit x_n \in \mathbb{Q} für alle n \in \mathbb{N} gegeben. Wir erklären dann die rationale Zahl a_m := [y_n]_{n \in \mathbb{N}} durch die konstante Folge

\{y_n\}_{n \in \mathbb{N}} := \{x_m, x_m, \ldots\}.

Dann gilt für festes m \in \mathbb{N} die Identität

\alpha - a_m = [x_n - y_n]_{n \in \mathbb{N}} = [x_n - x_m]_{n \in \mathbb{N}}.

Da nun \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} eine cauchy-Folge ist, gibt es zu jedem \varepsilon>0 eine natürliche Zahl N=N(\varepsilon) mit

|x_n - x_m|<\varepsilon für alle m, n \ge N.

Bei festem index m \ge N wenden wir hilfssatz 3 auf die Folge

z_n := x_n - x_m, \quad n = 1,2,\ldots

an. Wir erhalten

|\alpha - a_m| = |[x_n - x_m]_{n \in \mathbb{N}}| \le \varepsilon für alle m \ge N(\varepsilon)

bzw.

\lim_{m \to \infty} a_m = \alpha.

q.e.d.

[Bearbeiten] Satz 3 (Cauchysches Konvergenzkriterium: Vollständigkeit von \mathbb{R})

Eine Folge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} \subset \mathbb{R} ist genau dann konvergent, wenn \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} eine Cauchy-Folge ist.

[Bearbeiten] Beweis

\Rightarrow“: Sei \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} konvergent, d. h. es gibt ein \alpha \in \mathbb{R} mit

\lim_{n \to \infty} x_n = \alpha.

Somit gibt es zu jedem \varepsilon > 0 eine natürliche Zahl N=N(\varepsilon) mit der Eigenschaft

|x_n - \alpha| < \varepsilon für alle n \ge N.

Wegen der Ungleichung

|x_n - x_m|=|(x_n - \alpha) + (\alpha - x_m)| \le |x_n - \alpha| + |x_m-\alpha| < 2 \varepsilon

für alle n \ge N ist \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} eine Cauchy-Folge.

\Leftarrow“: Sei \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} eine Cauchy-Folge, d. h. zu jedem \varepsilon > 0 gibt es eine natürliche Zahl N=N(\varepsilon) derart, dass die Ungleichung

|x_n - x_m| < \varepsilon für alle m,n \ge N

erfüllt ist. Nach Hilfssatz 4 gibt es zu jedem n \in \mathbb{N} ein a_n \in \mathbb{Q} mit

|x_n-a_n| \le \frac{1}{n}.

Wegen

| anam | = | (anxn) + (xnxm) + (xmam) |
\le |x_n - a_n|+|x_n - x_m|+|x_m - a_m| \le \frac{1}{n} + \varepsilon + \frac{1}{m} \le \tilde{\varepsilon} für alle m, n \ge N(\tilde{\varepsilon})

ist \{a_n\}_{n \in \mathbb{N}} eine rationale Cauchy-Folge. Wir definieren die reelle Zahl \alpha := [a_m]_{m \in \mathbb{N}} \in \mathbb{R} und erhalten

|\alpha - x_n|= |(\alpha - a_n) + (a_n - x_n)| \le |\alpha - a_n| + |x_n-a_n| \le \frac{1}{n} + \tilde{\varepsilon}

für alle m, n \ge N(\tilde{\varepsilon}). Damit ist die Folge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} konvergent.

q.e.d.

[Bearbeiten] Hilfssatz 5

Die Folge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} sei gemäß
x_n \le c für alle n \in \mathbb{N}
mit einer Konstante c \in \mathbb{R} nach oben beschränkt und konvergiere gemäß \lim_{n \to \infty} x_n = \alpha – mit dem Grenzwert \alpha \in \mathbb{R}. Dann folgt \alpha \le c.

[Bearbeiten] Beweis

Angenommen es wäre α > c erfüllt. Dann folgt zunächst \frac{1}{2} (\alpha + c) > c. Äquivalent zur Aussage

\lim_{n \to \infty} x_n = \alpha

gibt es zu jedem \varepsilon > 0 einen Index N (\varepsilon) \in \mathbb{N} mit der Eigenschaft

|x_n - \alpha| < \varepsilon für alle n \ge N(\varepsilon)

bzw.

x_n - \varepsilon \le \alpha \le x_n + \varepsilon für alle n \ge N(\varepsilon).

Zu dem speziellen \varepsilon := \frac{1}{2} (\alpha - c) ist nun für alle Indices n \ge N(\varepsilon) die Ungleichung

\alpha \le x_n + \frac{1}{2} (\alpha - c)

bzw.

x_n \ge \alpha - \frac{1}{2} (\alpha - c) = \frac{1}{2} (\alpha + c) > c

erfüllt. Dieses steht im Widerspruch zur Voraussetzung.

q.e.d.

[Bearbeiten] Satz 4 (Häufungsstellensatz von Weierstraß)

Sei \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} \subset \mathbb{R} eine beschränkte Folge mit der Schranke c \in \mathbb{R}, so dass
|x_n|\le c für alle n \in \mathbb{N}
erfüllt ist. Dann gibt es eine konvergente Teilfolge \{x_{n_k}\}_{k \in \mathbb{N}} der Folge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} mit dem Grenzwert \lim_{k \to \infty} x_{n_k} = \alpha und |\alpha| \le c.

[Bearbeiten] Beweis

Wir betrachten das intervall I0: = [ − c,c] der Länge 2c und beachten x_n \in I_0 für alle n \in \mathbb{N}. Ist I: = [a,b] mit -c \le a < b \le c ein beliebiges Teilintervall von I0, so können folgende zwei Fälle eintreten:

(i) In I liegen nur endlich viele Glieder der Folge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}}, d. h. es gibt eine natürliche Zahl N mit x_n \notin I für alle n \ge N.
(ii) In I liegen unendlich viele Glieder der Folge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}}, d. h. zu jeder natürlichen Zahl N gibt es ein n \ge N mit x_n \in I.

Wir setzen a0: = − c,b0: = c und teilen das intervall I0 in zwei intervalle L,R der Länge c

L:= \left[ a_0, \frac{1}{2} (a_0+b_0) \right] und R:= \left[ \frac{1}{2} (a_0+b_0), b_0 \right].

Nun liegen entweder in L oder in R unendlich viele Glieder der Folge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}}. Wenn nun z. B. (ii) für L zutrifft, so wählen wir I1: = L – ansonsten wird L durch R ersetzt. Jetzt halbieren wir das Intervall I1 = [a1,b1] in ein

linkes Teilintervall L:= \left[ a_1, \frac{1}{2} (a_1 + b_1) \right]

sowie ein

rechtes Teilintervall R:= \left[ \frac{1}{2} (a_1+b_1), b_1 \right].

Dann wählen wir als I2: = [a2,b2] dasjenige Intervall von L oder R, für welches (ii) zutrifft. Die Fortsetzung dieses Verfahrens liefert eine Folge \{I_k\}_{k \in \mathbb{N}_0} von Intervallen mit den Eigenschaften:

(7) Für alle k \in \mathbb{N}_0 gilt: I_k = [a_k, b_k] \wedge b_k - a_k = \frac{2c}{2^k} \wedge a_k < b_k
(8) a_0 \le a_1 \le a_2 \le \ldots \le b_2 \le b_1 \le b_0 \wedge I_0 \supset I_1 \supset I_2 \supset I_3 \supset \ldots.

In jedem Intervall Ik liegen unendlich viele Glieder der Folge {xn}. Nun ist die Folge \{a_k\}_{k \in \mathbb{N}_0} der linken Eckpunkte von Ik eine Cauchy-Folge, denn wegen (7) und (8) gilt

|a_k - a_l| \le |b_l-a_l| = \frac{2c}{2^l} \le \frac{2c}{2^n} < \varepsilon für alle k \ge l \ge n = n(\varepsilon).

Nach Satz 3 existiert nun ein \alpha \in \mathbb{R} mit \lim_{k \to \infty} a_k = \alpha und Hilfssatz 5 liefert

a_k \le \alpha \le b_k für alle k \in \mathbb{N}_0.

Zu vorgegebenem \varepsilon > 0 wählen wir k derart, dass

\alpha - \varepsilon < a_k \le \alpha \le b_k < \alpha + \varepsilon

gilt. Da nun in jedem Ik unendlich viele xn liegen, finden wir zu jeder natürlichen Zahl N=N(\varepsilon) ein m \ge N, so dass

\alpha - \varepsilon < a_k \le x_m \le b_k < \alpha + \varepsilon

richtig ist. Wir setzen jetzt \varepsilon := \frac{1}{l}, wobei der Index l=1,2,\ldots durchläuft. Es gibt also eine Folge {nl} natürlicher Zahlen mit n_1 < n_2 < \ldots, welche

\alpha - \frac{1}{l} \le x_{n_l} \le \alpha + \frac{1}{l}

erfüllen. Somit folgen die Ungleichungen |x_{n_l} - \alpha| < \frac{1}{l} und schließlich

\lim_{l \to \infty} x_{n_l} = \alpha mit \alpha \in I_k für alle k \in \mathbb{N}_0.

q.e.d.

[Bearbeiten] Definition 4

Eine Folge heißt monoton nicht fallend bzw. schwach monoton steigend, wenn die Ungleichung x_n \le x_{n+1} für alle n \in \mathbb{N} erfüllt ist. Die Folge heißt (streng) monoton steigend, wenn xn < xn + 1 für alle n \in \mathbb{N} gilt.
Entsprechend heißt die Folge monoton nicht steigend bzw. schwach monoton fallend, wenn die Ungleichung x_n \ge x_{n+1} für alle n \in \mathbb{N} erfüllt ist. Die Folge heißt (streng) monoton fallend, wenn xn > xn + 1 für alle n \in \mathbb{N} gilt.

[Bearbeiten] Satz 5

Sei die monoton nicht fallende Folge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} \subset \mathbb{R} gegeben, die nach oben beschränkt ist gemäß x_n \le c\ (n=1,2,\ldots) – mit der Schranke c \in \mathbb{R}. Dann ist \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} konvergent.

[Bearbeiten] Beweis

Wegen der Beschränktheit und Monotonie unserer Folge gilt

|x_n|\le c_1 := \max\{|x_1|, c\} für alle n \in \mathbb{N}.

Nach Satz 4 gibt es zu \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} eine Teilfolge \{x_{n_k}\}_{k \in \mathbb{N}} mit

\lim_{k \to \infty} x_{n_k} = \alpha.

Wir zeigen jetzt, dass auch \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} gegen \alpha \in \mathbb{R} konvergiert: Zu jedem n \in \mathbb{N} ist die Ungleichung n \le n_k für alle k \ge n richtig und die Monotonie liefert

x_n \le x_{n_k} für alle k \ge n.

Der Grenzübergang k \to \infty ergibt mittels Hilfssatz 5 die Ungleichung

(9) x_n \le \lim_{k \to \infty} x_{n_k} = \alpha \le c für alle n \in \mathbb{N}.

Zu vorgegebenem \varepsilon > 0 existiert nun eine natürliche Zahl K = K(\varepsilon) mit |x_{n_k } - \alpha| < \varepsilon für alle k \ge K. Wir erhalten die Ungleichung

\alpha - \varepsilon \le x_{n_k} \le \alpha für alle k \ge K.

Da die Folge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} monoton nicht fallend ist, gibt es eine Zahl N = N(K) \in \mathbb{N}, so dass

\alpha - \varepsilon \le x_{n_k} \le x_n \le \alpha für alle n \ge N(K)

richtig ist. Dies bedeutet aber

\lim_{n \to \infty} x_n = \alpha.

q.e.d.

[Bearbeiten] Satz 6

Jede monoton nicht wachsende, nach unten beschränkte Folge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} mit x_n \ge c\ (n = 1,2,\ldots) für ein c \in \mathbb{R} ist konvergent.

[Bearbeiten] Beweis

Die Behauptung ergibt sich unmittelbar aus Satz 5: Durch Spiegelung am Nullpunkt betrachten wir die monoton nicht fallende Folge \{-x_n\}_{n \in \mathbb{N}} \subset \mathbb{R} mit -x_n \le - c.

q.e.d.

Jede endliche Menge M = \{x_1, \ldots, x_n\} \subset \mathbb{R} – mit n \in \mathbb{N} – besitzt ein kleinstes Element \min M \in M und ein größtes Element \max M \in M. Dieses nennen wir Maximum bzw. Minimum der Menge M. Offenbar ist die Ungleichung

\min M \le x_k \le \max M für k = 1, \ldots, n

erfüllt. Bei Mengen mit unendlich vielen Elementen liegt diese einfache Situation im allgemeinen nicht vor – jedoch können wir folgendes zeigen:

[Bearbeiten] Satz 7

Sei M eine nicht leere Menge reeller Zahlen, die nach oben beschränkt ist, d. h. es gibt ein c \in \mathbb{R} derart, dass
x \le c für alle x \in M
gilt. Dann gibt es ein durch die Menge M eindeutig bestimmtes Element \sigma \in \mathbb{R} mit den folgenden Eigenschaften:
(10) Für alle x \in M gilt x \le \sigma.
(11) Zu jedem \varepsilon > 0 gibt es ein y \in M mit \sigma - \varepsilon \le y \le \sigma.

[Bearbeiten] Bemerkung

Im Gegensatz zu endlichen Mengen ist im allgemeinen Fall auch \sigma \notin M möglich, z. B. für M := \left\{ \frac{1}{n}: n \in \mathbb{N} \right\} mit der oberen Grenze σ = 0.

[Bearbeiten] Beweis

(Eindeutigkeit von σ): Angenommen, die verschieden Größen \sigma_1 \in \mathbb{R} und \sigma_2 \in \mathbb{R} erfüllen die bedingungen (10) und (11): Wir können dann o. B. d. A. σ1 < σ2 voraussetzen. Nun gibt es zu jedem \varepsilon > 0 ein y \in M mit \sigma_2 - \varepsilon \le y \le \sigma_2. Speziell für \varepsilon:= \frac{1}{2} (\sigma_2 - \sigma_1) erhalten wir

y \ge \sigma_2 - \frac{1}{2} (\sigma_2 - \sigma_1) = \frac{1}{2} (\sigma_2 + \sigma_1) > \sigma_1.

Dies steht im Widerspruch zu (10) für die Größe σ1.

(Existenz von σ): Wegen M \neq \emptyset gibt es ein x_0 \in M und wir wählen das intervall I0: = [x0,c]. Wir beachten x_0 \in I_0 und x \le c für alle x \in M. Wie im Beweis von Satz 4 teilen wir das intervall I0 in zwei teilintervalle L und R:

L:= \left[ x_0, \frac{1}{2} (x_0 + c) \right] und R:= \left[ \frac{1}{2} (x_0 + c), c \right].

Wir setzen I1: = [a1,b1] = L, falls M \cap R = \emptyset erfüllt ist – ansonsten sei I1: = R erklärt. Dann gibt es ein x_1 \in I_1 \cap M und für alle x \in M gilt x \le b_1. Dieses Verfahren wenden wir nun auf I1 an und erhalten das Intervall I_2 \subset I_1. Wir wählen dabei das folgende Intervall stets so, dass wenigstens ein y \in M darin enthalten ist. Haben wir bereits das Intervall In = [an,bn] konstruiert, halbieren wir dieses wieder in die Intervalle L und R und wählen als In + 1 = [an + 1,bn + 1] das Intervall L, falls M \cap R = \emptyset – ansonsten sei In + 1 = R gesetzt. Wir erhalten also eine Folge \{I_k\}_{k \in \mathbb{N}_0 } von intervallen mit den Eigenschaften:

(12) Für alle k \in \mathbb{N}_0 gilt I_k = [a_k, b_k] \wedge b_k - a_k = \frac{c-x_0}{2^k}
(13) a_0 \le a_1 \le \ldots \le b_1 \le b_0 \wedge I_0 \supset I_1 \supset I_2 \supset \ldots.

In jedem Intervall I_k \ (k \in \mathbb{N}_0) liegt wenigstens ein y \in M und es gilt:

x \le b_k für alle x \in M und k=0,1,2,\ldots.

Die Folge \{a_k\}_{k \in \mathbb{N}_0 } der linken Eckpunkte von Ik ist monoton nicht fallend und nach oben beschränkt. Wegen Satz 5 existiert ihr Grenzwert \lim_{k \to \infty} a_k = \eta. Weiterhin ist die Folge \{b_k\}_{k \in \mathbb{N}_0 } der rechten Eckpunkte von Ik monoton nicht steigend und nach unten beschränkt – also gibt es nach Satz 6 ein \sigma \in \mathbb{R} mit \lim_{k \to \infty} b_k = \sigma. Wegen (12) und (13) folgt für hinreichend große k

|\eta - \sigma| = |(\eta - a_k)+(a_k - b_k)+(b_k - \sigma)| \le |a_k - \eta|+|a_k - b_k|+|b_k - \sigma| < 3 \varepsilon

bzw.

\lim_{k \to \infty} a_k = \lim_{k \to \infty} b_k = \sigma.

Zu vorgegebenem \varepsilon > 0 existiert nun eine natürliche Zahl K = K(\varepsilon) mit der Eigenschaft

\sigma - \varepsilon \le a_k \le \sigma \le b_k \le \sigma + \varepsilon für alle k \ge K.

Also folgt \sigma - \varepsilon \le y \le \sigma + \varepsilon für mindestens y \in I_k \cap M. Andererseits liefert y \le b_k für alle y \in M und \lim_{k \to \infty} b_k = \sigma die Ungleichung y \le \sigma für jedes y \in M. Das beweist die Behauptung des Satzes 7.

q.e.d.

[Bearbeiten] Satz 8

Sei M eine nicht leere Menge reeller Zahlen, die nach unten beschränkt ist, d. h. es gibt ein c \in \mathbb{R} derart, dass x \ge c für alle x \in M gilt. Dann gibt es ein durch die Menge M eindeutig bestimmtes Element \tau \in \mathbb{R} mit den folgenden Eigenschaften:
(14) Für alle x \in M gilt x \ge \tau.
(15) Zu jedem \varepsilon > 0 gibt es ein x \in M mit \tau \le x \le \tau + \varepsilon.

[Bearbeiten] Beweis

Wir wenden Satz 7 auf die Menge

M^* := \{z \in \mathbb{R}:z = - x, x \in M\}

an.

q.e.d.

[Bearbeiten] Definition 5

Für eine nach oben beschränkte Menge \emptyset \neq M \subset \mathbb{R} heißt \sigma \in \mathbb{R} mit den Eigenschaften (10) und (11) die obere Grenze, die kleinste obere Schranke oder das Supremum von M. Man schreibt
\sigma := \sup M

[Bearbeiten] Definition 6

Für eine nach unten beschränkte Menge \emptyset \neq M \subset \mathbb{R} heißt \tau \in \mathbb{R} mit den Eigenschaften (14) und (15) die untere Grenze, die größte untere Schranke oder das Infimum von M. Man schreibt
\tau := \inf M

[Bearbeiten] Definition 7

Eine Zahl \xi \in \mathbb{R} heißt Häufungswert einer Folge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} \subset \mathbb{R} genau dann, wenn es eine konvergente Teilfolge \{x_{n_k}\}_{k \in \mathbb{N}} von \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} mit der Eigenschaft
\lim_{k \to \infty} x_{n_k} = \xi
gibt.

[Bearbeiten] Beispiele

  1. Die Menge aller Häufungswerte der Folge der rationalen Zahlen ist \mathbb{R}.
  2. Die Folge der natürlichen Zahlen besitzt in \mathbb{R} keinen Häufungswert.
  3. Wenn \{x_n\} \subset \mathbb{R} eine nach oben beschränkte, monoton nicht fallende Folge ist, dann besitzt sie nach Satz 5 genau einen Häufungswert.

[Bearbeiten] Definition 8

Das erweiterte reelle Zahlensystem
\overline{\mathbb{R}}:= \mathbb{R} \cup \{-\infty\} \cup \{+\infty\}
entsteht durch Hinzufügen der beiden uneigentlichen Elemente - \infty und + \infty zu dem Körper der reellen Zahlen. Für alle x \in \mathbb{R} gilt - \infty < x < + \infty.

[Bearbeiten] Definition 9

Sei \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} \subset \overline{\mathbb{R}} eine beliebige Folge. Dann vereinbaren wir:
\lim_{n \to \infty} x_n = + \infty \quad \Leftrightarrow
Zu jedem c \in \mathbb{R} existiert ein K =K(c) \in \mathbb{N}: x_n \ge c für alle n \ge K.
\lim_{n \to \infty} x_n = - \infty \quad \Leftrightarrow
Zu jedem c \in \mathbb{R} existiert ein K =K(c) \in \mathbb{N}: x_n \le c für alle n \ge K.

[Bearbeiten] Beispiele

  1. Die Folge der natürlichen Zahlen ist in \overline{\mathbb{R}} konvergent und besitzt den Häufungswert + \infty \in \overline{\mathbb{R}}.
  2. Die Folge \{x_n\} \subset \overline{\mathbb{R}} mit x_n := (- 1)^n \cdot n^2\ (n \in \mathbb{N}) ist nicht konvergent, hat aber die beiden Häufungswerte + \infty und - \infty.

[Bearbeiten] Definition 10

\xi \in \{- \infty, + \infty\} heißt Häufungswert einer Folge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} \subset \overline{\mathbb{R}} genau dann, wenn es eine Teilfolge \{x_{n_k}\}_{k \in \mathbb{N}} gibt mit dem Grenzwert
\lim_{k \to \infty} x_{n_k} = \xi.

[Bearbeiten] Definition 11

Wir setzen
\sup M = + \infty \Leftrightarrow Zu jedem c \in \mathbb{R} gibt es ein x \in M mit x \ge c
\sup M = - \infty \Leftrightarrow M = \{- \infty\}
\sup M = + \infty \Leftrightarrow M = \{+ \infty\}
\inf M = - \infty \Leftrightarrow Zu jedem c \in \mathbb{R} gibt es ein x \in M mit x \le c

[Bearbeiten] Satz 9

Jede Zahlenfolge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} \subset \overline{\mathbb{R}} besitzt wenigstens einen Häufungswert \xi \in \overline{\mathbb{R}}.

[Bearbeiten] Beweis

Wenn |x_n| \le c für alle n \in \mathbb{N} richtig ist, so folgt die Behauptung aus Satz 4 mit einem Häufungswert \xi \in \mathbb{R}. Anderenfalls gibt es eine Teilfolge \{x_{n_k}\}_{k \in \mathbb{N}} mit \lim_{k \to \infty} |x_{n_k}| = + \infty. Dann existiert eine Teilfolge \{x_{m_j}\}_{j \in \mathbb{N}} von \{x_{n_k}\}_{k \in \mathbb{N}} mit der Eigenschaft

\lim_{j \to \infty} x_{m_j} = - \infty oder \lim_{j \to \infty} x_{m_j}| = + \infty

q.e.d.

[Bearbeiten] Satz 10

Jede monoton nicht fallende Folge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} \subset \overline{\mathbb{R}} ist konvergent, d. h. es gibt ein \alpha \in \overline{\mathbb{R}} mit
\lim_{n \to \infty} x_n = \alpha

[Bearbeiten] Beweis

Wenn \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} nach oben beschränkt ist, so folgt die Behauptung aus Satz 5. Ist hingegen \{x_n \}_{n \in \mathbb{N}} nach oben unbeschränkt, dann gibt es wegen der Monotonie zu jedem c \in \mathbb{R} eine natürliche Zahl K = K(c) derart, dass x_n \ge c für alle n \ge K gilt. Definition 9 liefert \lim_{n \to \infty} x_n = + \infty.

q.e.d.

[Bearbeiten] Satz 11

Jede monoton nicht steigende Folge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} \subset \overline{\mathbb{R}} ist konvergent.

[Bearbeiten] Definition 12

Seien \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} \subset \overline{\mathbb{R}} eine beliebige Folge und E \neq \emptyset die Menge aller Häufungspunkte von \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}}. Dann setzt man
(16) \sup E =: \limsup_{n \to \infty} x_n als Limes superior und
(17) \inf E =: \liminf_{n \to \infty} x_n als Limes inferior.

[Bearbeiten] Satz 12

Sei \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} \subset \overline{\mathbb {R}} eine Folge mit \limsup_{n \to \infty} x_n = \xi. Dann gilt:
(18) Es gibt eine Teilfolge \{x_{n_k}\}_{k \in \mathbb{ N}} \subset \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}}: \quad \lim_{k \to \infty} x_{n_k} = \xi.
(19) Zu jedem c \in \overline{\mathbb{R}} mit c > ξ existiert K = K(c) \in \mathbb{N}: x_n \le c für alle n \ge N.

[Bearbeiten] Bemerkungen

Wegen (18) ist \xi := \sup E \in E erfüllt. Die Bedingung (19) besagt, dass es zu beliebigem c > ξ nur endlich viele Folgenglieder gibt, die größer als c sind. Die Aussage wird falsch, wenn c = ξ gesetzt wird. Betrachten wir dazu die Folge {xn} mit x_n := (- 1)^n + \frac{1}{n}\ (n \in \mathbb{N}). Wegen

\lim_{k \to \infty} x_{2k} = \lim_{k \to \infty} \left\{ 1 + \frac{1}{2k} \right\} = 1 = \limsup_{n \to \infty} x_n

und

\lim_{k \to \infty} x_{2k + 1} = \lim_{k \to \infty} \left\{ - 1 + \frac{1}{2k + 1} \right\} = -1 = \liminf_{n \to \infty} x_n

gilt E = {1, − 1}. Für diese Folge liegen oberhalb von c = ξ = 1 unendlich viele Glieder.

[Bearbeiten] Beweis

1. Sei zunächst \limsup_{n \to \infty} x_n = - \infty. Wegen Definition 11 und 12 gilt E = \{- \infty\} für die Menge aller Häufungswerte E von \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} \subset \overline{mathbb{R} }. Damit gibt es eine Teilfolge \{x_{n_k}\}_{k \in \mathbb{N}} \subset \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} mit \lim_{k \to \infty} x_{n_k} = - \infty. Daraus folgt unmittelbar \lim_{n \to \infty} x_n = - \infty und nach Definition 9 gibt es zu jedem c \in \mathbb{R} eine natürliche Zahl K = K(c) mit x_n \le c für alle n \ge K.

2. Gelte nun \limsup_{n \to \infty} x_n = + \infty. Dann gibt es wegen Definition 9 eine Teilfolge \{x_{n_k}\} _{k \in \mathbb{N}} \subset \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} mit \lim_{k \to \infty} x_{n_k} = + \infty. Anderenfalls gäbe es ein c \in \mathbb{R}, so dass x_n \le c für alle n \ge K mit einem geeigneten K=K(c) \in \mathbb{N} richtig ist. Dann müsste wegen Hilfssatz 5 aber \xi \le c gelten – im Widerspruch zu \xi = + \infty.

3. Im dritten Fall sei \limsup_{n \to \infty} x_n =: \xi \in \mathbb{R} erfüllt. Da \xi = \sup E ist, gibt es eine Folge \{y_k\}_{k \in \mathbb{N}} \subset E mit \lim_{k \to \infty} y_k = \xi. Da jedes yk Häufungswert von der Folge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} ist, gibt es zu jedem k \in \mathbb{N} eine Teilfolge \{x^{(k)}_{m_j}\}_{j \in \mathbb{N}} \subset \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} mit \lim_{j \to \infty} x^{(k)}_{m_j} = y_k. Wir finden somit Glieder x_{n_k } der Folge, so dass |x_{n_k} - y_k| < \frac{1}{k} für k = 1,2,\ldots gilt. Mit

|x_{n_k} - \xi| \le |x_{n_k} - y_k| + |y_k - \xi| < \frac{1}{k} + \varepsilon

erhalten wir \lim_{k \to \infty} x_{n_k} = \xi. Wäre nun (19) falsch, so gäbe es ein c \in \overline{\mathbb{R}} mit xn > c > ξ für unendlich viele n \in \mathbb{N}. Damit muss ein Häufungswert \omega \in \overline{\mathbb{R}} der Folge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} existieren, der \omega \ge c erfüllt. Dies steht aber im Widerspruch zu c > \xi = \sup E – und somit gilt (19).

q.e.d.

[Bearbeiten] Satz 13

Sei \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} \subset \overline{\mathbb {R}} eine Folge mit \liminf_{n \to \infty} x_n = \eta. Dann gilt:
(20) Es gibt eine Teilfolge \{x_{n_k}\}_{k \in \mathbb{ N}} \subset \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}}: \quad \lim_{k \to \infty} x_{n_k} = \eta.
(21) Zu jedem c \in \overline{\mathbb{R}} mit c < η existiert K = K(c) \in \mathbb{N}: x_n \ge c für alle n \ge N.

[Bearbeiten] Beweis

Indem wir die Folge \{z_n\}_{n \in \mathbb{N}} \subset \overline{\mathbb {R}} mit z_n := -x_n, n = 1,2,\ldots betrachten, erhalten wir aus Satz 12 die Behauptungen (20) und (21).

q.e.d.

[Bearbeiten] Bemerkung

Nach Definition 12 gilt für eine beliebige Folge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} \subset \overline{\mathbb{R}} offenbar

\liminf_{n \to \infty} x_n \le \limsup_{n \to \infty} x_n.

[Bearbeiten] Satz 14

Eine Folge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} \subset \overline {\mathbb{R}} ist genau dann konvergent (im eigentlichen Sinne), wenn
\liminf_{n \to \infty} x_n = \limsup_{n \to \infty} x_n =: \alpha \in \mathbb{R}
erfüllt ist. Es gilt dann
\lim_{n \to \infty} x_n = \alpha.

[Bearbeiten] Beweis

\Rightarrow“: Sei \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} konvergent mit \lim_{n \to \infty} x_n = \alpha. Dann gibt es zu jedem \varepsilon > 0 eine natürliche Zahl N = N(\varepsilon) mit der Eigenschaft

\alpha - \varepsilon \le x_n \le \alpha + \varepsilon für alle n \ge N.

Jede Teilfolge besitzt also den Häufungswert α und somit ergibt sich

E = {α} sowie \liminf_{n \to \infty} x_n = \limsup_{n \to \infty} x_n = \alpha.

\Leftarrow“: Für die Folge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} \subset \overline {\mathbb{R}} gibt es ein \alpha \in \mathbb{R} mit

\liminf_{n \to \infty} x_n = \limsup_{n \to \infty} x_n = \alpha.

Zu jedem \varepsilon > 0 existiert wegen \limsup_{n \to \infty} x_n = \alpha und Satz 12 eine natürliche Zahl N_1 = N_1(\varepsilon), so dass x_n \le \alpha + \varepsilon für alle n \ge N_1 richtig ist. Entsprechend gibt es wegen \liminf_{n \to \infty} x_n = \alpha und Satz 13 eine natürliche Zahl N_2 = N_2(\varepsilon) mit x_n \ge \alpha - \varepsilon für alle n \ge N_2. Setzen wir N: = max{N1,N2}, dann erhalten wir |x_n - \alpha| < \varepsilon für alle n \ge N. Also folgt \lim_{n \to \infty} x_n = \alpha.

q.e.d.

[Bearbeiten] Satz 15

Sei \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} \subset \overline{\mathbb {R}} eine beliebige Folge, dann gilt
(22) \limsup_{n \to \infty} x_n = \lim_{m \to \infty} \left[ \sup_{k \in \mathbb{N}_0} x_{m + k} \right] = \inf_{m \in \mathbb{N}} \left[ \sup_{k \in \mathbb{N}_0} x_{m + k} \right]
(23) \liminf_{n \to \infty} x_n = \lim_{m \to \infty} \left[ \inf_{k \in \mathbb{N}_0} x_{m + k} \right] = \sup_{m \in \mathbb{N}} \left[ \inf_{k \in \mathbb{N}_0} x_{m + k} \right].

[Bearbeiten] Beweis

Wir beweisen nur (22), da der Beweis von (23) entsprechend geführt wird. Sei \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} \subset \overline{\mathbb {R}} und \limsup_{n \to \infty} x_n =: \xi.

1. Fall (\xi = - \infty): Nach (19) gibt es zu jedem c > -\infty eine natürliche Zahl K = K(c) mit x_n \le c für alle n \ge K. Setzen wir

y_m := \sup \{x_m, x_{m+1}, x_{m+2}, \ldots\} für m \in \mathbb{N},

so gilt y_1 \ge y_2 \ge y_3 \ge \ldots. Dann erfüllt die Folge \{x_m\}_{m \in \mathbb{N}} für alle m \ge K die Ungleichung y_m \le c. Somit folgt für alle c \in \mathbb{R} die Beziehung

\inf_{m \in \mathbb{N}} y_m = \lim_{m \to \infty} y_m = \lim_{m \to \infty} [\sup \{x_m, x_{m+1}, x_{m+2}, \ldots\}] \le c und damit \lim_{m \to \infty} [\sup \{x_m, x_{m+1}, x_{m+2}, \ldots\}] = \inf_{m \in \mathbb{N}} [\sup \{x_m, x_{m+1}, x_{m+2}, \ldots\}] = - \infty.

2. Fall (\xi = \infty): Es gibt eine Teilfolge \{x_{n_k}\}_{k\in \mathbb{N}} mit \lim_{k \to \infty} x_{n_k} = + \infty und für alle m \in \mathbb{N} gilt

y_m := \sup \{x_m, x_{m+1}, x_{m+2}, \ldots\} = + \infty.

Dann folgt

\inf_{m \in \mathbb{N}} y_m = \lim_{m \to \infty} y_m = \lim_{m \to \infty} \sup \{x_m, x_{m+1}, x_{m+2}, \ldots\} = + \infty.

3. Fall (\xi \in \mathbb{R}): Wir betrachten die Folge \{y_m\}_{m \in \mathbb{N}} der Suprema

y_m := \sup \{x_m, x_{m+1}, x_{m+2}, \ldots\} für m \in \mathbb{N},

welche monoton nicht steigend ist. Also existiert die Größe

\eta := \inf_{m \in \mathbb{N}} y_m = \lim_{m \to \infty} y_m \in \mathbb{R}.

Wir werden zeigen, dass η = ξ gilt: Zu vorgegebenem \varepsilon > 0 gibt es eine natürliche Zahl N_1 = N_1(\varepsilon), so dass x_n \le \xi + \varepsilon für alle n \ge N_1 gilt (vgl. Satz 12). Daraus folgt

y_m = \sup \{x_m, x_{m+1}, x_{m+2}, \ldots\} \le \xi + \varepsilon für alle m \ge N_1.

Also gilt für jedes \varepsilon > 0 die Abschätzung

\eta = \inf_{m \in \mathbb{N}} y_m = \lim_{m \to \infty} y_m \le \xi + \varepsilon

und damit \eta \le \xi. Es bleibt noch zu zeigen, dass \eta \ge \xi gilt. Wegen \limsup_{n \to \infty} x_n = \xi gibt es nach (18) eine Teilfolge \{x_{n_k}\}_{k \in \mathbb{N}} \subset \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} mit \lim_{k \to \infty} x_{n_k} = \xi. Deshalb existiert zu beliebigem \varepsilon > 0 eine Zahl N_2 = N_2(\varepsilon) mit x_{n_k} \ge \xi - \varepsilon für alle k \ge N_2. Sei nun m \in \mathbb{N} vorgegeben und nk > m entsprechend gewählt, so folgt

y_m = \sup \{x_m, x_{m+1}, x_{m+2}, \ldots\} \ge \xi - \varepsilon für alle m.

Also gilt für beliebiges \varepsilon > 0 die Abschätzung

\eta = \inf_{m \in \mathbb{N}} y_m = \lim_{m \to \infty} y_m \ge \xi - \varepsilon

und damit \eta \ge \xi. Mit der nun folgenden Identität η = ξ haben wir (22) bewiesen.

q.e.d.

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