Kurs:Analysis I/Kapitel I: Das System der reellen und komplexen Zahlen/Definition der reellen Zahlen (§2)

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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Hilfssatz 1

Es gibt kein x \in \mathbb{Q} mit x2 = 2.

[Bearbeiten] Beweis (indirekt)

Angenommen, es gibt ein x \in \mathbb{Q} mit x2 = 2, dann lässt sich x in der Form

x:=\frac{p}{q} mit p \in \mathbb{Z} und q \in \mathbb{N}

darstellen. Wir können o. B. d. A. voraussetzen, dass p und q teilerfremd sind, da wir ggf. gemeinsame Teiler kürzen. Damit folgt wegen

x^2 = \left(\frac{p}{q} \right)^2 \Leftrightarrow p^2 = 2q^2,

dass p2 und damit auch p eine gerade Zahl ist. Es gibt also ein m \in \mathbb{Z} mit p = 2m. Wir erhalten

p^2 = 4m^2 = 2q^2 \Rightarrow q^2 = 2m^2.

Somit ist neben p auch q eine gerade Zahl. Dieses steht im Widerspruch zur Voraussetzung, dass p und q teilerfremd sind. Die Annahme, es gäbe ein x \in \mathbb{Q} mit x2 = 2, ist also falsch. Damit ist Hilfssatz 1 bewiesen.

q.e.d.

Wir wollen nun eine Lösung der Gleichung x2 = 2 definieren. Seien die Ziffern a_k \in \mathbb{N}_0 mit 0 \le a_k \le 9 für alle k \in \mathbb{N}_0 gewählt. Dazu betrachten wir die Darstellung

\sqrt{2} := x = \sum^\infty_{k = 0} \frac{a_k}{10^k} = a_0 + \frac{a_1}{10} + \frac{a_2}{100} + \ldots

als unendlichen Dezimalbruch mit a0 = 1,a1 = 4,a2 = 1 usw. Wir erklären die in rationale Zahlenfolge {xn} durch

x_n := \sum^n_{k = 0} \frac{a_k}{10^k} \in \mathbb{Q} für n = 0, 1, 2, \ldots

mit dem Grenzwert \sqrt{2}. Der Hilfssatz 1 besagt, dass dieser Grenzwert nicht in \mathbb{Q} liegen kann. Wir werden die Folge {xn} mit der reellen Zahl \sqrt{2} identifizieren. Für beliebige m, n \ge N \in \mathbb{N} und o. B. d. A. n > m gilt die Ungleichung

|x_n - x_m| = \left| \sum^n_{k = m + 1} \frac{a_k}{10^k} \right| \le \sum^n_{k = m + 1} \frac{|a_k|}{10^k} \le \sum^n_{k = m + 1} \frac{10}{10^k} = \sum^n_{k = m + 1} \left( \frac{1}{10} \right)^{k - 1}
\stackrel{p := k - m - 1}{=} \sum^{n - m - 1}_{p = 0} \left( \frac{1}{10} \right)^{p + m} = \left( \frac{1}{10} \right)^m \cdot \sum^{n - m - 1}_{p = 0} \left( \frac{1}{10} \right)^{p} = \left( \frac{1}{10} \right)^m \cdot \frac{1 - \left( \frac{1}{10} \right)^{n - m}}{1 - \frac{1}{10}}
\le \frac{10}{9} \cdot \left( \frac{1}{10} \right)^m \le \frac{10}{9} \cdot \left( \frac{1}{10} \right)^N.

Für ein gegebenes \varepsilon > 0 kann man ein N = N(\varepsilon) derart wählen, dass

|x_n - x_m| < \varepsilon für alle n, m \ge N(\varepsilon)

richtig ist – und somit die Streuung der Folge {xn} rationaler Zahlen beliebig klein wird.

[Bearbeiten] Definition 1

Eine Abbildung
f:\mathbb{N} \to \mathbb{Q} vermöge n \mapsto x_n:=f(n)
heißt rationale Zahlenfolge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}}. Die xn heißen Glieder der Zahlenfolge.

[Bearbeiten] Bemerkung

Bei Folgen und Reihen betrachten wir die Indexmengen \mathbb{N} und \mathbb{N}_0 als geordnete Mengen.

[Bearbeiten] Definition 2

Eine rationale Zahlenfolge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} heißt Cauchy-Folge genau dann, wenn es zu jedem \varepsilon > 0 eine natürliche Zahl N = N(\varepsilon) gibt, dass für alle m,n \ge N (\varepsilon) die Ungleichung
(1) |x_n-x_m|< \varepsilon
erfüllt ist.

[Bearbeiten] Definition 3

Eine rationale Cauchy-Folge \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} heißt Nullfolge genau dann, wenn es zu jedem \varepsilon > 0 eine natürliche Zahl N = N(\varepsilon) derart gibt, dass für alle n \ge N (\varepsilon) stets |x_n|< \varepsilon gilt.

[Bearbeiten] Definition 4

Zwei Cauchy-Folgen \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} und \{y_n\}_{n \in \mathbb{N}} heißen zueinander äquivalent genau dann, wenn {xnyn} eine Nullfolge ist. Man schreibt:
\{x_n\} \sim \{y_n\} \Leftrightarrow |x_n - y_n| < \varepsilon für alle n \ge N (\varepsilon).

[Bearbeiten] Definition 5

Für eine beliebige Menge M sei zwischen zwei Elementen a,b \in M eine Relation a˜b derart definiert, so dass für jedes geordnete Paar (a,b) \in M \times M feststeht, ob a˜b richtig ist oder nicht. Diese Relation heißt Äquivalenzrelation genau dann, wenn die Axiome (R),(S),(T) erfüllt sind.
(R) Für alle a \in M gilt: a˜a (Reflexivität)
(S) Für alle a,b \in M gilt: a \sim b \Rightarrow b \sim a (Symmetrie)
(T) Für alle a,b,c \in M gilt: (a \sim b) \wedge (b \sim c) \Rightarrow a \sim c (Transitivität)

[Bearbeiten] Beispiel 1

a) Die Gleichheit rationaler Zahlen ist eine Äquivalenzrelation, denn für alle a, b, c \in \mathbb{Q} gelten:
(R) \quad a = a
(S) \quad a = b \Rightarrow b = a
(T) \quad (a = b) \wedge (b = c) \Rightarrow a = c
b) Die kleiner-Relation rationaler Zahlen ist wegen (R) \quad a < a keine Äquivalenzrelation.
c) Für M = \mathbb{Z} ist

a \sim b \Leftrightarrow \frac{a - b}{2} \in \mathbb{Z}

eine Äquivalenzrelation, die \mathbb{Z} in die elementfremden Äquivalenzklassen der geraden und ungeraden Zahlen einteilt. (vgl. Definition 6)

[Bearbeiten] Beispiel 2

Sei \mathcal{M} die Menge der rationalen Cauchy-Folgen {xn}. Dann ist die in Definition 4 erklärte Beziehung eine Äquivalenzrelation, denn für alle \{x_n\}, \{y_n\}, \{z_n\} \in \mathcal{M} gelten

\begin{matrix} (R) \quad \{x_n\} \sim \{x_n\}, & \text{weil } \{x_n - x_n\} \text{ die konstante Nullfolge ist.} \\ (S) \quad \{x_n\} \sim \{y_n\} & \Rightarrow |x_n - y_n| < \varepsilon \mathrm{\ f\ddot ur\ alle\ } n \ge N(\varepsilon) \\ & \Rightarrow |y_n - x_n| = |(-1) \cdot (x_n - y_n)| = |x_n - y_n| < \varepsilon \\ & \Rightarrow \{y_n\} \sim \{x_n\}\ \mathrm{gem\ddot ass\ Definition\ 4.} \end{matrix}
(T) \quad \{x_n\} \sim \{y_n\} \wedge \{y_n\} \sim \{z_n\}
\Rightarrow |x_n - z_n| = |(x_n - y_n) + (y_n - z_n)| \le |x_n - y_n| + |y_n - z_n| < \varepsilon für alle n \ge N(\varepsilon)
\Rightarrow \{x_n\} \sim \{z_n\} gemäß Definition 4.

[Bearbeiten] Definition 6

Sei M eine Menge mit einer Äquivalenzrelation ˜. Dann heißt eine Teilmenge A \subset M Äquivalenzklasse, falls folgendes gilt:
1. A \neq \emptyset.
2. x,y \in A \Rightarrow x \sim y.
3. x \in A, y \in M, x \sim y \Rightarrow y \in A.

[Bearbeiten] Satz 1

Sei ˜ eine Äquivalenzrelation auf der Menge M, dann ist für jedes beliebige a \in M die Menge
K_a := \{x \in M: x \sim a\}
eine Äquivalenzklasse. Wir nennen x \in K_a einen Repräsentanten der Äquivalenzklasse Ka.
(2) Für a,b \in M und a \neq b gilt: K_a = K_b \Leftrightarrow a \sim b.

[Bearbeiten] Beweis

Zunächst zeigen wir, dass Ka eine Äquivalenzklasse ist. Wegen a˜a ist a \in K_a und damit K_a \neq \emptyset. Seien x, y \in K_a, so folgt x˜a und y˜a und wegen (T) folgt x˜y. Ist x \in K_a, y \in M und x˜y, so folgt y \in K_a – wegen x˜a und (T). Damit ist Ka eine Äquivalenzklasse. Das Nachrechnen der Äquivalenz (2) überlassen wir zur Übung dem Leser.

q.e.d.

[Bearbeiten] Bemerkung

Eine Menge M wird also durch die Erklärung einer Äquivalenzrelation ˜ in paarweise disjunkte Klassen eingeteilt und es gilt

M = \bigcup_{a \in M} K_a.

[Bearbeiten] Definition 7

Für eine rationale Cauchy-Folge {an} bezeichnen wir mit [an] die Äquivalenzklasse aller Cauchy-Folgen {xn}, die mit der Folge {an} äquivalent sind. Die Menge der reellen Zahlen \mathbb{R} erklären wir als die Menge aller Äquivalenzklassen [an]: = α rationaler Cauchy-Folgen. Die Elemente \alpha \in \mathbb{R} heißen reelle Zahlen. Man verwendet die Schreibweise:
\alpha:=[a_n] = \{\{x_n\} \in \mathcal{M}:\{x_n\} \sim \{a_n\}\}.

[Bearbeiten] Bemerkung

Wir nennen \alpha \in \mathbb{R} rational, wenn a_n = \frac{p}{q}\ (p \in \mathbb{Z}, q \in \mathbb{N} für alle n \in \mathbb{N} gilt – sonst heißt α irrational. Damit sind die konstanten rationalen Cauchy-Folgen die Repräsentanten der rationalen Elemente von \mathbb{R}.

[Bearbeiten] Hilfssatz 2

Jede Cauchy-Folge ist beschränkt.

[Bearbeiten] Beweis

Sei \{x_n\} \in \mathcal{M}. Dann ist zu zeigen, dass es eine positive Zahl c gibt mit |x_n| \le c für alle n \in \mathbb{N}. Da {xn} eine Cauchy-Folge ist, gibt es gemäß Definition 2 zu \varepsilon = 1 eine natürliche Zahl N = N(1) mit | xnxm | < 1 für alle m, n \ge N. Dann folgt nach der Dreiecksungleichung

|x_n|=|(x_n- x_N)+x_N|\le |x_n- x_N|+|x_N|.

Setzen wir c:=\max \{|x_1|, |x_2|, \ldots, |x_{N-1}|, 1+|x_N|,\}, so ergibt sich mit |x_n| \le c für alle n \in \mathbb{N} die Behauptung.

[Bearbeiten] Hilfssatz 3

Seien \{a_n\},\{b_n\},\{x_n\},\{y_n\} \in \mathcal{M} rationale Cauchy-Folgen, wobei {an}˜{xn} und {bn}˜{yn} erfüllt ist. Dann sind auch \{a_n+b_n\}, \{a_n \cdot b_n\}, \{x_n+y_n\}, \{x_n \cdot y_n\} \in \mathcal{M} rationale Cauchy-Folgen und es gelten die Relationen
(3) {an + bn}˜{xn + yn}
sowie
(4) \{a_n \cdot b_n\} \sim \{x_n \cdot y_n\}.

[Bearbeiten] Beweis

Es ist jeweils die Differenzfolge als Nullfolge zu erkennen (vgl. Definition 4). Zuerst zeigen wir (3) unter Anwendung der Dreiecksungleichung:

(3) \Leftrightarrow |(x_n+y_n) - (a_n+b_n)|=|(x_n-a_n) + (y_n-b_n)|
\le |x_n-a_n| + |y_n-b_n| \stackrel{(n. V.)}{<} \varepsilon + \varepsilon für alle n \ge N(\varepsilon).

Analog ergibt sich nach Hilfssatz 2 und (12) und (13) in Satz 2 aus §1:

(4) \Leftrightarrow |x_ny_n - a_nb_n|=|x_ny_n - a_ny_n + a_ny_n - a_nb_n|
= |(x_n - a_n)y_n + (y_n - b_n)a_n| \le |(x_n - a_n)y_n| + |(y_n - b_n)a_n|
= |(x_n - a_n)| \cdot |y_n| + |(y_n - b_n)| \cdot |a_n| \le c (|(x_n - a_n)| + |(y_n - b_n)|)
\stackrel{(n. V.)}{\le} 2c \varepsilon für alle n \ge N(\varepsilon).

Dabei wurde c > 0 geeignet gewählt.

q.e.d.

[Bearbeiten] Definition 8

Im beliebigen Körper \mathbb{K} sei die Folge \{x_i\}_{i \in \mathbb{N}} \subset \mathbb{K} gegeben. Weiter sei eine beliebige Folge natürlicher Zahlen 1 \le n_1 < n_2 < n_3 < \ldots gewählt. Dann nennen wir
\{x_{n_k}\}_{k \in \mathbb{N}} = x_{n_1}, x_{n_2}, \ldots, x_{n_k}, \ldots
eine Teilfolge der Folge \{x_i\}_{i \in \mathbb{N}}.

[Bearbeiten] Hilfssatz 4

Sei \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} eine rationale Cauchy-Folge. Dann tritt genau einer der folgenden Fälle ein:
(i) \{x_n\}_{n \in \mathbb{N}} ist eine Nullfolge.
(ii) Typ A + : Es gibt eine positive Zahl a und ein N \in \mathbb{N} mit xn > a für alle n \ge N.
(iii) Typ A : Es gibt eine negative Zahl a und ein N \in \mathbb{N} mit xn < a für alle n \ge N.

[Bearbeiten] Beweis

Sei \{x_n\} \in \mathcal{M}. Wenn Fall (i) nicht eintritt, also {xn} keine Nullfolge darstellt, so gibt es ein \varepsilon > 0 und eine Teilfolge

\{x_{n_k}\} mit |x_{n_k}| \ge 2 \varepsilon für alle k \ge K(\varepsilon).

Wegen \{x_n\} \in \mathcal{M} gibt es andererseits eine natürliche Zahl p \ge K(\varepsilon) derart, dass folgendes gilt:

|x_m - x_{n_p}| < \varepsilon für alle m > np.

Nach Voraussetzung |x_{n_p}| \ge 2 \varepsilon gilt entweder x_{n_p} \ge 2 \varepsilon > 0 oder x_{n_p} \le -2 \varepsilon. Im ersten Fall gilt

x_m= x_{n_p}+ (x_m - x_{n_p}) \ge 2 \varepsilon - |x_m-x_{n_p}| \ge \varepsilon > 0

für alle m > np, also tritt Fall (ii) ein; dabei wird a:= \varepsilon und N: = np gesetzt. Im zweiten Fall hat man für alle m > np die Abschätzung

x_m= x_{n_p}+ (x_m - x_{n_p}) \le -2 \varepsilon - |x_m-x_{n_p}| \le -\varepsilon < 0,

aus der (iii) folgt.

q.e.d.

[Bearbeiten] Hilfssatz 5

Seien {xn} und {yn} zueinander äquivalente rationale Cauchy-Folgen, die keine Nullfolgen sind. Weiter gelte x_n \neq 0 und y_n \neq 0 für alle n \in \mathbb{N}. Dann sind \{x^{-1}_n\} und \{y^{-1}_n\} Cauchy-Folgen und es gilt
(5) \{x^{-1}_n\} \sim \{y^{-1}_n\}.

[Bearbeiten] Beweis

Wegen Hilfssatz 4 gibt es eine positive Zahl a und ein N \in \mathbb{N} derart, dass die Ungleichungen |x_n| \ge a und |y_n| \ge a für alle n \ge N erfüllt sind. Da für alle n \ge N die Abschätzungen

\left| \frac{1}{x_n} - \frac{1}{x_m} \right| \stackrel{(18)}{\le} \frac{1}{a^2} |x_n - x_m| < \frac{\varepsilon}{a^2}

richtig sind, bildet \left\{ \frac{1}{x_n} \right\} eine Cauchy-Folge. Somit liefert auch \left\{ \frac{1}{y_n} \right\} eine Cauchy-Folge. Weiter folgt wegen Formel (18) aus §1 und Definition 4 für alle \varepsilon > 0 und n \ge N(\varepsilon):

\left| \frac{1}{x_n} - \frac{1}{y_n} \right| \le \frac{1}{a^2} |x_n - y_n| < \frac{\varepsilon}{a^2} \Rightarrow \left\{ \frac{1}{x_n} \right\} \sim \left\{ \frac{1}{y_n} \right\}.

q.e.d.

[Bearbeiten] Bemerkungen

Wenn \{x_n\} \in \mathcal{M} und \{x_{n_k}\} eine Teilfolge von {xn} darstellt, dann sehen wir

\{x_n\} \sim \{x_{n_k}\}.

Offenbar kann man durch Addition der Terme \pm \frac{1}{n}\ (n \in \mathbb{N}) eine Folge \{x_n\} \in \mathcal{M} so verändern, dass eine Folge \{x_n^*\} entsteht, die den Bedingungen x_n^* \neq 0 für n = 1, 2, \ldots und \{x_n^*\} \sim \{x_n\} genügt.

Aufgrund der vorangegangenen Überlegungen lassen sich die Rechenoperationen und der Begriff der Positivität für Elemente \alpha = [a_n] \in \mathbb{R} durch Repräsentanten \{a_n\} \in \mathcal{M} der zugehörigen Äquivalenzklassen definieren.

[Bearbeiten] Definition 9 (Eigenschaft der Positivität)

\alpha:=[a_n]= 0 \Leftrightarrow \{a_n\} ist eine Nullfolge.
\alpha > 0 \Leftrightarrow \{a_n\} gehört zum Typ A + .
\alpha < 0 \Leftrightarrow \{a_n\} gehört zum Typ A .

[Bearbeiten] Definition 10 (Rechenoperationen in \mathbb{R})

Seien \alpha=[a_n] \in \mathbb{R} und \beta=[b_n] \in \mathbb{R}. Dann definiert man:
(6) α + β: = [an + bn] Summe von α und β
(7) \alpha \cdot \beta := [a_n \cdot b_n] Produkt von α und β
(8) − α: = [ − an] Negatives von α
(9) \alpha \neq 0 und a_n \neq 0\ (n \in \mathbb{N}) \Rightarrow \alpha^{-1}:= \left[ \frac{1}{a_n} \right] Inverses von α

[Bearbeiten] Definition 11 (Einbettung der rationalen Zahlen in \mathbb{R})

Sei α = [an] mit a_n = r \in \mathbb{Q} für alle n \in \mathbb{N}. Dann setzen wir α: = r.

[Bearbeiten] Definition 12 (Intervalle reeller Zahlen)

Seien \alpha, \beta \in \mathbb{R} und α < β gegeben, so erklären wir
(\alpha, \beta) := \{x \in \mathbb{R}: \alpha < x < \beta\} als offenes Intervall,
[\alpha, \beta] := \{x \in \mathbb{R}: \alpha \le x \le \beta\} als abgeschlossenes Intervall,
(\alpha, \beta] := \{x \in \mathbb{R}: \alpha < x \le \beta\} als halboffenes Intervall,
[\alpha, \beta) := \{x \in \mathbb{R}: \alpha \le x < \beta\} als offenes Intervall.

[Bearbeiten] Bemerkung

Es kann auch \alpha = - \infty und \beta = + \infty gewählt werden.

[Bearbeiten] Satz 2

Die Menge \mathbb{R} ist bezüglich Definition 9 und der in Definition 10 erklärten Operationen (6) bis (9) ein angeordneter Körper, der den Körper \mathbb{Q} als echten Unterkörper enthält.

[Bearbeiten] Bemerkung

Der Beweis ist bezüglich Definition 1 und 2 aus §1 leicht zu führen. Die Erweiterung \mathbb{Q} \subset \mathbb{R} ist sinnvoll, da wir nun die Gleichung x2 − 2 = 0 in \mathbb{R} lösen können.

[Bearbeiten] Satz 3

Es seien a \in \mathbb{R} mit a > 0 und p \in \mathbb{N}. Dann gibt es genau ein x \in \mathbb{R} mit x > 0 derart, dass xp = a gilt.

[Bearbeiten] Beweis

1. (Eindeutigkeit) Angenommen, es gäbe zwei positive Zahlen x, y \in \mathbb{R} mit x \neq y und xp = a sowie yp = a. Dann sei o. B. d. A. 0 < x < y und mittels vollständiger Induktion über p zeigt man 0 < xp < yp. Dies steht im Widerspruch zu der Annahme, dass xp = yp = a gilt. Somit besitzt die Gleichung xp = a höchstens eine Lösung.

2. (Konstruktion der Lösung) Angenommen es gibt ein x \in \mathbb{Q} mit xp = a. Dann ist nichts mehr zu beweisen. Nehmen wir also an, es gäbe kein x \in \mathbb{Q} mit xp = a. Für n = 0,1,2, \ldots zerlegt die Zahlenfolge

\left\{ \left( \frac{i}{10^n} \right)^p \right\}_{i = 0, 1, 2,\ldots}

die Menge der nicht negativen reellen Zahlen [0, + \infty]. Beim Übergang von der n-ten zur (n + 1)-ten Zerlegung wird jedes Intervall in zehn Teilintervalle zerlegt. Nach Voraussetzung folgt für alle i, n \in \mathbb{N}_0 die Ungleichung

\left\{ \left( \frac{i}{10^n} \right)^p \right\} \neq 0,

denn die Lösung soll nicht in \mathbb{Q} liegen. Somit fällt x \in \mathbb{R} bei jeder Zerlegung ins Innere genau eines solchen Intervalls. Deshalb gibt es eine Folge {xn} erklärt durch

x_n = \sum^n_{k=0} \frac{b_k}{10^k} = b_0 + \sum^n_{k=1} \frac{b_k}{10^k} \le b_0 + 1

mit b_0 \in \mathbb{N}_0 sowie b_k \in \{0, 1, 2,\ldots, 9\} für k \ge 1. Wir beachten

(10) x^p_n<a<\left( x_n+\frac{1}{10^n} \right)^p.

Für m > n hat man die Ungleichung

x_n \le x_m \le x_n+\frac{1}{10^n} \le 1 + b_0.

Also ist \{x_m\} \in \mathcal{M} und wir setzen x:= [x_m] \in \mathbb{R}. Für alle n \in \mathbb{N} gelten

(11) x_n \le x \le x_n+\frac{1}{10^n} und x_n^p \le x^p \le \left( x_n+\frac{1}{10^n} \right)^p.

Aus (10), (11) und Satz 5 aus §1 folgt

0 \le |x^p - a| \le \left( x_n+\frac{1}{10^n} \right)^p - x^p_n = x^p_n \left[ \left( \frac{1}{x_n \cdot 10^n}+1 \right)^p - 1 \right]
= x^p_n \sum^p_{k=1} \begin{pmatrix} p \\ k \end{pmatrix} \left( \frac{1}{x_n \cdot 10^n} \right)^k \le (b_0 + 1)^p \cdot \sum^p_{k=1} \begin{pmatrix} p \\ k \end{pmatrix} \left( \frac{1}{x_n \cdot 10^n} \right)^k.

Für n \to \infty strebt die rechte Seite in obiger Ungleichung gegen Null. Also gilt für n \to \infty die Abschätzung

0 \le |x^p-a| \le 0 bzw. xp = a.

q.e.d.

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