Kurs:Analysis I/Kapitel III: Die elementaren Funktionen/§6 Die n-ten Wurzeln und die komplexe Logarithmusfunktion
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die
-te Potenzfunktion
.Wir verwenden die Polarkoordinaten
mit
und ![\varphi \in \left( -\frac{\pi}{n}, -\frac{\pi}{n} + 2\pi \right]](http://upload.wikimedia.org/math/0/3/8/038f8967ea10774b0a3f34cad292eff9.png)
und erhalten
mit
und
.Offenbar ist für n > 1 diese Funktion
nicht injektiv und verbietet eine Umkehrfunktion! Darum liften wir sie auf die n-fache Überlagerungsfläche zur Funktion
vermöge
, falls
und
mit
richtig ist.Nun ist die funktion
bijektiv und stetig. Sie besitzt eine stetige Umkehrfunktion
, denn für jedes
ist die Funktion
auf dem kompakten Kreisring

stetig umkehrbar (siehe Satz 6 in §1 von Kapitel II). Identifizieren wir nun noch
mit
, so erhalten wir
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Definition 1
- Die oben konstruierte Funktion
als Umkehrfunktion zu
nennen wir die
-te Wurzelfunktion
.
[Bearbeiten] Definition 2
- Die geliftete Exponentialfunktion
wird gegeben durch die Setzung
![\mathbb{C} \ni z = x + iy \mapsto \Bigl( \exp z, [[y]] \Bigr) \in \mathbb{U}](http://upload.wikimedia.org/math/5/9/d/59dbdb347aaf5b9d73e9a33ef510ecfb.png)
- mit Hilfe der
-Funktion.
[Bearbeiten] Bemerkungen
1. Diese geliftete Exponentialabbildung
ist nach Konstruktion bijektiv und stetig.
2. Für zwei komplexe Zahlen
berechnen wir mittels Definition 2 aus §5 das Produkt in der universellen Überlagerungsfläche
![Exp\left(z_1)*Exp(z_2\right)=\Bigl( \exp(x_1+iy_1), [[y_1]] \Bigr)*\Bigl( \exp(x_2+iy_2), [[y_2]] \Bigr)](http://upload.wikimedia.org/math/0/6/9/069922ab64c79806cfc02a63140999fb.png)

![=\Bigl( e^{x_1+x_2} \exp i(y_1+y_2-2\pi k), [[y_1 + y_2]] \Bigr)=\Bigl( e^{x_1+x_2}\exp i(y_1+y_2),[[y_1+y_2]] \Bigr)](http://upload.wikimedia.org/math/7/e/f/7ef09857887d885a8e09c4561560d35d.png)

Hierbei verwenden wir die Zahl
, für welche die Bedingung
garantiert ist.
3. Ein beliebiges kompaktes Rechteck
wird durch Exp eineindeutig abgebildet auf den folgenden abgeschlossenen, beschränkten Sektor:
![Exp \Bigl( [x_-,x_+]\times[y_-, y_+] \Bigr)](http://upload.wikimedia.org/math/e/2/6/e265cf7e01fea45dce7efc93ffb3d28d.png)

![=\Bigl\{ \Bigl( e^x \cdot (\cos y + i \sin y), [[y]] \Bigr): x_-\le x \le x_+, y_-\le y\le y_+ \Bigr\}](http://upload.wikimedia.org/math/1/4/7/147895e4ee995d11db838f7a86874a87.png)
.[Bearbeiten] Definition 3
- Die Umkehrfunktion zur gelifteten Exponentialfunktion
nennen wir die universelle Logarithmusfunktion
vermöge 
- Sie erfüllt die beiden Gleichungen
für alle 
- und
für alle
.[Bearbeiten] Satz 1
- Die geliftete Exponentialfunktion genügt der Funktionalgleichung
für alle
.- Die universelle Logarithmusfunktion erfüllt die Funktionalgleichung
für alle Punkte
.[Bearbeiten] Beweis
Die Funktionalgleichung der gelifteten Exponentialfunktion haben wir bereits in Formel () gezeigt. Da die universelle Logarithmusfunktion die Umkehrfunktion der gelifteten Exponentialfunktion it, leitet man wie im Beweis – Teil 3. – zu Satz 8 in §1 (für den natürlichen Logarithmus) die zweite Funktionalgleichung aus der ersten her.
q.e.d.
Mit Hilfe von Definition 6 in §5 zeigen wir nun die Holomorphie der Funktionen Exp und Log. Zunächst beachten wir die Identität
für alle
.Diese impliziert die Holomorphie der gelifteten Exponentialfunktion.
[Bearbeiten] Satz 2
- Für die universelle Logarithmusfunktion betrachten wir in jedem Punkt
die Liftung

- auf die maximale Kreisscheibe in der Überlagerungsfläche. Dann betrachten wir lokal die Logarithmusfunktion
.- Diese ist komplex differenzierbar in
und es gilt für ihre Ableitung

- Also ist
eine holomorphe Funktion auf der universellen Überlagerungsfläche.
[Bearbeiten] Beweis
Da nun lokal die Logarithmusfunktion als Umkehrfunktion der holomorphen Exponentialfunktion erscheint, können wir den Beweis – Teil 1. – von Satz 8 aus §1 anwenden. Dabei benötigen wir Satz 14 aus §3 in Kapitel II über die holomorphe Umkehrfunktion.
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 3 (Logarithmusreihe)
- Für alle Punkte
gilt die Darstellung

- durch die konvergente Potenzreihe mit
und
.
[Bearbeiten] Beweis
Da
und | w − w0 | < | w0 | richtig ist, entwickeln wir die nachfolgende Funktion in eine geometrische Reihe um den Punkt w0:

.Dann berechnen wir mittels Satz 9 aus §5 in Kapitel II die komplexen Stammfunktionen durch gliedweise Integration der Potenzreihe

mit der Integrationskonstante
. Schließlich liefert die komplexe Integration der Identität (11) die gewünschte Darstellung
.Hierbei verwenden wir den Satz 6 aus §5 in Kapitel II.
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 4
- Für die universelle Logarithmusfunktion gilt die Darstellung
.[Bearbeiten] Beweis
Wir verwenden die universellen Polarkoordinaten
des Punktes
. Dann beachten wir
und 
und berechnen

![= \Bigl(\exp \bigl( \ln R(\mathbf{w})+ i \Phi(\mathbf{w}) \bigr), [[\Phi(\mathbf{w})]] \Bigr)= \Bigl(R(\mathbf{w}) \cdot \exp \bigl(i \Phi(\mathbf{w}) \bigr), [[\Phi(\mathbf{w})]] \Bigr)](http://upload.wikimedia.org/math/0/6/3/0639725d2368be6f82ce7242713187a9.png)
.Hierbei haben wir
gewählt, so dass
erfüllt ist. Die obige Identität (17) liefert die Behauptung.
q.e.d.
[Bearbeiten] Bemerkungen
Projektion der universellen Logarithmusfunktion in die punktierte komplexe Ebene:
Man wählt für
ein
und setzt mit
den Startwert für den Logarithmus wie folgt fest:

Dann verwendet man einen stetigen Weg
in der Überlagerungsfläche mit dem Anfangswert
und dem Endpunkt
. Wir setzen dann die Logarithmusfunktion in der punktierten komplexen Ebene längs des projizierten Weges
![\zeta(t) := \sigma \circ \gamma(t):[0,1] \to \mathbb{C} \setminus \{0\}](http://upload.wikimedia.org/math/f/e/8/fe85376a9df5ee1f50cc654fae9391bb.png)
fort, indem wir

erklären. Auf diese Weise werden einer komplexen Zahl
verschiedene Werte des Logarithmus zugeordnet – wir erhalten also eine mehrdeutige Funktion auf
.
[Bearbeiten] Satz 5
- Für die längs des Weges
in der universellen Überlagerungsfläche wie oben fortgesetzte mehrdeutige Logarithmusfunktion
gilt die Identität:
mit
.Nun identifizieren wir das Innere des 0-ten Blattes
mit der geschlitzten komplexen Ebene
.Dort können wir eindeutig die Logarithmusfunktion erklären:
[Bearbeiten] Definition 4
- Wir definieren die komplexe Logarithmusfunktion
vermöge
.[Bearbeiten] Satz 6
- Für alle komplexen Zahlen
mit u > 0 in der rechten Halbebene gilt die folgende Identität:
.[Bearbeiten] Beweis
Wir spezialisieren den obigen Satz 4 auf das Blatt
. Wegen
ist
richtigund es bleibt
zu zeigen. Mit Hilfe von u > 0 folgt

und Satz 1 aus §5 liefert die Identität

bzw.
und
.Wir erhalten

und somit
.q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 7
- Für alle komplexen Zahlen
mit v0 > 0 in der oberen Halbebene erhalten wir die reellen Stammfunktionen

- mit der komplexen Integrationskonstante
.
[Bearbeiten] Beweis
Da
für
in der rechten Halbebene liegt, berechnen wir



mit einer Integrationskonstante
.
q.e.d.