Kurs:Analysis II/Kapitel VI: Gewöhnliche Differentialgleichungen/Lineare Differentialgleichungen mit konstanten Koeffizienten (§10)
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für
mit
sowie
gewählt und der lineare Differentialoperator wie folgt gegeben:

Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Definition 1
- Wir nennen

- das zu
gehörige charakteristische Polynom.
Offenbar gilt die Aussage
und
.Sind also
die
paarweise verschiedenen Nullstellen des Polynoms p(ζ), so erhalten wir mit den Funktionen

dann n verschiedene Lösungen der Differentialgleichung
. Nun seien
die Vielfachheiten der Nullstellen
mit
, also gelte
.Für
und
berechnen wir für alle
die Gleichung

Für
enthält p(ζ)eζx den Faktor
und die Produktregel liefert
für
.Mit den Funktionen

erhalten wir m Lösungen der homogenen Differentialgleichung
.
[Bearbeiten] Satz 1 (Komplexes Fundamentalsystem)
- Die in (6) erklärten Lösungen
der Differentialgleichung
sind komplex linear unabhängig.
[Bearbeiten] Beweis
1.) Wir zeigen zunächst, dass es zu den paarweise verschiedenen Zahlen
einen Index
und eine Zahl
gibt, so dass
für alle
erfüllt ist. Hierzu betrachten wir die ebene, konvexe Menge
.Offenbar gibt es ein
und eine Halbebene
![H:= \{z \in \mathbb{C}: \operatorname{Re}\, [(z - \lambda_k) \xi] > 0\}](http://upload.wikimedia.org/math/0/c/0/0c0805cbaacabe7d4c7a071f567edaca.png)
oberhalb einer Gerade durch den Punkt λk senkrecht zum Vektor
, so dass
erfüllt ist. Somit folgt
für alle
und schließlich
für
.
2.) Wir zeigen nun indirekt, dass die Funktionen
linear unabhängig sind. Wären sie nämlich linear abhängig, so gäbe es Polynome
, die nicht alle identisch verschwinden und
für alle 
erfüllen. Wir können o. B. d. A. davon ausgehen, dass alle Polynome nicht identisch verschwinden und beachten
für alle
.Wählen wir nun gemäß dem Teil 1.) einen Index
und eine Zahl
, so betrachten wir die Identität
.Wegen
für
erhalten wir aus (8) für
die Beziehung
. Somit folgt die Aussage
– im Widerspruch zur obigen Annahme.
q.e.d.
[Bearbeiten] Bemerkungen
1. Als Realteile von den komplexen Linearkombinationen der Funktionen (6) erhalten wir ein Fundamentalsystem der homogenen Gleichung
.
2. Betrachten wir zur konstanten Matrix P aus (3) in §9 die Fundamentallösung
des homogenen Systems
,so werden wir zum Funktionensystem (6) über die Jordansche Normalform wie in §7 hingeführt die sich in den ersten Halbjahr des Jahres.
3. Nachdem wir ein Fundamentalsystem für die lineare Differentialgleichung mit konstanten Koeffizienten gefunden haben, können wir gemäß Satz 4 in §9 mittels Variation der Konstanten eine Lösung der inhomogenen Gleichung ermitteln.
4. Wenn die rechte Seite der Gleichung eine spezielle Form hat, kann man mit einem Ansatz vom Typ der rechten Seite eine partikuläre Lösung der inhomogenen Differentialgleichung finden.
[Bearbeiten] Satz 2 (Ansatz vom Typ der rechten Seite)
- Sei wie oben ein linearer Differentialoperator m-ter Ordnung
mit konstanten Koeffizienten gegeben. Weiter habe die rechte Seite die Form
. Dabei ist
ein Polynom vom Grade
und
eine Nullstelle der Ordnung
des charakteristischen Polynoms p(ζ). Dann besitzt die inhomogene Differentialgleichung
eine spezielle Lösung der Gestalt

- mit geeigneten Koeffizienten
.
[Bearbeiten] Beweis
Mit Hilfe von Formel (5) berechnen wir für
:

.Da
erfüllt ist, können wir Koeffizienten
so finden, dass

erfüllt ist.
q.e.d.
[Bearbeiten] Bemerkungen
- Die Koeffizienten
werden durch Einsetzen in die inhomogene Differentialgleichung und Koeffizientenvergleich bestimmt. - Für die lineare Differentialgleichung
mit einer reellen rechten Seite ist mit einer Lösung y(x) auch
eine Lösung dieser Differentialgleichung. Somit lösen auch die Funktionen
und
die Differentialgleichung. Mit der komplexwertigen Lösung erhalten wir also zwei reellwertige Lösungen
und
.