Kurs:Barrierefreiheit von Internetseiten/Kognitive Störungen

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Kognitive Störungen (lat. cognoscere „erkennen“, „kennen lernen“, „wiedererkennen“) sind Störungen der höheren Hirnfunktionen und psychische Veränderungen. Beispiele sind Störungen im Bereich des Erkennens, genauer im Bereich des Kurzzeitgedächtnisses, der Auffassung, der Aufmerksamkeit, der Spannkraft und des Antriebs sowie eine reduzierte psychische Belastbarkeit.

Arten kognitiver Störungen[Bearbeiten]

  • Leichte kognitive Störung
  • Schwere kognitive Störung


Leichte kognitive Störungen[Bearbeiten]


Definition[Bearbeiten]

Unter einer leichten kognitiven Störung, auch als Altersvergesslichkeit bezeichnet, versteht man Gedächtnisstörungen, Lernschwierigkeiten und eine verminderte Fähigkeit, sich längere Zeit auf genau eine Aufgabe zu konzentrieren. Die jeweiligen Beeinträchtigungen gehen weit über die altersentsprechende Abnahme der Gesamtleistung hinaus. Durch den Nachweis von Leistungseinbußen mittels gezielter Gedächtnistests ohne Beeinträchtigung diverser geistiger und intellektueller Bereiche (z.B. Orientierung, Lern- und Urteilsfähigkeit etc.) lässt sich die Altersvergesslichkeit deutlich von einer Demenz abgrenzen.

Die Altersvergesslichkeit ist erstmals von Prof. Dr. Emil Kraepelin in einem medizinischen Zusammenhang erwähnt worden. Inzwischen ist diese Erkrankung in die Internationale Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit der Bezeichnung „Leichte kognitive Störung (LKS)“ aufgenommen worden.

In den Anfangsstadien bleibt eine Altersvergesslichkeit häufig unbemerkt. Somit gibt es keine genauen Zahlen der Erkrankungsfälle. Schätzungen zufolge leiden 5 bis 15 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahren unter Gedächtnisproblemen.


Ursachen[Bearbeiten]

Die Ursachen für Altersvergesslichkeit (LKS) liegen im Alterungsprozess. Diesem sind sämtliche Lebewesen unterworfen. Beim Menschen beginnt er um das 30. Lebensjahr herum. Als Grund für das Altern selbst werden diverse Ursachen diskutiert. Zum einen ist ein Abbauprozess des Organismus möglicherweise schon genetisch vorprogrammiert. Zum anderen können auch bestimmte schädigende Stoffe, so genannte „freie Radikale“ diesen Prozess auslösen, wenn sie während des Lebens im Körper angereichert werden.

Neben vielen Veränderungen des Körpers sterben mit zunehmendem Alter auch immer mehr Gehirnzellen ab. Die Zahl der Nervenzellen ist jedoch wenig entscheidend. Vielmehr liegt die Ursache für eine nachlassende Hirnleistung in der Zahl der Verbindungen zwischen den einzelnen Nervenzellen. Je älter der Organismus ist, desto größer wird die Zahl der Verknüpfungen, was wiederum zur Folge hat, dass Informationen möglicherweise komplexer und damit langsamer verarbeitet werden.

Die Intelligenzforschung unterscheidet zwischen fluider und kristalliner Intelligenz. Während die fluide Intelligenz von der Qualität und Schnelligkeit der Informationsverarbeitung bestimmt wird, so umfasst die kristalline Intelligenz bestimmte Fähigkeiten, wie etwa Erfahrungswissen, Wortschatz und Sprachvermögen. Letztere ist nicht von kognitiven Störungen betroffen.


Symptome[Bearbeiten]

Als charakteristisches Symptom einer Altersvergesslichkeit kann man eine schleichende, nicht plötzliche, Verschlechterung der Gedächnisleistung benennen. Nur allzu häufig werden Daten, Namen und Telefonnummern vergessen und diverse Gegenstände verlegt. Betroffene Personen haben meist Schwierigkeiten, sich länger auf eine bestimmte Sache zu konzentrieren und leiden in seltenen Fällen sogar unter Wortfindungsstörungen.

Die Verarbeitung neuer Informationen erfolgt langsamer, insbesondere dann, wenn mehrere Aufgaben gleichzeitig durchzuführen sind. Betroffene vermeiden deshalb oft vielschichtige, hektische Herausforderungen, die früher kein Problem für sie darstellten. Ebenso verschlechtert sich deren Urteilsvermögen.

Der Umgang mit anderen Menschen fällt Betroffenen häufig schwer. Sie sind ungeduldiger, aufbrausender, unkontrollierter und leichter reizbar als früher. Außenstehende bemängeln, dass die Erkrankten nicht richtig zuhören würden, was in vielen Fällen dazu führt, dass sich erkrankte Personen aus dem sozialen Umfeld zurück ziehen.

Sollten lang andauernde Gedächtnis- und Orientierungsstörungen auftreten und bereitet es Betroffenen Probleme, bestimmte Gegenstände zu benennen, so kann eine Demenz nicht mehr ausgeschlossen werden.


Therapie[Bearbeiten]

Die Ursachen für eine Altersvergesslichkeit liegen im normalen Alterungsprozess. Eine Therapie, mit deren Hilfe die volle Hirnleistung wiederhergestellt werden könnte, existiert nicht.

Alternativ besteht die Möglichkeit, durch Medikamente (z.B. Ginkgo-biloba-Extrakt) beziehungsweise diverse Übungen und Trainingsmethoden (z.B. kognitive Trainingsprogramme der Psychotherapie) jenen Prozess bedingt zu verlangsamen und die Gedächtnisleistung zu steigern. Auch eine körperliche Aktivierung in Form von täglichen Spaziergängen kann die geistige Leistungsfähigkeit erhöhen, da aufgrund eines gestärkten Herz-Kreislaufs die Durchblutung des Gehirns verbessert wird.

Damit es im Alter nicht zwingend zu starker Altersvergesslichkeit kommt, sollte man sich schon in jungen Jahren ausreichend bewegen und gesund ernähren. Zusätzlich ist ein gezieltes Training des Gehirns wichtig (z.B. Denkspiele etc.).


Schwere kognitive Störungen[Bearbeiten]


Definition[Bearbeiten]

Eine fortschreitende Demenz wird als schwere kognitive Störung bezeichnet. Es existieren verschiedene und häufig unterschiedlich starke Ausprägungen schwerer kognitiver Störungen.


Ursachen[Bearbeiten]

Mögliche Ursachen einer schweren kognitiven Störung sind das starke Absterben von Gehirnzellen sowie verschiedene genetische Ursachen (z.B. Down-Syndrom).


Symptome[Bearbeiten]

Tatsächlich gibt es viele verschiedene Ausprägungen schwerer kognitiver Störungen. Eine sehr schwere Ausprägung ist die Alzheimer-Krankheit.

Alzheimer-Krankheit
Anfangsstadium
  • erste geistige Defizite treten ein; vollständig selbstständiges Leben ist möglich
  • Vergesslichkeit
  • zeitliche Orientierungsschwierigkeiten


Moderates Stadium
  • zunehmender Verlust der geistigen Fähigkeiten; eingeschränkte Selbstständigkeit
  • schwindende Rechen- und Problemlösungsfähigkeit
  • Handfertigkeitsstörungen (Haushalt, Ankleiden)
  • Erkennungsstörungen
  • steigende Vergesslichkeit (Geburtstage, Medikamente)
  • Desorientierung (Zeit und Ort)
  • Sprachstörungen (bes. Sprachverständnis)
  • Vernachlässigung der Hygiene
  • Wahnvorstellungen (Bestehlungsideen)


Schweres Stadium
  • Verlust der Alltagskompetenz; völliger Pflegeabhängigkeit
  • Gedächtniszerfall (auch Langzeitgedächtnis)
  • mangelnde persönliche Orientierung
  • Erkennungsstörungen
  • Sprachzerfall (kaum mehr Satzbildung möglich)
  • Agnosie (auch Angehörige werden nicht mehr erkannt)
  • Inkontinenz


Symptome anderer Ausprägungen
In anderen Ausprägungen schwerer kognitiver Störungen können sich Betroffene beispielsweise keine Zahlen oder Namen merken. Die Fähigkeit der Assoziation eines Menschen mit seinem richtigen Namen (beziehungsweise umgekehrt) setzt dabei nahezu vollkommen aus.
Dies wirkt sich auch auf den Gebrauch digitaler Produkte aus.


Therapie[Bearbeiten]

Alzheimer ist nach wie vor nicht heilbar. Es ist im Endeffekt sicher tödlich, aber durch eine richtige Behandlung kann der Tod immer weiter hinaus gezögert werden.

So besteht beispielsweise die Möglichkeit, die Patienten auf psychologischer Basis zu behandeln. Hierbei geht man in persönlichen Gesprächen direkt auf den Patienten ein. Aber auch die medikamentöse Behandlung Betroffener kann deren Tod hinaus zögern. Verschiedene Medikamente (z.B. Steroide) bewirken, dass die Nervenzellen im Gehirn langsamer abgebaut werden. Wie auch bei LKS kommt der Ginkgo-biloba-Extrakt zur Anwendung.

Bei vielen anderen Ausprägungen bleibt dem Betroffenen nur die Möglichkeit, seine kognitiven Fähigkeiten zu trainieren, was jedoch aufgrund der Schwere der Erkrankung nur selten wirkungsvoll ist. Der Ginkgo-biloba-Extrakt wird auch hier verabreicht, damit sich die Beeinträchtigungen bei alltäglichen Aktivitäten eventuell ein wenig einschränken lassen.


Einfluss kognitiver Störungen auf die Benutzung von Internetseiten[Bearbeiten]

Bei der Benutzung des Internet wird der User von Webseite zu Webseite verschieden stark gefordert. Damit möglichst jeder eine Webseite vollständig nutzen kann, ohne in irgendeiner Form benachteiligt zu sein, ist von der BITV eine Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz verfasst worden. Jene enthält Anforderungen, die von barrierefreien Webseiten erfüllt sein sollen. Die Mehrheit aller momentan erreichbaren Internetseiten erfüllt jedoch eher wenige Anforderungen an barrierearme Webseiten. Die Nutzer von Internetseiten sollten die Möglichkeit haben, das Aussehen der Internetseite als Ganzes durch einen einzigen Klick im Sinne ihrer persönlichen Wahrnehmungsstörung(en) anzupassen.

  • Nutzer mit Wahrnehmungsstörungen haben häufig große Schwierigkeiten, sich auf den betreffenden Seiten zu orientieren oder den gewünschten Inhalt zu finden. Dies wird von den verschiedensten Bestandteilen der Internetseite vom Layout über die gewählten Schemata für Farb- und Schriftgestaltung bis hin zum eigentlichen Inhalt bedingt.
  • So liegt es beispielsweise an der Tiefe des Navigationsmenüs, dass Nutzer mit Störungen im Bereich des Kurzzeitgedächtnisses einfach vergessen, wie sie zum aktuell dargestellten Inhalt gelangt sind. Dieses Problem wird in Ermangelung von Wegweisern, Statuszeilen und Pfadangaben (etwa durch Breadcrumbs) nur noch verstärkt.
  • Oftmals sind Internetseiten farblich viel zu bunt oder aber viel zu monoton gestaltet. Bei einer Überbeanspruchung des Nutzers durch viele sehr verschiedene Farben kann dieser bei eventuell reduzierter psychischer Belastbarkeit vollends die Orientierung auf der Seite verlieren. Eine sehr eintönige Farbgestaltung ist jedoch keine Lösung des Problems, denn in diesem Falle kann es vorkommen, dass der Nutzer abermals einfach übersieht und/oder vergisst, wie die Seite aufgebaut ist, wo sich die Navigation befindet und an welcher Stelle er klicken muss, damit er zum gewünschten Inhalt gelangt.
  • Möglicherweise hat sich ein Nutzer über einige Jahre hinweg mit dem Internet vertraut gemacht und einige Erfahrungen gesammelt, so dass ihm einige Layouts zur Gestaltung von Webseiten bereits geläufig sind. Sollte diese Person im Laufe der Zeit eine kognitive Störung entwickelt haben, werden neue und andersartige Layouts diese Person verwirren und sie kann sich nur noch schwer auf der Webseite zurecht finden. Ein Art dynamisches Layout wäre hier sicher angebracht.
  • Ebenso stellen Internetseiten, die mit ausschließlich mit Bildern beziehungsweise Fließtext gefüllt, ja sogar überfüllt sind, eine weitere Hürde für die von einer kognitiven Störung betroffenen Internetnutzer dar. Häufig mangelt es an Aufmerksamkeit, so dass gesuchte Inhalte sprichtwörtlich in der Datenflut untergehen. Auch kann es passieren, dass die Nutzer in Ermangelung der Spannkraft und des Antriebs einfach zügig scrollen oder weg klicken oder sogar die Webseite verlassen. Das erleben ja bereits jene Nutzer, die nicht an einer kognitiven Störung leiden.
  • Viele Internetseiten enthalten Werbung, die oftmals gewiss notwendig ist, damit die Instandhaltung und der Betrieb der Internetseite überhaupt finanziert werden können. Leider meinen es einige Unternehmen sowie Privatpersonen zu gut mit der Werbung, da sie sich hiervon einen zusätzlichen Profit versprechen. Sie missachten hierbei, dass viele Nutzer von der Werbeflut, die ohnehin niemals in das Design der Webseite hinein passt, verschreckt werden. Internetnutzer mit kognitiven Störungen leiden hier zusätzlich - es gibt kaum eine Möglichkeit, nicht abgelenkt zu werden von all dem Blinken und dem Hin-und-Her-Fliegen von Bildern, Pfeilen, Signalwörtern und den aktuellsten Niedrigstpreisen.


Zusätzliche Unterstützung Betroffener[Bearbeiten]

Viele der oben genannten Probleme können i.d.R. mit geringem Aufwand behoben werden. Dies ist jedoch nur die Spitze des Eisberges. Man kann noch wesentlich mehr unternehmen, damit der kognitive Aufwand der Benutzer gering gehalten wird. So zeigen die Seiten des italienischen Wikipedia sowie des spanischen Wikipedia, dass beispielsweise Piktogramme die Benutzung der Internetseite wesentlich vereinfachen können. Bei Verwendung geeigneter Piktogramme werden Benutzer kaum mehr überlegen müssen, sondern erkennen, welche Inhalte hinter den zu den Symbolen gehörigen Links zu erwarten sind. Intuitiv werden sie die gewünschten Inhalte leicht auffinden.


Weblinks[Bearbeiten]

http://www.msweb.lu/internet/de/html/nodes_main/4_1087_48/4_1070_132.htm
http://www.copaxone.de/cms/leftnavi/Krankheitszeichen/1,100050,1667.html
http://www.depression-bochum.de/kogn.htm
http://www.depression-guide.com/lang/de/cognitive-disorder.htm
http://www.einfach-fuer-alle.de/artikel/bitv/
http://www.dimdi.de/dynamic/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlamtl2006/fr-icd.htm
http://www.deutsche-alzheimer.de/

Quellen[Bearbeiten]

http://www.neuro24.de/
http://www.onmeda.de/
http://www.aktiv-mit-ms.de/
http://www.alzheimerinfo.de/

Autor • Marcus Hellmann