Kurs:Lineare Algebra I/Lineare Abbildungen

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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Lineare Abbildungen

Zu Vektorräumen gehört eine Klasse von Abbildungen, die die Rechenoperationen respektieren, die sogenannten linearen Abbildungen. Im reellen Standardraum \mathbb{R}^n sind genau die stetigen Abbildungen, die Geraden und Parallelität erhalten und den Ursprung fixieren, linear.

[Bearbeiten] Definition 2.18

Eine Abbildung f : V \rightarrow W zweier \, K\!-Vektorräume heißt linear oder genauer \, K\!-linear, wenn für alle  v, v' \in V und \lambda \in K gilt:
(\, l_1\! ) \, f(v + v')= f(v) + f(v'),
(\, l_2 ) \, f(\lambda v) = \lambda f(v).

[Bearbeiten] Beispiele

– Nullabbildung: v \mapsto 0.
– Homothetien: v \mapsto \lambda v, (\, \lambda = ein fixiertes Körperelement).
– Projektionen auf eine Komponente: x \in K^n \mapsto x_i \in K.
– Jede Matrix A = (a_{ij}) \in Mat(m, n) bestimmt eine lineare Abbildung (wichtig!)
f_A : K^n \rightarrow K^m; (x_1, ..., x_n) \mapsto (\sum_{j=1}^n a_{1j}x_j, ..., \sum_{j=1}^n a_{mj}x_j)
– Die Ableitung einer Funktion induziert eine lineare Abbildung auf dem Vektorraum der reellen differenzierbaren Funktionen, insbesondere auf dem Raum der rellen Polynome:
 \partial/\partial x : \mathbb{R}[X] \rightarrow \mathbb{R}[X], f(X) \mapsto f'(X)

[Bearbeiten] Lemma 2.19

Für jede lineare Abbildung f : V \rightarrow W gelten:
(1) \,f (0) = 0,
(2) \,U \subset V Unterraum \Rightarrow f(U) \subset W Unterraum,
(3) \,Z \subset W Unterraum \Rightarrow f^{-1}(Z) \subset V Unterraum,
(4) \,f bijektiv (eineindeutig) \Rightarrow f^{-1} linear,
(5) \,g : W \rightarrow Z linear \Rightarrow g \circ f : V \rightarrow Z linear.

Bezeichnung: Eine bijektive lineare Abbildung heißt Isomorphismus.

[Bearbeiten] Definition 2.20

Der Kern bzw. das Bild einer linearen Abbildung f : V \rightarrow W sind definiert durch Ker(f) := \{v \in V | f(v) = 0\} bzw. Im(f) := \{f(v) \in W | v \in V\}.

Bemerkungen:

  • Nach Lemma 2.19 sind \, Ker(f) und \, Im(f) Unterräume.
  • Eine lineare Abbildung \, f ist injektiv gdw. \, Ker(f) = \{0\}.
  • Die Menge aller linearen Abbildungen von \,V nach \,W ist selbst ein Vektorraum und Unterraum des Vektorraumes aller Abbildungen:
Hom(V,W) := \{f | f : V \rightarrow W, f ~\mbox{linear}\} \subset Abb(V,W).
Dabei ist die Addition und die Skalarmultiplikation von Abbildungen durch die Operationen im Bildraum gegeben, also durch \, (f+g)(v):= f(v)+g(v) und \, (\lambda f)(v) := \lambda (f(v)).
  • Nach Lemma 2.19 (5) induziert die Verknüpfung linearer Abbildungen eine Abbildung
\circ : Hom(V,W) \times Hom(W,Z) \rightarrow Hom(V,Z) (f, g) \mapsto g \circ f.
  • Fixiert man jetzt \, f (bzw. \, g), so erhält man jeweils Abbildung
\circ f : Hom(W,Z) \rightarrow Hom(V,Z) bzw.  g \circ : Hom(V,W) \rightarrow Hom(V,Z)
Diese Abbildungen sind jeweils linear.

[Bearbeiten] Satz 2.21 (2. Dimensionsformel)

\, \dim(V ) = \dim(Ker(f)) + \dim(Im(f)).

[Bearbeiten] Satz 2.22 (Prinzip der linearen Fortsetzung)

Ist \, \{v_1, ..., v_n\} eine Basis von \,V, so existiert zu jeder Auswahl von \, n Vektoren w_1, ..., w_n \in W genau eine lineare Abbildung \,f : V \rightarrow W, so dass \, f(v_i) = w_i für \,i = 1, ..., n.

[Bearbeiten] Korollar 2.23

Jeder \, n-dimensionale \, K\!-Vektorraum \, V ist isomorph zu \, K^n.

[Bearbeiten] Beweis

Nach dem Existenzsatz für Basen (siehe Kurs:Lineare_Algebra_I/Endlich_erzeugte_Vektorräume#Lineare_Unabh.C3.A4ngigkeit.2C_Basis.2C_Dimension) besitzt \, V eine Basis aus \, n Vektoren, sagen wir \, v_1 , \ldots , v_n. Nach dem Prinzip der linearen Fortsetzbarkeit gibt es eine \, K\!-lineare Abbildung

\, \varphi: K^n \rightarrow V, e_i \mapsto v_i ,\,  i=1 , \ldots n .

Diese Abbildung ist surjektiv, da \, v_1 , \ldots , v_n ein |Erzeugendensystem von \, V ist, und injektiv, da \, v_1 , \ldots , v_n |linear unabhängig sind. Damit ist \, \varphi ein Isomorphismus.

[Bearbeiten] Korollar 2.24

Die Zuordnung A \mapsto f_A induziert einen Isomorphismus des Vektorraumes der Matrizen auf den Vektorraum der linearen Abbildungen: Mat(m, n;K) \cong Hom(K^n,K^m).

Man überzeugt sich leicht: \, f_A(e_i) = a_i ist die \,i-te Spalte von \,A. Daher ergibt sich die inverse Abbildung aus der Zuordnung:

 \, f \mapsto M(f) := (f(e_1), ..., f(e_n)),

\, M(f) ist also die Matrix, deren Spalten den Bildern der Einheitsvektoren entsprechen.

[Bearbeiten] Standardaufgaben

(1) Teste M \subset K^n auf lineare Unabhängigkeit.
(2) Bestimme eine Basis von Lin(M) \subset  K^n.
(3) Auswahl einer linear unabhängigen Teilmenge aus M \subset  K^n.
(4) Ergänzung einer linear unabhängigen Teilmenge M \subset  K^n zu einer Basis.
(5) Teste die Zugehörigkeit eines Vektors v zu einem Unterraum U \subset V .
(6) Stelle für einen Unterraum U \subset K^n ein homogenes lineares Gleichungssystem auf, dessen Lösungsmenge U ist (implizite Darstellung von U).
(7) Bestimme Basen des Durchschnitts, der Summe von Unterräumen, bzw. von komplementären Räumen.
(8) Bestimme Kern und Bild einer linearen Abbildung.
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