Kurs:Mathematik (Osnabrück 2009-2011)/Teil II/Vorlesung 31
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In den folgenden Vorlesungen beschäftigen wir uns mit der Integrationstheorie, d.h. wir wollen den Flächeninhalt derjenigen Fläche, die durch einen Funktionsgraphen einer Funktion
-Achse begrenzt wird, systematisch studieren und berechnen. Zugleich ergibt sich ein direkter Zusammenhang zum Auffinden von Stammfunktionen, das sind Funktionen, deren Ableitung
ist. Der Flächeninhalt ist kein unproblematischer Begriff, den wir erst im dritten Semester im Rahmen der Maßtheorie grundlegend behandeln werden. Dennoch handelt es sich um einen intuitiv leicht zugänglichen Begriff, von dem wir hier nur einige wenige naheliegende Grundtatsachen verwenden. Sie dienen hier auch nirgendwo der Argumentation, sondern lediglich der Motivation. Ausgangspunkt ist, dass der Flächeninhalt eines Rechtecks mit gegebenen Seitenlängen einfach das Produkt der beiden Seitenlängen ist, und dass der Flächeninhalt einer Fläche, die man mit Rechtecken „ausschöpfen“ kann, als der Limes der Summe der beteiligten Rechtecksinhalte erhalten werden kann. Beim Riemannschen Integral, das zumindest für stetige Funktionen eine befriedigende Theorie liefert, beschränkt man sich auf solche Rechtecke, die parallel zum Koordinatensystem liegen, deren Breite (Grundseite auf der
-Achse) beliebig varieren darf und deren Höhe in Beziehung zu den Funktionswerten über der Grundseite steht. Dadurch werden die Funktionen durch sogenannte Treppenfunktionen approximiert.
- Treppenfunktionen
Diese Definition stellt also keine Bedingung an den Wert der Funktion an den Unterteilungspunkten. Das Intervall
nennt man
-tes Teilintervall, und
heißt Länge dieses Teilintervalls. Wenn die Länge der Teilintervalle konstant ist, so spricht man von einer äquidistanten Unterteilung.
Definition
Sei
ein reelles Intervall mit den Grenzen
und sei
und den Werten
,
. Dann heißt
auf
.Das Treppenintegral wird auch mit
bezeichnet. Bei einer äquidistanten Unterteilung mit der Teilintervalllänge
ist das Treppenintegral gleich
. Das Treppenintegral ist nicht von der gewählten Unterteilung abhängig, bzgl. der eine Treppenfunktion vorliegt.
Definition
Sei
ein beschränktes Intervall und sei
, wenn
ist für alle
. Eine Treppenfunktion
, wenn
ist für alle
.Eine obere (untere) Treppenfunktion zu
gibt es genau dann, wenn
nach oben (nach unten) beschränkt ist.
Definition
Sei
ein beschränktes Intervall und sei
zur Unterteilung
,
, und den Werten
,
, heißt das Treppenintegral
auf
.Definition
Sei
ein beschränktes Intervall und sei
zur Unterteilung
,
, und den Werten
,
, heißt
auf
.Verschiedene obere (untere) Treppenfunktionen liefern natürlich verschiedene Obersummen (Untersummen).
Definition
Sei
ein beschränktes Intervall und sei
das Oberintegral von
.Definition
Sei
ein beschränktes Intervall und sei
das Unterintegral von
.Die Beschränkung nach unten stellt sicher, dass es überhaupt eine untere Treppenfunktion gibt und damit die Menge der Untersummen nicht leer ist. Unter dieser Bedingung allein muss nicht unbedingt die Menge der Untersummen ein Supremum besitzen. Für (beidseitig) beschränkte Funktionen existiert hingegen stets das Ober- und das Unterintegral. Bei einer gegebenen Unterteilung gibt es eine kleinste obere (größte untere) Treppenfunktion, die durch die Maxima (Minima) der Funktion auf den Teilintervallen festgelegt ist. Für das Integral muss man aber Treppenfunktionen zu sämtlichen Unterteilungen berücksichtigen.
- Riemann-integrierbare Funktionen
Definition
Sei
ein kompaktes Intervall und sei
Riemann-integrierbar, wenn Ober- und Unterintegral von
existieren und übereinstimmen.Definition
Es sei
ein kompaktes Intervall. Zu einer Riemann-integrierbaren Funktion
über
. Es wird mit
Das Berechnen von solchen Integralen nennt man integrieren. Man sollte sich keine allzu großen Gedanken über das Symbol
machen. Darin wird ausgedrückt, bzgl. welcher Variablen die Funktion zu integrieren ist. Es kommt dabei aber nicht auf den Namen der Variablen an, d.h. es ist
Lemma
Sei
ein kompaktes Intervall und sei
mit
und eine Folge von oberen Treppenfunktionen
mit
. Es sei vorausgesetzt, dass die beiden zugehörigen Folgen der Treppenintegrale konvergieren und dass ihr Grenzwert übereinstimmt.
Dann ist
Riemann-integrierbar, und das bestimmte Integral ist gleich diesem Grenzwert, also
Beweis

Beispiel
Wir betrachten die Funktion
ist daher
das Minimum und
das Maximum der Funktion über diesem Teilintervall. Sei
eine positive natürliche Zahl. Wir unterteilen das Intervall
in die
gleichlangen Teilintervalle
. Das Treppenintegral zu der zugehörigen unteren Treppenfunktionen ist
und
gegen
konvergieren, ist der Limes für
von diesen Treppenintegralen gleich
. Das Treppenintegral zu der zugehörigen oberen Treppenfunktionen ist
. Da beide Limiten übereinstimmen, müssen nach Lemma 31.10 überhaupt das Ober- und das Unterintegral übereinstimmen, so dass die Funktion Riemann-integrierbar ist und das bestimmte Integral
Lemma
Sei
ein kompaktes Intervall und sei
Dann ist
genau dann Riemann-integrierbar, wenn es eine Unterteilung
gibt derart, dass die einzelnen Einschränkungen
Riemann-integrierbar sind.
In dieser Situation gilt
Beweis

Definition
Sei
ein reelles Intervall und sei
Riemann-integrierbar, wenn die Einschränkung von
auf jedes kompakte Intervall
Riemann-integrierbar ist.Aufgrund des obigen Lemmas stimmen für ein kompaktes Intervall
die beiden Definitionen überein.
- Riemann-Integrierbarkeit stetiger Funktionen
Satz
Beweis
Wir können annehmen, dass das Intervall kompakt ist, sagen wir
. Die stetige Funktion
ist auf diesem kompakten Intervall beschränkt nach Satz 22.4. Daher gibt es obere und untere Treppenfunktionen und daher existieren Oberintegral und Unterintegral. Wir müssen zeigen, dass sie übereinstimmen. Dazu genügt es, zu einem gegebenen
eine untere und eine obere Treppenfunktion für
anzugeben derart, dass die Differenz ihrer Treppenintegrale
ist. Nach Satz 22.11 ist
gleichmäßig stetig. Daher gibt es zu
ein
derart, dass für alle
mit
die Abschätzung
gilt. Sei nun
so, dass
ist, und betrachten wir die Unterteilung des Intervalls mit den Punkten
. Auf den Teilintervallen
,
, ist der Abstand zwischen dem Maximum
. Die zu diesen Werten gehörigen Treppenfunktionen, also
. Die Differenz zwischen den zugehörigen Ober- und Untersummen ist dann

Diese Aussage gilt dann auch für stückweise stetige Funktionen.
Wenn man Aussagen beweist, bei denen auf Unterteilungen eines Intervalls Bezug genommen wird, so ist es häufig sinnvoll, feinere Unterteilungen einzuführen. Insbesondere ersetzt man häufig zwei verschiedene Unterteilungen durch eine gemeinsame Verfeinerung.
Lemma
Es sei
ein kompaktes Intervall und es seien
zwei Riemann-integrierbare Funktionen. Dann gelten folgende Aussagen.
- Ist
für alle
, so ist
. - Ist
für alle
, so ist
. - Die Summe
ist Riemann-integrierbar und es ist
. - Für
ist
. - Die Funktionen
und
sind Riemann-integrierbar. - Die Funktion
ist Riemann-integrierbar. - Das Produkt
ist Riemann-integrierbar.
Beweis
Für (1) bis (4) siehe Aufgabe *****. (5). Wir betrachten die Aussage für das Maximum. Wir müssen zeigen, dass es zu jedem
eine obere und eine untere Treppenfunktion gibt derart, dass die Differenz der beiden Treppenintegrale
ist. Sei also ein
vorgegeben. Aufgrund der Riemann-Integrierbarkeit gibt es Treppenfunktionen
,
die Länge des
-ten Teilintervalls
und es sei
Wir setzen
. Wir betrachten ein Teilintervall
dieser Unterteilung. Wenn dort
Damit ist die Differenz der Treppenintegrale
.(6) folgt direkt aus (5). Für (7) siehe Aufgabe *****.

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- Treppenfunktion (MSW)
- Äquidistante Unterteilung (MSW)
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- Untere Treppenfunktion (MSW)
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- Bestimmte Integral (MSW)
- Integrieren (MSW)
- Feinere Unterteilung (MSW)
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![{{}} f \colon I = [a,b] \longrightarrow \R
, \, t \longmapsto f(t) \, ,](http://upload.wikimedia.org/wikiversity/de/math/3/b/c/3bcf277a4adada71784a8b905e727e82.png)



![{{}} f \colon [0,1] \longrightarrow \R
, \, t \longmapsto t^2 \, ,](http://upload.wikimedia.org/wikiversity/de/math/0/e/e/0eed9de75a36f1eb93ffa24ee80e8a8c.png)
![\left[ i \frac{1}{n}, (i+1) \frac{1}{n} \right] , i=0 , \ldots , n-1 ,](http://upload.wikimedia.org/wikiversity/de/math/2/4/0/240609235aa1a1891bffd8d21e99e76d.png)






![t(x):= \begin{cases} t_i \, \, \mathrm{f \ddot{u}r} \, \, x \in [a_{i-1}, a_{i}[ \text{ und } 1 \leq i \leq n-1 \, , \\ t_n \, \, \mathrm{f \ddot{u}r} \, \, x \in [a_{n-1},a_n] \, , \end{cases}](http://upload.wikimedia.org/wikiversity/de/math/b/2/c/b2cfffb9a612eb81ea4f68f082fe8238.png)
![s(x):= \begin{cases} s_i \, \, \mathrm{f \ddot{u}r} \, \, x \in [a_{i-1}, a_{i}[ \text{ und } 1 \leq i \leq n-1 \, , \\ s_n \, \, \mathrm{f \ddot{u}r} \, \, x \in [a_{n-1},a_n] \, ,\end{cases}](http://upload.wikimedia.org/wikiversity/de/math/4/e/c/4eccc5f56a55be0da8ff31d48a0f3531.png)

für alle
.
für alle
.
ist Riemann-integrierbar und es ist
.
ist
.
sind Riemann-integrierbar.
ist Riemann-integrierbar.
ist Riemann-integrierbar.







