Mattheuer, Wolfgang (1981)
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Mattheuer, Wolfgang (1927 - 2004) : "Prometheus verläßt das Theater" oder "Das Ende der Aufklärung" (1981)
Bleistift auf Karton 60 x 80 cm. In der Darstellung monogrammiert und datiert "12.9.81".
Provenienz: Auktion Villa Grisebach Berlin 29. Mai 2006, Katalog-Nr. 396.
[Bearbeiten] Äußere und innere Emigration
Die Zeichnung thematisiert das Verlassen der DDR als nacktes Davonlaufen. Das zurückbleibende Gerümpel enthält in einer Art geistvoller Selbstverspottung Symbole aus dem Werk Wolfgang Mattheuers (Ikarusflügel, Mann mit Maske, Würfel mit zweitem Gesicht). Der abgebrochene Arm auf dem leeren Schrank, der rückwärts weist, symbolisiert die ausgebliebenen Verheißungen der SED-Propaganda. Die agitatorisch-propagandistische Indoktrination dieser Verheißungen nannte die SED "Aufklärung". Durch sie sollte "der neue Mensch" geschaffen werden, der sozialistische Mensch.
Für "Prometheus", Sinnbild schöpferischer Tatktraft, sind die Würfel gefallen. Er verlässt das "Theater" SED-Staat. Die bedrohlichen Flammen im oberen Teil des Bildes deuten an, dass es dafür höchste Zeit ist. Acht Jahre nach Entstehen der Zeichnung bricht die DDR zusammen.
Der nackt Davonlaufende personifiziert die äußere Emigration während der 40 Jahre DDR, der Mann mit Maske die innere. Dass er trotz geballer Faust ein Eckensteher ist, inmitten von Gerümpel, gibt der inneren Emigration in der ehemaligen DDR einen Zug von Ofenhockerei.
Die detaillreiche Zeichnung ist Vorlage für ein großformatiges Werk Mattheuers, ausgeführt 1985, Öl auf Leinwand 147 x 253 cm. Das Bild wurde vom Sprengel-Museum Hannover angekauft. Der satirische Titel der Zeichnung ist in der späteren Ausführung abgemildert in "Geh aus deinem Kasten".