Benutzer:Lynn Hary/Französische Karikaturen im 1. Weltkrieg

Aus Wikiversity
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Französische Karikaturen im 1. Weltkrieg

Die Karikatur hatte ab dem 19. Jahrhundert in Frankreich ihre Blütezeit. In den Jahren 1871 bis 1914 erlebte die Witzblatt-Journalistik sowohl in Frankreich als auch in Deutschland einen Aufschwung. Dies erklärt sich durch neue technische Fortschritte wie z.B. den Zwei-, Drei- und Vierfarbdruck, Offsetdruck sowie der Liberalisierung der Pressegesetzgebung (Frankreich 1881). In der damaligen Zeit enthielten historische und politische Karikaturen bestimmte Codes und Symbole und machten dadurch auf bestimmte gesellschaftliche Widersprüche und Mißstände aufmerksam. Zudem spiegelten sie meistens den Zeitgeist wieder, und trugen zu dessen Entstehung bei. Vor allem aber spiegelten Karikaturen den Groll und die Verherrlichung einer Nation wieder. [1]

Karikaturzeitschriften[Bearbeiten]

Nach der Februarrevolution1848 in Frankreich, die zur Ausrufung der Zweiten Französischen Republik führte, erlebte die Witzblatt-Journalistik einen erheblichen Aufschwung. Allein in Paris wurden 250 verschiedene Titel gezählt. Diese Zeitungen unterschieden sich durch ihre Zielsetzung (politisch/unpolitisch) und ihre Tendenz (von monarchistisch bis anarchistisch), gemeinsam hatten sie nur eine kurze Lebensdauer. Aber vor allem nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges, lag der Schwerpunkt der Karikaturen auf der Verteufelung der Gegner, hier hauptsächlich Deutschland, sowie der Verherrlichung der Allianzen (Triple Entente zwischen dem Vereinigten Königreich, Russland und Frankreich). Karikaturen gelten nicht als traditionelle Propagandavermittler, da sie eben nicht eine direkte Beeinflussung als Ziel haben. Vielmehr versuchen sie durch Witz gesellschaftliche und politische Umstände darzustellen. So werden sie meistens von unabhängigen Illustratoren publiziert. [2] [3]

(3a) Le Rire Rouge Nr. 43 September 1915: Unkraut, aber guter Dünger (Adolphe Willette)

Le Rire: journal humoristique[Bearbeiten]

Le Rire wurde im Oktober 1894 von Félix Juven in Paris gegründet. Die Pariser Satirezeitschrift erschien bis in das Jahr 1971, jedoch mit zwei Unterbrechungen: zwischen den Jahren 1940-1945 (2. Weltkrieg) und 1949-1951. Die herausgegebene Zeitschrift erreichte schon in der ersten Serie eine Auflage von 100.000 Exemplaren und gehörte damit zu den erfolgreichsten illustrierten Satirezeitschriften in Frankreich und Europa. Am Anfang erschien die Zeitschrift wöchentlich, publizierte aber ab 1946 nur mehr monatlich. Die Satirezeitschrift war vor allem durch die karikaturistischen Charakterisierungen damaliger berühmter Persönlichkeiten bekannt. Zudem beleuchteten diese hauptsächlich politisch-und gesellschaftskritische Aspekte. Die Illustrationen stammen hauptsächlich von Abel Faivre, Lucien Metivet, und Charles Lucien Léandre. [4] Im Jahre 1914 erschien mit dem Kriegsbeginn die Ausgabe Le Rire Rouge, so nimmt die rote Farbe Bezug auf das im Krieg vergoßene Blut sowie ebenfalls Blut als Energielieferant, da es einen Teil unseres Körpers darstellt. Die Namensänderung läutet also den Krieg ein. [5]

La Baïonnette April 1916

La Baïonnette[Bearbeiten]

La Baïonnette war eine wöchentlich erschienene Satirezeitschrift, die am 23. Januar 1915 von dem Karikaturisten Henri Maigrot gegründet wurde und publizierte von 1915 bis 1920. Anfangs wurde die Zeitschrift noch unter dem Namen "À la baïonnette" verkauft, der Name wurde jedoch später verkürzt zu La Baïonnette. In den ersten 24 Heften finden sich hauptsächlich Karikaturen von Maigrot, im weiteren Verlauf publizierten auch andere Karikaturisten und Illustratoren. Den Namen erhielt die Zeitschrift durch den Ausdruck « charge à la baïonnette », was ungefähr bedeutet die "Bajonett bereit halten" oder "Bajonettenangriff". So passt auch dieser Ausdruck zum Hintergedanken dieser Zeitschrift: sich gegen die Deutschen aufrichten und wehren und sich über sie lustig machen. Vor allem Kaiser Guillaume II. und der Kronprinz Guillaume von Preußen werden hier als Karikaturen dargestellt. Diese Zeitung soll als eine Art Moralunterstützung der Franzosen im 1. Weltkrieg fungieren. Die Niederlage Frankreich gegen Deutschland 1870-1871 sitzt sehr tief im Gedächtnis der Franzosen, sodass Humor der einzige Weg ist die negativen Ereignisse zu verdrängen. Diese Satirezeitschrift wurde sogar an die Soldaten an der Front verteilt. Die letzte Ausgabe der Zeitschrift (Nr. 250) erschien am 22. April 1920. [6]

Französische Karikaturenmaler[Bearbeiten]

Da viele Illustratoren gleichzeitig Zeichner, Maler, Lithograf und Karikaturist waren, ist es hier sehr schwer einen klaren Unterschied zu machen, so werden hier hauptsächlich die aufgelistet, die einen großen Beitrag in den oben genannten Satirezeitschriften vorzuweisen haben. Andere Illustratoren, die sich ebenfalls teilweise auf Karikaturen konzentrierten, waren: Théophile-Alexandre Steinlen, Lucien Metivet, Leonetto Cappiello, Charles Genty, Fabien Fabiano, Albert Guillaume und Adolphe Léon Willette.

Abel Faivre[Bearbeiten]

Abel Faivre (geboren am 30. März 1867, † 13. August 1945) war ein französischer Karikaturist, Illustrator, Zeichner, und Lithograf. Er publizierte vor allem für Le Rire und Le Figaro. Im 1. Weltkrieg fertigte er Propagandaposter für die Französische Armee an. [7]

Charles Léandre[Bearbeiten]

Charles Léandre (geboren am 28. Juli 1862, † 24. Mai 1934) war ein französischer Karikaturist und Maler. Er arbeitete wie Abel Faivre, hauptsächlich für Le Rire und Le Figaro. [8]

Marcel Amable Louis Oscar[Bearbeiten]

Marcel Amable Louis Oscar (geboren am 29. März 1929, † 30. Dezember 1941) schrieb unter dem Decknamen Marcel Capy. Er war Illustrator, Karikaturist und Zeichner und publizierte vor allem für die Satirezeitschrift La Baïonnette. Er half aber vor allem bei der Spezialausgabe Le Livre de la Guerre de cent ans avec Gus Bofa, die speziell zum Anlass des 1. Weltkrieges veröffentlicht wurde. [9]

Marianne in der Karikatur[Bearbeiten]

Marianne galt als Symbolgestalt für die unteilbare und einheitliche Erste Republik in Frankreich. Im Jahre 1789 trat die Menschenrechtserklärung ein, welche unter anderen Meinungsfreiheit und Pressefreiheit garantierte. Dadurch wurde Marianne Frankreichs Symbol der Liberté - der Freiheit. Sie wird oft mit phrygische Mütze, Brandfackel, Guillotine oder Dolch dargestellt.

(1) Le Charivari Nr. 69 1848: Letzte Sitzung des Ex-Ministerrates (Honoré Daumier)

Februarrevolution 1848[Bearbeiten]

Die Pariser Februarrevolution 1848 rief eine zweite liberale Republik aus und die Pressefreiheit wurde zurückerobert. Eine der bekanntesten Zeichnungen von der Februarrevolution ist von Honoré Daumier und erschien im Le Charivari. (1) In dieser Darstellung ist Marianne eine strahlende Frau in einem hellen Gewand - trägt die Freiheitsmütze der Republik - und tritt in einen Raum ein. Die dort sitzenden Personen (Minister) geraten in Panik und streiten. Marianne repräsentiert hier die gewonnene Freiheit durch die Februarrevolution.

Deutsch-Französischer Krieg 1870/71[Bearbeiten]

(2) Oktober 1870: Bis hierher und nicht weiter... (E. Talons)
(3b) Lustige Blätter Nr. 21 1917: Frankreichs Selbstmord (W.A. Wellner)

Das Bild von Marianne ändert sich in den Jahren 1870/71: Marianne wird als Opfer oder auch als Rächerin dargestellt. Nach der Niederlage von Frankreich gegen Deutschland, ruft sie nach Revanche und sieht die Preußen als Barbaren. Diese Tatsachen werden in den meisten Karikaturen thematisiert. Zudem kommt die rote Marianne auch immer öfters auf, und gilt als Personifikation der glorifizierten oder auch verdammten Pariser Kommune. (2) In der folgenden Karikatur stellt sich Marianne dem Deutschen in den Weg und will sie daran hindern, weiter zu gehen.

Von der Dritten Republik zum zweiten Frankreich-Deutschland Krieg[Bearbeiten]

In den Jahren 1871-1914 verkörpert Marianne die vielen Gesichter der fest etablierten Dritten französischen Republik: soziale Spannungen, Bestechungsaffären und politische Skandale (Dreyfus-Affäre, Panamaskandal). Andere Stichwörter jener Zeit waren Konservatismus, Verbürgerlichung, Nationalismus, Militarismus, Kolonialismus, Antiklerikalismus und Antisemitismus. Deutschland erklärt Frankreich am 3. August 1914 den Krieg. Als der 1. Weltkrieg ausbricht, wird Marianne als Braut, Gattin, Tochter, Hausfrau, Mutter, Waschfrau oder auch Geliebte dargestellt, als eine Person, die einen in schweren Zeiten begleitet. (3a) Auf dem Cover von Le Rire Rouge wird eine Szene aus der Zeit des Stellungskrieges dargestellt, wo ganze Kompanien unter Artilleriebeschuß in den einstürzenden Schützengräben versanken. Marianne schaufelt hier Erde auf die deutschen Soldatenleichen und meint, somit würde der französische Boden fruchtbarer werden. Diese Darstellung greift die Grausamkeiten des Deutsch-Frankreich Krieges auf. (3b) Diese Karikatur wurde in einer deutschen Satirezeitschrift veröffentlicht, und nimmt Bezug auf die Westfront 1917, wo die französischen Soldaten die Hauptlast des mörderischen Krieges trugen. Zudem wird die Waffenbrüderschaft mit England kritisiert und als Selbstmord dargestellt. So beißt hier eine Schlange, die die britische Fahne des Union Jack darstellt, Marianne in die Brust. [10]

Marianne als Propagandamittel?[Bearbeiten]

Marianne galt eben als Symbol der Freiheit - der Liberté in Frankreich, so wurde Marianne oft in Karikaturen dargestellt. Dennoch wird sie nicht benutzt um die Bürger zu manipulieren (Kriegsaufforderung: Soldaten sollen für ihr Land in den Krieg ziehen), sondern eher um einen innigen Bezug zu Frankreich herzustellen (Nationalismus) und so die Moral der Franzosen in der schwierigen Vor-, Während-, und Nachkriegsphase aufzubauen. So wird aber auch Marianne von den Gegnern benutzt, um Frankreich bloßzustellen. Dennoch kann gesagt werden, dass Marianne, in der Kriegszeit als wichtiges Propagandamittel fungiert hat. So erkennt man im Laufe der Entwicklung, dass zuerst alle Gegner in den Karikaturen verteufelt wurden, durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges, wurden dann hauptsächlich die Deutschen als Gegner verteufelt und die Entente Cordiale verherrlicht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ursula Koch: Marianne und Germania in der Karikatur (1550-1999). Institut Francais, Leipzig, 2011, ISBN 3-9802848-1-6.
  • Max Hubert: Die Satire in der französischen Publizistik unter besonderer Berücksichtigung des französischen Witzblattes. Die Entwicklung von den Anfängen bis zum Jahre 1880. Zeitung und Leben, Band VII, München, 1937.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ursula Koch: Marianne und Germania in der Karikatur (1550-1999). Institut Français, Leipzig, 2011, ISBN 3-9802848-1-6, S. 5
  2. Ursula Koch: Marianne und Germania in der Karikatur (1550-1999). Institut Français, Leipzig, 2011, ISBN 3-9802848-1-6, S. 5-9
  3. Max Hubert: Die Satire in der französischen Publizistik unter besonderer Berücksichtigung des französischen Witzblattes. Die Entwicklung von den Anfängen bis zum Jahre 1880 . Zeitung und Leben Band VII, München, 1937, S. 248-252
  4. Universitätsbibliothek der Universität Heidelberg: Kunstwissenschaftliche Literatur - digital: Le Rire journal satirique
  5. Kaskapointe: Le Rire Rouge (1914-1918)
  6. Graphic Witness - the illustrated enemy: La Baïonnette
  7. Widewalls: Abel Faivre
  8. Biobliothèque Nationale de France: Charles Léandre (1862-1934)
  9. Biobliothèque Nationale de France: Marcel Capy (1865-1941)
  10. Ursula Koch: Marianne und Germania in der Karikatur (1550-1999). Institut Français, Leipzig, 2011, ISBN 3-9802848-1-6, S. 5-9

Weblinks[Bearbeiten]