Das Rechnen mit reellen und komplexen Zahlen (§1)
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[Bearbeiten] Das Rechnen mit reellen und komplexen Zahlen (§1)
[Bearbeiten] Definition 1
- Ein System
von Elementen heißt ein Körper genau dann, wenn es zu je zwei Elementen
eine Summe
und ein Produkt
derart gibt, dass die Körperaxiome (K1),(K2),(K3) gelten. - 1. Axiome der Addition (K1)
- a) Assoziativgesetz: Für alle
gilt: (a + b) + c = a + (b + c). - b) Kommutativgesetz: Für alle
gilt: a + b = b + a. - c) Existenz des additiv neutralen (Null-)Elements: Es existiert ein neutrales Element
derart, dass für alle
die Bedingung a + 0 = a gilt. - d) Existenz des additiv inversen (negativen) Elements: Zu jedem
gibt es ein inverses element
mit x + y = 0. Man schreibt y = : − x.
- a) Assoziativgesetz: Für alle
- 2. Axiome der Multiplikation (K2)
- a) Assoziativgesetz: Für alle
gilt: (ab)c = a(bc). - b) Kommutativgesetz: Für alle
gilt: ab = ba. - c) Existenz des multiplikativ neutralen (Eins-)elements: Es existiert ein neutrales Element
derart, dass für alle
die Bedingung
gilt. - d) Existenz des multiplikativ inversen (reziproken) Elements: Zu jedem
gibt es ein inverses element
mit
. Man schreibt y = :x − 1.
- a) Assoziativgesetz: Für alle
- 3. Distributivgesetz (K3)
- Für alle
gilt: (a + b)c = ac + bc.
- Für alle
[Bearbeiten] Satz 1
- Aus den Körperaxiomen lassen sich weitere Eigenschaften der Elemente von
folgern. - (1) Für beliebige
ist die Gleichung a + x = b eindeutig lösbar. - (2) Für beliebige
und
ist die Gleichung
eindeutig lösbar. - (3) Für alle
gelten
und
. - (4) Für alle
gilt − ( − x) = x - (5) Für alle
gilt
.
[Bearbeiten] Beweis von (1)
Nach (K1) existiert zu
das inverse Element
. Wir addieren zur Gleichung a + x = b von links ( − a) und erhalten ( − a) + a + x = ( − a) + b bzw. nach (K1) 0 + x = x = b + ( − a) = :b − a, was die Eindeutigkeit der Lösung zeigt. Angenommen x = b − a sei die eindeutig bestimmte Lösung der Gleichung a + x = b. Dann gilt nach (K1)
Damit hat man die Existenz einer Lösung nachgewiesen.
q.e.d.
[Bearbeiten] Beweis von (2)
[Bearbeiten] Satz 4 (Ungleichung von Cauchy-Schwarz)
- Wenn
für k = 1,2,...,n gilt, dann folgt
.[Bearbeiten] Beweis
Wir betrachten die Funktion
Nach Definition ist klar, dass
für alle t. Die Umformung
zeigt, dass f ein (höchstens) quadratisches Polynom ist. Es ist genau dann nichtnegativ, wenn seine Diskriminante
- (2V)2 − 4UW = 4(V2 − UW)
nichtpositiv ist, wenn also
gilt. Das ist jedoch genau die behauptete Ungleichung.
q.e.d.
[Bearbeiten] Beispiel 5
Für
definieren wir die Größe n Fakultät wie folgt:
-
- 0!: = 1
- 1!: = 1

- ...
.
Weiter erklären wir für
den Binomialkoeffizienten
.Wegen

![= \frac{n!}{k!(n - k+1)!} [(n-k+1)+k] = \frac{(n+1)!}{k![(n+1) - k]!}](http://upload.wikimedia.org/math/f/e/2/fe26ae085252934454a5b79f07ed62bf.png)

gilt für alle
das Additionstheorem für die Binomialkoeffizienten:
.[Bearbeiten] Satz 5 (Binomischer Lehrsatz)
- Für alle
und
gilt die Identität
.[Bearbeiten] Beweis
Sei b = 0, so ist obige Gleichung wegen

offenbar erfüllt. Sei also
. Wir multiplizieren (25) mit b − n und erhalten
![(a+b)^n \cdot b^{-n} = \left[ b \left( \frac{a}{b} + 1 \right) \right]^n \cdot b^{-n} = \left( \frac{a}{b} + 1 \right)^n](http://upload.wikimedia.org/math/b/c/e/bce1e469405f1fa2fb86d20c8286dc4c.png)
.Mit Hilfe der Substitution
genügt es, die Aussage

zu zeigen. Wir beweisen nun durch vollständige Induktion, dass (26) für alle
gilt. Die Aussage H(n) ist die Gleichung (26).
(IA) Für n0 = 1 und
ergibt sich die wahre Aussage
.(IS) Nach Induktionsvoraussetzung gilt (26) für ein beliebiges
. Dann folgt
![(z+1)^{n+1} = (z+1) \cdot (z+1)^n \stackrel{(IV)}{=} (z+1) \cdot \left[ \sum^n_{k=0} \begin{pmatrix} n \\ k \end{pmatrix} z^k \right]](http://upload.wikimedia.org/math/8/9/8/8980978dadc37809bd0d95bf8e3cabd8.png)


![= \begin{pmatrix} n \\ 0 \end{pmatrix} z^0 + \sum^n_{k=1} \left[ \begin{pmatrix} n \\ k \end{pmatrix} + \begin{pmatrix} n \\ k-1 \end{pmatrix} \right] z^k + \begin{pmatrix} n \\ n \end{pmatrix} z^{n+1}](http://upload.wikimedia.org/math/8/e/5/8e53db5b6a7e05fa2f37198f86077ebd.png)
.Damit ist Satz 5 nach dem Prinzip der vollständigen Induktion bewiesen.
q.e.d.
[Bearbeiten] Beispiel 6 (Teleskopsummen)
Seien
mit m < n gegeben sowie die Zahlenfolge {bi} zu den Indices i = m,m + 1,...,n + 1. Wir betrachten jetzt die Zahlenfolge {ai} mit ai: = bi + 1 − bi für
und berechnen

Für bi: = i2 und m: = 1 ergibt sich dann
.Andererseits ist nach (27)
,woraus sich unmittelbar die Gauß-Formel

ergibt.

