Goethes Faust. Eine heitere Tragödie. Vorspiel auf dem Theater.
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Dass Goethes mit seinem Weltgedicht [1] eine heitere Tragödie geschaffen hat, kündigt er im Vorspiel auf dem Theater an. Er lässt die Konzeption der bevorstehenden Theateraufführung von drei Beteiligten diskutieren: Dem Direktor, dem Theaterdichter und einem der Schauspieler. Der Schauspieler ist nicht ein Tragöde, wie vielleicht zu erwarten, sondern wird lustige Person genannt. Es ist der Hanswurst, der Schalksnarr, hier als gleichberechtigtes Mitglied des Ensembles.
Die gegenseitigen Ermahnungen erwecken den Eindruck, als würde ein Stegreifstück vorbereitet. Der volkstümliche Eindruck wird verstärkt durch die Bezeichnung Bude (50) und enges Bretterhaus (239) als Aufführungsort. Der Direktor, der das erste und letzte Wort in dem Diskurs hat, wünscht, der Menge zu behagen (37), was wohl kaufmännisch gedacht ist, da das Publikum bei dieser scheinbaren Jahrmarkts-Veranstaltung mit dem Eintrittspreis die Aufführung erst ermöglicht. Dahinter steht jedoch Kunstverstand, denn gleich darauf und deutlicher werdend, möchte er, daß alles frisch und neu und mit Bedeutung auch gefällig sei. (47 -48) Die Worte spielen auf den Innovationszwang der Kunst an und auf die Fähigkeit des Sprachkunstwerkes, Bedeutendes gefällig zu bringen. Dies Wunder, das weis der Theaterdirektor, kann nur der Dichter bewirken. (57 - 58)
Heiterkeit als Ingredienz der beabsichtigten Aufführung wünscht die lustige Person:
- Laßt Phantasie mit allen ihren Chören,
- Vernunft, Verstand, Empfindung, Leidenschaft,
- Doch, merkt Euch wohl! Nicht ohne Narrheit hören. (86 - 88)
Und sie äußert sich zur Unverbindlichkeit und Ambiguität künstlerischer Aussagen:
- In bunten Bildern wenig Klarheit,
- Viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit,
- So wird der beste Trank gebraut;
- Der alle Welt erquickt und auferbaut. (170 - 73)
Der Dichter pflichtet der lustige[n] Person in einer Nebenbemerkung bei:
- Der Drang nach Wahrheit und die Lust am Trug. (193)
In ihnen sieht er die Antriebe dichterischer Produktion.
Vielgestaltig und kontrastreich soll das angebliche Stegreifspiel werden. Der Direktor:
- Ein jeder sucht sich endlich selbst was aus. (96)
- […]
- Gebt Ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken!
- Solch ein Ragout, es muß Euch glücken. (99 - 100)
Auf der Bühne von Stimmung reden (218) sei nicht theaterwirksam. An Dichter und lustige Person gerichtet fordert der Spiritus Rector:
- So kommandiert die Poesie.
- Euch ist bekannt, was wir bedürfen,
- Wir wollen stark Getränke schlürfen;
- Nun braut mir unverzüglich dran! (221 - 24)
- ↑ So schreitet in dem engen Bretterhaus / Den ganzen Kreis der Schöpfung aus, / Und wandert mit bedächt'ger Schnelle / Vom Himmel durch die Welt zur Hölle. (239 - 242)