Kurs:Algebraische Kurven (Osnabrück 2008)/Vorlesung 13
Inhaltsverzeichnis |
- Die offenen Mengen D(f)
Wir wollen zeigen, dass die Zariski-offenen Teilmengen
selbst homöomorph zum
-Spektrum einer endlich erzeugten
-Algebra sind. Dazu benötigen wird den Begriff des multiplikativen Systems und der Nenneraufnahme.
Definition
Sei
ein kommutativer Ring. Eine Teilmenge
heißt multiplikatives System, wenn die beiden Eigenschaften

- Wenn
, dann ist auch 
gelten.
Beispiel
Sei
ein kommutativer Ring und
ein Element. Dann bilden die Potenzen
,
, ein multiplikatives System.
Definition
Sei
ein Integritätsbereich und sei
ein multiplikatives System,
. Dann nennt man den Unterring
.Für die Nenneraufnahme an einem Element
schreibt man einfach
statt
. Für den Begriff der Nenneraufnahme für beliebige kommutative Ringe, siehe Aufgabe 13.2.
Satz
Sei
ein Körper und sei
eine endlich erzeugte
-Algebra,
.
Dann ist die Zariski-offene Menge
in natürlicher Weise isomorph zu
.
Beweis
Wir betrachten die zum
-Algebra-Homomorphismus
gehörende natürliche Abbildung
, da ja
in
eine Einheit wird. Daher liegt das Bild von
in
.Sei
irgendein Punkt, d.h.
ist ein
-Algebra-Homomorphismus
mit
. Dann ist
eine Einheit und daher faktorisiert dieser Homomorphismus nach der universellen Eigenschaft der Nenneraufnahme (siehe Aufgabe 13.3) durch
. Dieser Morphismus ist das gesuchte Urbild und daher ist
surjektiv.Zur Injektivität seien zwei
-Algebra-Homomorphismen
gegeben, deren Verknüpfung mit
übereinstimmen. Wegen
ist dann aber
.Zur Homöomorphie ist lediglich zu beachten, dass die Zariski-offenen Mengen von
überdeckt werden von
,
. Dabei kann man
annehmen, da
eine Einheit in
ist. Dann ist aber dieses
gleich
, wo letzteres
die offene Menge in
bezeichnet.
Bemerkung
Satz 13.4 besagt insbesondere, dass eine offene Menge
selbst das
-Spektrum einer endlich erzeugten
-Algebra ist (nämlich von
, das über
von
erzeugt wird), und sich daher auch als Zariski-abgeschlossene Menge eines affinen Raumes realisieren lassen muss. Aus
(siehe Aufgabe 13.6) erhält man eine solche Realisierung. Sei
. Dann liefert der surjektive Ringhomomorphismus
in
. Ist
die Gesamtinklusion
Beispiel
Betrachten wir in Anschluss an Bemerkung 13.5 die offene Menge
invertierbar, d.h. die rationale Funktion
ist darauf definiert. Diese Abbildung liefert zusammen mit der gegebenen (offenen) Inklusion
die abgeschlossene Inklusion
und
, sind isomorph).
- Zusammenhang und idempotente Elemente
Wir interessieren uns dafür, wie es sich auf den Koordinatenring auswirkt, wenn eine affin-algebraische Menge zusammenhängend ist, und wie sich gegebenenfalls die Zusammenhangskomponenten charakterisieren lassen. Wir beginnen mit einem Beispiel, das zeigt, dass über einem nicht algebraisch abgeschlossenen Körper keine überzeugende Theorie zu erwarten ist.
Beispiel
Wir betrachten (wie in Beispiel 11.8) die beiden algebraischen Kurven
. Dann ist
leer.
Die affin-algebraische Menge
ist nicht zusammenhängend (
und
sind die irreduziblen Komponenten und die Zusammenhangskomponenten). Der Koordinantenring von
ist
, die auf
konstant gleich
und auf
konstant gleich
ist, sich im Koordinatenring wiederfindet. Dies ist aber nicht der Fall, und zwar liegt das daran, dass über den komplexen Zahlen
zusammenhängend ist. Daher besitzt der komplexe Koordinatenring nur die trivialen idempotenten Elemente, und das überträgt sich auf den reellen Koordinatenring von.Definition
Ein Element
eines kommutativen Ringes heißt idempotent, wenn
gilt.
Definition
Seien
kommutative Ringe. Dann heißt das Produkt
,
.In einem Produktring gibt es viele idempotente Elemente, nämlich solche Elemente, deren Komponenten alle null oder eins sind.
Definition
Ein kommutativer Ring
heißt zusammenhängend, wenn er genau zwei idempotente Elemente (nämlich
) enthält.
Definition
Ein topologischer Raum
heißt zusammenhängend, wenn es in
genau zwei Teilmengen gibt (nämlich
und der Gesamtraum
, die sowohl offen als auch abgeschlossen sind.
Die leere Menge und der Gesamtraum sind stets zugleich offen und abgeschlossen. Solche Mengen nennt man auch randlos oder clopen. Der leere topologische Raum gilt nicht als zusammenhängend, da es in ihm nur eine zugleich offene und abgeschlossene Menge gibt.
Lemma
Sei
ein Körper und seien
und
endlich erzeugte
-Algebren mit dem Produktring
.
Dann gibt es eine natürliche Homöomorphie
Dabei werden die Einbettungen von rechts nach links durch die Projektionen
,
, induziert.
Beweis
Die Projektion
ist ein
-Algebra-Homomorphismus und liefert daher (nach Proposition 12.8 (3)) eine stetige Abbildung (und zwar eine abgeschlossene Einbettung)
. Diese zusammengenommen definieren eine stetige Abbildung
, also
sei ein
-Algebra-Homomorphismus. Seien
und
die zur Produktzerlegung gehörenden idempotenten Elemente. Wegen
und
wird genau eines dieser Elemente (sagen wir
) unter
auf null abgebildet (das andere auf
). Dann wird aber
auf null geschickt und
faktorisiert durch eine Projektion. Das beweist die Surjektivität.
Zur Injektivität seien
in der disjunkten Vereinigung gegeben,
. Wenn sie beide in einem der Teilstücke liegen, so bleiben sie unter der Abbildung verschieden, da auf den Teilstücken eine abgeschlossene Einbettung vorliegt. Wenn sie auf verschiedenen Teilstücken liegen, so faktorisieren sie durch die zwei verschiedenen Projektionen und für den einen Punkt ist
und für den anderen Punkt
. Sie sind also verschieden als Elemente in
).
Eine Homöomorphie liegt vor, da sich die einzelnen abgeschlossenen Einbettungen zu einer abgeschlossenen Abbildung zusammensetzen.

Satz
Sei
ein algebraisch abgeschlossener Körper und sei
eine reduzierte kommutative
-Algebra von endlichem Typ.
Dann stiftet die Abbildung
und denjenigen Teilmengen aus
, die sowohl offen also auch abgeschlossen sind.Beweis
Zunächst ist
offen und abgeschlossen. Dies folgt aus
zwei idempotente Elemente mit
. Da ein idempotentes Element in einem Körper nur die Werte null oder eins annehmen kann, haben sowohl
als auch
auf
den Wert
und außerhalb den Wert
. Damit haben
und
überall den gleichen Wert und sind nach dem Identitätssatz für Polynome (siehe Aufgabe 13.1) überhaupt gleich. Dies beweist die Injektivität.
Sei nun
sowohl offen als auch abgeschlossen. D.h. es gibt ein weiteres Ideal
mit
und
zusammen das Einheitsideal. D.h. es gibt
und
mit
. Wegen
ist nach Aufgabe 13.1 das Element
nilpotent und wegen der Reduziertheit ist
. Also ist
.
Es folgt, dass über einem algebraisch abgeschlossenen Körper eine (reduzierte)
-Algebra
von endlichem Typ genau dann zusammenhängend ist, wenn das zugehörige
zusammenhängend ist.

, dann ist auch 



![{{}} K[X_1, \ldots, X_n,T] \longrightarrow (K[X_1, \ldots, X_n]/ \mathfrak a)[T]
\longrightarrow ((K[X_1, \ldots, X_n]/ \mathfrak a)[T])/(Tf-1) \cong R_f \,](http://upload.wikimedia.org/wikiversity/de/math/5/7/4/57410bfb70df0a8db6f11234e5bb1b01.png)






![{{}} \mathbb R[X,Y]/( X^2+Y^2-2) (X^2+2Y^2-1) \, .](http://upload.wikimedia.org/wikiversity/de/math/2/d/3/2d38bbc0079b8e5414e43be6ca3875c1.png)








