Kurs:Modellierung und Numerische Methoden von Finanzderivaten/4 Das Black-Scholes-Modell
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[Bearbeiten] 4.1 Black-Scholes-Formeln
Unter Verwendung der Vorbereitungen zur stochastischen Analysis und zum Ito-Kalkül können wir die formale Herleitung der Black-Scholes-Gleichung und elementarer Lösungen skizzieren. Es sei der Kurs eines Basiswertes durch eine Zufallsvariable
beschrieben. Den Wiener-Prozess bezeichnen wir mit Wt und mit V = V(St,t) den Wert einer bestimmten Option. Die wesentliche Voraussetzung ist, dass St einer geometrischen Brownschen Bewegung (beschrieben in Kapitel 3) entspricht, d.h. es gilt
mit Drift
und Volatilität
(beide gegeben). Wir behaupten, dass St ein stochastischer Prozess ist: Schreiben wir nämlich
so ist auch lnSt ein Ito-Prozess. Aus dem Lemma von Ito für
und b = σ folgt wegen
die stochastische Differentialgleichung
oder
-
- (4.1)

- (4.1)
Eine heuristische Interpretation der Gleichung (4.1) lässt sich wie folgt vornehmen. Es sei S der Kurs des Basiswertes zur Zeit t und S + dS der Kurs zur Zeit t + dt. Die relative Änderung des Kurses dS / S ist durch einen deterministischen Anteil
und durch einen zufälligen Anteil
gegeben. Der Term dW modelliert die Zufälligkeit der Kurswerte. Wir nehmen an, dass die zufälligen Schwankungen durch die Brownsche Bewegung W modelliert werde.
Folgende vereinfachende Modellannahmen für den Finanzmarkt werden getroffen:
- Der Aktienkurs St genüge der stochastischen Differentialgleichung
- mit konstanten Parametern
und σ > 0.
- Für Geldanlagen und für Kredite wird derselbe und vorgegebene konstante Zinssatz
verwendet. Der entsprechende Bond erfüllt die Gleichung Bond
- (4.2) dBt = rBtdt.
- Es werden keine Dividendenzahlungen auf den Basiswert geleistet.
- Der Markt ist arbitragefrei und friktionslos, d.h. es gibt keine Transaktionskosten, Steuern usw.
- Der Basiswert kann kontinuierlich, d.h. nicht nur zu diskreten Zeitpunkten, gehandelt werden und ist beliebig teilbar (es können also auch Bruchteile gehandelt werden). Leerverkäufe (short selling) sind erlaubt; d.h. es können bzw. dürfen Derivate verkaufen, die wir zum Zeitpunkt des Verkaufs noch gar nicht besitzen.
- Alle betrachteten stochastischen Prozesse sind stetig, die Modellierung eines Börsen-Crashs ist unmöglich.
Sei V(St,t) der Wert der Option zum Zeitpunkt t. Wir betrachten das folgende Portfolio, das aus c1(t) Anteilen eines Bonds, aus c2(t) Anteilen des Basiswertes und aus einer verkauften Option (vgl. Kap. 2.1) besteht:
-
- Yt = c1(t)Bt + c2(t)St − V(St,t)
Aus dem Erlös des Optionsverkaufs können die Bond- und Basiswertanteile finanziert werden (daher das Minuszeichen vor V(St,t)). Wir treffen folgende zusätzlichen Annahmen:
[Bearbeiten] Annahme 1:
- Das Portfolio Yt unterliegt keinen zufälligen Schwankungen, d.h. es ist ein risikofreies Portfolio. Die Änderung ist dann
[Bearbeiten] Annahme 2:
- Das Portfolio Yt erfüllt die stochastische Differentialgleichung
- (4.4)

- (4.4)
- Das bedeutet, dass die Änderung von Yt zur Zeit t gleich den Änderungen der Bond- und Basiswertanteile und des Optionswertes ist.
Mit diesen Voraussetzungen können wir die Black-Scholes-Gleichung herleiten. Nach dem Lemma von Ito erfüllt V die stochastische Differentialgleichung
-
- (4.5)

- (4.5)
Setzen wir noch die stochastischen Differentialgleichungen für S,B und für V in (4.4) ein, so erhalten wir
-
- (4.6)
![dY = \left[ c_1(t)rB + c_2(t)\mu S - \left(\frac{\partial V}{\partial t} + \mu S \frac{\partial V}{\partial S} + \frac{1}{2} \sigma^2 S^2 \frac{\partial^2 V}{\partial S^2} \right) \right]\, dt + \left( c_2(t)\sigma S - \sigma S \frac{\partial V}{\partial S} \right)\, dW.](http://upload.wikimedia.org/math/3/7/3/37350150177f1e01fd3692a15d39ade4.png)
- (4.6)
Die Annahme 1 des Portfolio ohne zufällige Schwankungen führt auf die Forderung
denn mit dieser Wahl verschwindet der Koeffizient vor dW. Da das Portfolio Y risikolos sein soll, folgt aus der Arbitrage-Freiheit
-
- (4.7)

- (4.7)
Setzen wir (4.6) und (4.7) gleich, so folgt wegen der Wahl von c2:
Setzen wir die Koeffizienten gleich, so ergibt sich für die Funktion V(S,t)
-
- (4.8)

- (4.8)
Diese Gleichung heißt Black-Scholes Gleichung.
Üblicherweise werden die partiellen Ableitungen mit Indizes bezeichnet, wir schreiben folglich
Man beachte, dass die Ableitung
nicht mit dem Wert der stochastischen Funktion Vt = V(t) verwechselt werden darf; die Gefahr besteht allerdings deshalb kaum, weil nach der Herleitung hier V eine deterministische Funktion und keine Zufallsvariable ist.
Einordnung und Typbestimmung der Black-Scholes-Gleichung:
Es handelt sich um eine parabolische, partielle Differentialgleichung 2. Ordnung. Diese Einteilung wird aus dem sog. Hauptteil der Gleichung, d.h. aus allen Termen mit zweiten partiellen Ableitungen gefolgert. Allgemeiner heißt eine Differentialgleichung in den Variablen (x,t) der Form
-
- autt + 2buxt + cuxx + dut + eux + fu = g
mit von x und t abhängigen Koeffizientenfunktionen und der rechten Seite parabolisch, wenn die Gleichung
erfüllt ist. In unserem Falle gilt für (4.8) a = 0,b = 0, d.h. die Differentialgleichung ist parabolisch oder vom parabolischen Typ.
[Bearbeiten] Bemerkung:
(1) In obiger Herleitung konnte der Driftterm
durch die Wahl von c2 vollständig eliminiert werden. Damit hängt das Black-Scholes-Modell nicht von der Driftrate μ ab. Das ist sehr vorteilhaft, da die Bestimmung des Parameters μ nicht einfach ist. Allerdings enthält (4.8) noch die Volatilität σ, die nur aus Marktdaten bestimmt werden kann. Der verbleibende Parameter, die Zinsrate r, ist aus Marktdaten relativ einfach zu bestimmen und über längere Zeitabschnitte konstant.
(2) Die Bond- und Basiswertanteile für ein selbstfinanzierendes Portfolio (d.h. für Yt = 0) lauten gemäß obigem Beweis
Wir werden noch zeigen, dass für europäische Optionen der Call-Optionspreis V eine strikt konvexe Funktion in St ist. Falls St = 0 gilt, ist es sinnvoll, V(0,t) = 0 anzunehmen. Dann folgt
d. h., der Bondanteil c1(t) ist negativ.
Jedes Derivat, dessen Preis nur vom gegenwärtigen Kurs S und der Zeit t abhängt und das zur Zeit t = 0 bezahlt werden muss, erfüllt unter den obigen Voraussetzungen die Black-Scholes-Gleichung (4.8). Diese Aussage gilt insbesondere für europäische Optionen. Amerikanische und exotische Optionen betrachten wir etwas später genauer.
Die Differentialgleichung (4.8) ist über der Menge
zu lösen. Wir benötigen Rand- und Endbedingungen (letztere anstelle der sonst üblichen Anfangsbedingungen), um eine eindeutige Lösbarkeit zu gewährleisten. Als Endbedingung zur Zeit T (dem Verfallstag der Option) wählen wir
-
- (4.9)

- (4.9)
wobei V0(S) = (S − K) + für europäische Calls und V0(S) = (K − S) + für europäische Puts steht. Da S im Intervall (0,1) liegt, schreiben wir Randbedingungen für S = 0 und für
vor.
- • Call: V = C: Ist der Kurs des Basiswerte S = 0, so ist der Wert des Calls ebenfalls Null, da das Recht, einen wertlosen Basiswert zu kaufen, ebenfalls wertlos ist. Ist dagegen der Kurs des Basiswertes sehr hoch, so ist es nahezu sicher, dass die Call-Option eingelöst wird. Damit wird der Wert des Calls näherungsweise S − K sein. Für sehr großes S kann der Ausübungspreis K vernachlässigt werden und es folgt
- C(S,t)˜S für
.
- C(S,t)˜S für
- Diese Schreibweise bedeutet, dass
für
und ![\forall t \in (0, T]](http://upload.wikimedia.org/math/d/d/e/ddeb9cb81100df3d505f449b3d504b06.png)
- gilt.
- • Put: V = P: Ist der Basiswert sehr groß, wird die Option voraussichtlich nicht eingelöst, d. h.
für
.
- Für S = 0 verwenden wir die Put-Call-Parität
Zusammenfassend gelten die Randbedingungen im Falle europäischer Optionen:
-
- (4.10) Europ. Call:

- (4.11) Europ. Put:

- (4.10) Europ. Call:
Somit ist der Wert einer europäischen Call- (einer europäischen Put-) Option V(S,t) gegeben durch die Lösung der partiellen Differentialgleichung (4.8) mit der Endbedingung (4.9), wobei V0(S) = (S − K) + (bzw. V0(S) = (K − S) + ) und die Randbedingungen (4.10) (bzw. (4.11)) gelten.
Die Black-Scholes-Gleichung (4.8) mit obigen Rand- und Endbedingungen kann explizit gelöst werden. Wir betrachten zuerst den Fall einer europäischen Call-Option.
[Bearbeiten] Satz 4.1 Black-Scholes-Formel für Call-Optionen
- Die Black-Scholes-Gleichung (4.8) mit den Randbedingungen (4.10) und der Endbedingung (4.9) mit V0(S) = (S − K) + besitzt die Lösung
- (4.12)

- (4.12)
- mit der Verteilungsfunktion der Standardnormalverteilung
- (4.13)

- (4.13)
- und
- (4.14)

- (4.14)
Man beachte, dass die Lösung (4.12) mit t = 0 gleich dem Call-Preis aus dem Binomialmodell im Grenzfall
ist.
[Bearbeiten] Beweis:
Man könnte den Satz beweisen, indem man verifiziert, dass Formel (4.12) die Differentialgleichung und die Rand- und Endbedingungen erfüllt. Ein zweiter Weg ist die schrittweise Transformation auf eine reine Diffusions- (Wärmeleitungs-) Gleichung der Form
-
- ut = uxx.
Folgende Schritte sind erforderlich:
1. Elimination der nicht-konstanten Koeffizienten durch eine Variablentransformation:
-
.
Man beachte hier
. Folglich ist
und
.
2. Elimination der vx- und v-Terme durch
-
- v(x,τ) = exp(αx + βτ)u(x,τ).
Man erhält Bedingungen an die Wahl von α und β.
3. Schließlich bestimmt man die analytische Lösung des entstandenen Problems
-
- (4.15)
![u_\tau - u_{xx} = 0, \quad x \in \mathbb R, \quad \tau \in (0, T_0],](http://upload.wikimedia.org/math/4/d/4/4d43057c3a9989a632186d5f8ee2747d.png)
- (4.15)
mit der Anfangsbedingung
-
- (4.16)

- (4.16)
Diese lautet
Eine Vereinfachung dieses Integrals erhält man mit der Transformation
:
-
- (4.17) Parser-Fehler (Syntaxfehler): u(x, \tau) =\frac{1}{\sqrt{2\pi} \int\limits_{- \infty}^\infty u_0 \left( \sqrt{2\tau}y + x \right) e^{-y^2/2}\, dy.
4. Die analytische Lösung der Wärmeleitungsgleichung wird nun in die ursprünglichen Variablen zurück transformiert.
5. Im letzten Schritt überprüfen wir die Rand- und Endbedingungen.
Nach Ausführung aller Schritte ist der Satz vollständig bewiesen.
q.e.d.
[Bearbeiten] Bemerkung:
Die als Zwischenschritt entstehende Formel (4.17) gestattet es, den Optionspreis als diskontierten Erwartungswert
-
- (4.18) V(St,t) = e − r(T − t)E(V(ST,T)) = e − r(T − t)E(V0(St))
zu interpretieren. Wir führen zu diesem Zweck die Rücktransformation aus Gleichung (4.17) durch. Dann folgt nach einiger Rechnung mit der Transformation
:
-
- Parser-Fehler (Syntaxfehler): V(S, t) = \frac{K}{\sqrt{2\pi}} e^{-(k-1) x/2 - (k+1)^2 \tau/4} \int\limits_{\mathbb{R}} u_0 \left( \sqrt{2\tau} y + x \right) e^{-y^2/2}\, dy= \frac{1}{\sqrt{2\pi}} \int\limits_\mathbb{R} e^{-(k+1)^2 \tau/4 + (k-1) \sqrt{2\tau} y/2 - y^2/2 \left( e^{\sqrt{2\tau} y} S - K \right)^+\, dy = e^{-\tau (T-t)} E(V_0(S)),
wobei
der Erwartungswert von V0(S) bzgl. der Dichtefunktion
der sog. Lognormalverteilung ist. Damit sind zwei verschiedene Darstellungsformen des Optionspreises gefunden:
- eine Lösung der partiellen Differentialgleichung (4.8),
- ein Erwartungswert nach (4.18).
Der Zusammenhang wird im sog. Feynman-Kac-Formalismus behandelt.
Die Black-Scholes-Formel für europäische Put-Optionen folgt aus der Put-Call-Parität und Satz 4.1.
[Bearbeiten] Satz 4.2 Black-Scholes-Formel für Put-Optionen
- Die Black-Scholes-Gleichung (4.8) mit den Randbedingungen (4.11) und der Endbedingung (4.9) mit V0(S) = (K − S) + besitzt die Lösung
- (4.19)

- (4.19)
- mit der Verteilungsfunktion Φ und d1,2 entsprechend (4.13) bzw. (4.14).
[Bearbeiten] Beweis:
Unter Verwendung der Notation V = P und von Satz 4.1 mit Φ(d) + Φ( − d) = 1 für alle
ergibt sich
-
- P(S,t) = C(S,t) − S + Ke − r(T − t) = S(Φ(d1) − 1) − Ke − r(T − t)(Φ(d2) − 1) = Ke − r(T − t)Φ( − d2) − SΦ( − d1).
q.e.d.
% Berechnung einer europaeischen Call-Option function result = call(S,t,K,r,sigma,T) d1 = (log(S/K)+(r+0.5*sigma^2)*(T−t))/(sigma*sqrt(T−t)); d2 = d1 − sigma*sqrt(T−t); n1 = 0.5*(1+erf (d1/sqrt(2))); n2 = 0.5*(1+erf (d2/sqrt(2))); result = S*n1 − K*exp(r*(t−T))*n2;
Die numerische Auswertung der Black-Scholes-Formeln erfordert die Berechnung der Werte der Verteilungsfunktion Φ(x). Wegen
und
ist dies äquivalent zur Aufgabe, das Gaußsche Fehlerintegral
zu berechnen. Diese Funktion ist tabelliert und auch in Matlab (oder in anderen Systemen) implementiert. Die Abbildungen sind mittels der Fehlerfunktion ’erf’ und den folgenden Matlab-Programmen erzeugt worden.
% Auswertung der Black-Scholes-Formeln
% Initialisierung
K = 100; T = 1; r = 0.1; sigma = 0.4;
compute_call = 1;
% compute ’Call’, if compute_call = 1, else ’Put’
t = 0;
hold on, box on
% Berechnung der Optionspreise mittels der Black-Scholes-Formel
for t=0:0.2:1
for S=1:1:200 10
C(S) = call(S,t,K,r,sigma,T);
P(S) = put (S,t,K,r,sigma,T);
end
if compute call
figure(1)
plot(C)
axis([0 200 0 120])
title(’European Call’,’FontSize’,15)
xlabel(’Basiswert’), ylabel(’Optionswert’)
text(110,50,[’t=0’],’FontSize’,12), text(130,20,[’t=1’],’FontSize’,12) 20
else
figure(2)
plot(P)
axis([0 200 0 100])
title(’European Put’,’FontSize’,15)
xlabel(’Basiswert’), ylabel(’Optionswert’)
text(40,30,[’t=0’],’FontSize’,12), text(50,70,[’t=1’],’FontSize’,12)
end
end
% Berechnung einer europaeischen Put-Option function result = put(S,t,K,r,sigma,T) d1 = (log(S/K)+(r+0.5*sigma^2)*(T−t))/(sigma*sqrt(T−t)); d2 = d1 − sigma*sqrt(T−t); n1 = 0.5*(1+erf (−d1/sqrt(2))); n2 = 0.5*(1+erf (−d2/sqrt(2))); result = K*exp(−r*(T−t))*n2 − S*n1;
[Bearbeiten] 4.2 Numerische Auswertung der Black-Scholes-Formeln
Um die Formeln (4.12) und (4.19) auszuwerten, muss die Verteilungsfunktion

berechnet werden. Wir geben im folgenden zwei Methoden an, um dies effizient zu tun. Wegen

genügt es, das Fehlerintegral

für beliebige
zu berechnen. Hierzu gibt es
- spezielle Approximationsformeln, die es erlauben, die Funktion erf mit hoher Genauigkeit zu berechnen. Diese Formeln sind recht aufwändig und in der Auswertung langsam (man vgl. etwa die Implementierung in Matlab);
- rationale Bestapproximationen, die zwar nur eine geringe Genauigkeit liefern (ca. 4 Dezimalstellen), dafür aber leicht implementierbar sind;
- den kubischen Interpolationsansatz, der auf einer Tabelle von wenigen hochgenauen erf-Auswertungen beruht.
Zur rationalen Bestapproximation: Es wird das asymptotische Verhalten der Fehlerfunktion für
im Ansatz verwendet:


Hier ist
die erste Ableitung der Fehlerfunktion, die sich übrigens explizit berechnen lässt:

Wir suchen nun eine Funktion erf * mit der Eigenschaft, dass
ein Polynom in der Variablen η = 1 / (1 + px) mit noch zu bestimmendem
ist, wobei dieser Quotient Für
(d. h.
) verschwinden soll:

Approximieren wir bis zur dritten Potenz in \eta und machen wir den Ansatz

so können die freien Parameter p,αk,k = 1,2,3, so gewählt werden, dass der maximale Fehler

für vorgegebenes
minimiert wird.
Einen historischen Lösungsvorschlag liefert Hastings [6]. Die Approximationsformeln werden iterativ durch sog. ”Best-Fits” verbessert:
- (1) Wähle Stützstellen x0 < x1 < x2 < x3 und löse damit das nichtlineare Gleichungssystem
für k = 0,1,2,3.- Dies liefert die Parameter p,α1,α2,α3.
- (2) Plotte die Fehlerkurve
zu den berechneten Parametern p,α1,α2,α3. Daraus erkennt man Fehlermaxima in
.
- (3) Man verteile die Fehler gewichtet auf vier der Extrema:

- (4) Man löse das Ausgleichsproblem

- Das ergibt neue Werte p,α1,α2,α3. Damit kann ein weiterer Iterationsschritt ab Punkt (2) angefügt werden, um die Formel weiter zu verbessern.
Nach Hastings ergeben sich folgende Werte:
- p = 0.47047,
- α1 = 0.3088723233811960,
- α2 = − 0.08605310845200509,
- α3 = 0.6634219859238490.
Als Matlab-Funktion kann man erf * folgendermaßen definieren:
% Berechnung der Fehlerfunktion mit ’BestFit’ nach Hastings function result = erf1(x) eta = 1/(1 + 0.47047*abs(x)); result = sign(x)*(1 − (((0.663422*eta−0.0860531)*eta ... + 0.308872)*eta)*1.128379*exp(−abs(x)^2)); return
Kubischer Interpolationsansatz: Die Idee des Ansatzes besteht darin, eine Approximation erf * * durch Interpolation aus (sehr genau bekannten) Werten an einigen Stützstellen zu bestimmen. Die Vorgehensweise ist folgende:
- (1) Vorgabe einer Fehlergröße
für die Approximation.
- (2) Bestimmung einer Stützstelle xmax mit der Eigenschaft, dass
für alle
gilt. Diese Wahl ist immer möglich, da
monoton wachsend und
ist.
- (3) Berechnung der Stützwerte an den Stellen
:

- Durch Symmetriebetrachtungen folgt übrigens
und
.
- (4) Abspeichern der dividierten Differenzen (siehe Numerik I):
![e[x_k] := e_k, \quad e[x_k, \ldots, e_m] := \frac{e[x_{k+1}, \ldots, e_m] - e[x_k, \ldots, e_{m-1}]}{x_{k-m} - x_k}](http://upload.wikimedia.org/math/1/d/1/1d1a1436ee1106f44d766c1a5a7bd99b.png)
- und Berechnung des gesuchten Näherungswertes
über Steigungsspiegel und Horner-Schema. - Für x > xmax setzt man
und im Falle negativer Argumente benutzt an
.
- (5) Den Fehler kann man abschätzen über
![\operatorname{erf}\, (x) - \operatorname{erf}^{**}(x) = \omega_4 \frac{\operatorname{erf}^{(n+1)}(\xi)}{(n + 1)!}, \quad \xi \in [x_1, \ldots, x_n].](http://upload.wikimedia.org/math/f/9/e/f9e9ce87c83357660606096bc8a85a51.png)
- Hier bezeichnen
jeweils die Basis-Polynome,
die (n + 1)-te Ableitung der Fehlerfunktion an der Stelle ξ.
[Bearbeiten] 4.3 Kennzahlen und Volatilität
Um Optionsscheine untereinander vergleichen zu können, werden sog. statische und dynamische Kennzahlen verwendet. Statische Kennzahlen ermöglichen eine qualitative Beurteilung der Preise zu einem bestimmten Zeitpunkt. Ihre Aussagekraft ist begrenzt.
Dynamische Kennzahlen erlauben eine zeitpunkt-bezogene Abschätzung von Preisentwicklungen von Optionen. Sie heißen auch ’Greeks’, da sie mit griechischen Buchstaben definiert werden.
[Bearbeiten] Definition 4.1
- Sei V eine Call- oder eine Put-Option. Wir definieren
- Delta:
, - Gamma:
, - Vega (Kappa):
, - Theta:
, - Rho:
.
- Delta:
Ist der Optionspreis durch die Black-Scholes-Formeln (4.12) bzw. (4.19) gegeben, können wir die partiellen Ableitungen entsprechend der Definition explizit ausrechnen.
[Bearbeiten] Proposition 4.1
- Sei der Preis einer europäischen Call-Option durch (4.12) gegeben. Dann gilt:



- wobei S = St und
gilt.
[Bearbeiten] Beweis:
Übungsaufgabe. Man beginne mit SΦ'(d1) = Ke − r(T − t)Φ'(d2).
[Bearbeiten] Folgerung 4.1
- Zwischen den Kennzahlen Δ,Γ und θ besteht folgender Zusammenhang:

[Bearbeiten] Beweis:
Die Behauptung folgt unmittelbar aus der Black-Scholes-Gleichung (4.8) und aus der Definition 4.1.
Weitere Bemerkungen zu Greeks: (d.h. zu Kennzahlen von Optionen)
Vorzeichen:


V: Optionspreis, S: Preis des Underlyings
Basispreis steigt um 1,–€, Optionspreis steigt um Δ €

V: Optionspreis, t: Restlaufzeit
Restlaufzeitverkürzung um 1 Tag, Optionspreisänderung um Θ / 360 €

V: Optionspreis, σ: Volatilität
Volatilität steigt um 1 Prozentpunkt, Optionspreis steigt um Vega Prozentpunkte

V: Optionspreis, r: (risikoloser) Zinssatz
Zur Bestimmung der Optionsprämie eines Calls muss die Volatilität σ bekannt sein. Nun gibt σ die durchschnittlichen Kursschwankungen des Basiswertes an, die nur für die Vergangenheit vorliegen. In die Black-Scholes-Gleichung müssen jedoch die Werte der Volatilität für zukünftige Zeiten
eingesetzt werden. Um möglichst präzise Werte für die Optionspreise zu erhalten, ist eine gute Schätzung der Volatilität notwendig.
Folgende zwei Ansätze werden benutzt:
Historische Volatilität: Die historische Volatilität σhist ist durch die Kurswerte des Basiswertes aus der Vergangenheit gegeben. Mathematisch gesehen ist σhist die annullierte Standardabweichung der logarithmischen Kursänderungen. Seien die Kurse
eines Basiswertes gegeben und definiere

Dann ist die historische Volatilität definiert durch

wobei N die durchschnittliche Anzahl der Börsentage ist. Diese Definition ist nicht eindeutig. Man kann z. B. Kurswerte aus der jüngeren Vergangenheit stärker wichten als ältere Werte. Nimmt man an, dass sich die Kursschwankungen des Basiswertes in der Zukunft ähnlich verhalten wie in der Vergangenheit, so ist die Wahl σ = σhiste in der Black-Scholes-Gleichung ein möglicher Ansatz.
Implizite Volatilität: Ist der Optionspreis VC,0 zur Zeit t < T bekannt, so kann die Volatilität σimpl aus der Black-Scholes-Formel berechnet werden, sofern die anderen Parameter bekannt sind. Die so bestimmte Volatilität wird implizite Volatilität genannt.
Es bleibt zu klären, ob diese Berechnung ein eindeutiges Ergebnis liefert. Die Black-Scholes-Formel (4.12) für Call-Optionen zeigt, dass die Parameter d1 / 2 von σ abhängen, d. h. d1 / 2 = d1 / 2(σ) und
Wir suchen σimpl > 0, so dass VC(σimpl) = VC,0 erfüllt ist.
Dieses Problem hat eine eindeutige Lösung, da
stets positiv, d. h.
streng monoton wachsend ist. Die so erhaltene Volatilität σimpl kann als Orientierung zukünftiger Werte von \sigma verwendet werden.
Das Problem VC(σ) = VC,0 kann mit dem Newton-Verfahren gelöst werden. Man findet die (eindeutig bestimmte) Nullstelle der Funktion f(σ): = VC(σ) − VC,0 durch Iteration; die Folge σk konvergiert gegen σimpl für
.
[Bearbeiten] Beispiel:
Wir betrachten eine europäische Call-Option auf den DAX-Index mit
Es gelte S = 3607.1 zur Zeit t = 0 (DAX-Index am 01.09.2003). Wir nehmen an, dass r = 0.025 an diesem Tag galt (Tageszinssatz am 01.11.03 ist 2.5 %). Wir erhalten mit Hilfe des folgenden Matlab-Programms die Werte
C = 146.555948, sigma = 0.242140 C = 106.425553, sigma = 0.241518 C = 106.000076, sigma = 0.241518 C = 106.000000, sigma = 0.241518
Die implizite Volatilität beträgt σimpl = 0.2415.
% Berechnung der impliziten Volatilitaet mit dem Newton-Verfahren S = 3607.71; t = 0; r = 0.025; T = 3/12; K = 3800; C = 106; sigma = 0; sigma0 = 0.3; error = 1e−8; while abs(sigma0 − sigma) > error sigma = sigma0; C0 = call(S,t,K,r,sigma,T); d1 = (log(S/K)+(r+0.5*sigma^2)*(T−t))/(sigma*sqrt(T−t)); kappa = S*sqrt(T)*exp(−d1^2/2)/sqrt(2*pi); sigma0 = sigma − (C0 − C)/kappa; fprintf(’C = %f, sigma = %f\n’, C0, sigma0); end
[Bearbeiten] Beispiel:
Wir wollen noch die implizite Volatilität für andere Calls auf den DAX-Index bestimmen, die Optionsprämien, Verfallsdaten und berechneten impliziten Volatilitäten sind unten angegeben. Die Werte gelten für den 01.09.2003, der DAX-Index zeichnete an diesem Tag mit 3607.71.

Die implizite Volatilität ist vom Ausübungspreis abhängig. Das deutet an, dass die Black-Scholes-Formel nicht perfekt modelliert. Zahlreiche Forschungsarbeiten beschäftigen sich derzeit mit Modellverbesserungen.
[Bearbeiten] Literatur
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[5] Günther, M., Jüngel, A.: Finanzderivate mit MATLAB. Vieweg & Sohn, Wiesbaden 2003. ISBN 3528032049
[6] Hastings, C.: Approximations for Digital Computers. Princeton University Press, Princeton 1955. ISBN 0691079145
[7] Higham, D.: An algorithmic introduction to the numerical solution of stochastic differential equations. SIAM Review 43 (2001), 525-546.
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[13] Kwok: Mathematical Models of Financial Derivatives. Springer, Singapur, 1998. ISBN 3540422889
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