"Interview II"

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Proband 2:


In welcher Branche bist Du tätig?

Also gelernt habe ich Hebamme als Ausbildung und habe auch ein paar Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Im Moment arbeite ich aber als Geschäftsleitung in einem Weltladen mit 40 Ehrenamtlichen - ein Geschäft für den fairen Handel.


Seit wann bist Du dort beschäftigt?

Seit 2001


Weißt Du was die EU-Freizügigkeits-Regelung ist?

Nein


[..Ich erkläre ihr alles..]

hm.


Und was denkst Du jetzt so, wenn Du das hörst?

(Seufzt). Also ich finde es eigentlich schon gut, weil es viele Branchen gibt bei uns, die einfach wirklich nicht von Leuten, also von uns Deutschen gemacht werden. Das Problem ist natürluch auch, dass es sein kann kann, dass dadurch der Mindestlohn nicht auf ein bestimmtes Niveau angehoben wird, weil es ja dann immer auch Leute gibt die zu einem sehr niedrigem Lohn auch arbeiten und wenn man dann immer jemand findet, dann ist auch der Druck nicht da, dass man da wirklich den Stundenlohn auch angleicht. Von daher find ich es schon einerseits schwierig, anderseits natürlich für die Infrastruktur für uns auch wichtig, dass diese Berufsfelder, die von uns Deutschen nicht gern getan werden, schon ausgefüllt werden. Ich kann da jetzt nicht worklich sagen, was ich besser finde. Schwierig ja.


Ok, hast Du denn Befürchtungen, dass eventuell Menschen aus ihren Berufen entlassen werden könnten, wenn da jemand anderes kommt, der für die gleiche Arbeit weniger Geld nimmt.

Ähm, ne ich glaube eigentlich nicht wirklich. Ich glaube das ist schon so, wenn jemand schon mal eine Stelle hat und darin auch nicht schlecht ist und seine Stelle gut ausfüllt, dass man da nicht unbedingt die rausschmeißt und da jemand billigeren holt. Also das glaube ich jetzt nicht. Wenn Stellen getrichen werden, glaube ich nicht, dass diese Stellen dann mit weniger gehalt eingeführt werden... Ich glaube eben, dass diese Besetzung mit Osteuropäischen Kräften nur die Bereiche betrifft, die schwer zu besetzen sind.. weil der Lohn einfach von vornerein schon so niedrig ist, dass man bei uns vielleicht sagt, mit diesem Lohn kann ich keine Familie ernähren.


Ok. Wenn nun also ein Arbeiter aus Osteuropa hier ist treffen da ja beide Kulturen aufeinander. Denkst Du, dass dort eventuell Schwierigkeiten entstehen können zum Beispiel beim Thema Sprache oder Religion?

Also ich glaube solange es Europa ist, geht es einigermaßen. Gerade was die Religion angeht, da gibt es jetzt ja innerhalb Europas nicht allzugroße Unterschiede. Da glaube ich jetzt auch nicht, dass die kulturellen Unterschiede so groß sind. Die sprachlichen Probleme, das ist sicher schwierig, also ich weiß zumindest von einem Fall, da erzählte mir eine Kollegin dass ihre Mutter jetzt im Altersheim wäre und da kam dann eben jemanc aus glaube ich Kroatien die kein Wort Deutsch konnte und die dann halt mit den Alten auch gar nicht reden konnte. Und das denke ich ist schon schwierig. Also man müsste paralell dazu dann einfach es zur Pflicht machen, dass die einen gewisses Sprachschatz mitbringen oder sich den dann anzueignen bzw. das dann paralell sich aneignen. Weil es einfach in verschiedenen Bereichen schwierig ist, nicht kommunizieren zu können.


Ok, also generell siehst Du das aber nicht als Gefahr oder Gefährdung gerade auch im Bezug auf andere Kulturen?

Nein nein, also ich finde es auch interessant, wenn verschiedene Kulturen zusammen kommen, ich meine es ist immer interessant, wenn Kulturen zusammen kommen. Von daher.. es ist ja bei uns auch nicht so dass wir eine rein deutsche Kultur haben, also das vermischt sich ja in jedem Falle. Es geht los beim Döner und allem Mögliche. Also es ist einfach nicht so, dass wir eine rein Deutsche Kultur haben. Die gibt es so nicht.


Ja ok. Also meine Hypothese ist ja, dass die Deutschen nicht so einverstanden sind, mit der Grenzöffnung für Osteuropäische Arbeitskräfte... Wie denkst Du darüber?

Ja die Deutschen an sich sind da sicher nicht zufrieden. Ich glaube schon, dass es da viele Leute gibt die sagen, die nehmen hier die Arbeitsplätze weg, das ist aber so ein bestimmtes Klientel, also ich habe auch mal in der Wirtschaft gearbeitet und habe da dann Sonntags bedient und die Leute am Stammtisch, das ist klar, da wird sich gegenseitig hochgeschaukelt.. man fährt zwar ein teures Auto aber sagt, die Anderen nehmen uns das Geschägt weg. Ähm, was ich nicht glaube dass es stimmt, weil ich nicht glaube, dass die die da schimpfen dieses Geschäft machen würden. Das ist ja nicht so. Das ist einfach nur diese Angst man kommt zu kurz. Aber Tatsache ist, dass es uns in Deutschland so gut geht wie selten in einem Land. Es ist eine Angst und ein Jammern auf einem sehr hohen Niveau. Also wenn man mal in einem anderen Land war dann weiß man, die Leute sind glücklich mit einem blöden Gehalt, mit wenig Essen, und wir haben eine so gute Situation in der wir leben, rechtlich, wirtschaftlich und überhaupt und jammern furchtbar dass alle anderen Schuld sind.. und das kann ich so nicht sehen, das stimmt so einfach nicht.


OK (Ich zeige ihr die verschiedenen "Veränderungstypen kultureller Identität"). Von den Leuten die Du so kennst, was würdest Du sagen was für "Typen" kann man sie zuordnen?

Hm das kann man ja jetzt nicht so generell sagen, aber diejenigen die ich kenne, geben sich schon große Mühe sich hier zu integrieren und auch ihren Teil dazu beizutragen. Klar gibt es immer auch Ausnahmen, aber generell würde ich schon sagen, dass sie vielleicht am Anfang eher dem Grenztyp zuzuordnen sind, aber je länger sie hier sind, desto mehr.. ja Werte und Gewohnheiten nehmen sie dann auch von unserer Kultur an und sind dann eher der Sythesetyp.


Ok, dann vielen Dank!!