"Interview III"

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Proband 3:


In welcher Branche bist Du tätig?

Beruflich bin ich Haustechniker beim Verein Lebenshilfe in Esslingen. Mein Job ist, mich um alles zu kümmern was anfällt.


Seit wann bist Du dort beschäftigt?

Seit 3 Jahren jetzt. Davor war ich ein paar Jahre nebenher dort beschäftigt.


Weißt Du was die EU-Freizügigkeits-Regelung ist?

Ja ich habe davon gehört, durch die Medien, das Fernsehen. Ich schaue immer Nachrichten.


Wie denkst Du darüber?

Hm, die Regelung, dass jeder Arbeiter aus dem Osten frei bei uns arbeiten darf – es ist .. nicht einfach. Das wird schon Arbeitsplätze nehmen und viele Leute werden schauen, dass man auch billigere Kräfte nimmt für viele Arbeiten. Die Konkurrenz wird ganz groß sein. Also ich schaue da selber drauf, man schaut natürlich auf die Qualität, aber eben auch auf den Preis. Und man tendiert natürlich immer zum günstigeren.


Ok, also denkst Du auch, dass jemand, der jetzt schon einen Job hat ersetzt werden könnte durch jemand, der die gleiche Arbeit für weniger Geld macht?

Es wird passieren, bestimmt. Und es ist auch schon oft passiert hier in Deutschland. Die Konkurrenz ist zu groß und wenn man jemand für 20 Euro die Stunde nicht bezahlen kann, dann muss man einfach jemand nehmen, der für 10 Euro das macht.


Das ist dann ja auch mit Lohnsenkung verbunden, oder?

Auf jeden Fall. Weil wenn jemand aus dem Osten kommt, und er hat dort einen Stundenlohn von 2 Euro, und hier kriegt er 5 oder 7 Euro, dann ist er froh und jeder verdient daran. Und das bedeutet dann ganz klar eine Senkung der Löhne in Deutschland.


Was denkst Du wie die Stimmung in Deutschland zu diesem Thema ist?

Also viele Leute sind da ja gar nicht von betroffen, nur Handwerker und eben die Leute aus den Branchen in denen es an Fachkräften mangelt. Beim Daimler z.B. habe ich jetzt mitgekriegt, fehlen jetzt schon Fachleute.


Ok, also wenn dann jetzt jemand aus dem Osten kommt, treffen ja die beiden Kulturen aufeinander. Denkst Du, dass es da zu Problemen kommt, also kulturell?

Ne also wenn, dann sprachliche. Aber die Leute aus Polen sind ja teilweise schon seit 40 Jahren hier. Das ist ja auch nichts neues. Ja, also das einzige was ich mir vorstellen kann sind Spachrobleme, weil man will ja auch niemand einstellen, der die Sprache nicht kann.


OK, also meine Hypothese ist ja, dass die Mehrzahl der deutschen Bevölkerung nicht mit der Grenzöffnung einverstanden ist. Würdest Du das bestätigen oder verneinen?

Ich sehe das schon skeptisch. Ich würde es nicht öffnen. Man muss sich darüber gedanken machen, was danach mit den Menschen passiert. Angenommen jemand arbeitet hier, sagen wir für 7 Euro und er arbeitet für 6-12 Monate und dann ist er plötzlich arbeitslos. Was passiert dann? Kriegt er dann eine Stütze hier oder nicht? Fällt er dem Staat zur Last oder was passiert mit dem? Möglicherweise kommen viele mit der Hoffnung, später vom Staat unterstützt zu werden und am Ende zahlt dann wieder der Steuerzahler. Ich denke, wenn er normal bezahlt wird, wie jeder andere, dann ist es keine Konkurrenz, sondern ein Mitbewerber, aber für weniger, und die arbeiten für weniger, dann ist es schon problematisch. Und wenn jemand aus dem Ausland kommt, dann sollte er schon eine Fachausbildung mitbringen, denn uns fehlen Fachkräfte. Außerdem muss man beachten, dass durch die Grenzöffnung viel Raum für illegale Einwanderer gegeben wird. Und die werden hier ganz schön ausgebeutet, die können sich ja nicht wehren weil sie hier nicht sein dürfen. Das ist schon schlimm..


Ok.(Ich zeige ihm die verschiedenen "Veränderungstypen kultureller Identität"). Von den Leuten die Du so kennst, was würdest Du sagen was für "Typen" kann man sie zuordnen?

Ja das ist jetzt schwer. Ich kenne einige Leute aus Osteuropa und ich finde schon, dass die sich gut angepasst haben. Weil wenn man hier ist, muss man sich anpassen. Sonst geht es nicht. Aber wenn es dann weiter geht, so richtung Türkei, da wird es schon schwieriger. Die haben einfach eine komplett andere Kultur als wir in Europa.


Ok, Dankeschön!