Benutzer:Falko Wilms/Bildung

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Meine Gedaken zur Bildung[Bearbeiten]

Die Bildung eines Menschen verlangt immer einen Blick auf einen Sinnzusammenhang, der mit ca. dreitausend Jahren europäischer Geschichte als zusammenhängender Denk- und Anschauungsraum gefüllt ist und maßgeblich von Christentum und Humanismus geprägt wurde.

Neben den Grundpfeilern einer christlichen Lebens- und Weltdeutung geht es bei Bildung um ein Verständnis der europäischen Traditionslinien von der griechischen polis mit ihren Gedanken über Demokratie hin zur römischen res publica mit ihren Gedanken über Staat und Bürger bis zum heutigen Europa als staatlich-politisches Gebilde, das nicht vom Himmel gefallen ist.

Bei Bildung geht es somit um das (oft mühevolle) Aneignen von Werten, Normen, Idealen und grundlegenden Ansichten, die jedem praktischen Erleben vorausgehen und nicht aus der aktuellen Realität abzuleiten sind und als Hintergrund des Verstehens einzelner Objekte, Sachverhalte oder Gedankengänge wirksam sind.

Meine Arbeitsdefinition von Bildung lautet daher:

Bildung meint ein reflektiertes (also durch eingeübtes Nachdenken selbst angeeignetes) Verhältnis

  • zu sich selbst (Selbstbild),
  • zu den Menschen (Menschenbild) und
  • zur Umwelt (Weltbild).


Eine so verstandene Bildung ...

  • ... dient der Persönlichkeitsentfaltung in geistiger, sozialer, kultureller und lebenspraktischer Hinsicht.
  • ... wird beobachtbar durch kontemplatives Verhalten, durch konzentriertes Zuhören, durch aufmerksames Betrachten und durch eine zurückhaltende Gelassenheit gegenüber den Menschen und Dingen in der Welt
  • ... geht einher mit einer reflexiven, kritischen Distanz gegenüber verfügbaren Informationen und Informationsquellen
  • ... ermöglicht eine vertiefte geistige Durchdringung konkreter und abstrakter, materieller und immaterieller, komplexer und komplizierter Sachzusammenhänge sowie ihre präzise, nuancenreiche Ausformulierung
  • ... ist Voraussetzung für eine eigenes, sachlich begründetes Handlungs- und Urteilsvermögens.
  • ... benötigt auch (formale) Wissensbestände, insbesondere in Philosophie (Deutung der Welt), Kunst (Malerei/Skulptur/Musik/Literatur/Tanz), Geschichte (Entwicklung der staatspolitischen Ideen), Politik (Staatsaufbau und Gestaltungsfreiheiten), Mathematik (insb. Statistik und Wahrscheinlichkeiten)
  • ... führt zu einer deutlichen Erweiterung der eigenen Handlungsfähigkeit vor dem Hintergrund von eigenen Interessen, Emotionen, Erwartungen, Wünschen und Zielen in den verschiedensten Situationen und Kontexten.

Die selbst- und fremdgesteuerte Aneignung bestimmter Kompetenzen sind einer so verstandenen Bildung förderlich, können sie allerdgins keinesfalls ersetzten.


Weiterführende Literatur:

  • Fuhrmann, M.: Der europäische Bildungskanon, Frankfurt a. M./Leipzig 2004
  • Schwanitz, D.: Bildung – Alles, was man wissen muss, 12. Aufl., München 2002
  • Schulz, M.: Integrative Bildung. Chancen und Grenzen, Neuwied 1996