Benutzer:Martina Antolic/Arbeitsseite Sommeruni 2017

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Kulturauftrag und Kulturvermittlung des Heimatwerks in Kärnten

Kärntner Frauentracht

Für die Vermittlung und Bewahrung der Kultur einer bestimmten Region oder Gesellschaft sehen viele die Tracht als unabdingbar. In Kärnten ist sich dessen besonders das Kärntner Heimatwerk bewusst, welches Tracht als Kunsthandwerk [1] betrachtet und es sich zur Aufgabe macht, diese kulturell prägende Besonderheit von Generation zu Generationen weiter zu überliefern. Traditionelle Kärntner Trachten werden im modernen Sinn, entsprechend den seit Jahrzehnten festgelegten Kriterien erweitert, um sich auch weiterhin bei der jungen Generation an großer Beliebtheit zu erfreuen.

Tracht in Kärnten[Bearbeiten]

Die Kärntner Tracht ist ein vielfältiger Teil der Kärntner Kultur und kann als eine historisch entwickelte Gemeinschaftskleidung betrachtet werden. Während Leinen, Loden und Leder früher als Material für die Arbeitskleidung dienten, wurden Seide, Brokat, Samt und Wollstoffe für festliche Anlässe verwendet [2]. Ältere Ausführungen der Kärntner Tracht sind gekennzeichnet durch lange oder kurze, äußerst faltige Röcke der Frauen. Charakteristisch waren blaue Leinen- und schwarze Seidenschürzen, sowie geblumte, gestreifte oder karierte Leibkittel.

Schlichte Arbeitsdirndl, die um das 17. Jahrhundert entstanden, finden sich noch heutzutage in den „Sommerdirndln“ aus den unterschiedlichen Kärntner Tälern. Die festlichere Tracht für beide Geschlechter stammt zum Großteil aus der Biedermeierzeit von 1815 bis 1848.

Um die Jahrhundertwende gab es in Kärnten ein großes Trachtensterben, dessen Auslöser die Mode der urbanen Bevölkerung war. In Folge des 1870/80 beginnenden Eisenbahnbaues und der einhergehenden „Sommerfrische“, verdrängte die Modekleidung die ursprünglich keltisch geprägte provinzielle Trachtenkleidung. Nur Trachten, die an das Brauchtum gebunden wurden auch in der dunkelsten Zeit der Trachtengeschichte Kärntens getragen. So zum Beispiel die Rosentaler Festtracht im Bezug auf das Hochzeitsbrauchtum, die Lesachtaler Tracht zum Besuch der Kirche oder die Untergailtaler Untergailtaler Tracht, die bis heute an den Brauch des Kufenstechens gebunden ist.

Im Laufe der Zeit haben die Menschen, das Land und die Zeit die Kärntner Tracht geprägt und erweitert, woraufhin sie zu dem wurde, was sie heute ist.

Bedeutung und Identifikation durch Tracht[Bearbeiten]

In Kärnten sehen viele Menschen das Tragen mancher Arten von Tracht nicht nur als Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kultur, sondern auch als Zustimmung zu einer bestimmten politischen Ideologie. Zugehörige der Minderheit der Kärntner Slowenen, die im Südosten Kärntens lebt, tragen in der Öffentlichkeit wohl eher keinen Kärntner Anzug oder kein Dirndl, da dies sehr mit der ÖVP oder der FPÖ und mit dem Stolz „ein Kärntner/ eine Kärntnerin“ zu sein bzw. mit dem ehemaligen Landeshauptmann Kärntens Jörg Haider, assoziiert wird.

Traditionelle Kärntner Tracht[Bearbeiten]

Zur traditionellen beziehungsweise originalen Kärntner Tracht gehören laut dem Heimatwerk die Drauhofener Tracht, die St. Mareiner Tracht und die Saualm Tracht.

Drauhofener Tracht

Die Drauhofener Tracht ist eine Schnürtracht, bei der der Rock und das Oberteil aus demselben Wollstoff sind. Die Schürze und Borte [3] sind dagegen kontrastfarbig auszusuchen. Der Rückenabschnitt besteht aus einer V-Form mit drei 15mm breiten Samtbändern. Ebenso hat der Latz eine V-Form und ist mit einer Borte eingefasst. Darunter ist ein Samtband verarbeitet und eine Goldborte blitzt nur leicht heraus. Eine gestickte Ähre in Gold, links und rechts, ist ein besonderes Detail dieser Tracht. Der Latz verweist symbolisch auf die Landwirtschaft und drückt die Verbundenheit zu Grund und Boden aus. Die seidene Schürze wird passend zum Stoff angeboten. Die Samt- und Schnürbänder sind immer in der gleichen Farbe. Die Puffarm-Bluse schließt mit dem Ende an den Ärmeln mit Spitze ab. Wie es bei Schnürtrachten üblich ist, hat die Bluse auch am Halsabschnitt einen Spitzenabschluss.

St. Mareiner Tracht

Die St. Mareiner Tracht gehört zu den schönsten Kärntner Trachten. Das Leibl mit dem typischen Lavanttaler Ausschnitt, bestehend aus Seide, ist an keine Farbe gebunden. Das 9mm breite Samtband am Ausschnitt, verbunden mit einem aufwendigen Goldstick, wertet die Tracht zusätzlich auf. Der Rückenteil ist zweigeteilt. Der Rock wird aus schwarzem Wollstoff gefertigt, wozu die Seidenschürze farblich dazu abgestimmt wird. Auch zu dieser Tracht wird eine ¾ lange Puffarm-Bluse oder eine Schiebearmbluse getragen.

Saualm Tracht

Grundlage für die Saualmtracht war die Lavanttaler und die Jauntaler Sonntagstracht. Der Leib ist aus gemusterter Seide angefertigt, die in allen Farben variieren kann. Spuren der typischen Lavanttaler Tracht erkennt man am flachen, herzförmigen der mit kleinen Plisseefalten und einem doppelten Samtband verziert ist. Ein feiner, gold-silberner Hexenstich [4] zwischen den Samtbändern steigert zusätzlich die Besonderheit dieser Tracht. Die Bluse ist eine gängige Puffarm- oder Schiebearmbluse mit einem Stick der farblich zum Leib dazu passt. Der Rock besteht aus schwarzem Wollsatin und die Seidenschürze wird ebenfalls auf die Farbe des Oberteils abgestimmt. Weiße Stutzen und schwarze Schnallenschuhe sollten, um ein insgesamt, rundes Bild zu ergeben, beim Tragen der Tracht nicht fehlen.

Zeitgenössische Kärntner Tracht[Bearbeiten]

Kärntner Anzug - siehe den Wikipedia-Eintrag zu Kärntner Anzug

Kärntner Dirndl

Ein allgemeingültiges Dirndl für das Bundesland Kärnten gibt es in Wahrheit ebenso wenig wie für die meisten anderen Bundesländer. Nur in Niederösterreich und Tirol gibt es neben den regionalen Trachten ein offizielles Bundesland-Dirndl. In Kärnten existiert jedoch ein Dirndl welches im ganzen Land getragen wird und fälschlicherweise alltagssprachlich oft als „Kärntner-Dirndl“ bezeichnet wird, das Resch-Dirndl. Es ist nach dem Bildhauer und Maler Leopold Resch benannt, der es zu Beginn des 20. Jahrhunderts entworfen hat. Er war einer der bedeutendsten Trachten- und Brauchtumsmaler Kärntens [5]. Als Vorlage für den Entwurf des Dirndls dienten Resch die Kanaltaler und die Gailtaler Tracht. Der Leib und Rock sind aus dunkelblauem Baumwollstoff mit kleinen, weißen Punkten gefertigt. Das Oberteil hat keine Rückenteilung, aber eine Paspelierung. Zum Dirndl wird eine weiße Schürze mit roten oder blauen Blumenkranken getragen. Zu festlichen Anlässen kann jedoch auch eine schwarze Seidenschürze dazu kombiniert werden

Längsee Tracht

Die Zusammenstellung der Farben ist bei dieser Tracht vorgegeben. Das Leibl besteht aus drei unterschiedlichen Stoffen: aus schwarzem Seidenstoff mit weißem Punkt, aus rotem Brokat als Formbesatz des Ausschnitts und unifarbenem Wollstoff für das Armloch und die Knopfleiste. Ein Goldstick ist beim Übergang zum roten Brokat eingearbeitet. Der Knopf ist aus Metall mit einem schwarzen Stein in der Mitte. Das besondere an der Puffarm-Bluse ist der eckige Ausschnitt, welcher charakteristisch für eine Seentracht ist. Die Schürze aus Seide wird in drei verschiedenen Stoffvarianten angeboten.

Villacher Sommerdirndl

Als Basis für dieses Dirndl diente die bereits bestehende Villacher Tracht und es ähnelt dem Resch-Dirndl. Die Entstehung dieses Dirndls resultierte aus der engen Zusammenarbeit mit Frau Edith Pohl, der Obfrau der Villacher Trachtengruppe der Kärntner Landsmannschaft und den Damen ihres Vorstandes. Es hat einen herzförmigen Drautaler Ausschnitt, der mit einer Blende aus dem jeweiligen Rockstoff und einer zarten Litze umrandet wird. Das Oberteil ist immer einfarbig in den Farben weinrot, grün, blau oder rot. Der Rock ist im traditonellen Punktmuster gehalten in der gleichen Farbe wie das Oberteil. Die Puffarm-Bluse beinhaltet einen Bündchen oder Gummizug.

Hemma Tracht

Diese Tracht ist der Heiligen Hemma gewidmet. Auf den Stoff aus Seide ist eine Abbildung des Siegels der Heiligen Hemma eigearbeitet, sowie auch die liegende Acht, die auf ein wundervolles Glasfenster des Gurker Doms verweist. Das Oberteil, bestehend aus Reinseidenjacquard, sieht terra-orange, rot-grüne, violette oder olivgrüne Farbstellungen vor. Der Rückenteil besteht aus einer vierfachen Paspelierung und der Halsausschnitt ist mit einer Samtblende in der Farbe des Oberteils oder in schwarz umrandet. Auf der Vorderseite läuft die Samtblende zu einem Spitz zusammen, was von einem parallel verlaufenden Samtband zusätzlich betont wird. Der Rock besteht aus schwarzem Wollsatin und die Reinseidenschürze passt jeweils zum Oberteil dazu. Die allgemeine Schiebearmbluse ist mit farbig gestickter Smokarbeit verziert. Ein wichtiges Detail der Hemma Tracht ist die Stickerei vorne am Oberteil, welche von der Trachtenträgerin frei wählbar ist. Als Vorlage dafür diente das Reliquiar der Heiligen Hemma in Gurk [6].

Kulturvermittlung durch Tracht[Bearbeiten]

Goldhauben Frauentrachtengruppe

Kärntner Heimatwerk[Bearbeiten]

Seit 1953 besteht das Kärntner Heimatwerk bereits und wurde damals als Dienststelle des Landes Kärnten gegründet. Das Engagement des Hofrats Dr. Franz Koschier führte zu besonderem Erfolg des Heimatwerks: in allen Kärntner Tälern entstanden die Trachtengruppen, die auch fast überall noch heute bestehen. Das Das Kärntner Heimatwerk trug dazu bei, indem es die Trachtengruppen mit wundervollen, originalen Trachten ausstattete. Auch das Trachtenarchiv vom Bundesland Kärnten befindet sich beim Kärntner Heimatwerk. Bis zum Jahr 2006 war das Kärntner Heimatwerk ein gemeinnütziger Verein unter der Leitung des Honorarkonsuls Wolfgang Lattacher.

Im August 2006 wurde der wirtschaftliche Teil des Heimatwerks in die Kärntner Heimatwerk GmbH ausgelagert, dessen Geschäftsführer seither Ewald Opetnik ist [7].

Das Kärntner Heimatwerk macht es sich zur Aufgabe, die originalen Kärntner Trachten und das Kärntner Kunsthandwerk zu pflegen, zu erhalten und schonend zu erneuern beziehungsweise auszuweiten. Außerdem kümmert es sich um die Ausstattung zahlreicher Chöre, Kapellen und Trachtengruppen, sowie auch von einzelnen Individuen. Diese Aufgabe teilt sich die Kärntner Heimatwerk GmbH mit dem gemeinnützigen Verein „Kärntner Heimatwerk – Traditionspflege“.

Die Gründung der ARGE Volkskultur im Jänner 2000 [8] förderte eine intensive Kooperation mit den Verbänden und den Vereinen bei der Durchsetzung der vielseitigen Aufgabenbereiche im Zusammenhang mit der Volkskultur. Dies resultierte zum Beispiel in Trachtenpräsentationen, Trachtennähkursen, Konzerten oder Vorspielstunden der Musikschulen, Lesungen und volkskulturellen Vorträgen wofür das Heimatwerk als Austragungsort diente. Derzeit gibt es zwei Filialen des Heimatwerks, in Klagenfurt, Wolfsberg und in Spittal an der Drau. Die Hamatwerk Trachtenhandel und Manufaktur GmbH in Villach ist ein kongenialer Partner des Kärntner Heimatwerks und orientiert sich zusätzlich zu den Grundsätzen der Erhaltung, Pflege und schonenden Erneuerung der originalen Tracht, auch an der Trachtenbekleidung für Jugendliche, was vor allem erschwinglichere Produkte enthält.

Neben der Tracht, hat das Kärntner Heimatwerk auch noch andere Produkte im Programm welche die Volkskultur vermitteln: Hinterglasbilder, Holzschnitzerei, edles Glas, Kerzen, Räucherwerk und Weihrauch, sowie ebenfalls wertvollen Trachtenschmuck.

Heute sichert das Trachtenarchiv des Kärntner Heimatwerks die Authentizität eines beachtlichen Trachtenbestands.

Kärntner Volkstanz- und Trachtenverband[Bearbeiten]

Der Kärntner Volkstanz- und Trachtenverband ist Vertreter aller Kärntner Volkstanz und Schuhplattlergruppen [9]. Der Landestrachtenverband Kärnten, der Bund der Heimat- und Trachtenvereine Kärnten und die Sektion Volkstanz der Kärntner Landsmannschaft sind in den Verband integriert. Die Arbeit der Jugendlichen in ganz Kärnten wird über die Kärntner Trachtenjugend organisiert, derer auch das Forum für Kindertanz angeschlossen ist. Den Kärntner Volkstanz- und Trachtenverband und die Kärntner Trachtenjugend vertreten österreichweit die Bundesgremien Bund der österreichischen Trachten und Heimatverbände sowie die Österreichische Trachtenjugend. Insgesamt gehören 43 Vereine zum Kärntner Volkstanz- und Trachtenverband, wovon mehr als die Hälfte der Mitglieder unter 30 Jahre alt ist. Die Verbandsarbeit fokussiert sich in erster Linie auf die Tanzleiterausbildung, Volkstanz- und Schuhplattlerseminare, die Trachtenbörse sowie den Kärntner Kathreintanz. Bei volkstümlichen Tanzvorführungen wird in Kärnten immer Tracht getragen. Somit kann auch der Kärntner Volkstanz- und Trachtenverband als zusätzlicher Vermittler der Trachtenkultur in Kärnten, nach dem Heimatwerk, angesehen werden.

Tracht als UNESCO-Kulturerbe[Bearbeiten]

Hat die Kärntner Tracht das Potential auf die Liste des UNESCO Kulturerbes aufgenommen zu werden? Der ÖVP-Kulturlandesrat von Kärnten Christian Benger sagte beim Bildungstag für Vereine am 21. Oktober 2017, es sei in seinem Interesse die Kärntner Trachten als UNESCO Weltkulturerbe zu nominieren. [10]. Als Grund warum, die Kärntner Tracht in die Liste der UNESCO-Kulturerbe aufgenommen werden sollte, nannte er unter anderem, dass durch die Tracht Heimatgefühl und Heimatverbundenheit ausgedrücktwerde ,Abgerufen am 8. Dezember 2017.[11] Das Kranzelreiten im Gurktal wurde 2016 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Die Bleiberger Knappenkultur, die Ferlacher Büchsenmacher, die Heiligenbluter Sternsinger, die Lesachtaler Brotherstellung, die slowenischen Flur- und Hofnamen, das Wissen um die Flößerei auf der Oberen Drau und die Laßnitzer Volksschauspiele zählen bereits zur Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO in Kärnten. Wer weiß, vielleicht wird auch die Kärntner Tracht als Kulturvermittler bald einen Platz auf der Liste einnehmen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Matthias Josef Decrignis: Die Lavantthaler, erhältlich bei der Decrignis Brauchtumsgruppe, in der Kärntner Buchhandlung und im Kärntner Heimatwerk in Wolfsberg, 2015

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kärntner Heimatwerk. Heimatwerk-Kärnten.com, Abgerufen am 8. Dezember 2017
  2. Trachten früher, Volkskultur-kaernten.at, Abgerufen am 8. Dezember 2017
  3. Definition Borte: Duden-Online, Abgerufen am 8. Dezember 2017
  4. Hexenstich, ,Abgerufen am 8. Dezember 2017
  5. Resch-Dirndl, Trachtenbibel.at. Abgerufen am ,Abgerufen am 8. Dezember 2017
  6. [1] Hemma-Festtracht. KleineZeitung, Abgerufen am 8. Dezember 2017
  7. Volkskultur Kärnten Abgerufen am 8. Dezember 2017
  8. Volkskultur Kärnten ,Abgerufen am 8. Dezember 2017
  9. Kärntner Volkstanz- und Trachtenverband, Abgerufen am 8. Dezember 2017
  10. Presseaussendung Kulturlandesrat Benger, Abgerufen am 8. Dezember 2017
  11. Zitat von Christian Benger zu Tracht, Abgerufen am 8. Dezember 2017

Weblinks[Bearbeiten]