Benutzer:Ot/Lernkurse - Theorie

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Bisher geht man auf Wikiversity davon aus, dass Lehrende Kurse erstellen. Dies kann man aber auch umdrehen, so dass Lernende einen Kurs nachfragen. Der Vorteil ist die intrinsische Motivation. Angeregt so etwas hier zu machen wurde ich durch einen Vortrag auf der re:publica von Dörte Giebel: Gute MOOCs – böse MOOCs? Openness als Killerkriterium!. Viele Moocs (w:Massive Open Online Course) sind leider nicht open und enthalten keine oer, so dass dies hier eine radikale Version eines Moocs ist, in der alles offen und frei ist.

Theorie[Bearbeiten]

Ausgangspunkt ist die Kritik am etablieren Schulsystem (siehe w:Kategorie:Schulkritik).

w:Ivan Illich entwickelte daraus ein anderes Lernmodell.

Nach Ivan Illich hat ein gutes Erziehungssystem drei Bestrebungen:

  • freier Zugang zu den Bildungseinrichtungen in jedem Alter
  • jeder darf lehren
  • freie Meinungsäußerung und -diskussion ermöglichen[1].

Ivan Illich glaubte, dass 4 Kanäle oder „learning exchanges“ alle Ressourcen für reales Lernen beinhalten können:

  • Dinge, Information
  • Menschen als Modell für Fähigkeiten und Werte,
  • peers, Kritik
  • Ältere.[2]
  • „The child grows up in a world of things,
  • surrounded by people who serve as models for skills and values.
  • He find peers who challenge him to argue, to compete, to cooperate, and to understand;
  • and, if the child is lucky, he is exposed to confrontation or criticism by an experienced elder who really cares.“[3]

Auf Deutsch etwa:

  • Das Kind wächst in einer Welt der Dinge auf,
  • umgeben von Leuten, die als Beispiel für Fähigkeiten und Werte dienen.
  • Es findet Gefährten, die es zu Argumentation, Wettbewerb, Zusammenarbeit und Verständnis herausfordern;
  • und, wenn das Kind Glück hat, ist es Konfrontation und Kritik von Älteren ausgesetzt, denen es wirklich etwas bedeutet.

Dies sind vier verschiedene Möglichkeiten, die es jedem erlauben, Zugang zu allen möglichen Bildungsressourcen zu erlangen, die es ihm wiederum erlauben, seine Ziele zu definieren und zu erreichen.

Erreicht werden soll dies durch ein Bildungs- bzw. Kommunikationsnetzwerk. Dies kann wie folgt aussehen.[4]

  1. Ein Referenzservice für bildende Objekte, der den Zugang zu Dingen erleichtert, die man für formale Bildung benötigt, also Büchereien, Labore, Veranstaltungsräume mit entsprechenden Medien (Tafel, Video, PC) usw..
  2. Eine Fähigkeitenaustauschliste, die es Personen erlaubt, ihre Fähigkeiten in eine Liste einzutragen. In dieser Liste muss auch die Bedingung stehen, unter der sie gewillt ist, als Modell für andere zur Verfügung zu stehen, und die Adresse, unter der sie zu erreichen ist.
  3. Gleichgesinntentreffen. Ein Kommunikationsnetzwerk, das es Personen erlaubt, die Lernaktivität zu beschreiben, mit der sie in Berührung kommen wollen.
  4. Ein Referenzservice für „educators at large“, aufgelistet mit Adresse, Selbstbeschreibung von Fachleuten, Fachlaien, Journalisten usw., mit den Bedingungen, unter der sie ihren Service anbieten.

Praxis[Bearbeiten]

Hier in der Wikiversity - und noch mehr in der Wikipedia - hat man die Voraussetzungen, die Ivan Illich damals im Sinn hat.

Hier gibt es

  • freien Zugang zu den Bildungseinrichtungen in jedem Alter; hier also zu allem, was man auf den Seiten von Wikimedia findet und im www
  • jeder darf lehren; hier kann jeder jedem helfen zu lernen
  • freie Meinungsäußerung und -diskussion ermöglichen, ist hier möglich

und hier

  1. können wir ein Referenzservice für bildende Objekte, der den Zugang zu Dingen erleichtert, die man für formale Bildung benötigt, mit der Wikisoftware verlinken
  2. können wir eine Fähigkeitenaustauschliste erstellen, die es Personen erlaubt, ihre Fähigkeiten in eine Liste einzutragen.
  3. können wir ein Gleichgesinntentreffen aufbauen. Ein Kommunikationsnetzwerk, das es Personen erlaubt, die Lernaktivität zu beschreiben, mit der sie in Berührung kommen wollen.
  4. können wir Referenzservice für „educators at large“ aufbauen, mit einer Selbstbeschreibung von Fachleuten, Fachlaien, Journalisten usw.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ivan Illich: Deschooling Society (= World Perspectives. Bd. 44, Harper and Row, New York NY 1971.
  • Ivan Illich: The Breakdown of School: A Problem or a Sympton? In: Interchange. Bd. 2, Nr. 4, 1971, S. 1–10
  • Ivan Illich: The Deschooling of Society. In: Bruce Rusk (Hrsg.): Alternatives in Education. The Ontario Institute for Studies in Education Fifth Anniversary Lectures. General Pub. Co., Toronto 1971, ISBN 0-7736-1008-1.
  • Everett Reimer: Schafft die Schule ab! Befreiung aus der Lernmaschine (= rororo. Sachbuch 6795). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1972, ISBN 3-499-16795-6.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Vgl. Ivan Illich: The Deschooling of Society. In: Bruce Rusk (Hrsg.): Alternatives in Education. The Ontario Institute for Studies in Education Fifth Anniversary Lectures. Toronto 1971, S. 106.
  2. Vgl. auch: Everett Reimer: Schafft die Schule ab! Befreiung aus der Lernmaschine (= rororo. Sachbuch 6795). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1972, S. 84–100.
  3. Ivan Illich: The Deschooling of Society. In: Bruce Rusk (Hrsg.): Alternatives in Education. The Ontario Institute for Studies in Education Fifth Anniversary Lectures. Toronto 1971, S. 107.
  4. Vgl. Ivan Illich: The Deschooling of Society. In: Bruce Rusk (Hrsg.): Alternatives in Education. The Ontario Institute for Studies in Education Fifth Anniversary Lectures. Toronto 1971, S. 10 f.