Benutzer:Xenos/Psalm 8

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Kommentierte Rückübersetzung der romanischen Bibelübersetzung von Rudolf Filli und Jachen Ulrich Gaudenz [[1]] ins Deutsche, zugleich eine erneuerte Sicht auf die Luther- und die Zürcher Bibel durch das Rätoromanische als Vertiefungssprache:

Psalm 8

Herr, wie gross bist du, wie klein sind wir[1]

(1) Dem Leiter der Chöre; auf der «Gittit». Ein Psalm, der von David herkommt[2].

(2) Ewiger, unser Herrscher, wie gross ist dein Name ! Auf der Erde deine Herrlichkeit, am Himmel dein Glanz !

(3) Aus dem Mund der Kinder und selbst derer, die man säugt, hast du deine Macht gegründet deiner Gegner wegen, um zum Schweigen zu bringen[3] deine Feinde und die Aufrührer.

(4) Wenn[4] ich den Himmel schaue, die Tat[5] deiner Finger, den Mond und die von dir geschaffenen Sterne -

(5) was nur ist dann[6] der Mensch, dass du an ihn dich erinnerst, und der der Sohn des Menschen, dass du Sorge um ihn trägst !

(6) Und doch, du hast ihn wenig geringer gemacht als Gott selbst, mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt.

(7) Du hast ihn zum Herrn über alle deine Werke gemacht, jedes Ding wurde von dir unter seine Füsse gestellt.

(8) Die Schafe und die Rinder allesamt, dazu auch die Tiere des Feldes,

(9) die Vögelscharen des Himmels und die Fische[7] des Meeres, alles was da seine Wege durchzieht.

(10) Ewiger, unser Herrscher, wie gross ist dein Name auf der ganzen Erde ...


Kommentar

  1. Diese Überschrift der Soncha Scrittüra ist nicht glücklich gewählt. Die Pointe des Psalms liegt ja gerade in der erstaunlichen Grösse des Menschen, an der Gott seine eigene Grösse erst voll entfaltet !
  2. Die leidige und nicht lösbare Frage nach der Urheberschaft des Psalms könnte gelöst werden, indem man das romanische ün psalm da David präzisiert zu ün psalm chi deriva da David. Damit ist klar, dass die Tradition den Psalm auf David zurückführt, unbeschadet der Frage, ob ein späterer Dichter sich in der Nachfolge des Königs gesehen und daher den Psalm als davidisch gekennzeichnet hat. Plagiate im heutigen Sinne kannte die Antike bekanntlich nicht.
  3. Ob das taschantar ein für-immer-zum-Schweigen-bringen bedeutet analog dem lutherdeutschen vertilgen bleibt offen.
  4. Es überrascht das konditionale scha anstatt des temporalen cur cha.
  5. Es macht wenig Sinn, lavur hier mit Arbeit zu übersetzen, da diese Menschenwerk ist. Gemeint ist das Ergebnis des göttlichen Schaffens (il resultat e'l prodot da la lavur divina resp. l'ouvra).
  6. Das romanische che mâ intensiviert die Frage nach der Bedeutung des Menschen vor Gott (lateinisch: coram Deo).
  7. Bei den vier genannten Tierarten wird im Romanischen zweimal der kollektive Plural und dreimal der einfache Plural gewählt. Über die poetische Variation hinaus bedeutet dies: Das zu verantwortende Herr-Sein des Menschen erstreckt sich über die Masse und über das einzelne Tier.