Die grammatische Funktion "Subjekt"

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Die grammatische Funktion "Subjekt"[Bearbeiten]

Einführung[Bearbeiten]

Im schulischen Grammatik-Unterricht ist üblicherweise nicht von syntaktischen Kategorien wie NP, PP und AP die Rede, sondern von syntaktischen Funktionen: Begriffe wie Subjekt, Objekt und Attribut sind funktionale oder relationale Begriffe. Sie geben an, welche Funktion eine Konstituente innerhalb ihrer syntaktischen Umgebung hat. Beim Subjekt handelt es sich um dasjenige Satzglied, von dem das durch das Prädikat benannte Geschehen ausgeht. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Subjekt auch das aktive, handelnde Element des Satzes (Agens) sein muss:

Beispiel (1): Paul kitzelt Anna.
Beispiel (2): Paul wird von Anna gekitzelt.

In beiden Fällen ist Paul das Subjekt des Satzes, in (1) bekleidet Paul dabei die semantische Rolle des Agens, in (2) die des Patiens. Dies verdeutlicht, dass zwischen syntaktischen Funktionen und semantischen Rollen grundsätzlich unterschieden werden muss. Das Subjekt steht grundsätzlich im Nominativ.

Das Subjekt im Deutschen[Bearbeiten]

Wortstellung[Bearbeiten]

Im Deutschen steht das Subjekt in Hauptsätzen in aller Regel am Anfang des Satzes, es folgen das Prädikat (Verb) und das Objekt (SVO). Beispiel:

Tante Erna gießt ihre Blumen.
S V O

In Nebensätzen tauschen Verb und Objekt ihre Positionen, das Subjekt jedoch bleibt am Satzanfang (SOV). Beispiel:

Tante Erna muss ganz schön schwitzen, weil sie ihre Blumen gießt.
HS Konjunktion S O V

Das Deutsche kennt Subjekte generell nur in finiten Sätzen. Jedoch muss nicht jeder finite Satz auch zwangsläufig über ein Subjekt verfügen. Beispielhaft hierfür sind Sätze wie

Beispielsätze: Komm her!; Mich fröstelt; Leider wurde auf dem Tübinger Holzmarkt noch bis tief in die Nacht hinein laut gefeiert.

Üblicherweise besteht das Subjekt aus einem Nomen

Beispiel: Kathrin frühstückt.

oder einer Gruppe von Nomen

Beispiel: Kathrin und Minka frühstücken.

Jedoch kann auch ein Pronomen im Nominativ Subjekt sein:

Beispiel: Sie frühstücken.

Korrespondenzverhältnis zwischen Subjekt und finitem Satz[Bearbeiten]

In der deutschen Sprache besteht zwischen dem Subjekt und dem finiten Satz ein sogenanntes Korrespondenzverhältnis hinsichtlich der Person- und Numerusmarkierung. Das Verb kongruiert mit seinem Subjekt. Welche Person- und Numerusmarkierung ein finites Verb erhält, richtet sich nach dem Subjekt: Das Subjekt regiert die Person und kongruiert mit dem Numerus. In Person und Numerus stimmt das Subjekt mit der finiten Verbform des Prädikats überein, gibt es mehr als ein Subjekt, steht das Verb im Plural:

Beispiel: Kathrin isst Rührei mit Speck. (Subjekt und Verb 1. Person Singular); Die Kinder essen Rührei mit Speck.(Subjekt und Verb 3. Person Plural)

Das Subjekt in infiniten Sätzen[Bearbeiten]

In Infinitivsätzen gibt es kein Subjekt. Zahlreiche Infinitivsätze mit zu sind aber das Ergebnis der Kürzung von Dass-Sätzen durch Fallenlassen des Subjektes. Dieses im Dass-Satz weggefallene Subjekt verfügt im Hauptsatz über ein identisches Bezugswort. Im Bezugswort des Hauptsatzes verbirgt dich also gewissermaßen das Subjekt des Infinitivsatzes. In aller Regel entspricht das Bezugswort dem das Subjekt des Hauptsatzes.

1. Bezugswort im Hauptsatz = Nominativ (er)

Bsp. Infinitivsatz: Er hat geschworen, sie ewig zu lieben. = Dass-Satz: Er hat geschworen, dass er sie ewig lieben wird.

2. Bezugswort im Hauptsatz = Nominativ (sie)

Bsp. Infinitivsatz: Sie ist davon überzeugt, wunderschön zu sein = Dass-Satz: Sie ist davon überzeugt, dass sie wunderschön ist.

Das Subjekt des Deutschen im Vergleich mit anderen Sprachen[Bearbeiten]

Die Sprachen der Welt stellen das Subjekt zumeist an den Satzbeginn. Der häufigste Wortstellungstyp ist Subjekt-Objekt-Verb (SOV), der etwa im Türkischen, Japanischen und Persischen vorherrscht. Die Grundwortstellung SVO ist im Vergleich der Sprachen der zweithäufigste Typ. Diesem folgen etwa auch das Englische, Chinesische, Französische und Spanische. Die Tendenz, das Subjekt an den Satzanfang zu stellen, mag dem Prinzip zugrunde liegen, die zentrale Satzkomponente an den Anfang zu stellen. Auffällig am Deutschen ist, dass dies nur für Hauptsätze gilt. Im Nebensatz ist die Wortstellung SOV. Man könnte somit von einem Mischtyp sprechen.

Literatur[Bearbeiten]

Meibauer, J, Demske, Ulrike: Einführung in die germanistische Linguistik. Zweite Auflage. Stuttgart 2007.

wwww.deutschegrammatik20.de

www.canoo.net

http://wals.info