Fachbereich Philosophie/Institut für Metaphysik

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Die Metaphysik (lat. metaphysica, von altgr. μετά metá = „danach, hinter, jenseits“ und φύσις phýsis = „Natur, natürliche Beschaffenheit“) ist eine Grunddisziplin der theoretischen Philosophie.

Der Begriff Metaphysik geht auf ein Werk des Aristoteles zurück, das aus 14 Büchern allgemein-philosophischen Inhalts bestand. Gegenstand der Metaphysik ist das, was den Ausführungen über die Natur folgt, bzw. das, was nach der Physik kommt.


Fragen der allgemeinen Metaphysik:[Bearbeiten]

  • Worin besteht der Sinn und Zweck von Wirklichkeit, was sind die allgemeinsten Strukturen und Ursachen?
  • Wie verhält sich das Sein zum Seienden, wie verhält sich das Seiende als Seiendes?
  • Kann es allgemeine Ideen oder Eigenschaften (Universalien) geben, die unabhängig von Dingen existieren?


Die allgemeine Metaphysik fragt nach den allgemeinsten Kategorien des Seins. Sie beschreibt das, was Dinge, Eigenschaften oder Prozesse ihrem Wesen nach sind und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen. Sofern Betrachtungen über das Seiende als Seiendes angestellt werden, spricht man auch von Ontologie (Seinslehre).


Fragen der speziellen Metaphysik:[Bearbeiten]

  • Warum existiert die Welt, gibt es einen letzten Sinn?
  • Gibt es einen Gott/ Götter und wenn ja, was können wir über sie wissen?
  • Gibt es Zusammenhänge, die trotz allem Werden unveränderlich sind?
  • Was macht das Wesen des Menschen aus, gibt es eine unsterbliche Seele?


Die spezielle Metaphysik gliedert sich in folgende Teilbereiche:


Grundbegriffe:[Bearbeiten]

Substanz:[Bearbeiten]

Sein:[Bearbeiten]

Der Begriff Sein (lat. esse) bezeichnet das unveränderliche, zeitlose, umfassende Wesen einzelner Gegenstände als auch der Welt als Ganzes. Der Begriff Sein bedeutet Dasein, In-der-Welt-Sein, etwas Allgemeines, etwas allem Zugrundeliegendes. Zu unterscheiden von dem Begriff des Sein ist der Begriff des Seienden, der Gegenstand der Ontologie ist. Das Sein und das Seiende stehen in einem dialektischen Verhältnis zueinander. Aus der Unterscheidbarkeit von Sein (These) und Nichts (Antithese) entsteht das Seiende (Synthese).

Universalienproblem:[Bearbeiten]

Das Universalienproblem behandelt die Frage der ontologischen Existenz von Allgemeinbegriffen oder mathematischen Entitäten. Die Entität ist in der Philosophie ein Sammelbegriff für alles Existierende bzw. Seiende. So gehören Gegenstände, Eigenschaften und Prozesse zur Klasse der Entitäten. Der Begriff der Entität bezeichnet das unspezifische Dasein von etwas, der Begriff Quidditas das allgemeine Dasein von etwas und der Begriff Haecceitas das individuelle Sosein von etwas.

In der Debatte über die Universalien haben sich zwei gegensätzliche Positionen gebildet, der Realismus und der Nominalismus. Der Realismus geht auf die platonische Ideenlehre zurück und besagt, dass Ideen eine eigenständige Existenz haben. Neben den Ideen haben sich Regeln, Tugenden, Transzendentalien, Kategorien und Werte als real existente Universalien etabliert.

Die Gegenposition des Nominalismus vertritt den Standpunkt, dass nur einzelne Dinge real existent sind und es sich bei Allgemeinbegriffen und Entitäten um rein gedankliche Abstraktionen handelt, denen als solches kein Dasein beigemessen werden kann.

Der sogenannte Universalienstreit hat seinen Ursprung in der antiken Philosophie und reicht über die mittelalterliche Scholastik bis in die Philosophie der Gegenwart.

Methodik:[Bearbeiten]

In der Geschichte der Metaphysik haben sich verschiedene Methoden des Schlussfolgerns entwickelt.

Induktion:[Bearbeiten]

Unter Induktion (lat. inducere, "herbeiführen, veranlassen, einführen") ist die Schlussfolgerung von beobachteten Einzel-Phänomenen auf allgemeine Aussagen zu verstehen (=Induktionsschluss). Ziel der Metaphysik ist es, alle Erkenntnisse der Einzelwissenschaften in einer Gesamtschau zu betrachten und dadurch ein metaphysisches Weltbild zu erstellen.

Der Vorgang der Induktion lässt sich in folgenden Schritten beschreiben:

  1. Mustererkennung als Voraussetzung einer Induktion: Erkennen von gemeinsamen Merkmalen (Regelmäßigkeiten). Beispiel: In meinem Garten ist ein Igel, er hat Stacheln. Im Garten meines Nachbarn ist ein Igel, auch er hat Stacheln.
  2. Bildung von Kategorien oder Begriffen: Aus dem erkannten Muster eine Aussage bilden. Beispiel: Igel haben Stacheln.
  3. Projektion: Die gebildete logische Aussage auf nicht beobachtbare Objekte (an entlegenen Orten oder in der Vergangenheit oder Zukunft) ausdehnen. Beispiel: Es gibt keine Igel ohne Stacheln.

Deduktion:[Bearbeiten]

Die Deduktion (lat.: deductio, „Abführen“, „Fortführen“, „den Ursprung [von etwas] ableiten/herleiten“) bezeichnet in der Philosophie die Schlussfolgerung vom Allgemeinen auf das Besondere. Die Deduktion ermöglicht die logische Ableitung von Einzelerkenntnissen aus allgemeinen Theorien, die mit notwendiger und hinreichender Bedingung aus gegebenen Prämissen geschlossen werden können (=deduktiver Schluss). Um eine deduktive Aussage empirisch überprüfen zu können, ist die Deduktion darauf angewiesen, dass die gegebenen Prämissen als wahr zu beweisen sind, hypothetisch als wahr vorausgesetzt oder axiomatisch als wahr gesetzt sind.

Reduktion:[Bearbeiten]

Als Reduktion (lat. reductio = „Zurückführung“, reducere = „reduzieren“, „[auf das richtige Maß] zurückführen“) bezeichnet man die systematische Analyse der individuellen Eigenschaften eines Gegenstands. Man unterscheidet zwischen Eigenschaften, die einem Gegenstand zufällig zukommen, von den Eigenschaften, die nicht weggedacht werden können und somit das Wesen und die Identität des Gegenstands ausmachen. Die reduktive Methode ermöglicht die logische Verarbeitung der Ergebnisse der Praxis zu wissenschaftlichen Aussagen und allgemeinen Gesetzen.

Spekulation:[Bearbeiten]

Unter Spekulation (lat. speculari = "beobachten") versteht man die Schlussfolgerung von Erkenntnissen, indem man über die herkömmliche empirische oder praktische Erfahrung hinausgeht und sich auf das Wesen der Dinge und ihre ersten Prinzipien richtet. So geht die Metaphysik von einem obersten Prinzip aus, von dem schrittweise die Gesamtwirklichkeit gedeutet werden kann.

Metaphysische Positionen:[Bearbeiten]

Platon (428-348 v. Chr.):[Bearbeiten]

Platon war Schüler des Sokrates. Nach Platon bilden die ewigen Ideen (eidos) die Welt des Seins, die Ideen selbst sind von der Welt der Warnehmungen getrennt. Durch die Annahme von Ideen kann ein Zusammenhang zwischen dem Denken und der Sprache einerseits und der Wirklichkeit andererseits gefunden werden. Die Ideen liefern uns die Muster für die Dinge der Wirklichkeit. So wie der menschliche Körper, so hat auch die Welt eine unsichtbare Seelenkraft (Psyche). Sie erschafft die Ordnung im Kosmos und vermittelt zwischen den Modalitäten des Seins.

Die Philosophie pflegt den Umgang mit der reinen Urgestalt des Wirklichen. Durch die Dialektik wird die Überwindung des Hypothetischen möglich, denn sie nivelliert die Voraussetzungen und macht sich auf den Weg zum Anfang selbst. Die Erkenntnis des Guten sieht Platon als die notwendige und hinreichende Bedingung für die Kenntnis aller anderen Ideen. Die Idee des Guten hat die Züge des Unsagbaren, sie wird auf intuitive Weise erkannt.

Aristoteles (384-322 v. Chr.):[Bearbeiten]

Aristoteles studierte in der Akademie Platons und war Lehrer Alexander des Großen. Nach Aristoteles geht die Philosophie in drei Schritten vor:

  1. Bestandsaufnahmen der Meinungen über einen Gegenstand
  2. Problematisierung der Meinungen
  3. Suche nach Lösungen

Die höchste Wirklichkeit ist die Gottheit, denn sie ist reine Form und reines Denken, unbewegter Beweger und reine Selbstreflexion. Es sei die Aufgabe der Metaphysik, Betrachtungen über das Seiende als Seiendes anzustellen. Nach Aristoteles strebt jeder Mensch von Natur aus nach dem Guten, das letzte und umfassende Ziel menschlichen Handelns sei die Glückseligkeit.

Plotin (205-270):[Bearbeiten]

Nach Plotin ist das Urprinzip des Seins das alles umgreifende "Eine". Das Eine steht jenseits aller Gegensätze und kann nur hinsichtlich dessen beschrieben werden, was es nicht ist. Der Geist geht aus dem Einen hervor und setzt ein Erkennendes und ein Erkanntes, ein Bewusstsein und dessen Gegenstände voraus. Somit sei der Geist im Gegensatz zum Einen schon mit der Zweiheit behaftet. Die Seele wird durch den Geist als sein Abbild durch Ausstrahlung erzeugt. Sie steht zwischen dem wahren Sein und der Materie, empfängt vom Geist die Ideenwelt und formt nach diesen Urbildern aus der Materie die Sinnenwelt. Das Streben der menschlichen Seele ist darauf gerichtet, sich vom Materiellen zu lösen und zu ihrer wahren Natur, der Welt des reinen Geistes, aufzusteigen.

Thomas von Aquin (1225-1274):[Bearbeiten]

Thomas von Aquin hat als Theologe und Philosoph maßgeblich dazu beigetragen, das aristotelische Denken in Europa zu verbreiten. Er versuchte die christlichen Ideen mit den philosophischen Einsichten zu verbinden. Er war davon überzeugt, dass es zwischen dem religiösen Glauben und der kritischen Vernunft keinen Widerspruch geben kann.

Die höchste Wissenschaft, die Theologie, braucht zu ihrer Entfaltung immer die Dienstfunktion der Philosophie, da sie die Inhalte des religiösen Glaubens vor der Vernunft vertreten will. Thomas von Aquin benennt drei Schritte um die analoge Struktur des Seins als Hinweis auf das höchste Sein zu bestimmen:

  • mit der Vernunft beginnen wir, unsere Welt und uns selbst zu erkennen.
  • Abstraktion von der einzelnen Erfahrung und Bildung von allgemeinen Aussagen
  • kritisches Nachdenken über uns und unsere Erfahrungen, wir reflektieren über unsere Erkenntnis und erkennen das ewige Sein, das letzte Ziel menschlichen Strebens sei die erlebte Glückseligkeit

Mit den Kräften unserer Vernunft können wir von der Erkenntnis der Welt zur Erkenntnis des göttlichen Schöpfers aufsteigen, denn alles Seiende gehe auf eine letzte Ur-Sache zurück.

René Descartes:[Bearbeiten]

Gottfried Wilhelm Leibnitz:[Bearbeiten]

Immanuel Kant:[Bearbeiten]

Johann Gottlieb Fichte:[Bearbeiten]

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831):[Bearbeiten]

Georg Wilhelm Friedrich Hegel ist ein Vertreter des deutschen Idealismus. Er deutet die menschliche Geschichte als Entfaltung des ewigen Weltgeistes, der ewigen Ideen, des objektiven Geistes. Er transformierte die Grundlehren der christlichen Theologie in die Philosophie. Gott ist Geist, er verbindet die Setzung (Thesis) mit ihrer Gegensetzung (Antithesis). Er betrachtet das Vernunftwissen als Manifestation des Absoluten im endlichen Bewusstsein.

Nach Hegel zeigt sich die absolute Idee:

  • in der Kunst als Anschauung, die ewigen Ideen werden geschaut, das Unendliche wird erlebt
  • in der Religion als Vorstellung, das Unendliche wird zusammen mit dem Endlichen erfahren, alle Symbole werden auf das Ewige bezogen
  • in der Philosophie als Begriff, die Symbole der Religion gehen in die Philosophie ein

Im Volksgeist entwickelt sich der Weltgeist nach einer inneren Notwendigkeit in seinem Gang durch die Geschichte. Wir bemühen uns daher, das Ewige im Zeitlichen und im Vorübergehenden zu erkennen.

Martin Heidegger (1889-1976):[Bearbeiten]

Martin Heidegger war Phänomenologe. Unter dem Motto "Zu den Sachen selbst" hatte er versucht, unhinterfragtes, die Erkenntnis aber leitendes Vorwissen außer Kraft zu setzen und zu einer originären Wirklichkeit zu gelangen.

Er interpretiert die abendländische Metaphysik als Verfallsgeschichte, die mit dem Begriff "Seinsvergessenheit" zu charakterisieren ist. So sei es nicht möglich gewesen, den Grund alles Seienden als Seiendes zu erfassen und das Sein als dynamischen und geschichtlichen Grund für den Aufgang eines Weltzusammenhangs zu verstehen.

Jean-Paul Sartre (1905-1980):[Bearbeiten]

Jean-Paul Sartre lernte eine autoritäre Religion mit ängstigendem Gottesbild. Er lehnte früh religiöse Lehren ab und rang zeit seines Lebens um eine atheistische Form einer humanistischen Moral. Er lernte in Deutschland die Phänomenologie Husserls kennen und befasste sich mit den existentialistischen Lehren Heideggers. Er bekennt sich zur phänomenologischen Betrachtung der Welt und des Lebens.

Das Phänomen zeige sich in absoluter und von Deutungen unabhängiger Weise. Nach Sartre muß es ein An sich geben, auf das sich unser Bewusstsein intentional richtet, das aber nicht von unserem Bewusstsein erzeugt wird.

Metaphysikkritik:[Bearbeiten]

Werke:[Bearbeiten]