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Gedanken versprachlichen


Im beruflichen und privaten Alltagsleben geht es immer wieder im Kern um das möglichst bewusste, nachvollziehbare Entscheiden über die Verwendung von knappen Mitteln, um gesetzte Ziele zu erreichen. Immer wieder geht es darum,

  • in begrenzter Zeit (z. B. bis Urlaubsende, bis der Kunde wiederkommt, bis zum Ende des Produktlebenszyklus, bis zur Marktreife oder bis das Fieber sinkt)
  • mit begrenzten Mitteln (z. B. gegebene Finanzen, verfügbarer Zeitraum, aktuelle Fähigkeiten, ermittelte Kundenwünsche, technische Funktionalitäten oder eigener Ermüdungszustand)
  • bestimmte Vorhaben (z. B. den Wochenendeinkauf erledigen, eine Brücke mit bestimmten Eigenschaften erbauen, rechtzeitig den Bus erreichen, in der nötigen Form eine gesetzliche Eingabe machen oder ein zeitzohnenübergreifendes virtuelles Meeting gestalten, eine Operation am offenen Herzen durchführen, zu einem bestimmten Hafen segeln)
  • möglichst wirkungsvoll

in die Tat umzusetzen. Damit dies gelingt, ist a) die zu Problematik, b) das anzustrebende Ziel, c) wirksame Rahmenbedingungen und d) mögliche zieldienliche Maßnahmen sprachlich zu erfassen und zu dokumentieren. Beim Abwägen von zielführenden Maßnahmen werden Kosten und Nutzen zumeist in Zahlen angegeben. Sie sind so aufzubereiten, dass allen Beteiligten ein sinnerfassendes Verstehen möglich wird. Auch dafür sind eigene/fremde Gedanken kurz, knapp und dennoch klar verständlich so zu versprachlichen, dass einerseits der bezeichnete Fachinhalt der Mitteilung treffend erfasst werden kann und andererseits keine Irritationen oder Missverständnisse entstehen. Zahlen erscheinen oftmals eindeutiger als verbale Ausführungen. Dies verdeckt die Bedeutung der Entstehungsbedingungen der benutzten Zahlen. Einerseits können Rechenfehler falsche Zahlen ergeben, anderseits sind Zahlen immer zu interpretieren (z. B.: Ist 15% Abweichung vom Erwarteten noch ein Routinefall oder doch schon Ausnahmefall bzw. ab vielviel Prozennt abweichung wird aus einem "akzeptablen Planungskorridor“ ein Notfall der zu Sofortmaßnahmen führen sollte?)

Aus diesem Grund wird in meinen Lehrangeboten das Erstellen einer am anglo-amerikanischen Standard orientierten Kurzpräsentation geübt. Darin wird zu Beginn der Kernsatz des dargelegten Gedankengangs formuliert, dann erst kommt die Begrüßung. Danach werden nach Wichtigkeit gereiht drei Kernaussagen präsentiert. Abschließend werden zwei daraus ableitbare Handlungstipps aufgeführt, eine für bessere Effektivität und eine für eine verbesserte Effizienz.

Gerade im Umgang mit Fachinhalten spielen die Genauigkeit der Sprache und die Genauigkeit des Denkens zusammen. Die korrekte Verwendung von Fachbegriffen und Zeitformen beruht in starkem Maße auf der Abwendung von einer örtlich regionalen Ausprägung einer Sprache bzw. der Anwendung von Hochdeutsch als "Standardsprache". Von akademisch geschulten Menschen wird erwartet, dass die eine korrekte Ausdrucksweise mit einem eher großen Wortschatz anwenden.

Auf diese Weise üben die Studierenden

  • Einen Abstract für den Text zu erstellen (optional).
  • Gedankengänge zu wesentlichen Kernaussagen zu verdichten. Diese Fähigkeit wird immer dann benötigt, wenn aus einer Fülle von wirksamen Details ein grundlegender Überblick zu erarbeiten ist.
  • zentrale Kernaussagen so zu erklären, dass die Thematik auch Personen ohne fachinhaltliche Vorkenntnisse verständlich wird. Diese Fähigkeit wird immer dann benötigt, wenn Details zu erläutern und einzuordnen sind.

Diese Fähigkeiten werden dadurch gefördert, dass die Studierenden immer wieder Ideen und Gedankengänge in einer hilfreichen Form verschriftlichen. Zunächst in Kleingruppen und dann immer eigenständiger gilt es dabei

  • fremde Gedanken (z. B. aus Texten, Vortragsfolien oder podcasts)
  • eigene Ideen und Erkenntnisse (z. B. über wesentliche Inhalte des heutigen Treffens im Kurs)

kurz, knapp und verständlich zu notieren. Zu diesem Zweck wird eine Notiz-Template bereitgestellt, die erfahrungsgemäß als hilfreich erlebt wird.

Der Unterschied zwischen einem Text mit Abstract und dem selben Text ohne Abstract besteht lediglich darin, dass ein Abstrac eine anfängliche Übersicht über das Wesentliche des Textes gibt. Das wird allerdings erst bei einer Textlänge von mehreren Seiten wirklich bedeutsam.

Weil es im Leben immer wieder um Entscheidungen über die zieldienliche Verwendung knapper Mittel geht und dabei oft viele unterschiedliche Ansprechpartner einzubeziehen sind, ist die Fähigkeit zur schrifltlichen und mündlichen Versprachlichung von Gedankengängen ein zentraler Bestandteil einer akademischen Lehre.