Kurs:Vernetztes Denken/Beobachtung

Aus Wikiversity
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Dies ist ein Artikel von Franziska Roth und Ragna Schütte, der im Rahmen des Seminars "Vernetztes Denken und systemisches Handeln" bei Falko E. P. Wilms an der Leuphana Universität Lüneburg entstanden ist.

Beobachtung[Bearbeiten]

Jeder ist jederzeit ein Beobachter. Das Wort „Beobachten“ bedeutet etwas, jemanden oder einen Vorgang wahrzunehmen. Synonyme für das Beobachten sind: überwachen, observieren, im Auge behalten, beaufsichtigen oder auch betrachten.


Als Beobachtung wird also die Wahrnehmung des Betrachters verstanden, sodass sie an den jeweiligen Beobachter gebunden und subjektiv ist. Bei der Beobachtung wird mit den Augen ein Objekt gesichtet/verfolgt, registriert und die aufgenommenen Informationen unbewusst und/oder auch bewusst gefiltert und zusammengeführt zu subjektiv sinnvollen Gesamteindrücken.

Der Fokus beim Beobachten liegt dabei immer nur auf einer bestimmten Sache, sodass zur gleichen Zeit nicht alles beobachtbar ist, sondern nur ein Objekt zurzeit betrachtet werden kann. Die Beobachtung basiert also auf Unterscheidungen und wird somit erst ermöglicht, wenn der Beobachter irgendetwas von etwas anderem abgrenzt und dadurch eine Unterscheidung schafft. Diese Unterscheidungen richteten sich nach internen, subjektiven Kriterien und haben einen biografischen Hintergrund in der Geschichte des Beobachters und den Beobachtungsgewohnheiten des jeweiligen Beobachters und seinem sozialem Umfeld. Das vom Rest unterschiedene wird durch eine Bezeichnung markiert. Beobachtungen und Beschreibungen gehen auf Entscheidungen für bestimmte Sichtweisen und Beobachterperspektiven zurück. Alles, was nicht bezeichnet wurde und die Unterscheidung an sich, können dabei nicht mit benannt werden. Somit können nur die Dinge beobachtet werden, welche man zuvor von anderen Dingen abgegrenzt bzw. unterschieden hat. Das Abgegrenzte kann dabei nicht in bestimmten Worten erfasst werden. Eine Beobachtung setzt sich also zusammen aus einer Unterscheidung und einer Bezeichnung.

Die Systemtheorie spricht in diesem Fall von Beobachtung erster Ordnung. Gemäß Bardmann/Lamprecht zeichnet sich die Beobachtung 1. Ordnung durch die Beantwortung der Fragen“ Was beobachte ich?“ oder Was ist der Fall?“ aus. Die Antwort entspricht dabei der Bezeichnung der einen Seite der Unterscheidung, wobei die nicht bezeichnete Seite als blinder Fleck der Beobachtung erscheint. Will ein Beobachter diesen blinden Fleck beobachten, so geschieht dies in der Beobachtung 2. Ordnung „… und zwar mit Hilfe anderer Unterscheidungen“ . Die Beobachtung 2. Ordnung sieht nicht mehr nur die eine Seite der vorher gewählten Unterscheidung, sondern beide, also auch das, was der Beobachter 1. Ordnung nicht gesehen hat.

Das Treffen von Unterscheidung erfolgt dabei also individuell, sodass jede Beobachtung ein eigenes Bild der Realität bewirkt. Luhmann: „Jede einzelne Beobachtung macht einen Unterschied, in dem sie eine Unterscheidung wählt.“


Somit spielt sich die Welt im Kopf ab. Durch die Unterscheidung, also die Grenzen, welche im Kopf des Beobachters geschaffen werden, spielgelt sich die vermeintliche Realität ab. Diese Realität ist individuell unterschiedlich und wir können nicht wissen ob die Welt in unserem Kopf der „allgemeinen Wirklichkeit“ (=Realitäten der anderen) entspricht. Die Objektivität von Beobachtungen begründet sich also allein in Einigungen zwischen Beobachtern. Der Beobachter befolgt Regeln bei der Beobachtung und gewinnt dadurch Erkenntnisse, welche bei weiteren Beobachtungen angewendet werden. Somit hat also jede Beobachtung Einfluss auf weitere Beobachtungen und Unterscheidungskriterien. Jede Wahrnehmung und jedes Vorwissen fließen in nachfolgende Beobachtungsprozesse mit ein und verändern den Beobachter. Er baut neues Wissen auf, welches bei der nächsten Beobachtung angewendet und wieder verändert wird.

Literatur[Bearbeiten]

Bardmann, Theodor M.; Lamprecht, Alexander, 1999: Systemtheorie verstehen: Eine multimediale Einführung in systemisches Denken. CD-ROM. Wiesbaden. (Zitationen nach Themen und Unterthemen. Bsp.: Methode/Empirie)

Lindemann, Holger 2008: Systemisch beobachten - lösungsorientiert handeln: Ein Lehr-, Lern- und Arbeitsbuch für die pädagogische und betriebliche Praxis

Luhmann, Niklas 1994 (1990). Die Wissenschaft der Gesellschaft. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Wilms, F. E. P. (2001): Systemorientiertes Management

Weblinks[Bearbeiten]

http://www.fen.ch/praevention.pdf

http://www.woxikon.de