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Luftbilder

Aus Wikiversity

Fotos aus Verkehrsflugzeugen mißlingen meistens. Umso häufiger, je höher das Flugzeug fliegt. Die allermeisten Fotos sind (zumindest auf den ersten Blick) Schrott, man ist enttäuscht. Fast nie erkennt man auf den Fotos das, was man in der Luft glaubte, zu sehen. Dies liegt unter anderem daran, daß Augen und Gehirn im Flugzeug das echte Bild für uns korrigieren, die Kameras jedoch die "Wahrheit" aufnehmen.

Tonwertkorrektur

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Die Korrekturen sollten immer kanalgetrennt vorgenommen werden. Dabei hilft nur selten der RGB-Modus, gerade bei Luftaufnahmen braucht man sehr oft die CMYK-Kanäle. Dabei sind drastische Regulierungen eher die Regel als die Ausnahme.

Rauschen

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Durch die massiven Tonwertkorrekturen entsteht Rauschen, selbst bei minimalen ISO-Einstellungen. Das Entrauschen schafft dann wieder etwas mehr als ohnehin vorhandene Unschärfe. Die Entrauschung ist aber notwendig, weil man sonst mit der Schärfung das Rauschen noch weiter verstärken würde.

Schärfe

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In voller Auflösung sind die Bilder heutiger Kameras oft unscharf. Vor allem die Flugzeugscheibe ist dafür verantwortlich. Wenn man nicht absolut gerade durch die Scheibe fotografiert, was eher selten der Fall ist, werden die Lichtstrahlen an der Oberseite des Bildes anders als an der Unterseite gebrochen, da ihr Weg durch eine unterschiedliche Scheibendicke gelenkt wird. Deshalb sind die Bilder meist oben und unten unscharf, selbst bei starker Abblendung. Dieser Effekt ist nicht korrigierbar. Nachträgliches behutsames Nachschärfen sowie Herunterrechnen auf kleinere Pixelmaße schafft ein scheinbar schärferes Foto.

Wie können Luftbilder gelingen?

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für viele Einsätze ideal: Dornier Do-27

Du brauchst ein Flugzeug, bei dem man Fenster wegklappen oder Türen ausbauen kann. Idealerweise sowas wie eine DO-27. Aber fehlende Fenster sind nicht allein entscheidend.

  • In einer IL-2 kann man zwar wunderbar die Landschaft betrachten aber das Ding vibriert so stark, daß man keine scharfen Bilder machen kann. Hinzu kommt, daß man nach hinten schaut (man sitzt ja dort, wo früher der Bordschütze war) und alles "rückwärts" an dir vorbeifliegt. Wenn der Pilot es dann gut meint und das Flugzeug umdreht, mußt du dich festhalten, um nicht herauszufallen, denn Gurte gab es damals noch nicht. IL-2 ist also ungeeignet.
  • AN-2 wäre zwar gut, schluckt aber so viel Sprit, daß man auch gleich einen Airbus chartern könnte.
  • Die Piper PA-34 Seneca ist als Tiefdecker eigentlich ungeeignet, weil ständig der Flügel im Weg ist. Man kann allerdings eine Tür ausbauen und dann mit den Füßen auf der Tragfläche gut nach vorne (!) und schräg hinten fotografieren.
  • Die meisten weitverbreiteten Cessnas haben nur ein winziges Guckloch zum Ausklappen, die Scheiben sind zerkratzt, also auch keine gute Idee. Die Cessna 172 ist ein Schulterdecker, man muß nur einen Piloten finden, der bereit ist, die rechte Tür auszubauen. Und dann kann man, anders als bei der Do-27 auch nur nach rechts fotografieren. Gleiches gilt für die Cessna 152.
  • Sehr gut macht sich ein Ultralight-Schulterdecker wie die Comco Ikarus C42 B mit ausgebauter Tür. Dieses Flugzeug reagiert sehr empfindlich auf Böen, dadurch hat man immer ein gewisses Maß an Ausschuß.

Bohrinsel Mittelplate

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ideale Bedingungen: Sonne im Rücken, 500 m Höhe

So wünscht man sich die Bedingungen: Sonne direkt im Rücken, 500 Meter Höhe, Flugzeug vibriert nicht und steht fast still. Allerdings machen sich solche Bilder bei Idealbedingungen auch nicht von alleine. Selbst an diesem Foto wurde viel nachbearbeitet.

Flugzeug und Pilot
Dornier Do-27 mit einem Piloten, der mehrere Jahrzehnte Erfahrung mit Luftbildern beim Fliegen für die Bundeswehr in diesem Flugzeug gesammelt hat.
Die Tür des Flugzeuges war offen (zur Tragfläche hochgeklappt)
Geschwindigkeit über Boden: nahezu Stillstand, der Pilot hat das Flugzeug gegen den Wind gestellt und den Motor gedrosselt
Kameradaten
  • Nikon D300s mit 50-200 / 4.0-5.6
  • 82 mm
  • f/11 - 1/500 sek.
  • ISO 200

Estadio Azul

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1 km Höhe
Flugzeug
Suchoi Superjet 100 XA-JLV (Interjet)
Kameradaten
  • Nikon D610
  • Nikkor 2,8/24-70
  • 70 mm
  • f/5,6 - 1/50 sek.
  • ISO 100

1 km hoch, 4 km bis zur Südspitze von Sylt, 21 km bis Westerland, 27 km zum Hindenburgdamm, 36 km bis List und 40 km bis Rømø
Kameradaten
  • Nikon D300s
  • Nikkor 2,8/24-70
  • 24 mm
  • f/11 - 1/500 sek.
  • ISO 200<

Bagdad

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mehr als 10 km hoch und 150 km entfernt vom Stadtzentrum Bagdad

Bei diesem Bild kann eigentlich alles nur mißlingen. Die Bedingungen sind miserabel. Es herrscht tiefschwarze Nacht über Mittelasien, Flugzeug in Maximalhöhe. Und dennoch ist dieses eine Bild aus einer langen Serie gelungen. ISO 3200 ist das höchste, was bei dunklen Aufnahmen noch erträgliches Rauschen bereitet, darüber wird es echt unschön.

Manuelle Belichtung, Offenblende f/2,8 bei 1/40 sek., da ist es schon reines Glücksspiel, die 105 mm KB-Äquivalent nicht zu verwackeln. Die Technik kommt an ihre Grenzen. Mit 1,4/85 wäre noch 2 Stufen mehr gegangen, das hätte ich aber in die Belichtungszeit gesteckt.

Die hier existierenden 150 km Entfernung sind die Grenze des mit herkömmlicher Technik Machbaren. Am Tage hätte man wahrscheinlich überhaupt nichts gesehen. ISO, Belichtungszeit und Blende befinden sich ebenfalls im Extrembereich. Ein modernerer Speicherchip hätte vielleicht weniger gerauscht aber sonst wäre auch Nichts besser.

Flugzeug
Airbus A-330 (Air Berlin) in Reiseflughöhe (ca. 10.500 m)
Kameradaten
  • Nikon D300s mit Nikkor 2,8/24-70
  • 70 mm
  • f/2,8 - 1/40 sek.
  • ISO 3200

Grönland

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mehr als 10 km hoch; etwa 40 km entfernt

Ideale Bedingungen zumindest für ein Verkehrsflugzeug. Eigentlich sind 10 km zu hoch, die Fensterscheiben verschlechtern jedes Foto drastisch und man hat immer einen Grauschleier und alle Fotos haben einen kaum korrigierbaren Blaustich. Bei Motiven wie diesem funktioniert es trotzdem, da ja außer Blau und Weiß/Schwarz/Grau nichts auf dem Bild zu sehen ist.

Flugzeug
Airbus A321-200 TF-SON (WOW Air) in Reisefliughöhe über 10.000 m
Kameradaten
  • Nikon D5300 mit Nikkor 2,8/24-70
  • 24 mm
  • f/9.5 - 1/350 sek.
  • ISO 100
  • -1.00 eV

Mont Blanc

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mehr als 10 km hoch; etwa 40 km entfernt

Wie beim vorhergehenden Bild gibt es fast nur Blau- und Grautöne im Bild, dadurch erscheint das Foto relativ natürlich. Warme Farben sind auch im Original nicht enthalten. Solche Gebirgsaufnahmen sind dankbare Motive aus Verkehrsflugzeugen.

Flugzeug
Airbus A320-214 EC-HQL (Vueling) in Reisefliughöhe über 10.000 m
Kameradaten
  • Fujifilm X-M1 XC 16-50mm f3.5-5.6
  • 29,5 mm
  • f/11 - 1/350 sek.
  • ISO 200
  • 0 eV

Citlaltépetl

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6 km Höhe; ca. 190 km entfernt
Flugzeug
Suchoi Superjet 100 XA-PPY (Interjet) in ca. 6 km Höhe
Kameradaten
  • Nikon D610 mit Nikkor 2,8/24-70
  • 70 mm
  • f/6,3 - 1/640 sek.
  • ISO 100
  • 0 eV

Eberswalde

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400 m hoch, 400 m entfernt

Ideale Bedingungen, es war bewölkt aber hell, fast windstill. Am Flugzeug war die rechte Tür ausgebaut und es war zum Zeitpunkt der Aufnahme etwa 45° zur Seite geneigt. Strahlender Sonnenschein ist nicht ideal, man hat überall Schatten, wenn man die Sonne nicht haargenau im Rücken hat.

Starkes Abblenden ist in derartigen Situationen nicht erforderlich. Bei diesem Objektiv mit Offenblende 2,8 ist 5,6 als Blende völlig ausreichend. Eine kurze Belichtungszeit ist viel wichtiger. Die Faustformel "Reziproke der Brennweite" trifft bei Luftaufnahmen aus kleinen Luftfahrzeugen selten zu. Hier sollte man mit dem Faktor 5 arbeiten. In diesem Beispiel also 70 × 1,5 (Crop) × 5 = 525 - es würde 1/500 sek. reichen, sicherer ist jedoch 1/1000 sek. Die Anhebung auf ISO 400 ist eher zu verkraften als eine Verwacklung.

Flugzeug
Comco Ikarus C42 B (UL)
Kameradaten
  • Nikon D300s mit Nikkor 2,8/24-70
  • 70 mm
  • f/5,6 - 1/1000 sek.
  • ISO 400

Färöer

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10 km hoch, 10 km entfernt

Himmel, Wolken, manchmal darunter Land oder Meer, das ist live im Flugzeug oft beeindruckend. Zu Hause ist man dann nicht selten enttäuscht, weil die Fotos nicht das widergeben, was man im Gedächtnis hat. Dies liegt nicht am Grau-Blau-Schleier, der unvermeidlich ist. Die Bilder wirken langweilig.

Eine Möglichkeit ist es, ganz bewußt die Flügelspitze des Flugzeugs mit ins Bild zu nehmen. Das bringt einen Farbtupfer und ein Vordergrundobjekt. Das stört auch nicht, wenn man das wie hier gestaltet, verdeckt der Winglet lediglich einfarbigen blauen Himmel. Dieses Bildelemant wird auch scharf abgebildet, wenn man etwas abblenden kann, was über den Wolken eigentlich am Tage immer gegeben ist. Die Flügelspitze ist grob 15 Meter entfernt, je nach verwendetem Objektiv und Kamera liegt bei Fokussierung auf den Flügel die Nahgrenze zwischen 5 und 7 Meter, die Ferngrenze kann bei einigen hundert Meter, also nicht bei Unendlich sein. Bei Fokussierung auf Unendlich und Cropfaktor über 2 wird der Flügel bei Offenblende unscharf.

Das eigentliche Hauptobjekt, die Insel unten am Bildrand, ist beim besten Willen unter diesen Bedingungen nicht farbecht und richtig scharf darstellbar. Man muß schräg durch die dicke Scheibe fotografieren, was erhebliche Brechungen bewirkt, die auch das beste Objektiv nicht wieder wettmacht. Die Flügelspitze ist davon nicht betroffen, deshalb wird sie auch scharf.

Flugzeug
Airbus A321-211 TF-GPA (WOW Air) in Reiseflughöhe über 10.000 m
Kameradaten
  • Nikon D5300 mit Nikkor 2,8/24-70
  • 24 mm
  • f/9.5 - 1/350 sek.
  • ISO 100
  • 0 eV

Aus Müll mach brauchbare Fotos

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Verschlechternde Faktoren sind:

  • Unschärfe durch die relativ dicke Flugzeugscheibe
  • sehr große Aufnahmeentfernungen, dadurch immer Dunst, auch wenn man ihn selbst mit dem Auge nicht wahrnimmt
  • schräges Fotografieren, dadurch verschiedene Schärfebereiche im Bild und unterschiedliches Auftreten von Dunst sowie unterschiedliche Brechung, dadurch immer unscharfe Bereiche

deshalb sehen die Fotos oft so oder so ähnlich aus:

Es ist aber oft möglich, derartige Fotos zu retten und etwas rauszuholen. Das ist jedoch dummerweise immer anders, selbst wenn nur wenige Sekunden zwischen den Bildern liegen. Manchmal hilft eine Umwandlung in Schwarzweiß

Wie kann man mißratene Bilder retten?

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Stadtzentrum Berlin

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Weißer See in Berlin-Weißensee

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Flughafen Berlin-Tegel

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