Zum Inhalt springen

Basiskonzepte im GSP-Unterricht/Verteilung

Aus Wikiversity
Basiskonzepte im GSP-Unterricht/Verteilung

Das Basiskonzept „Verteilung“ ist ein zentrales historisches wie politikdidaktisches Basiskonzept und bezieht sich auf das menschliche Zusammenleben. Damit ist es sowohl der Geschichte, der Sozialkunde, als auch der Politischen Bildung zugeordnet. Als gesellschaftliches Basiskonzept[1] beschäftigt sich in erster Linie die Subdisziplin der Sozialgeschichte mit der Frage nach Verteilung, (sozialer) Gerechtigkeit und anderen gesellschaftspolitischen Grundfragen.

Das Basiskonzept Verteilung

[Bearbeiten]
Basiskonzept Verteilung

Definition

[Bearbeiten]

Der Begriff der Verteilung ist sowohl ein strukturell-historischer, als auch politischer Begriff. Im strukturell-historischen Verständnis beinhaltet das Basiskonzept der Verteilung das Verhältnis bzw. die Ordnung[2] von materiellen wie immateriellen Gütern im Laufe der Geschichte bzgl. einzelner Individuen und/oder Bevölkerungsschichten.[3] Die dabei untersuchten Güter erstrecken sich von elementaren Ressourcen der Grundversorgung (wie beispielsweise Nahrungsmittel, Unterkünfte etc.) zu politischen und bürgerlichen Rechten. Daher hängt der Begriff der Verteilung sehr stark mit dem Begriff der sozialen Gerechtigkeit zusammen. Die Begrenztheit von Ressourcen und Gütern macht politisches Handeln im Sinne einer gerechten Verteilung nach bestimmten wirtschaftlichen aber auch irrationalen Prinzipien notwendig.[4] Das politische Verständnis des Basiskonzepts Verteilung intendiert damit vorwiegend einen Gegenwartsbezug  und ist ein elementares Konzept der demokratiepolitischen Bildung. Dazu gehören aktuelle gesellschaftspolitische Fragestellungen und Kontroversen in nationaler wie globaler Hinsicht (Nord-Süd-Konflikt, Einkommensverteilung, Chancengleichheit etc.).

Historische Betrachtung

[Bearbeiten]

Als Basiskonzept des historischen Lernens lenkt die Untersuchungskategorie der Verteilung den Blick auf die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse von der Antike bis in die heutige Zeit. Damit befasst sie sich mit den verschiedenen Lebensweisen und philosophischen Strömungen zu bestimmten Zeiten. Mögliche Anhaltspunkte wären dabei das aristotelische Verständnis von Gerechtigkeit, die Rechtssatzungen im Imperium Romanum im Sinne Ulpians („suum cuique“), die Entwicklung des christlichen Gerechtigkeitsbegriffs von Thomas v. Aquin[5] bis beispielweise zur katholischen Soziallehre, die Vorstellungen von Gesellschaft bei Marx etc.

Neben dieser ideengeschichtlichen Perspektive bedient sich auch die Alltagsgeschichtsforschung dieses historischen Basiskonzepts. Hierbei lohnt es sich im Unterricht einige Kernthemen wie die Geschichte der Armut[6] bzw. der politischen Partizipation zu erarbeiten.

Betrachtung im Sinne der demokratiepolitischen Bildung

[Bearbeiten]

Aus der obigen historischen Perspektive dieses Basiskonzepts ergibt sich konsequenterweise die Betrachtung gegenwärtiger sozialer, gesellschaftlicher sowie politischer Phänomene. Dabei soll das Basiskonzept Verteilung einen Untersuchungsrahmen bieten, um die politischen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu fördern. Zentrale Anhaltspunkte sind dabei Fragen um Einkommensverteilung, Verteilung von Macht in nationaler wie internationaler Hinsicht, globale Verteilungen (von Arbeit, finanziellen Ressourcen, Produktionsmitteln) etc.

Anwendungsbeispiele für den Unterricht

[Bearbeiten]

Das Basiskonzept der Verteilung kann im Schulunterricht für Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung im Zusammenhang mit verschiedenen Inhalten bearbeitet werden. Folgende Ansätze sollen die vielfältige Einsetzbarkeit dieses Basiskonzepts veranschaulichen:

  • Rechtsverständnis in der Antike: Vergleich zwischen griechischer, attischer Demokratie und der Verteilung von Macht im Imperium Romanum.
  • Die Geschichte der Gewerkschaften: Vom Klassenkampf der Industrialisierung zu den heutigen Lohnverhandlungen der Sozialpartnerschaft.
  • Probleme und Kontroversen im Nord-Südkonflikt: Globale Ungerechtigkeit und Probleme des kapitalistischen Wirtschaftssystems.

Literatur

[Bearbeiten]
  • Rolf Kramer, Soziale Gerechtigkeit. Inhalt und Grenzen (= Sozialwissenschaftliche Schriften. 18). Duncker & Humblot, Berlin 1992, ISBN 3428073436.
  • Christoph Kühberger: Kompetenzorientiertes historisches und politisches Lernen. Methodische und didaktische Annäherungen für Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung (Österreichische Beträge zur Geschichtsdidaktik. Geschichte-Sozialkunde-Politische Bildung 2). Studienverlag, Innsbruck­–Wien­–Bozen 2009, ISBN 105-3706547023.
  • Christoph Kühberger, Aktuelle Tendenzen der historischen Armutsforschung. Verlag für wissenschaftliche Forschung, Berlin 2004, ISBN 3825877132.
  • Bernd Wegener: Gerechtigkeitstheorie und empirische Gerechtigkeitsforschung. In: Hans-Peter Müller, Bernd Wegener (Hrsg.): Soziale Ungleichheit und soziale Gerechtigkeit. Springer, Wiesbaden 1995, ISBN 9783810012173.
  • Bernd Ziegler: Geschichte des ökonomischen Denkens. Paradigmenwechsel in der Volkswirtschaftslehre. De Gruyter Oldenbourg, München-Wien 1998, ISBN 978-3-8100-1217-3.

Einzelnachweise

[Bearbeiten]
  1. Christoph Kühberger: Kompetenzorientiertes historisches und politisches Lernen. Methodische und didaktische Annäherungen für Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung (Österreichische Beträge zur Geschichtsdidaktik. Geschichte-Sozialkunde-Politische Bildung 2). Studienverlag, Innsbruck­–Wien­–Bozen 2009, ISBN 105.3706547023, S. 105f.
  2. Rolf Kramer, Soziale Gerechtigkeit. Inhalt und Grenzen (= Sozialwissenschaftliche Schriften. 18). Duncker & Humblot, Berlin 1992, ISBN 3428073436, S. 5.
  3. Bernd Wegener: Gerechtigkeitstheorie und empirische Gerechtigkeitsforschung. In: Hans-Peter Müller, Bernd Wegener (Hrsg.): Soziale Ungleichheit und soziale Gerechtigkeit. Springer, Wiesbaden 1995, ISBN 9783810012173, S. 195.
  4. Christoph Kühberger: Kompetenzorientiertes historisches und politisches Lernen. Methodische und didaktische Annäherungen für Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung (Österreichische Beträge zur Geschichtsdidaktik. Geschichte-Sozialkunde-Politische Bildung 2). Studienverlag, Innsbruck­–Wien­–Bozen 2009, ISBN 105.3706547023, S. 106.
  5. Bernd Ziegler: Geschichte des ökonomischen Denkens. Paradigmenwechsel in der Volkswirtschaftslehre. De Gruyter Oldenbourg, München-Wien 1998, ISBN 978-3-8100-1217-3, S. 60–78.
  6. Christoph Kühberger, Aktuelle Tendenzen der historischen Armutsforschung. Verlag für wissenschaftliche Forschung, Berlin 2004, ISBN 3825877132, S. 1.