Benutzer:Alina Böhm/Postkarten als Propagandamittel im 1. Weltkrieg

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Postkarten waren zu Zeiten des Ersten Weltkriegs in der österreichisch-ungarischen Monarchie ein wichtiges Propagandamittel. Die Idee zur Bildpostkarte entstand in Österreich-Ungarn durch den in Klagenfurt geborenen Nationalökonomen Emanuel Herrmann zuerst unter dem Namen Correspondenz-Karte. Herrmann schrieb am 26. Jänner 1869 einen Artikel für die Die Neue Freie Presse und empfahl darin, eine offene Postkarte einzuführen. Diese sollte wenig Porto kosten, um kurze, aber wichtige Mitteilungen weitergeben zu können. Am 01. Oktober 1869 wurde dann sogar die erste Postkarte der Welt in Österreich-Ungarn herausgegeben - zunächst jedoch sollte sie nur für die innerländische Korrespondenz verwendet werden. [1]

Ein stolzer Soldat schickt Grüße von der Front

Trotz beschränkter medialer Mittel musste der Staat seine Kriegsführung legitimieren und die jungen Männer des Landes für den Militärdienst motivieren. Um also die Selbstmobilisierung des Volkes zu fördern, setzte Österreich-Ungarn sogenannte Kriegspropagandapostkarten ein. Der Versand und das Sammeln der Postkarten selbst war schon vor Beginn des Ersten Weltkriegs eine in der Bevölkerung beliebte Beschäftigung.


Definition[Bearbeiten]

Die Kriegspropagandapostkarte stellt sich als Ganzsachenpostkarte oder als Ansichtskarte dar. Diese verbreitete sich als Massenmedium sehr schnell, da sie kaum Geld kostete und somit auch für einfache Leute zugänglich war. Sie konnte in Gasthäusern, auf dem Markt, bei Papiergeschäften oder in Kiosken - also fast überall - erworben werden. [2] Oftmals wurden die Kriegspropagandapostkarten von berühmten Malern, Graphikern oder Kunstgewerblern angefertigt. [3] Erstaunlicherweise gab es aber kaum reine Bildpostkarten. Meist wurden unterstützend oder manchmal sogar ausschließlich literarische Elemente auf der Bildseite dargebracht. Schnell konnte die Kriegspropagandapostkarte auch die Aufmerksamkeit von Sammlern auf sich ziehen. Die Industrie sprang darauf an und produzierte unter anderem Sammelalben. Ein im Ersten Weltkrieg besonders bekanntes Sammelalbum ist "Gloria-Viktoria. Der Völkerkrieg in Wort und Bild nach Daten geordnet.". Es umfasst 700 Karten.

Österreichische Postkarte, datiert 28.12.1915, mit Flaggen und Wappen der verbündeten Mächte Deutschland, Österreich und Ungarn. Titel: "Herzlichen Glückwunsch zum Neuen Jahr!"

Besonderheiten im Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

In Österreich-Ungarn verschickten die Soldaten täglich ca. 900.000 Postkarten von ihren Einsatzorten in ihre Heimat. [4]

Lange Zeit herrschte eine zuversichtliche und patriotische Stimmung vor. Man war in Österreich-Ungarn der Meinung, dass der Krieg nur kurz dauern und man ihn sowieso gewinnen würde. Die Motive auf den Propagandapostkarten stützten und förderten diese Ansicht nur noch weiter.

Funktionen[Bearbeiten]

Der damalige Einsatz von Postkarten zur Massenkommunikation macht das Leben der Individuen zeitlich unabhängig schriftlich nachvollziehbar. Das macht es heutzutage leichter zu verstehen, warum die Postkarten für die Kriegspropaganda genutzt wurden.

Die Kriegspropagandapostkarte wurde von staatlichen Organen eingesetzt, um die Bevölkerung in ihren Ideologien, politischen Ansichten oder Motivationen zu beeinflussen. Die emotionelle Mobilmachung [5] Propagandapostkarten sind in ihrem Stil nie neutral gehalten und haben suggestive Kraft. Oftmals sind sie extremistisch, chauvinistisch, diskriminierend, rassistisch, kriegsverherrlichend oder nationalistisch. [6]

Motive[Bearbeiten]

Gar nicht selten wurden die Kriegspropagandapostkarten von Künstlern erstellt, die noch nie an der Front waren oder ein Schlachtfeld gesehen haben. Die Motive für die Postkarten wurden oft im Studio fotografiert. Die Künstler bedienten sich dann der Fotomontage oder färbten Fotos zur erhöhten Dramaturgie farbig ein. Positive Selbstdarstellung und Verteufelung des Feindes: Um das Bild der eigenen Vorherrschaft im Ersten Weltkrieg aufrechtzuerhalten, wurden der Bevölkerung neben patriotischen Symbolen wie Fahnen, Wappen oder Eichenlaub auch Postkarten von großen Feldherren, der Herrscher oder der kaiserlichen Familie Österreich-Ungarns präsentiert.

Der Alltag der Soldaten an der Front mit Banalitäten wie dem Bad oder der Rasur war ebenfalls ein beliebtes Motiv.

Wenn Tote und Verwundete gezeigt wurden, dann zumeist nur aus den gegnerischen Lagern. Wurden ausnahmsweise Verwundete aus dem eigenen Land abgebildet, so wurden diese beispielsweise von bildhübschen Krankenschwestern umsorgt und bekamen sogar hohen Besuch von der kaiserlichen Familie. Das Thema Tod porträtierten die Künstler ebenfalls oft beschönigt: Sterben im Arm der Kameraden, von Gott persönlich in den Himmel geleitet.

Postkarten, die privat aufgenommene Bilder zum Motiv hatten und die Kriegswirklichkeit darstellten, fielen der Zensur zum Opfer. Selbiges gilt auch für künstlerische, realistische Darstellungen von Leid und Tod im Ersten Weltkrieg. [7]

Kriegsanleihen[Bearbeiten]

Die sogenannten Kriegsanleihen wurden auf Postkarten ganz intensiv beworben. Die teils von bekannten Malern erstellten Karten sollten die Bürger dazu anregen, dem Staat Geld für den Krieg zur Verfügung zu stellen. [8]

Rollenbilder im Spiegel der Propagandapostkarten[Bearbeiten]

Der Erste Weltkrieg war ein Männerthema. Daraus ergab sich, dass die Darstellung von Männern in den Kriegspropagandapostkarten die von Frauen deutlich übertraf.

Die Männer wurden in den Propagandapostkarten des Ersten Weltkriegs fast ausschließlich als Soldaten repräsentiert. Die Soldaten wiederum waren Helden. Anonyme Helden jedoch, da kaum Männer mit Namen abgebildet wurden.

Allerdings - trotz der Heroisierung der Männer - brach der Erste Weltkrieg teilweise mit den traditionellen Rollenbildern. Das sieht man an den Visualisierungen von Frauen:

Die Frau besitzt in den Kriegspropagandapostkarten zunächst oft passive Attribute. Für sie und die Kinder würde es sich lohnen, den Krieg zu gewinnen - die Motivation der Soldaten konnte damit durchaus aufrecht erhalten werden. Im Laufe des Krieges änderte sich diese Einstellung deutlich. Die Daheimgebliebenen - Frauen, Kinder und Kriegsversehrte - erhielten die Bezeichnung "Heimatfront". An der Heimatfront hatte man Hunger und Durst stillschweigend zu ertragen. Durch den Krieg rückten die Frauen in Berufsfelder nach, die vorher von Männern dominiert wurden. So gab es plötzlich Mechanikerinnen, Schornsteinfegerinnen oder Landwirtinnen. In den Propagandapostkarten spiegelte sich das natürlich nur positiv wider. Die Frau war begeistert von ihrer neuen Rolle, wartete jedoch hoffend und betend auf ihren starken Soldaten. [9]

Abgrenzung[Bearbeiten]

Die Kriegspropagandapostkarte ist eine sehr spezielle Form und nicht mit der Ansichtskarte gleichzusetzen. Oft ist sie aber mit der sogenannten Feldpostkarte gleichzusetzen. Die Feldpostkarte wurde von den Soldaten portofrei - um die Moral der Soldaten zu stärken - von der Front an die Heimat geschickt, um damit den Kontakt zu Familie und Freunden aufrecht zu erhalten. Diese Karten waren stark der staatlichen Zensur unterworfen. Sie ähneln der Kriegspropagandapostkarte vor allem dahingehend, dass die wirklichen Umstände an der Front zur Kontrolle der Daheimgebliebenen verschwiegen bzw. beschönigt wurden.

Produktion[Bearbeiten]

Die Wissenschaftler Walter Lukan und Max Demeter Peyfuss schätzen, dass im Raum Deutschland und Österreich-Ungarn zwischen 1914 und 1918 mehr als 50.000 unterschiedliche Postkartenmotive hergestellt wurden. Die Produktion konnte innerhalb weniger Jahre von manuellen Drucktechniken, die einen großen Aufwand bedeuteten, auf in Massen produzierende Druckmaschinen umgestellt werden. Die Postkarten gewannen dadurch rasch an Auflagezahl, weshalb sie im weiteren Verlauf fast nur noch von kommerziellen Betrieben produziert wurden. Diese stellten dann ganz im Sinne der Wirtschaft ausschließlich diejenigen Postkarten her, die am meisten nachgefragt wurden.

Die Drucker wandten Techniken des Flach-, Tief-, Hoch-, oder Durchdrucks an. Auch was das Material betraf, kannten sie kaum Grenzen. Einzig und allein die kriegsbedingte Materialknappheit machte ihnen zu schaffen. [10]

Bedeutung für Österreich-Ungarn[Bearbeiten]

Der Erste Weltkrieg war der erste große, wirtschaftliche, industrialisierte und materialisierte Massenkrieg - auch für Österreich-Ungarn brachte diese Tatsache neue taktische Herausforderungen mit sich. Trotzdem gab es in Österreich-Ungarn zu dieser Zeit keine zentrale Stelle für Propaganda. Am ehesten noch könnte das Kriegspressequartier (KPQ) als solches gesehen werden.

Die Propagandaverbreitung übernahmen in Österreich-Ungarn meistens Privatorganisationen, die staatlich gefördert wurden. Oft gaben diese vor karitativ zu handeln und dafür Geld zu benötigen.

Das Türkenbild in den Kriegspropagandapostkarten Österreich-Ungarns[Bearbeiten]

Das Verhältnis des Osmanischen Reichs bzw. der heutigen Türkei und Österreich-Ungarn war vor allem zur damaligen Zeit geschichtlich bedingt angespannt. Die Zurückhaltung Österreich-Ungarns aus den Balkankriegen in den Jahren 1912 und 1913 war dafür in der damaligen Zeit besonders ausschlaggebend. Man war sich gegenseitig zum Feind. Das Verständnis für die jeweils andere Kultur war demnach nur wenig bis gar nicht vorhanden. Eine Gemeinsamkeit hatten beide Länderbünde aber in jedem Fall: sie gingen mit dem Ende des Ersten Weltkriegs unter.

Wurde die Türkei auf den Kriegspropagandapostkarten dargestellt, so wurde aufgrund des geringen Wissens über den Orient vor allem auf Stereotypisierungen zurückgegriffen. Beliebte Symbole waren dabei: [11]

  • Halbmond
  • Rossschweif
  • Rauchzubehör (Wasserpeifen)
  • Kopfschmuck

Der Türke als Person wird in den österreich-ungarischen meist fröhlich und gut gelaunt porträtiert. Zwischen den österreich-ungarischen und den türkischen Soldaten kann in der Darstellung kein Unterschied festgestellt werden. Das ist durchaus verwunderlich, da durchaus ein Überlegenheitsgefühl gegenüber dem Islam und dem Orient in der österreich-ungarischen Bevölkerung vorhanden war.

Die gekrümmte Nase als Stereotyp für die Türkei findet sich auf österreich-ungarischen Postkarten erstaunlicherweise fast nie.

Grenzen der Kriegspropagandapostkarte[Bearbeiten]

Die Postkarten hatte im Ersten Weltkrieg als Mittel zur Propaganda in der Politik eine große Bedeutung. Trotzdem waren die Propagandapostkarten keineswegs kriegsentscheidend. Das liegt unter anderem daran, dass nicht nur Österreich-Ungarn, sondern natürlich auch andere kriegsbeteiligte Länder bzw. Mächte das Massenmedium der Postkarte nutzten. [12]

War sie zwar also nicht kriegsentscheidend, so war die Propagandapostkarte jedoch ein wichtiges Symbol der Kriegsbegeisterung.

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Fürst, Günter Formery: Die Welt des Ansichtskartensammelns. Verlag: Phil Creativ, Schwalmtal 2011, ISBN 978-3-932198-91-5, S. 107, 129 f
  • Angelika Kollmann-Rozin, Joachim Bürgschwendtner: Weihnachten bin ich Zuhause: Patriotismus, Kitsch und Propaganda, Kriegspostkarten 1914-1918. Herausgeber: Stadtmagistrat Innsbruck, Innsbruck 2014, ISBN 978-3-903017-023
  • Paul Noel ARMAND u.a.: Dictionnaire de la cartophilie francophone, Editions P. Armand, 1990, S. 635
  • Otto May: Vom Wachsen lassen zum Führen. Die Ansichtskarte als Zeuge einer versäumten Erziehung zur Demokratie in der Weimarer Republik. Brücke-Verlag Kurt Schmersow, Hildesheim 2003, ISBN 3-87105-032-6.
  • Otto May: Inszenierung der Verführung: die Ansichtskarte als Zeuge einer autoritären Erziehung im III. Reich. Brücke-Verlag Kurt Schmersow, Hildesheim 2003, ISBN 3-87105-033-4.
  • Kerstin Tomenendal: Das Türkenbild in Österreich-Ungarn während des Ersten Weltkriegs im Spiegel der Kriegspostkarten., 2008
  • Weigel, Lukan, Peyfuss: Jeder Schuss ein Russ Jeder Stoss ein Franzos, Christian Brandstätter Verlag, Wien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kerstin Tomenendal: Das Türkenbild in Österreich-Ungarn während des Ersten Weltkriegs im Spiegel der Kriegspostkarten., 2008, S.33
  2. Kerstin Tomenendal: Das Türkenbild in Österreich-Ungarn während des Ersten Weltkriegs im Spiegel der Kriegspostkarten., 2008, S.34
  3. Weigel, Lukan, Peyfuss: Jeder Schuss ein Russ Jeder Stoss ein Franzos, Christian Brandstätter Verlag, Wien, S. 32
  4. Angelika Kollmann-Rozin, Joachim Bürgschwendtner: Weihnachten bin ich Zuhause: Patriotismus, Kitsch und Propaganda, Kriegspostkarten 1914-1918. Herausgeber: Stadtmagistrat Innsbruck, Innsbruck 2014, ISBN 978-3-903017-023
  5. Weigel, Lukan, Peyfuss: Jeder Schuss ein Russ Jeder Stoss ein Franzos, Christian Brandstätter Verlag, Wien, S. 32
  6. Thomas Fürst, Günter Formery: Die Welt des Ansichtskartensammelns. Verlag: Phil Creativ, Schwalmtal 2011, ISBN 978-3-932198-91-5, S. 107, 129 f
  7. Angelika Kollmann-Rozin, Joachim Bürgschwendtner: Weihnachten bin ich Zuhause: Patriotismus, Kitsch und Propaganda, Kriegspostkarten 1914-1918. Herausgeber: Stadtmagistrat Innsbruck, Innsbruck 2014, ISBN 978-3-903017-023
  8. Angelika Kollmann-Rozin, Joachim Bürgschwendtner: Weihnachten bin ich Zuhause: Patriotismus, Kitsch und Propaganda, Kriegspostkarten 1914-1918. Herausgeber: Stadtmagistrat Innsbruck, Innsbruck 2014, ISBN 978-3-903017-023
  9. Angelika Kollmann-Rozin, Joachim Bürgschwendtner: Weihnachten bin ich Zuhause: Patriotismus, Kitsch und Propaganda, Kriegspostkarten 1914-1918. Herausgeber: Stadtmagistrat Innsbruck, Innsbruck 2014, S. 47, ISBN 978-3-903017-023
  10. Angelika Kollmann-Rozin, Joachim Bürgschwendtner: Weihnachten bin ich Zuhause: Patriotismus, Kitsch und Propaganda, Kriegspostkarten 1914-1918. Herausgeber: Stadtmagistrat Innsbruck, Innsbruck 2014, ISBN 978-3-903017-023
  11. Kerstin Tomenendal: Das Türkenbild in Österreich-Ungarn während des Ersten Weltkriegs im Spiegel der Kriegspostkarten., 2008, S.50
  12. Angelika Kollmann-Rozin, Joachim Bürgschwendtner: Weihnachten bin ich Zuhause: Patriotismus, Kitsch und Propaganda, Kriegspostkarten 1914-1918. Herausgeber: Stadtmagistrat Innsbruck, Innsbruck 2014, ISBN 978-3-903017-023

Weblinks[Bearbeiten]

Unterrichtsmaterialien zur österreich-ungarischen Kriegspropaganda

Kriegspropagandapostkarten in Deutschland