Benutzer:Victoria Koffler/Der erste Weltkrieg als Thema in der Propaganda des Nationalsozialismus

Aus Wikiversity
Zur Navigation springen Zur Suche springen


Der erste Weltkrieg als Thema in der Propaganda des Nationalsozialismus beruht auf der Dolchstoßlegende, dem Versailler Vertrag, der demokratische Politik und der Hyperinflation in der Zwischenkriegszeit und der Tatsache, dass das Deutsche Reich den Erste Weltkrieg verloren hat. Weitere Themen in der Propaganda des Nationalsozialismus waren der Sozialdarwinismus, der Antisemitismus, der Rassismus, die Volksgemeinschaft, das Heldentum und das nationalsozialistische Frauenbild.

In der Zeitgeschichte ist man der Meinung, dass es den extremen Rechten der Weimarer Republik nicht nur um das "Ob" eines europaweiten Krieges ging, sondern um das "Wann und "Wie". Eine zentrale Schuldzuweisung der Rechten auf die Niederlage des ersten Weltkrieges wurde von den Rechten aber auf die Juden geschoben, mit Vorwurf, dass diese an der Front und in der Heimat untergraben hätten. Dies führt weiter zur Dolchstoßlegende, die von den Anhängern des Nationalsozialismus zu jeder Gelegenheit aufgegriffen wurde und schließlich auch in Adolf Hitlers Drohung, das europäische Judentum zu vernichten, Teil war. Der erste Weltkrieg war im Nationalsozialismus durch Emotionen geprägt und stellte damit die perfekte Unterlage für die nationalsozialistische Propaganda und Mobilmachung der Bevölkerung.[1]

Der verlorene Erste Weltkrieg und die Juden als Sündenbock[Bearbeiten]

Die historische Schuld des Weltjudentums am Ausbruch und an der Ausweitung dieses Krieges ist so hinreichend erwiesen, daß darüber keine Worte mehr zu verlieren sind. Die Juden wollten ihren Krieg, und sie haben ihn nun. Aber es bewahrheitet sich an ihnen auch die Prophezeiung, die der Führer am 30. Januar 1939 im Deutschen Reichstag aussprach, daß, wenn es dem internationen Finanzjudentum gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, daß Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein werde, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa.[2]

Der erste Weltkrieg stellte ein wichtiges Thema in Hitlers anfänglichen Propagandareden dar. Im Laufe der Zeit verlor das Thema für seine Reden an Bedeutung und stand nicht mehr im Mittelpunkt. Kam es dennoch zur Sprache, war wurde es in Verbindung mit dem Versagen der Heimatfront und der Dolchstoßlegende gebracht. Aus Tonaufnahmen von Hitlers Reden ist herauszuhören, wie Hitler die Entscheidungen mit Bezugnahme auf den Ersten Weltkrieg rechtfertig.[3] Auch Josef Göbbels nutzte den ersten Weltkrieg als Thema in seinen Propagandaansprachen. Er legte den Fokus auf das historische Ereignis des Weltkrieges. [4] Göbbels nutzt auf Begriffe wie "Kriegsschuld" und "Versailles" in seinen Reden, um die Propaganda voranzutreiben.

Dolchstoßlegende[Bearbeiten]

Die Dolchstoßlegende als Karikatur aus dem Jahr 1924 von Philipp Scheidemann und Matthias Erzberger zeigt, wie die deutschen Frontsoldaten des Ersten Weltkrieges von hinten mittels eines Dolches ermordet werden.

Adolf Hitlers Machtergreifung beruht zu einem großen Teil am Ersten Weltkrieg und den dadurch entstehenden Verschwörungstheorien wie die Dolchstoßlegende oder das Weltjudentum. Die Dolchstoßlegende, oder auch die "Dolchstoßlüge" ging vom damaligen Feldmarschall Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff aus, und besagte, dass die deutsche Armee des ersten Weltkrieges am Feld unbesiegt gewesen sei, aber "von hinten erdolcht wurde". Nationalsozialisten und Antisemiten ergänzen diese Legende zusätzlich noch mit dem Trugbild vom "internationalen Judentum". In der Zeitgeschichte gilt die Dolchstoßlegende als bewusste Geschichtsfälschung und förderte den Aufstieg des Nationalsozialismus entscheidend. Auch in den nationalsozialistischen Medien und in der nationalsozialistischen Kunst spielte die Dolchstoßlegende eine wichtige Rolle. So wurden Filme genutzt um das sämtliche Feindbilder bis zur Dochstoßlegende dem Publikum visuell vermitteln zu können und neu aufleben lassen können. [5]

Hitlers Rolle als Soldat im Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Adolf Hitler im Ersten Weltkrieg

Bis heute ist die Frage, welche Bedeutung der Erste Weltkrieg für Adolf Hitler als Soldat und für seine politische Position hatte, ungeklärt. In der Zeitgeschichte ist man jedoch der Meinung, dass Hitlers ständige Betonung als "unbekannter Soldat" ihm zum Aufstieg der Macht verhalf. Vor allem in der Propaganda im Ausland, beispielsweise in Frankreich, spielte dieses Bild Hiterls eine zentrale Rolle.[6] Die Meinungen der Historiker gehen bei Hitler als Soldat im Ersten Weltkrieg in Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus auseinander. So ist Ian Kershaw der Meinung, Der Krieg und die Folgen haben Hitler erschaffen [7], während Thomas Weber sagt, Hitlers Zukunft und seine politische Identität waren noch vollkommen offen und formbar, als er aus dem Krieg zurückkehrte.[8] Adolf Hitler wurde am 16. August 1914 Soldat und erhielt eine Kurzausbildung in einem Rekrutendepot des 2. Königlichen Bayrischen Infanterie-Regiments. Später wurde er in der 1. Kompanie des I. Bataillons im 16. Königlich Bayrischen Reserve-Infanterie-Regiment weiter ausgebildet. Seine Rolle als Soldat im Ersten Weltkrieg verarbeitet Hitler in seiner Kampfschrift Mein Kampf, in dem er sich als "Held aus des Volkes Mitte" [9] darstellte.

Der Jude als Feindbild[Bearbeiten]

Plakat des Reichsbund jüdischer Frontsoldaten

Schon während des ersten Weltkrieges wurde der Jude als Feindbild für antisemitische Hetze und Propaganda genutzt. So war die Rede vom "jüdischen Schieber", vom "jüdischen Bolschewisten" und vom "Drückeberger". Mit der Judenzählung im deutschen Heer am 1. November 1916 wurde dieses Feinbild nochmals verstärkt.[10] Juden wurden als ein Sicherheitsrisiko gesehen und so kam es zu dem Schluss, dass alle Juden "ausgeschaltet" werden müssten. [11] Im Zuge des "weltanschaulichen Unterrichts" ab 1937 wurden die Gefahren des "Weltjudentums" und den "jüdischen Bolschewisten" unterrichtet und somit das Feindbild verstärkt. In der Weltanschauung des Nationalsozialismus waren es die Juden die Schuld an der Zersetzung der Heimatfront, ebenso waren sie laut ihnen an der Hyperinflation und am "Schandfrieden von Versaille" schuld. [12] Um dem Antisemitismus gegenzusteuern, wurde der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten im Februar 1919 von Leo Löwenstein gegründet.

Friedensvertrag von Versailles in der Propagandas des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Reichsgesetzblatt über den Friedensbeschluss zwischen den alliierten Mächten und Deutschland vom 12. August 1919

Die Rache an den Siegermächten des ersten Weltkrieges war ebenso ein zentraler Anhaltepunkt der NS-Propaganda. Mit dem Friedensvertrag von Versailles sahen die Rechten und Rechtsextremen Deutschlands ihre nationale Ehre verletzt und immer wieder kam es zu Putschversuchen gegenüber der Weimarer Republik. In der NS-Propaganda wurde der Vertrag von Versaille zum Feindbild und den Gebietsverlust des Deutschen Reiches gemacht. Konkret wurde die "nationale Schmach" des Versailler Vertrags dazu benutzt um die Bevölkerung zu mobilisieren und die Ideologie zu festigen. [13] Deutschland musste mit dem Friedensvertrag vom Mai 1919 ein Siebtel des ehemaligen Territoriums abtreten, so gingen unter anderem Elsass-Lothringen an Frankreich und Posen und Westpreußen gingen an Polen. Dazu kamen strickte Regelungen zur Stärke des deutschen Heeres. Die Berufssoldaten waren auf 100.000 Mann beschränkt, die Marine durfte nur 15.000 Mann haben. Es gab starke Einschränkungen im Waffenbesitz der Reichswehr und auch in der zivilen Luftfahrt. Der Punkt des "Kriegsschuldartikels" im Friedensvertrag von Versailles, bei dem das Deutsche Reich zu erheblichen Reparationsforderungen aufgefordert wurde, wurde von sämtlichen politischen Parteien Deutschlands abgelehnt. Um nicht die komplette Verantwortung für die Unterzeichnung des Vertrages tragen zu müssen, legte das ganze Kabinett von Reichskanzler Philipp Scheidemann im Juni 1919 ihr Amt nieder. Schlussendlich wurde der Vertrag aber am 28. Juni 1919 dennoch unterschrieben. [14] Diese Tatsache stoß auf großen Unmut innerhalb der Bevölkerung und sprach von einem "Schandfrieden" vom "Versailler Diktat".[15]

Zwischenkriegszeit in der Propaganda des NS-Regimes[Bearbeiten]

Hyperinflation in der Zwischenkriegszeit[Bearbeiten]

(...) in diesen Nachkriegsjahren wuchs er zu einem entscheidenden politischen Faktoren in allen öffentlichen Angelegenheiten heran. Die Atmosphäre des öffentlichen Lebens der zwanziger Jahre schien geladen mit der schwülen und unheilvollen, diffusen Irritabilität einer Strindberghschen Familientragödie. Denn der Hass konnte sich auf niemand und nichts wirklich konzentrieren (...). So drang er in alle Poren de täglichen Lebens und konnte sich nach allen Richtungen verbreiten, konnte die phantatischsten, unvorhersehbarsten Formen annehmen; nichts blieb vor ihm geschützt, und es gab keine Sache in der Welt, bei der man sicher sein konnte, daß der Hass sich nicht plötzlich gerade auf sie konzentrieren würde.[16]

Am 24. Oktober 1929 kam es zum folgenschwersten Börsencrash der Geschichte und hatte die Weltwirtschaftskrise zur Folge. Auch Deutschland blieb nicht davon betroffen und gemeinsam mit den hohen Reparationszahlungen kam es zu einer Hyperinflation. Das Zusammenspiel aus der wirtschaftlichen Instabilität, der daraus entstehenden hohen Arbeitslosenquote, fast sechs Millionen Menschen wurden arbeitslos, und der Armut in der Bevölkerung führte dazu, dass die Bevölkerung das Vertrauen in die Weimarer Republik verlor und sich eine politische Veränderung wünschten.[17] In der Propaganda des Nationalsozialismus wurde dieses Tatsache aufgegriffen und als Chance für eine Revolution und neue Ordnung in ihrem Sinn gesehen. [18]

Zwischenkriegszeit und Austrofaschismus[Bearbeiten]

Die Weltwirtschaftskrise in der Zwischenkriegszeit war aufgrund der hohen Inflation, der hohen Arbeitslosigkeit und der Perspektivenlosigkeit der Menschen Nährboden für den Nationalsozialismus und war ebenso ein Teil für dessen Aufstieg. In Österreich kam es in Folge von politischen Gewaltausbrüchen, dem Justizpalastbrand und politischen Terror schließlich im Februar 1934 zum Bürgerkrieg und zum Verbot aller politischer Organisationen und dem Ende der demokratischen Republik. Ein autoritärer Ständestaat unter Bundeskanzler Engelbert Dollfuß und Kurt Schuschnigg läutete den Beginn des Nationalsozialismus in Österreich ein. [19]

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Mergel: "Führer, Volksgemeinschaft und Maschine. Politische Erwartungsstrukturen in der Weimarer Republik und dem Nationalsozialismus 1918-1936". In: Politische Kunstgeschichte in der Zwischenkriegszeit 1918-1939. Wolfgang Hardtwig (Hg.). Vanderhoeck & Ruprecht, 2005. ISBN 3-525-36421-0
  • Hannah Arendt: "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. München 1986 ISBN 978-3-492-21032-4
  • Gerd Krumeich: "Nationalsozialismus und Erster Weltkrieg". Essen 2010 ISBN 978-3-8375-0195-7
  • Simon Dubnow: Buch des Lebens. Erinnerungen und Gedanken. Materialien zur Geschichte meiner Zeit, Bd. 2: 1903-1922, hg. im Auftrag des Simon-Dubnow-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur von Verena Dohrn, Göttingen 2005
  • Hans-Christian Kokalj: „Kampf um die Erinnerung“. Jüdische Frontkämpfer des Ersten Weltkriegs und ihr Widerstand gegen die rechtspopulistische Propaganda in der Weimarer Republik. In: Tobias Arand (Hrsg.): Die „Urkatastrophe“ als Erinnerung. Geschichtskultur des Ersten Weltkriegs. Münster 2006, ISBN 3-934064-67-1, S. 81–98.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christian Koch:"Nationalsozialismus und Erster Weltkrieg" H/Soz/Kult Online, Düsseldorf 2009
  2. Joseph Göbbels: Die Juden sind schuld. In: Das Reich, Nr. 46 (16.11.1941). S.1
  3. Gerd Krumeich:"Nationalsozialismus und Erster Weltkrieg" Essen 2010
  4. Christian Koch:"Nationalsozialismus und Erster Weltkrieg" H/Soz/Kult Online, Düsseldorf 2009
  5. Christian Koch:"Nationalsozialismus und Erster Weltkrieg" H/Soz/Kult Online, Düsseldorf 2009
  6. Christian Koch:"Nationalsozialismus und Erster Weltkrieg" H/Soz/Kult Online, Düsseldorf 2009
  7. Ian Kershaw: Hitler. 1889–1936. 1998, S. 126.
  8. Thomas Weber: Hitlers erster Krieg. Berlin 2011, S. 337.
  9. Was-War-Wann:Adolf Hitler als Soldat im Ersten Weltkrieg.
  10. Christian Koch:"Nationalsozialismus und Erster Weltkrieg" H/Soz/Kult Online, Düsseldorf 2009
  11. Simon Dubnow: Buch des Lebens. Erinnerungen und Gedanken. Materialien zur Geschichte meiner Zeit, Bd. 2:1903-1922, hg. im Auftrag des Simon-Dubnow-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur von Verena Dohrn, Göttingen 2005. S. 248
  12. Gerd Krumeich:"Nationalsozialismus und Erster Weltrkieg" Essen 2010
  13. Arnulf Scriba: "Die NS-Propaganda". Lebendiges Museum Online. Deutsches Historisches Museum, Berlin 2015
  14. Arnulf Scriba: "Der Versailler Vertrag". Lebendiges Museum Online. Deutsches Historisches Museum, Berlin 2014
  15. Andrea Böhnke: "Die Basis für Hitlers Weg zur Macht". Planet-Wissen.de 2016
  16. Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, München 1986, S. 423
  17. Andrea Böhnke: "Die Basis für Hitlers Weg zur Macht". In: Planet-Wissen.de 2016
  18. Thomas Mergel: "Führer, Volksgemeinschaft und Maschine. Politische Erwartungsstrukturen in der Weimarer Republik und dem Nationalsozialismus 1918-1936". In: Politische Kulturgeschichte der Zwischenkriegszeit 1918-1939. Wolfgang Hardtwig (Hg.). Vandenhoeck & Ruprecht, 2005. ISBN 3-525-36421-0, S. 92-93
  19. http://www.erinnerungsort.at/thema8/u_thema1.htm

Weblinks[Bearbeiten]

[Nationalsozialismus und Erster Weltkrieg]- H/Soz/Kult

[NS-Propaganda] - Lebendes Museum Online über den Nationalsozialismus

[Versailler Vertrag] - Lebendes Musum Online über den Friedensvertrag von Versailles

[Basis für Hitlers Weg zur Macht] - Planet-Wissen.de über den Aufstieg Adolf Hitlers

[Adolf Hitler im Ersten Weltkrieg] - Was War Wann? Geschichte von 0000 bis gestern

[der politischen Radikalisierung: Demokratie und Politik in der Zwischenkriegszeit] - Erinnerungsort.at