Benutzer:Xenos/Genesis 1,1 - 2,4

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Kommentierte Rückübersetzung der romanischen Bibelübersetzung von Rudolf Filli und Jachen Ulrich Gaudenz [[1]] ins Deutsche, zugleich eine erneuerte Sicht auf die Luther- und die Zürcher Bibel durch das Rätoromanische als Vertiefungssprache:

Genesis 1,1 - 2,4 ( > Genesis 2,4b - 2,25)

(1,1) Als Urtat[1] schuf sich Gott Himmel und Erde zu[2]. (2) Aber die Erde war lebensleer und öde[3], und Düsternisse[4] bedeckten die Tiefe, und der Geist Gottes regte sich über den Wassern. (3) Und Gott sprach[5]: Auf dass Licht geschehe ! Und Licht geschah. (4) Und Gott sah, dass das Licht gut war, und Gott sonderte das Licht von der Düsternis ab. (5) Und Gott nannte das Licht Tag, aber die Düsternis nannte er Nacht. So wurde es Abend und wurde es Morgen: ein erster Tag.

(6) Und Gott sprach: auf dass eine Feste sei zwischen den Wassern, die die Wasser voneinander scheidet ! Und es geschah so. (7) Gott machte die Feste und trennte derart die Wasser unter der Feste von den Wassern über der Feste. (8) Und Gott nannte die Feste Himmel. So wurde es Abend und wurde es Morgen: ein zweiter Tag.

(9) Und Gott sprach: auf dass sich sammeln die Wasser unter dem Himmel an einem Ort, damit das Trockene zum Vorschein komme ! Und es geschah so. (10) Und Gott nannte das Trockene Erdboden, aber die Wassermenge nannte er Meer. Und Gott sah, dass es wohlgetan[6] war. (11) Und Gott sprach: auf dass die Erde frisches Grün hervortreibe, Gras, das seinen Samen trage, und fruchtbare Bäume, von denen ein jeder nach seiner Art Frucht trage auf der Erde mit seinem Samen bei sich selbst ! Und es geschah so. (12) Die Erde trieb ein frisches Grün hervor: Gras, das seinen Samen gemäss seiner Art trägt, und Fruchtbäume mit eigenem Samen gemäss ihrer Art. Und Gott sah, dass es wohlgetan war. (13) So wurde es Abend und wurde es Morgen: ein dritter Tag.

(14) Und Gott sprach: auf dass Lichter an der Feste des Himmels geschehen, um den Tag von der Nacht zu scheiden ! Und das seien Zeichen um die Zeiten zu unterscheiden, die Tage und die Jahre. (15) Und sie sollen an der Feste des Himmels dienen als Lichter, die auf die Erde scheinen. Und es geschah so. (16) Dann machte Gott zwei grosse Lichter: das grössere Licht, dass es den Tag regiert, und das kleinere Licht, dass es die Nacht regiert, dazu die Sterne. (17) Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, (18) damit sie auf die Erde leuchten und herrschen über den Tag und die Nacht und das Licht von der Düsternis scheiden. Und Gott sah, dass es wohlgetan war. (19) So wurde es Abend und wurde es Morgen: ein vierter Tag.

(20) Und Gott sprach: auf dass die Wasser wimmeln von Lebewesen, und Vögel sollen fliegen über der Erde unter der Feste des Himmels ! Und es geschah so. (21) Dann schuf sich Gott die Meeresriesen zu und all das, was lebt und sich regt darinnen und wovon die Wasser wimmeln, dazu von jeder Art Geflügel, ein jedes nach seiner Art. Und Gott sah, dass es wohlgetan war. (21) Und Gott segnete sie, indem er sprach: Tragt Frucht und vermehrt euch und füllt die Wasser des Meeres; und auch die Vögel sollen sich vermehren auf der Erde. (23) So wurde es Abend und wurde es Morgen: ein fünfter Tag.

(24) Und Gott sprach: auf dass die Erde Lebewesen hervorbringe, Vieh, Kriechtiere und Wild des Feldes, ein jedes Tier nach seiner Art ! (25) Und Gott schuf sich all die unterschiedlichen Arten des Wildes und des Viehs und all dessen zu, das auf der Erde kriecht. Und Gott sah, dass es wohlgetan war.

(26) Und Gott sprach: lasst uns Menschen machen nach unserem Gleichbild[7], uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über das Wild des Feldes und über all das, was kriecht und was sich auf der Erde bewegt. (27) Und Gott schuf sich den Menschen nach seinem Gleichbild zu - gemäss dem Gleichbild Gottes schuf er ihn sich zu; als Mann und als Frau hat er sie sich zugeschaffen. (28) Und Gott segnete sie, indem er ihnen zusprach: Tragt Frucht und vermehret euch und füllt die Erde und machet sie euch untertan; und herrscht über die Fische im Meer und die Vögel des Himmels, über das Vieh und über alles Getier, das sich auf der Erde bewegt. (29) Und Gott sprach: Siehe, ich gebe euch all die Gräser, die Samen treiben und die auf der Erde wachsen, dazu all die Fruchtbäume mit Samen darinnen. Das soll eure Speise sein. (30) Aber allem Getier der Erde und allem Gefieder des Himmels und all dem, was sich bewegt auf der Erde und was Lebensatem in sich hat, gebe ich all die grünen Gräser zur Speise. Und es geschah so. (31) Und Gott führte sich all das zu Gemüte, was er getan hatte, und siehe, es war sehr gut. So wurde es Abend und wurde es Morgen: ein sechster Tag.

(2,1) So wurden vollendet Himmel und Erde mit all ihren auf Gott hörenden Kräften[8]. (2) Und Gott vollendete am siebten Tag sein Werk, das er getan hatte, und er ruhte am siebten Tag von all seinen Werken, die er getan hatte. (3) Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn; denn an jenem Tag hatte Gott geruht von seinen Werken, die er sich zugeschaffen und vollendet hatte. (4) Das ist der Ursprung des Himmels und der Erde, als sie gottgeschaffen[9] wurden.


Kommentar

  1. romanisch principi = Anfang (chronologisch) u. Urgrund (fundamental), zudem kombiniert mit der Tat des Schaffens, crear
  2. Das Grundproblem, wie das für das göttliche Schaffen exklusive hebräische ברא in eine indogermanische Sprache übertragen werden kann, wo das Schaffen des Schöpfers und des Geschöpfes dasselbe Verb verwendet. Hier der Vorschlag eines reflexiven "Sich Zu-Schaffens". Dies vermag kein Geschöpf zu tun.
  3. Lautmalerische Entsprechung des romanischen deserta e vöda
  4. Lautmalerische Nachahmung des romanischen s-chürdüm
  5. der romanische etymologische Zusammenhang von dir (reden) und ir (gehen) könnte wiedergegeben werden: Gott sprach = Gott gab sein Wort auf den Weg
  6. romanisch bainfat, also nicht einfach gut, sondern gutgetan - im Deutschen: eine Wohltat, d.h. das Gute dient jemandem, es kommt zugute
  7. das romanische imagna meint ein Bild, das abgeglichen wird mit einem Bezugsgegenstand; im Deutschen daher: Gleichbild
  8. romanisch altertümlich exercit, also all das, was sich übt im Dienst vor Gott, was auf seine Weisungen hört
  9. hier kann das reflexive "sich Zuschaffen" aufgrund des Passivs nicht verwandt werden