Benutzer:Xenos/Genesis 2,4b - 2,25

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Kommentierte Rückübersetzung der romanischen Bibelübersetzung von Rudolf Filli und Jachen Ulrich Gaudenz [[1]] ins Deutsche, zugleich eine erneuerte Sicht auf die Luther- und die Zürcher Bibel durch das Rätoromanische als Vertiefungssprache:

Genesis 2,4b - 2,25 ( < Genesis 1,1 - 2,4)

(2,4b) Zur Zeit, als Gott der zeichenmächtige Herr[1] Erde und Himmel machte, (5) gab es auf der Erde noch kein Feldgesträuch, und noch sprosste kein Gras auf den Fluren; denn Gott der Herr hatte noch nicht regnen lassen auf der Erde. Und es war noch kein Mensch da, um den Erdboden zu bestellen. (6) Aber es brach aus der Erde ein Wasserdampf hervor[2], der das Land tränkte. (7) Und Gott der Herr bildete den Menschen aus der Erde des Feldes und blies in seine Nase Lebensatem. So trat in Kraft der Mensch als eine lebendige Seele.

(8) Sodann pflanzte Gott der Herr einen Garten in Eden nach Morgen hin und setzte in ihn den Menschen, den er gebildet hatte. (9) Und Gott der Herr liess wachsen aus der Erde Gebäum von jedweder Art, erfreulich anzuschauen und schmackhaft zu essen, und den Baum des Lebens mittendrin im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und des Schlechten. (10) Und ein Fluss entsprang in Eden, um den Garten zu wässern; und von da aus teilte er sich in vier Zweige auf. (11) Der erste trug den Namen Pison; das ist jener, der das gesamte Land Havila umfliesst, wo man Gold findet. (12) Und das Gold jenes Landes ist kostbar. Da kommt auch das Harz Bedellion vor, und der wertvolle Onyxstein. (13) Der zweite Fluss trägt den Namen Gihon; das ist jener, der das gesamte Land Cusch umfliesst. (14) Der dritte Fluss trägt den Namen Hidekel; das ist jener, der Richtung Osten von Assur fliesst. Und der vierte Fluss ist der Eufrat. (15) Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn pflege und besorge. (16) Und Gott der Herr gab dem Menschen die Anordnung: Von allem Gebäum des Gartens darfst du essen, aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Schlechten kannst du nicht[3] essen; denn sobald du von ihm essen wirst, musst du sterben.

(18) Daraufhin sprach Gott der Herr: es ist nicht gut für den Menschen, dass er allein sei; ich will ihm eine Hilfe geben, die für ihn geeignet ist. (19) Dann bildete Gott der Herr aus der Erde all die Tiere des Feldes und all die Vögel des Himmels und führte sie zum Menschen um zu sehen, welchen Namen dass er ihnen gäbe. Und genauso, wie der Mensch sie nennen würde, hätten sie zu heissen. (20) Und der Mensch gab allem Vieh und allen Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes ihren Namen. Aber für den Menschen fand er[4] keine Hilfe, die sich für ihn geeignet hätte. (21) Da liess Gott der Herr einen tiefen Schlaf über[5] den Menschen kommen, so dass er einschlief. Und er nahm aus seinen Rippen und schloss jene Stelle mit Fleisch. (22) Und Gott der Herr bildete eine Frau aus jener Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, und führte sie hin zum Menschen. (23) Und der Mensch sprach: das ist endlich Knochen nach meinem Knochen und Fleisch nach meinem Fleisch. Sie soll den Namen "(die) Manne"[6] tragen; denn sie ist ganz vom Mann. (24) Deshalb verlässt der Mann Vater und Mutter und hängt sich an sein Weib, und sie werden ein Fleisch sein. (25) Und alle beide, der Mensch und seine Frau, waren nackt und sie schämten sich gar nicht[7].


Kommentar:

  1. romanisch il Segner kann in dem tiefen Wortsinn mit segnar = bezeichnen, mit Zeichen versehen in Zusammenhang gesehen werden. Gott als der Herr ist dann der Zeichenmächtige, der jedwedem Geschehen Bedeutungskraft verleiht. Noch besser wäre: der Herr der Lebenszeichen, d.h. der, von dem kraft seiner Taten alles Leben kommt und als Leben erkennbar ist.- Im überlieferten Deutschen kehrt der Zusammenhang im Begriff segnen = mit dem Zeichen des Lebens versehen wieder.
  2. romanisch prorumper = hervorbrechen: das Leben begegnet grundsätzlich Widerstand - und überwindet ihn.
  3. im Romanischen nu poust = du kannst nicht: verneinter Potential. Es ist kein göttlicher Befehl i.S. des du darfst nicht, sondern Ausdruck der unmöglichen Möglichkeit des Menschen, aus dem Heil herauszufallen.
  4. Unklar, ob mit er der Mensch oder Gott als Subjekt gemeint ist.
  5. romanisch sur = über; der Schlaf kommt über den Menschen, der doch alles Geschaffene unter sich haben soll. Der Schlaf ist darum Ausdruck göttlichen Schaffens.
  6. Luthers Uebersetzung Männin ist kongenial - mit dem Schönheitsfehler, dass der Umlaut ä die Gleichheit bereits in der ersten Silbe phonetisch aufhebt. Im Romanischen wird dies vermieden: hom - homessa.
  7. im Romanischen "nu" + "brich" als verstärkte Verneinung; hier wohl Ausdruck des scharf ausgearbeiteten Kontrastes zur Welt der Scham ausserhalb des Garten Edens