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Hans Castorps Schneetraum: Zusammenfassung

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Zusammenfassung[Bearbeiten]

Das Kapitel «Schnee» mit Hans Castorps Schneetraum zählt zu den Höhepunkten in Thomas Manns Roman «Der Zauberberg» (1924).

Die erste Hälfte, von Thomas Mann Bildertraum genannt, beschreibt vier Szenen, die mythisch anmuten. Diese Traumbilder werden zunehmend expressiver und steigern sich bis hin zu Erschrecken und Grauen. Der anschließende Gedankentraum (Thomas Mann) besteht aus einer langen Folge von aufgelockerten bis sprunghaften Assoziationen. Sie münden in einen emphatischen, lebensbejahenden Appell, der als einzige Textstelle des Romans kursiv gedruckt ist. Dieser vitale Imperativ ist ein hoch persönliches Bekenntnis Thomas Manns, denn als Maxime für jedermann wäre er zu selbstverständlich.

Etwa zwischen mittlerem und letztem Drittel des Romans eingeschaltet, widerruft der Schneetraum die morbide Décadence–Stimmung, die zuvor und auch danach in dem Sanatoriums-Roman herrscht. Mit der humanistischen Gegenposition verabschiedet Thomas Mann ein von ihm bis dahin wiederholt bearbeitetes literarisches Motiv, vom dem wusste, dass sich dahinter seelische Eigengefährdung verbarg: Seine Sympathie mit dem Tode. [1]

Nach «Der Zauberberg» sind es Humanität und mythische Weltsicht, die fortan Thomas Manns Sprachwerke prägen. Hans Castorps Schneetraum kündet diesen Paradigmenwechsel an. Im Rückblick hat Thomas Mann den «Zauberberg» das Erzählwerk meines Mannesalters genannt [2] und ihn als den Übergang zum zweiten Teil seines Lebenswerks bezeichnet, der die Tetralogie «Joseph und seine Brüder», den Goethe-Roman «Lotte in Weimar» und das vielschichtige Alterswerk «Doktor Faustus» umfasst. [3]

  1. Mann, Thomas: Der Zauberberg. Frankfurt am Main: S. Fischer 2005, S. 897
  2. Meine Zeit. Vortrag[,] gehalten in der Universität Chicago Mai 1950.
  3. Thomas Mann am 29.03.1949 an Hermann Ebers. Der Hochstapler-Roman, begonnen 1909 ( Hansen,V. und G. Heine), beendet 1954, lag zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor.


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